Der Furz im Fahrstuhl, heute: Familienbande
Nachdem Sture den Fahrstuhl ob der flutartigen Inkontinenz seines letzten Gastes endlich wieder trocken gelegt hat, kommt gleich das nächste „Wässerchen“. Denn er hat für seinen neuen Gast extra Wodka kommen lassen, ist dieser doch das Getränk, das man mit Russland in Verbindung bringt. Und unser Gast ist sogar von königlichem Geblüt.
S: Sdráßtwujti Iwan Iwanowitsch!
I: Ach, was denn so förmlich! Sdráßte!
S: Damit sind meine Russischkenntnisse leider erschöpft. Aber wenn Sie möchten, können Sie einen Wodka haben.
I: überschwänglich Aber gerne! Nastrowje!
Nachdem beide ein Glas Wodka getrunken haben – oder auch zwei, Iwan versteht es zu trinken – setzen sie sich.
S: Erzählen Sie unseren Lesern ein wenig über sich. Sie sind ja eigentlich eher weniger bekannt.
I: denkt nach Nun ja. Ich bin, pardon, ich war Zarewitsch.
I: Genau. Als Sohn hatte ich das Recht auf den russischen Thron, immerhin sind wir gottgegebene Herrscher.
S: Aber erst, seit sich Ihr Vater 1547 zum Zar hatte krönen lassen. Sie sind der Erste dieser Linie, der dann den Thron vererbt bekommen sollte.
I: Richtig. Da war er erst 16. Erstaunlich, oder? Er heiratete meine Mutter Anastasija und aus dieser Ehe entsprangen sechs Kinder. Drei Mädchen und drei Jungen. Einer davon war ich.
S: Aber Sie waren nicht von Anfang an Thronfolger?
I: traurig Nein. Ich lernte meinen älteren Bruder Dimitri nie kennen. Er sollte eigentlich unseren Vater beerben, aber er war sehr krank. Das hat er nicht überlebt.
S: schnieft Das ist sehr traurig.
I: Tja, auf unserer Familie scheint ein Fluch zu liegen. Ich habe es ja dann auch nicht überlebt. Dabei sagte man, mein Vater habe meine Mutter sehr geliebt.
S: Und trotzdem sind Sie allein wegen einer Anekdote der Geschichte bekannt – Ihr Vater soll Sie ermordet haben.
I: lacht Ja, ich habe davon gehört. Jähzornig war er, keine Frage. Er rastete gerne aus und in seinem Streben, das Zarenreich zu vergrößern, kannte er keine Gnade. Aber seinen eigenen Sohn umbringen, noch dazu den Thronfolger, nachdem sein erster Sohn bereits gestorben war?
I: empört So ein Blödsinn! Die Geschichte ist vielleicht gut gestrickt, aber sie ist unwahr. Aber jeder Herrscher braucht wohl seine Mythen.
S: Welcher Mythos bleibt von Ihnen?
I: seufzt Das wird wohl dieser sein, dass mein Vater mich im Zorn erschlug. Wo er doch diesen passenden Beinamen bekam.
S: Nach Ihrem Tod, was passierte dann?
I: runzelt die Stirn Das weiß ich nicht so genau, immerhin war ich tot. Aber wie ich vermute, wird mein kleiner Bruder Fedor den Thron übernommen haben.
S: Fedor galt als schwachsinnig.
I: Nun, eine gewisse geistige Umnachtung kann man ihm nicht absprechen. Aber er war bestimmt ein guter Zar, immerhin ist er ein Rurikide. Unsere Dynastie steht für das Streben nach Macht und Vereinigung. Das sieht man doch schon an meinem Vater.
S: Was ich gehört habe, war, dass er kinderlos starb und auch in seiner Regierungszeit nichts allzu wichtiges geschah. Stattdessen zankten sich die Hofangehörigen um Macht und seine Dynastie endete mit seinem Tod.
I: schnaubt verächtlich Das kann ich mir vorstellen, diese heuchlerischen Kakerlaken! Und das an dem armen Fedor auszulassen!
S: Hätten Sie es besser gemacht?
Mit diesen Worten verlässt Stures Gast den Fahrstuhl. Nicht jedoch, ohne mit Sture die Flasche Wodka zu leeren. Man soll ja schließlich nichts verkommen lassen.