Never have I ever written this.
Ich schreibe, weil ich es irgendwo aufschreiben muss. Am besten dort wo mich Niemand kennt, obwohl ich gleichzeitig mit jenen, die mich kennen darüber reden will. Aber es fühl sich falsch an, deswegen schreibe ich es hier.
Mein Vater ist tot. Ich habe ihn nie kennengelernt. Das einzige was ich von ihm habe sind die Asylanträge. Er ist ertrunken, es gibt kein Grab. Es gab kein präsentes Foto von seinem Gesicht in unserem Haus. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, weil meine Mutter mich nicht haben wollte. Sie haben sich Mühe gegeben, Normalität zu leben. Aber irgendwie hat das nicht geklappt, es war halt nicht genug. Ich habe Depressionen seit dem ich 16 bin. Episoden in unterschiedlicher Schwere. In meiner ersten Therapie habe ich gelernt damit einigermaßen umzugehen. In meiner 2. Therapie setze ich mich aktuell mit den Gründen auseinander. Viele meiner Emotionen werden durch Filme und Serien getriggert. Gerade habe ich “Never have I ever” gesehen und das bringt mich dazu diese Zeilen hier zu schreiben.
Mein Vater war Inder. Das hat in meiner Erziehung wenig Rolle gespielt. Gespiegelt habe ich von meinem Umfeld nur bekommen dass ich “anders” aussehe. Ihr wisst schon Pocahontasstyle oder irgendwie einfach nicht deutsch. Affenwitze in der Grundschule oder dämliche Kommentare wie “die barfüßig gläubige vom Hindukush” (like really, der ist in Afghanistan Leute?!), Sklavenwitze oder das Gerücht, dass ich mir meine Herkunft nur ausdenke, haben mich begleitet. Vom institutionellen Rassismus bin ich jedoch verschont geblieben (deutscher Pass, deutscher Name, nicht so dunkle Haut). Deswegen würde ich auch nicht sagen, dass ich rassistisch unterdrückt bin. Aber ich hab’ grade ein kleines-großes Identitätsproblem.
Um meinen Vater habe ich nie getrauert. Es fällt mir schwer mich mit Indien und Pakistan zu beschäftigen, obwohl ich gleichzeitig ein Verlangen danach habe. In meiner Erziehung hat’s wie gesagt keine große Rolle gespielt. Das erste Mal indisch essen waren wir, weil ich mir das mit 18 gewünscht habe. Die erste Kurta habe ich mit 22 auf einem Flohmarkt gekauft. Das alles war immer so fremd, aber auch irgendwie nah. Und irgendwie schmerzhaft. Ich glaube es erinnert mich indirekt daran, was ich nicht habe. Das ist mir jetzt erst aufgefallen. Es ist der Wunsch nach einer Heimat, der gleichzeitig mit dem Wissen gepaart ist, dass es diese nicht gibt. Es ist der Wunsch irgendwo dazuzugehören, weil es hier nicht passt. Es ist der Wunsch nach Frieden, Liebe, Stabilität, weil es die nicht gibt. Idk, ich vermisse meinen Vater. Vielleicht war er ein Arschloch.Vielleicht aber auch nicht. Aber das “vermissen” gilt er der Funktion, des Fürsorgers, des Bindeglieds zu dem, was irgendwie “natürlich”* sein sollte. Und es ist die Trauer, die mich partiell lähmt. Die Trauer, die keinen Ausdruck findet, weil sie auch nicht weiß wohin und wie sie sich ausdrücken kann. Klar, ich kann mir das Wissen was ich begehre selber aneignen. Ich muss es sogar. Aber es ist so anstrengend und auslaugend, ich weiß nicht wie das klappen soll.
















