Februar 2022
Und immer noch im TV-Homestudio
Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie im Frühjahr 2020, also bald zwei Jahre, spielt sich für mich wie für viele das berufliche Leben nicht nur im Home-Office ab, sondern auch im Heimstudio: Für Gespräche und Konferenzen hat sich die Videoverbindung auf dem Laptop zum neuen Standard entwickelt. Für mich kommt noch hinzu, dass ich - wie schon seit Jahren - immer mal wieder von Fernsehsendern zu Live-Schalten eingeladen werde. Und auch dafür fahre ich natürlich längst nicht mehr ins Studio, sondern werde aus dem heimischen Wohnzimmer zugeschaltet.
Ein Auftritt in den TV-Nachrichten allerdings sollte schon ein bisschen besser aussehen als die übliche Zoom-Konferenz. Das klappt nicht immer, wie man fast jeden Abend bestaunen kann – selbst hochrangige Politiker sitzen (immer noch) für solche Schaltgespräche mit einer Schreibtischlampe schlecht ausgeleuchtet vor dem falsch platzierten Laptop und sind dank eingebautem Computermikrofon eher schlecht verständlich. Und ehe Zuschauer*innen wahrnehmen, was jemand sagt, ist schon - nachteilig - angekommen, wie jemand unvorteilhaft aussieht oder mit grottigem Ton schlecht zu verstehen ist.
Das muss ja nicht sein, deshalb hatte ich schon im ersten Pandemiejahr ein wenig technisch aufgerüstet. Seitdem sind ein paar Kleinigkeiten hinzugekommen, vor allem aber habe ich auch mehr Erfahrung gesammelt. Auch wenn’s vielleicht bisschen langweilig ist (jetzt! Aber in 20 Jahren?) eine Übersicht über die Technik, mit der man auch aus dem Heimstudio gut rüberkommt, sei es für einen Zoom-Vortrag oder fürs Fernsehen:
• Unverzichtbar ist natürlich der Computer (der auch ein Smartphone oder ein Tablet sein kann), um die Verbindung zum Internet und zum Gegenüber herzustellen. Laptops (meist) und Smartphones (immer) haben von vornherein ein eingebautes Mikrofon und eine Kamera – grundsätzlich reicht das schon für die Videokonferenz und im Notfall sogar für eine Fernseh-Schalte. Aber es klingt nicht gut und es sieht auch meist nicht gut aus.
Minimale Tricks: Das Gerät mit der Kamera so platzieren, dass die Kamera auf Gesichtshöhe ist. Mit Büchern, Pappkartons, was aus immer. Hauptsache kein Blickwinkel schräg von unten in die Nasenlöcher.
Für den Ton mindestens eines dieser Minimal-Headsets verwenden, also die Ohrhörer mit dem Mikrofon im Kabel. Oder kabellose Bluetooth-Hörer.
• Für den guten Ton ist natürlich ein externes Mikrofon am besten. Da gibt’s welche für Smartphones. Ich bevorzuge den Laptop in Kombination mit einem extern angeschlossenen USB-Mikrofon.
• Fürs Bild ist aus verschiedenen Gründen eine externe Kamera sinnvoll – der optisch auffälligste: Die eingebauten Kameras in Laptop, Smartphone und Tablet sind recht weitwinkelig, haben also eine kurze Brennweite, und müssen deshalb recht nahe vor dem Gesicht stehen. Das verzerrt und sieht nicht gut aus. Besser ist deshalb eine Kamera mit längerer Brennweite, also einem leichten Teleobjektiv, die etwas weiter weg steht. Das hat auch den Vorteil, dass der Hintergrund leicht unscharf wird und nicht von der Person ablenkt.
Dafür ist dann aber ein Stativ für die Kamera nötig.
Die meisten modernen Digitalkameras lassen sich an einen Computer anschließen, über USB oder einen HDMI-Eingang. Bei ganz neuen einfach mit einem Kabel, etwas ältere benötigen dafür ein Zwischengerät, zum Beispiel CamLink. Das ist dann auch mit den meisten für Videokonferenzen genutzten Programmen kompatibel. Gut ist übrigens, wenn sich der Autofokus abschalten und auf manuelles Scharfstellen umschalten lässt – die Zuschauer*innen nervt ein Kameraobjektiv, das plötzlich hin- und herfährt, um scharf zu stellen.
