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Wer den deutschen Rap am Leben erhalten wird:
HipHop im Jahr 2010 war ausgebrannt und trat auf der Stelle. Aggro hatte sich gerade aufgelöst und kaum jemand traute sich wirklich, das Genre mit Frische und Kreativität aus seiner Lethargie zu befreien. Erst Marteria zeigte uns mit Zum Glück in die Zukunft wieder, welches Potenzial in dieser Musik steckt. Egal ob Radiohörer oder Realkeeper, jeder konnte diesen Sound feiern. Dazu hatte Marteria das Aussehen, die Empathie und das musikalische Gespür eines Popstars, um unseren geliebten HipHop wieder in die Öffentlichkeit zu rücken. Etwas anders gestaltete sich die Sache bei Casper. Als ewig talentierter Emo-Rapper abgestempelt nutzte er 2011 den Spalt, den sein Kumpel Marteria offen ließ und riss mit XOXO die HipHop-Tür für den Mainstream komplett auf. Kollege Weihwasser schreibt, dass Casper zwar ein verdammt guter Rapper sei, von dem Genre aber gelangweilt sei und deswegen keinen Rap mache. (Für diese Aussage hätte ich ihn wie von Eich am liebsten als „Borkenkäferausdüngungsarschloch“ betitelt, doch ich konnte noch an mich halten.) Aber was genau ist denn Rap? 16 Bars-Hook-16 Bars-Hook? Wenn Rap nur das sein darf, dann werde ich höchstpersönlich den Abzug betätigen und dafür sorgen, dass die Leiche nie gefunden wird. Nein, HipHop sollte keine Dogmen kennen, weil er selbst aus Einflüssen wie Funk, Soul oder Jazz entstand. Wenn jemand über Musik rappt, dann ist es nun Mal Rap.
Und genau darum wird es in der Zukunft gehen: Musikalische Einflüsse zu kombinieren und im HipHop-Gewand erstrahlen zu lassen. Wer könnte das besser als die beiden, die das salonfähig gemacht haben.
Werden Marteria und Casper Rap am Leben erhalten? Ja, die beiden werden von der breiten Masse als die Platzhirsche des Raps angesehen, als deutsches JayZ/Kanye West-Äquivalent, das es braucht, um als Genre relevant zu sein. Dazu haben sie das musikalische Talent und den HipHop-Unterbau, um Rap in die Zukunft zu führen.
- Tony Lukic, Vice Germany
Kim Jones, Louis Vuitton menswear Director
by Brett Lloyd for Vice Germany.