IM Mallorca - Wettkampfbericht Teil 4
Heute kommt mein letzter Blogartikel zum Ironman Mallorca. Wer an einem kürzeren Wettkampfbericht interessiert ist, kann nächste Woche mal auf meiner eigenen Homepage vorbeigucken. Ansonsten findet sich das Schwimmen hier, die Radfahrerei hier und der Marathon hier.
Der Ironman Mallorca in Zahlen:
9:35:20 Std
2. Platz Altersklasse 18-24
102. Platz Gesamtwertung gemischt (inkl. Profis)
4. Frau ;-) (inkl. Profis)
99. Platz Gesamtwertung Männer (inkl. Profis)
110. Rang nach dem Schwimmen (inkl. Profis)
180. Rang nach dem Rad fahren (inkl. Profis)
102. Rang nach dem Laufen (inkl. Profis)
6. Rang nach dem Schwimmen in der AK
3. Rang nach dem Rad fahren in der AK
2. Rang nach dem Laufen in der AK
aktuelle Platzierung in der Ironmanjahresweltrangliste der AK: 6 (von 1193)
3,8km Schwimmen: 54:10 min
Wechselzone 1: 3:36
180km Rad: 5:16:57
Wechselzone 2: 3:00
Marathon laufen: 3:17:37
Verbrannte Kalorien: 5744
Durchschnittspuls: 131
Maximalpuls: 205 (am Start)
Verlorenes Gewicht am Wettkampftag: 3,1 kg
Gewicht seitdem wieder zugenommen: 0,9 kg
blaue Zehnnägel durch Blutblasen beim Marathon: 4
Sonnenbrand: auf den Schultern ein bisschen
Muskelkater: 5 Tage lang
gegessene Sportgele von Dextro Energy am Wettkampftag: 23
getrunkene Liter am Wettkampftag: ca. 10
absolvierte Schritte am Wettkampftag: ca. 53000
neu gekaufte Gürtel in den letzten 11 Monaten aufgrund Gewichtsreduktion: 2
Schwimmkilometer 2014: 236
Radkilometer 2014: 7562
Laufkilometer 2014: 1762
Trainingsstunden: viel zu viele
benötigte Tage um Hawaii zu realisieren: aktuell 12, täglich steigend
tägliche Blogartikelleser: ~ 130
benötigte Tage, um wieder Bock auf Sport zu haben: 2
benötigte Tage, um wieder Bock auf einen Ironman zu haben: 2
Mittagsstunden seit dem Wettkampftag: fragt nicht. Viele.
Nächte mit Träumen von Mallorca: unzählige
Nächte mit Träumen von Hawaii: kommen hoffentlich noch. Aktuell schlafe ich so tief, dass ich mich an keinen Traum, geschweige denn an jegliche Bewegungen von mir im Schlaf erinnern kann.
Wie es mir jetzt geht? Mir geht es gut. Körperlich bin ich wieder ziemlich fit. Ich fühle mich einzig und allein mental ziemlich ausgelaugt. Ich beschreibe das in etwa so, dass der Prozessor beim Computer noch überlastet ist. Irgendwann hat man beim Ironman den Punkt erreicht, dass der Körper nicht mehr will. Ab da an läuft man nur noch mit dem Kopf, ergo der Kopf braucht mMn am Längsten zum Regenerieren und wieder frisch werden. Manchmal habe ich meine 30min, in denen ich massiv Bock auf Sport habe und danach liege ich aber wieder im Bett und schlafe ohne mich überhaupt bewegt zu haben. Die ersten Tage nach dem Wettkampf bin ich mittags auch gerne einfach so im Sitzen mal eingenickt. Das Kribbeln und die Unruhe im Körper werden aber von Tag zu Tag größer. Ich freue mich wieder auf lockeres Laufen und bei gutem Herbstwetter auch aufs Radeln. Die Laune für Schwimm- und Athletiktraining hält sich aber noch stark in Grenzen.
War das mein perfektes Rennen?
