November 2020, seit ein paar Monaten
In die Videoschalte nur mit Notizzettel, für die Tastatur ist der Arm zu kurz
In dieser Pandemie sitze ich seit Monaten, wie so viele andere, immer wieder in Videokonferenzen statt in echten Begegnungen. Und bisweilen werde ich auch für Live-Kommentare von Fernsehanstalten aus dem heimischen Wohnzimmer dazugeschaltet, via Skype (oben), WebEx oder was auch immer.
Recht schnell habe ich dabei ein Grundproblem festgestellt: Wenn ich den Laptop wie gewohnt platziere, vor mir auf dem Tisch und mit den Fingern auf der Tastatur, dann wird’s schrecklich. Die Weitwinkel-Perspektive der eingebauten Kamera, dazu der Blickwinkel von schräg unten nach oben – wie fürchterlich man dabei aussieht, lässt sich jeden Abend in den (deutschen wie internationalen) Fernsehnachrichten bei Live-Schalten in die Heimbüros verfolgen. Breite, fiese Gesichter, am besten noch dazu mieser Ton über das eingebauten Mikrofon des Laptops.
So will ich nicht aussehen. Deshalb stelle ich den Computer auf einen Bücherstapel (die inzwischen letzte sinnvolle Nutzungsmöglichkeit alter Brockhaus-Bände) und schiebe ihn ein Stück von mir weg. Bis ich den Eindruck habe, dass die optische Perspektive zufriedenstellend ist und mein Gesicht nicht zu sehr verzerrt wird. Ein externes Mikrofon stelle ich direkt vor mir auf.
Das ist für die TV-Übertragung ganz gut. Aber bedienen kann ich den Laptop nicht mehr: Mit meinen Armen komme ich kaum noch an die - zudem erhöht stehende - Tastatur.
Jegliches Schreiben auf dem Computer wird so unmöglich. Wie früher lege ich mir für Notizen einen Stapel Papier und einen Kugelschreiber bereit. Wenn ich davon dauerhaft was aufheben will, muss ich es eben später noch mal in den Laptop schreiben.
(An dem Stereotyp “Experte sitzt vor Bücherwand” muss ich auch noch arbeiten, aber bislang habe ich keinen besser geeigneten Hintergrund in der Wohnung gefunden.)
(Thomas Wiegold)












