Heute fast ganz in Vergessenheit geraten ist der Brauch des Weihnachtsklotzes, der noch im vorigen Jahrhundert in verschiedenen Gegenden Deutschlands lebendig war. Ein mächtiger Wurzelstock einer Eiche oder Buche wurde feierlich am Weihnachtsabend ins Haus eingeführt und ans Herdfeuer gelegt. Er blieb bis zum nächsten Weihnachtsfest dort; denn nur bei besonderen Gelegenheiten schob man ihn näher ins Feuer, so daß er das ganze Jahr über reichte. Seine letzten Reste wurden dann am Weihnachtsfest auf die Acker gebracht, denen sie, wie man glaubte, reichen Segen sicherten. Dieser Weihnachtsklotz ist das sichtbare Bild der jährlichen Dauer des Herdfeuers.
Nach ursprünglicher Anschauung ist Ewigkeit keine unendliche Dauer, sondern immer wiederkehrende Erneuerung. So wurde auch das heilige Feuer, das schon in alter Zeit ›ewiges Feuer‹ heißt, einmal im Jahr, und zwar eben zur Wintersonnenwende, gelöscht und feierlich neu entzündet. Mit dieser Erneuerung des ewigen Herdfeuers steht der Weihnachtsblockbrauch in engem Zusammenhang. Er wurde in das neuentzündete Feuer gelegt, das als göttliches Feuer galt. Die verjüngte Flamme des Hauses leuchtete am Mittwintertag als ein Zeichen der wiedergeborenen Sonne, und mit dem neuen Feuer kehrten segenbringende Geister in das Haus ein. Man ließ in der Nacht das Licht hell brennen und stellte Speise und Trank auf den Tisch; denn in diesen heiligen Nächten kehrten auch die Seelen der Verstorbenen bei den Lebenden ein und wurden gastlich aufgenommen.
Sie bringen das Glück und verbürgen dem Hause das Gedeihen im kommenden Jahr. Um diesen göttlichen Ahnenseelen die Wohnung würdig zu machen, räucherte man in den Häusern mit den alten seit Urzeiten überkommenen volkstümlichen Räuchermitteln, nämlich mit Wacholderbeeren und Baumharzen. