Berlin sieht sich selbst als Modestadt, doch trotz aller Kreativität seiner Einwohner braucht man keine hundert Schritte auf einer durchschnittlichen Straße zu gehen, um nicht mit diversen Stilverbrechen konfrontiert zu werden.
seen from China
seen from United States
seen from Malaysia
seen from United States
seen from Türkiye

seen from United States

seen from Russia

seen from United Arab Emirates

seen from United States
seen from Moldova
seen from United Kingdom
seen from United States
seen from Malaysia
seen from United States
seen from United States

seen from United States
seen from United States
seen from Argentina

seen from China
seen from United States
Berlin sieht sich selbst als Modestadt, doch trotz aller Kreativität seiner Einwohner braucht man keine hundert Schritte auf einer durchschnittlichen Straße zu gehen, um nicht mit diversen Stilverbrechen konfrontiert zu werden.
Wenn deine Münchner Mutter sagt, "Kind, so willst du aber nicht rausgehen?", bist du in Berlin gut angezogen.
Christiane Frohmann
Der BERLIN-UNSCHICK-Katersalon am 15. April 2014 in der Volksbühne
Der Salon zur Freude am Stilbruch, an Scheißoutfits und am modischen Selbsthass.
Berlin ist keine modische Stadt. Auch nicht elegant. Eine Fashion Week macht noch keine Modemetropole. In Berlin ist es schick, die Mode heimlich zu verachten. Downzudressen. Oder überhaupt nicht zu dressen. Sich einfach irgendwas überzuziehen. Oder wenigstens so zu tun, als sei einem alles egal. Nichtberliner verachten diesen Unschick nicht. Sie hassen ihn. Außer, sie denken, es ist der coolste Look auf der ganzen Welt. Dann ziehen sie ganz schnell nach Berlin und sich an wie Christiane F. Mit herkömmlichen Mode- und Stilbegriffen ist dieses Phänomen nicht zu fassen. Es ist einfach zu hybrid. Zu easy und zu angestrengt. Zu entwaffnend und zu betulich. Zu charmant und zu grässlich. Zu Gast hat Christiane Frohmann Stilsichere wie Jackie Asadolahzadeh, Kiki Moorse und Julia Schramm. Berlin-Besucher können sich gleich vor Ort einem Make-over unterziehen.
*
Dienstag, 15. April, 20:00 - 23:00 Roter Salon, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Eintritt: 8 EUR Vorverkauf: https://www.volksbuehne-berlin.de/deutsch/karten/
Eventseite: https://www.facebook.com/events/1415315078714067/
Katersalon auf Twitter: https://twitter.com/Katersalon
Katersalon auf Facebook: https://www.facebook.com/Katersalon
Der Berliner Unschick
Ich muss immer lachen, wenn Berlin als Modemetropole bezeichnet wird. Eine U-Bahnfahrt genügt, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Dies gilt natürlich nicht pauschal. Nicht für jeden Berliner Bezirk gleichermaßen. Auch nicht für alle Menschen, die in Berlin wohnen. Fashion Victims gibt es zur Genüge.
Alles in allem ist Berlin aber nicht Paris. Berlin ist nicht Mailand. Berlin ist nicht London. Berlin ist auch nicht New York. Selbst Düsseldorf lässt sich mit mehr Recht als Modestadt bezeichnen.
Berlin. Dies ist keine Modestadt.
„Aber Berlin hat eine Fashion Week.“ Ja. Deutschland hat auch einen Internetminister.
Während der Berlin Fashion Week verkehrt sich die Stadt in ihr Gegenteil. Berlin verschwindet. Un-Berlin tritt hervor. Möglicherweise ist Un-Berlin eine Modestadt. Aber auch nicht wirklich. Un-Berlin ist unreal. Real ist nur Berlin.
Berlin ist auch nicht elegant. Ja. Es gibt vereinzelt elegante Menschen. Elegante Berliner sind aber nicht elegant, weil, sondern obwohl sie Berliner sind. Außerdem leben sie gefährlich. Berliner Punks werfen nur zu gerne mit Bierdosen nach Frauen, die im Pelz und auf Louboutins vorbeiwackeln. (Ob Pelze und Louboutins wirklich elegant sind, mögen andere entscheiden.)
