Um Kopf und Kragen geredet
Wichtige Botschaften stehen zwischen den Zeilen - manchmal ist es besser zu schweigen
Redenschreiben ist eine hohe Kunst. Vergleichbar mit der Verführung einer schönen Frau, die man irgendwie ins Bett bekommen will. In beiden Fällen gilt: Die Frage, ob man ein guter Liebhaber oder guter Redner ist, entscheidet man nicht selbst, sondern die Angebetete, im Fall des Redners das Publikum.
In beiden Fällen ist es wichtig die eigene Eitelkeit draußen vor zu lassen. Gute Reden werden daher meist von Ghost Ridern geschrieben. Diese haben dabei nicht nur das Publikum, sondern gleichzeitig auch den Vortragenden vor Augen. Das schafft Distanz und gleichzeitig Nähe. Da man sich beim schreiben in den Zuhörer und gleichzeitig in die Rolle des Vortragenden hineinversetzen muss. Wo liegen die Stärken des Redners? Welche Sätze sind ihm buchstäblich auf den Leib geschneidert. Wie reagiert das Publikum? Jeder Satz muss sitzen, eindeutig sein und auf keinen Fall in irgendeine Richtung interpretierbar. Missverständnisse haben auf dem Marktplatz der Meinungsschlachten nichts zu suchen.
Eine gute Rede gleicht daher einem Drehbuch, das ein Regisseur für seinen Hauptdarsteller schreibt. Genau wie ein Spielfilm hat eine Rede eine „Spannungsbogen“. Er reicht von einem „Vorspiel“ bis hin zu einem dramaturgisch geschickt inszenierten „Höhepunkt“. Genau genommen gleicht ein mitreißender, den Zuhörer fesselnder Beitrag einer Orgasmuskurve, die natürlich jäh abreist und buchstäblich in die Hose geht, wenn der Redner zu früh sein Pulver verschießt. Wie beim Film so ist auch bei der Rede der Anfang sehr wichtig. Und natürlich das Ende. Was ist das Ziel? Aufrütteln? Nachdenklich machen? Solidarität schaffen? Kurzum der Rote Faden. Ein Film, der langweilig und schleppend beginnt, wird höchstens im Kino bis zu Ende geschaut, vor dem Fernseher zeppt man weg.
Wer für eine Rede einen schlechten Anfang wählt, der redet sich meist nach kurzer Zeit um Kopf um Kragen. Beiträge, die nur auf Hohn, Häme und Zynismus aufgebaut sind, fallen oft in sich selbst zusammen. Eine politische Kundgebung ist kein Kabarettabend, aber auch keine Uni Vorlesung. Bei allem sollte man – ähnlich wie ein General – auch seine Feinde im Auge behalten. Denn man ist nie allein und mit Freunden auf dem Schlachtfeld. Jeder Satz kann zum Bumerang oder Rohrkrepierer werden. Eine Rede ist dann ein voller Erfolg wenn selbst der Gegner kleinlaut einräumen muss, dass man teilweise Recht hat. Selbst wenn man als geschickte „Phrasendreschmaschine“ „Polarisierer“ oder „Demagoge“ gescholten wird; so lange die Inhalte weitgehend unanfechtbar sind, geht man als Sieger aus der Sache heraus.
Der schlimmste Fehler ist eine Waffe zu ziehen mit der man nicht umgehen kann und sich damit selbst und vielleicht noch andere in die Luft jagt.
Am besten überlässt man dieses Feld einem erfahrenen Profi, oder lässt sich von solchen beraten. Auch Teamwork ist eine feine Sache.
