Akte Zorniger ist geschlossen
Das war ein Bild, welches mich als VfB-Fan seltsam beruhigt hat. Bei der Trainervorstellung Ende Mai saß seit langem mal wieder ein echter Schwabe auf dem Stuhl und stellte sich vor. Als gebürtiger Schwabe konnte man nicht umhin, seinen (für einen anderen Schwaben) wohlklingenden Akzent zu bewundern und sich insgeheim zu freuen, ihn von nun an auf jeder Pressekonferenz zu hören. Für drei Jahre Jahre hatte Alexander Zorniger beim VfB Stuttgart unterschrieben. Dass nach knapp einem halben Jahr Schluss ist, verwundert hier keinen mehr, da der VfB in den letzten Jahren den Trainer öfter austauscht als ein Schwabe seinen Kontostand checkt. Nach dreizehn Spieltagen in der Bundesliga und einer Pokalrunde ist für Zorniger Schluss. Der Gnadenstoß war das 0:4 gegen Augsburg am letzten Wochenende.
Dabei klang alles so wunderbar. Zornigers Offensivfußball trug in der Vorbereitung Früchte. Eine furiose Vorstellung gegen die Citizens wurde gebremst von einer Bundesliga, die sich rechtzeitig darauf einstellen konnte. Letztendlich wurde vermutlich die Statik und fehlende Variabilität von “Zornis” Taktikbuch zu seinem Verhängnis. Offensivfußball ist schön und gut, aber wenn man eine Führung nicht über die Zeit bringen kann und wie gegen den HSV am zweiten Spieltag in den letzten Minuten das Spiel aus der Hand gibt, sollte man sich überlegen ob man auch eine defensivere Note mit hinzugibt. Und das war nicht einmal ein Einzelfall. Auch gegen die TSG aus Hoffenheim ließen sich die Stuttgarter in letzter Sekunde die Butter vom Brot nehmen und sicherten statt den drei Zählern nur noch einen müden Punkt. Gegen Leverkusen führte der VfB 3:1, gestattete den Leverkusenern jedoch ab der 70. Minute noch drei Tore nachzuschenken, weshalb man trotz starkem Spiel erneut ohne Belohnung wieder in den Süden reisen musste.
Man kann verstehen, dass die Verantwortlichen nun die Reißleine ziehen mussten. Der freie Fall musste endlich abgebremst werden und nun hofft das ganze Schwabenland, dass es den Fallschirm nicht vergessen hat. Der Interims-Fallschirm wird ein Herr namens Jürgen Kramny sein. Bislang seines Zeichens Trainer der zweiten Mannschaft, der nun vor der Mammutaufgabe steht, den gnadenlos orientierungslosen Stuttgartern die richtige Richtung zu weisen und in die Erfolgsspur zurück zu führen. Jedoch wird das keine Dauerlösung sein. Wie Robin Dutt bereits ankündigte, wird Kramny kein zweiter André Schubert, der den Gladbachern wieder Leben einhauchen konnte.
Wer auf lange Sicht beim VfB auf der Trainerbank sitzen soll, weiß noch niemand. Auch die Zuständigen beim Verein bewahren noch Stillschweigen. Anderswo wird derweil heiß diskutiert: “Focus online” wirft den Namen Jos Luhukay in den Topf, viele Anhänger wünschen sich Lucien Favre, Tayfun Korkut wird von “Eurosport” hoch gehandelt und hat ebenso wie Felix Magath, der als möglicher Rückkehrer gesehen wird, eine Vergangenheit im Ländle. Noch einige Namen mehr schwirren derzeit im luftleeren Raum des Internets und der Stuttgarter Stammtische umher. Viele Gerüchte, die ihre Bestätigung suchen, viele Vermutungen, die wohl ohne Basis sind und viele Wünsche, die möglicherweise nie in Erfüllung gehen werden. Doch was kann den Fan noch hoffen lassen? Nun, vor allem der Umstand, dass nach einem Trainerwechsel häufig ein Ruck durch die Mannschaft ging. Plötzlich war jeder topmotiviert, rannte auf dem Platz um sein Leben und wollte unbedingt die Klasse halten. Hier stellt sich natürlich die Frage: Warum denn nicht gleich so?
Damit ist klar, nach welcher Art Trainer der VfB Stuttgart Ausschau halten sollte. Es muss ein Coach gefunden werden, der den Spielern Beine machen kann. Ein Coach, der im Abstiegskampf einen kühlen Kopf bewahrt und seine Ruhe auf seine Schützlinge übertragen kann. Doch wer passt unter all den möglichen Nachfolgern ins Profil? Ein Felix Magath ist natürlich für seine erbarmungslosen Trainingsmethoden bekannt. Wie “Die Welt” berichtet, hat der gebürtige Aschaffenburger bereits sein Interesse am “Scherbenhaufen” (Zitat: “Die Welt”) bekundet und kann auf eine erfolgreiche Zeit in Stuttgart von 2001 bis 2004 zurückblicken. Daher ist er mein persönlicher Topfavorit auf die Trainerposition. Ein weiterer Kandidat ist für mich der Schweizer Lucien Favre, welcher Borussia Mönchen Gladbach in der Saison 2011/2012 aus der Bedeutungslosigkeit geführt hat. Auch das ist eine Fähigkeit, welche der VfB Stuttgart in der letzten Zeit wirklich gut gebrauchen könnte um wieder national wie international eine Rolle zu spielen. Wer am Ende aber die Fäden in der Mercedes-Benz Arena ziehen wird, steht noch in den Sternen.