„Geh doch zurück nach München, Bitch.“
Um in Berlin modisch oder elegant herumzulaufen, muss man exzentrisch oder ignorant sein. Es gehört sich einfach nicht.
Berlin. Dies ist keine elegante Stadt.
In Berlin dresst man lieber down. Oder man dresst überhaupt nicht. Zieht sich einfach irgendwas über. Oder erweckt den Anschein, sich einfach irgendwas übergezogen zu haben. Was harte Arbeit sein kann. Bed Head als Kleidungsstil. Total hip und total unhip kann für stilnaive Beobachter exakt gleich aussehen.
Ja. Stil haben, Styles kennen und beherrschen. Das ist in Berlin o. k. In manchen Kreisen sogar essentiell.
Manchmal greift die Industrie Berliner Styles auf und übersetzt diese in Mode. Dann sehen Münchner und Düsseldorfer eine Saison lang aus wie abgefuckte Berliner.
Den Berlinern ist das letztlich alles egal. Weil sie die Mode heimlich verachten.
Berlin. Dies ist keine Modestadt.
„Aufgesetzt!“ „Pseudocool!“ „Kotzhässlich!“
Nichtberliner verachten den Berlin Chic nicht. Sie hassen ihn.
Außer, sie denken, es ist der coolste Look auf der ganzen Welt. So wie Berlin der coolste Ort auf dem Planeten ist. Dann ziehen sie ganz schnell nach Berlin und sich an wie Christiane F.
Der Berlin Chic funktioniert allerdings nur in Berlin und berlinisierten Enklaven New Yorks. Er zerfällt zu Staub in Kontexten, wo man ihn nicht anerkennt. Steigt man unüberlegt in einem typischen Berlin-Outfit ins Flugzeug nach München, sieht man sich dort ungewollt vom Hipster zum Hartzi downgedresst. Und wird schockhaft daran erinnert, dass es neben Haaren auch Frisuren gibt.
Und das, wo man sich in Berlin selbst zu feierlichen oder glamourösen Anlässen nicht gern richtig schick macht. Undenkbar, elegant auszusehen, ohne zumindest eine winzige ironische Brechung eingebaut zu haben. Einfach so. Zwanghaft. Zur Selbstvergewisserung als Berliner. Ohne kann man sich selbst im Spiegel nicht unter die Augen kommen.
Abendkleid? Schott-Perfecto-Lederjacke dazu. Anzug? Mit Vintage-Sneakern kombinieren. Geht nicht? Dann wenigstens einen Totenkopfschal umwickeln. Der darf gern von Alexander McQueen sein. Hauptsache, die Stylebilanz fällt nicht zu glatt aus.
Diese Abhängigkeit vom Herzeigen der eigenen Unabhängigkeit durch antischicke Elemente ist…auauaua…abgrundtief spießig.
Berlin. Dies ist keine lupenreine Indiestadt.
Dennoch. Berlin ist auch in Mode- und Stilfragen freier als andere deutsche, vermutlich auch als andere Städte weltweit.
Es gibt aber ein weiteres Problem. Der merkwürdige Berlin Chic ist mit herkömmlichen Mode- und Stilbegriffen nicht zu fassen.
Er ist einfach zu hybrid. Zu easy und zu angestrengt. Zu entwaffnend und zu betulich. Zu charmant und zu grässlich.
Um ihm zu seinem Recht zu verhelfen, präge ich deshalb einen neuen Begriff. Ein Adjektiv.
fash.
Inspiriert dazu hat mich ein Tweet von @kaot50, in dem die Ableitung des wienerischen "fesch" vom englischen "fashion" sichtbar wurde.
Berlin ist aber nicht Wien. Berlin ist auch nicht fesch. Die Berliner Styles lassen sich eher negativ beschreiben.
unelegant. unschick. unmodisch. unfesch. unfashionable.
Folglich muss dieses un-lose "fash" ein paradoxaler Begriff sein.
Ich halte fest:
Berlin ist unelegant. Berlin ist unschick. Berlin ist unmodisch. Berlin ist unfesch. Berlin ist unfashionable.
Berlin ist fash.
Berlin. Dies ist eine fashe Stadt. (Christiane Frohmann) Am 1. April 2014 erscheint im Frohmann Verlag das eBook 'Berlin Unschick' mit Beiträgen von Jackie A., Kiki Moorse, Julia Schramm, Diana Weis u. a.
Die Release findet am Abend im Neuen Katersalon in der Volksbühne statt.