All das gesagte wurde auf der Pegiga-Veranstaltung in Dresden von Herrn Akif Pirincci auf sträfliche Weise nicht berücksichtigt. Dass jener verhängnisvoller Satz ganz anders gemeint war ist klar, aber ebenso klar und voraus sehbar ist seine Missverständlichkeit. Daher sollte man Reden – vor allem bei so viel Öffentlichkeit – stets einem anderen zu lesen geben. Und immer wieder die selbstkritische Frage stellen. Was bewirken diese Worte? Zieht man eine skandalträchtige Oneman-Show ab oder denkt man auch an die Zeit danach, an das langfristige politische Ziel, denk man an seine „Mitstreiter“?…
Es begann mit einem holprigen, verschwurbelten Anfang. Die unbegrenzte, von einer Mehrheit der Bevölkerung mit Sorge beobachtete Einreise von Einwanderern mit der NS-Siedlungspolitik in den eroberten Ostgebieten gleichzusetzen ist fast ein noch größerer Unsinn als die Idee an sich. Fast alle Bauernsöhne – unter anderem mein Onkel – waren an der Front. Es gab kaum deutsche Bauern, die in die besetzten Gebiete umgesiedelt werden konnten. Nach diesem hinkenden Vergleich eine sehr ungeschickte Überleitung zur Problematik des Flüchtlingsheimes im Raum Kassel. Doch statt die aktuellen Missstände – ständige Schlägereien – aufzuzeigen, folgten Phrasendreschereien. Dabei liegen die Themen buchstäblich auf der Straße. Zum Beispiel die Verfolgung christlicher Flüchtlinge durch muslimische Emigranten. Dass es unter den Flüchtlingen viele Fundamentalisten gibt usw. Dabei könnte man sich sogar auf die offizielle Presse, sogar einen Zeit-Artikel, berufen. Das alles reicht ohne Polemik, Krawall und inflationär eingesetzte Fäkaliensprache vollkommen aus. Wäre Herr P doch nur authentisch geblieben: Nach dem Motto. Seht her! Hier steht ein echter integrierter Emigrationssohn. Aber auch ich mache mir Sorgen um dieses Land! Seht wie es den liberalen Intellektuellen und Künstlern in der Türkei geht usw. Wollen wir das auch hier ??? Oder der Hinweis, dass sich inzwischen auch der Zentralratsvorsitzende der Juden ernsthafte Sorgen macht, weil viele Flüchtlinge einen echten Antisemitismus mit im Handgebäck haben. Wie soll die so genannte „Lügenpresse“ solche Sätze bewerten? Als Rassismus oder gar Nazischeiße?
Als weiterer Mühlstein wirken sich natürlich auch die völlig unnötigen Nebenkriegsschauplätze aus, die Herr P sinnloser weise eröffnet hat. Zum Beispiel die üble Hetze gegen Schwule. Dabei sind Schwule die Hauptopfer der Sharia. Immer wieder werden „Arschlöcher“ bedient. (Da kommt fast der Verdacht einer verdrängten Analneurose auf) Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht gehört mit zu den Grundlagen der Menschenrechte. All das bleibt natürlich als Raster im Hinterkopf der Feinde hängen, die natürlich nur darauf warten, wann sich P wieder mal auf die Minenfelder begibt.
Der Autor ist im wahrsten Sinne eine tragische Figur. Dass ihn ausgerechnet Ulfkotte fallen lässt, war abzusehen. Die Charakterlosigkeit dieses Mannes habe ich schon in vielen Artikeln beschrieben. Vor Zehn Jahren distanzierte er sich von H., der wegen seiner „Moschee -Toilettenpapieraktion“ vor den Kadi gezerrt und zu zwei Jahren wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Der unbescholtene Gründer der Bürgerbewegung/ Pax-Europa und Menschenrechtsaktivist Willi Schwendt war sein nächstes Opfer. Abgeschossen wegen harmlosen Anti-Islam-Karikaturen, die angeblich Ähnlichkeiten mit dem „Stürmer“ hatten. Ulfkotte ist ein selbst verliebter „Berufsislamkritiker“, der seine „Silberlinge“ gut verwaltet. Doch jede Bewegung sucht sich ihre Leithammel und Gurus selbst aus. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Am besten man berichtet nur. Wie Kafka an die Akademie. Diejenigen, die sich eine Deutungshoheit anmaßen, brauchen keine Berater. Doch eins steht bei jeder politischer Arbeit wie eine goldene Regel: Wer spaltet macht sich klein. Wer Nebenkriegsschauplätze eröffnet, reibt sich auf. Wer sich elitär isoliert statt Verbündete auch in anderen Lagern zu suchen, der scheitert jämmerlich; auch wenn ein unverhoffter Zulauf ihn für kurze Zeit in einen Machtrausch versetzt. Wie sagt ein altes Sprichwort: HOCHMUT KOMMT VOR DEM FALL.