Außerdem hilft eine externe Stromversorgung für die Kamera: Im Videobetrieb halten die Akkus nicht so gar lange durch. Das unterscheidet sich natürlich von Kamera zu Kamera.
Gut ist dann übrigens auch eine hilfreiche Person: Wer vor der Kamera sitzt, kann sie schlecht selbst scharf stellen. Außerdem macht das den Umgang mit der Wäscheklammer, siehe unten, einfacher.
• Genauso wichtig wie die Aufnahmetechnik für Bild und Ton ist, meist unterschätzt, das Licht. Wer nur bei Tageslicht vor die Kamera geht, kann darauf vielleicht verzichten – obwohl ständig wechselndes Licht bei teilweise wolkigem Himmel auch nicht schön ist.
Alle anderen brauchen Beleuchtung. Richtige Beleuchtung, um nicht wie im Verhörzimmer auszusehen. Ich benutze inzwischen neben den beiden LED-Panels, die ich schon 2020 beschafft hatte, auch eine so genannte Softbox, eine Tageslichtbirne in einem Reflektorschirm, vor den weißer Stoff gespannt ist. Das gibt ein weiches Licht fürs Gesicht, ein LED-Panel leuchtet mich zusätzlich aus – und das zweite LED-Panel den Hintergrund. Also drei Lampen, jede auf einem eigenen Stativ.
• Der Hintergrund ist nämlich auch so ein Problem. Ich setze mich immer vor ein Bücherregal, der inzwischen anerkannte Standard für “wir schalten zu unserem Experten”. Aber natürlich sind auch andere Hintergründe möglich, so lange sie nicht zu unruhig sind und/oder von der Person vor der Kamera ablenken.
Die beliebten virtuellen Hintergründe sind da übrigens nicht so unproblematisch. Zum einen, weil sie in den meisten Programmen nur dann einwandfrei funktionieren, wenn eine einfarbige grüne (oder ggf. blaue) Leinwand dahinter aufgespannt ist – sonst kann es bei jeder Bewegung unschöne Effekte geben. Und zum anderen. weil man sich schon sehr genau überlegen muss, welchen Hintergrund man öffentlich präsentieren möchte. Außerdem funktioniert jede Videokonferenz-Software anders mit solchen virtuellen Hintergründen.
• Ach ja, bei Fernsehen-Schalten (und ich denke, auch bei Vorträgen) ist auch ein Rückkanal nötig, um das Gegenüber zu hören. Bei Nutzung des eingebauten Lautsprechers droht eine Rückkopplung, deshalb ist ein simpler Knopf im Ohr die beste Lösung. Auf einer Seite reicht, ist ja nicht Stereo. Ich habe, damit es nicht gar so auffällig ist, dafür einen Ohrhörer-Set mit transparentem Kabel, das aber auch mit einer 2 Meter langen Verlängerung an den Laptop angeschlossen ist. Und dazu das billigste Ausrüstungsteil: Eine Wäscheklammer, mit der ich das Kabel hinten am Hemdkragen befestige.
Klingt alles ein bisschen aufwändig, lohnt sich aber. Für TV-Schaltgespräche allemal, vermutlich auch, wenn man öfter auf diesem Weg Vorträge oder Präsentationen hält.
Damit’s dann so aussieht:
(Auch dieses Bild ist im Original schärfer als es bei Tumblr wirkt)
Kurze beispielhafte Technikliste
• Laptop mit der nötigen Software für die Videoverbindung
• Digitalkamera mit Stativ, ggf. externe Stromquelle für die Kamera
• Video-Verbindung Kamera-Laptop (Kabel oder Kabel und CamLink)
• externes (USB-)Mikrofon
• Ohrhörer (Kabel mit Verlängerung oder Bluetooth)
• Licht: Mindestens zwei helle Lichtquellen. Am besten eine Softbox plus zwei LED-Panel, jeweils auf einem eigenen Lampenstativ
• nicht Technik, aber Teil der Überlegung: Hintergrund
• Wäscheklammer
Und jeweils einen Ort, das alles aufzubauen – und ein bisschen Übung für raschen Auf- und Abbau.
(Thomas Wiegold)







