(M)Ein Tag im Paradies – so schmeckt(e) der Sommer
Wenn man ganz genau hinhört, klingt der Regen wie Applaus. Bereits letzte Woche gab es tosenden Beifall mit Zugabe-Rufen, für einen gelungenen Sommer.
Ich kann es kurz machen, mein Sommer war spitze - so wie ich es mir gewünscht habe, nicht nur wettertechnisch. Denn ich war in der privilegierten Lage, nicht bis zum Feierabend im Büro sitzen zu müssen, in der Hoffnung noch etwas von der Sonne abzubekommen. Wann immer es mir beliebte, konnte ich draußen sein – und das war überwiegend der Fall. Bis auf die Tage an denen ich das Ferienhaus für die neu angereisten Gäste vorbereitet habe, konnte ich tagein tagaus den Sommer genießen. Ich Glückskind!
Die zwei beliebtesten Orte der letzten Monate waren unbestritten der Garten und der Baggersee „Lac de la cisba“, der nur einen Katzensprung von Favars entfernt liegt.
Im Garten bemühte ich mich das Unkraut zu bändigen (mit mäßigem Erfolg – Unkraut, du machst mich fertig!). Dafür war die Ernte ein großer und deutlich motivierender Bestandteil meiner Sommertage.
Who plant a garden believes in tomorrow
Besonders stolz war ich über das Gemüse, das ich im Frühjahr als kleines Saatkorn in die Erde gesteckt habe. Gemüseanbauen ist ja wie beim Glücksspiel, man braucht etwas Glück, aber wenn es dann zur erfolgreichen Ernte kommt, gibt’s dafür dann auch Glücksgefühle gratis dazu. Glück hatte ich z.B. beim Fenchel, den Kürbissen, bei einer Zucchini-Pflanze, den Bohnen und bei den Karotten oder besser gesagt „der“ Karotte. Ich habe gefühlt hunderte Karottensamen ins Beet gesät. Mit und ohne Saatband... und was habe ich Wochenspäter geerntet? EINE einzige Karotte...Aber was für eine! The one and only „le carotte“ wurde dann feierlich als „Apero-Snack“ serviert.
(Übrigens: Wenige Wochen nach dem ich le carotte geerntet habe, sprießen nun doch noch ein paar kleine Karottenkraut-Stängel aus der Erde. Da hat sich le carotte wohl an allen Nährstoffen ordentlich bedient, so dass für die anderen nichts mehr übrig war. Karotte nimmersatt oder wat? Es besteht also Hoffnung, dass die Karottenernte am Ende doch noch von einer auf zehn Orangewurzlern steigt.)
Zum Glück mussten wir uns nicht nur auf meine Aussaat verlassen. Die fremdgezogenen Setzlinge aus der lokalen Gärtnerei machen genauso stolz, wenn sie im eigenen Beet wachsen und gedeihen. Obststräucher und Bäume haben wir hier ja auch, so dass uns dieser Sommer eine fette Ernte beschert hat.
Natürlich hatte ich meine große Freude daran, die Gartengeschenke weiterzuverarbeiten. Von Ratatouille, über mediterranes Ofengemüse, Erdbeersmooties, Bohnen im Speckmantel, Rote Beete Suppe sowie allerlei Konfitüren, Gelees und Kompott war alles dabei. Ich finde ja, es gibt wirklich keine bessere Inspirationsquelle für das Abendessen als der eigene Garten. Einfach ins Beet schauen, was reif ist kommt in den Topf, den Ofen oder roh auf den Tisch. Besser geht’s nicht!
Sich den Schweiß von der Haut und die Erde unter den Fingernägeln bei einem Sprung in den See einfach weg spülen, war regelmäßig die erfrischende Belohnung nach der Gartenarbeit.
Auch meine lieben und zahlreichen Besucher aus der Heimat habe ich dorthin mindestens einmal ausgeführt, ob zum Plantschen, zum Sonnenbaden, Eis essen oder abends auch mal zum Dinieren.
Doch eines meiner liebsten Ausflugsziele, die ich meinen Besuchern nicht vorenthalten wollte, ist und bleibt die „Gorge du Tarn“. Eine 500 Meter tiefe Felsenschlucht, durch die der Fluss „die Tarn“ fließt. Dieser Ort ist atemberaubend schön. Nicht ein Foto, dass ich knippste, zeigt auch nur ansatzweise wie beeindruckend dieser Aus- und Anblick ist. Die Gorge du Tarn ist ein beliebter Ausflugsort für Outdoorsport- und Naturliebhaber. Besonders schön ist es, die Tarn mit einem Kanu flussabwärts zu paddeln. Dieses Jahr war ich bestimmt 4 oder 5 mal dort, unter anderem mit meinem Paps.
Ansonsten habe ich versucht die Seele baumeln zu lassen, die Füße hochzulegen, die Blicke und Gedanken schweifen zu lassen. Manchmal hatte ich meine Kamera zur Hand und konnte die Schönheit auf dem Lande einfangen.
Einen schönen Anblick, finde ich, bilden die großen Heuballen, die wie Spielfiguren über die Weiten der Felder verteilt stehen. In meiner Phantasie habe ich mir vorstellt, wie nachts eine Art von Mistkäfern diese Heuballen über die Felder kugeln.
Ist natürlich totaler Mumpitz. Wie diese Heuballen entstehen habe ich mir direkt vom Bauern aus der Nachbarschaft zeigen lassen. Dabei habe ich mir im gleichen Zug meinen Wunsch von „einmal Trekker fahren“ erfüllt. Gut, es wurde eher ein „mit“-fahren. Denn die Felder rund um Favars sind alles andere als platt und daher für mich zu gefährlich, selbst das Steuer zu übernehmen. Doch für’s Fotoalbum habe mich zumindest einmal in der„als ob“-Pose ablichten lassen.
Es wird schon deutlich früher dunkel, wenn ich das Türchen vom Hühnerhaus schließe. Die Wiese glitzert mir entgegen, wenn das Licht meiner Taschenlampe über das nasse Gras leuchtet. Für die kommende Woche ist eine Sonnen-Zugabe voraus gesagt, doch trotzdem mache ich mir jetzt vor dem Schlafen gehen eine Wärmflasche, die ich mir unter die Bettdecke lege. Jetzt kann es los gehen, mit dem gemütlichen Teil des Jahres.