Nein. Da muss ich nicht lange überlegen. Die Schwimmleistung ist ohne Frage super, die Radleistung aber auch ohne Frage eher durchschnittlich. Beim Marathon bin ich mir noch unsicher. Man sagt, dass man beim Ironman 20min auf seine Marathonzeit raufrechnen soll. Das wären bei mir also als glatter Marathon eine 2:57. Das wäre für mich momentan vollkommen super, aber langfristig gesehen zu langsam. Mental war der Wettkampf sicherlich perfekt und für mich das härteste Rennen. Auch wenn ich auf den Radfotos grinse und beim Laufen relativ locker aussehe, war ich doch im gesamten Rennen sehr in mich gekehrt und habe versucht zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle zu verlieren. Das ist mir auch einigermaßen gut gelungen, obwohl ich noch nicht einmal spezielles Mentaltraining vorher hatte. Das folgt aber ab diesen Winter. Der Knackpunkt war sicherlich, dass ich mich im Kopf her mit jedem Szenario auseinander gesetzt habe und mich daher jede Reaktion meines Körpers zu keinem Zeitpunkt aus der Fassung bringen konnte. Ich hatte es schon gedanklich durchgespielt und hatte irgendwie eine Antwort parat. Was man allerdings doch erkennt ist die Tatsache, dass ich mich in meiner AK kontinuierlich nach oben gearbeitet habe, in der Gesamtwertung einen Durchhänger auf dem Rad hatte und beim Laufen sogar so viele überholt habe, dass ich eine bessere Position als das Schwimmen hatte. Normalerweise ist das Schwimmende meine beste Position. Die Radschwäche ist bekannt. Die Hawaiiquali ist erreicht, jetzt wollen wir nächstes Jahr mal sehen, wo ich in einer älteren Altersklasse stehe.
Warum tust Du Dir das an?
Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht… Andere nehmen Drogen, ich mache Sport. Viel Sport. Viel, viel, viel Sport. Vielleicht bin ich aber auch nur durch all das Training so dermaßen abgestumpft, dass ich die Realität gar nicht mehr wahrnehme? Und dann war da natürlich noch die Version, dass ich als kleines Kind ein paar Male zu oft auf den Kopf gefallen bin…
Die kurzen Distanzen beim Triathlon sind mir zumindest zu kurz. Dort gewinnt der Athlet, der am Fittesten und dadurch am Schnellsten ist. Beim Ironman gewinnt der Athlet, der am Fittesten ist, aber auch am Cleversten agiert. Hier ist der Kampf gegen deinen eigenen Körper und Geist viel mehr im Mittelpunkt. Diese Selbstkasteiung wird es bei mir sein… Definitiv! Ach ja, die viel mehr taktischen Möglichkeiten natürlich auch…
Streckenlänge?
Das Schwimmen mag vllt. 100m zu kurz sein, die Radstrecke ist 1,5km zu lang (das 180km Schild steht schon weeeeeeeeeeeit vor der Wechselzone), die Laufstrecke ist laut meiner Uhr 400m zu kurz, wobei dort aufgrund der 13 Wendepunkte durchaus Meter abgeschnitten sein können.
Was folgt als Nächstes?
Die Planung für 2015 und v.a. die Finanzierung der Hawaiireise abklären.
Außerdem muss ich an meinen Schwächen arbeiten. Das Radtraining muss optimiert werden, ich muss schneller laufen und die Hüfte braucht viel mehr Stabilität. Außerdem wäre es schön mein aktuelles Gewicht von 65/66kg zu halten. Aktueller Plan sind zwei halbe Ironmanwettkämpfe und die Staffel beim Ostseeman als Radfahrer. So zumindest das grobe Gerüst.
Weitere Zukunftspläne?
Ich starte auf Hawaii in einer neuen Altersklasse. Ab 2015 bin ich wieder das Küken. Dann bin ich wieder der Jäger. Am Samstag ist der Wettkampf. Ich werde mir die Ergebnisse anschauen und mir dann mal ein Ziel für Hawaii 2015 setzen.
Weitere Ziele?
Nie wieder einen Ironman über 10 Std. finishen – inklusive Hawaii!
Was mir sonst noch einfällt:
- Alex, ich weiß, dass ich ursprünglich in ein Hotel wollte, aber wahrscheinlich war die Entscheidung in ein Apartment mit Eigenverpflegung zu gehen goldrichtig. Durch dich weiß ich nun, was ordentliches Kettenöl ist, warum ich die falsche Kette verwende, wie man ein Rad ordentlich transportiert, wie mir mein Kettenöl nie wieder am Flughafen aus dem Koffer entfernt wird und vieles mehr. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben die gesamte Saltin-Diät als Carboloading durchgezogen, achte auf den Inhalt von normalem Wasser aus der Flasche und weiß wann man auch Obst und Gemüse meiden sollte. Um es kurz zu machen: Ich habe viel, viel, viel gelernt. Du hast mich zu einem besseren Athleten gemacht würde ich mal behaupten. Dafür bin ich Dir zutiefst dankbar. Wir sehen uns auf Hawaii nächstes Jahr! Du schaffst die Quali an einem Tag ohne Magenprobleme mit links, da bin ich mir sicher.
- Danke für den Support und die Fotos an und von der Strecke Sylvia und Marius. Wie ich gestern schon schrieb: Ohne euch wäre ich eingegangen.
- Danke an all meine Freunde, Bekannte, Twitterer, Facebooker, die zu keinem Zeitpunkt an mir und der Hawaiiquali gezweifelt haben. Ich habe das bekannterweise bis einige Kilometer vor dem Ziel getan. Irre!
- Jede/r, die mein Rennen via dem Livetracker oder den Posts bei Twitter oder Facebook verfolgt hat, wusste zu JEDEM Zeitpunkt besser über meinen Stand im Rennen Bescheid als ich selber. Das ist auch eine irre furchtbare Geschichte.
- Danke an meinen Lauftrainer Ralf Nöst, der mich vor genau zwei Jahren als Laufkrüppel „aufgenommen“ hat und mir die Lust am Laufen zurückgebracht hat. Danke Ralf! Sportlich gesehen war das Training mit Dir wohl die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe.
- Danke an meine beiden Schwimmtrainerinnern, die sich nun seit Ewigkeiten mit mir Bewegungslegastheniker rumquälen und mir trotzdem Fortschritte bescheren. Danke!
- Danke an meinen Trainingskollegen Andre für zig Trainingseinheiten und gemeinsame Radstunden.
- Danke an meine Sponsoren und Ausrüster Sportics, Newline, Dextro Energy, WellYou, die Agentur//ap und meine Brüder alias die JankeBrothers
- Danke an meine privaten Förderer, mit deren finanzielle Hilfe dies überhaupt nur machbar gewesen ist: Katja, Andreas, Tobias, André und Kristina, Günther, Matthias, Christian, Danny, Katrin und Sebastian.
- Danke lieber Körper, danke lieber Geist, dass ihr nun seit 24,5 Jahren diesen kranken Shit ertragt. Danke! Ich wäre ja längst durchgedreht…
Mir ist bewusst, dass die nächsten Zeilen zwingend sind, auch wenn ich mich beim Schreiben schlecht fühle, weil ich eigentlich nicht die Person dazu bin… Die Reisekosten nach Hawaii sind mit Rad und Gepäck immens. Sehr immens. Wenn ich daran denke, graut es mir. Nun war ich so deppert und habe die Anmeldekosten bezahlt ohne mir Gedanken zu machen, was da noch an Kosten auf mich zukommt.
Sollten Sie als Firma nun also interessiert sein einen jungen Athleten auf seiner Reise zu den Ironman Weltmeisterschaften zu begleiten, so dürfen Sie mich gerne kontaktieren. Ich würde mich freuen! Wer die Fotos gesehen hat, sieht dass auf meiner Brust noch massig Platz für Ihr Logo ist. Das DEN verschwindet dann natürlich selbstverständlich binnen Sekunden.
Sollten Sie als Privatperson sagen, dass Sie einen jungen studentischen Triathleten auf den Weg zur Ironman Weltmeisterschaft unterstützten wollen, so hilft mir jeder Euro. Für diese Saison hatte ich ein Fördererprogramm von Privatleuten, die mir monatlich 10€ überwiesen haben. Das ist ein kleiner Schein für Sie, in der Masse der Monate aber eine riesige Hilfe für mich! Für 2015 haben sich schon vier nette Menschen bereit erklärt, sodass Sie nicht der erste Pionier wären.
Im Gegenzug für jegliche Art von Förderung erhalten Sie natürlich weitaus mehr Informationen und Briefe als hier über die medialen Kanäle laufen.
Meine Kontaktdaten dazu sind:
E-Mail: [email protected]
Handynummer: +49162-1916954
Liebes Kaliua-Kona!
Ich habe hier in meinem Kalender stehen, dass wir am 10. Oktober nächstes Jahr ein Date haben. Ich bringe mein Zeitfahrrad und meine Laufschuhe mit. Mach Dich schick. Zeig Dich von deiner heißen, stürmischen Seite. Zeig mir wie wild Du sein kannst. Ich habe den Ironman Lanzarote und Ironman Mallorca hinter mir. Einfach kann jeder! Zeig mir was nicht einfach ist, der Depp in mir drin leider schließlich gerne und außerdem wollte ich schon immer mal Ende Oktober in Deutschland total braungebrannt rumlaufen!
Liebe Leserinnen, liebe Leser! Der Blog heute war weitaus nicht so interessant wie die letzten Tage, das war mir bewusst. Ich wollte trotzdem irgendwie einen runden Abschluss schaffen. Danke, dass ihr meine Berichte so zahlreich verfolgt habt (mein Seitenanalysator sagt mir das zumindest). Für Hawaii nächstes Jahr ist so ein ausführlicher Bericht natürlich selbstverständlich! ;-) Bis dahin versuche ich meine Berichte wieder auf Normallänge herunterzufahren.
Danke für Likes, Kommentare, Favs, Gratulationen oder was auch immer. Danke für ein paar tolle Wochen – jetzt weiß ich im Ansatz wie sich ein Profi fühlen muss. Danke, danke, danke!
Sportliche Grüße aus Kiel,
Tim
PS: I’M GOING TO FUCKING KONA!!!











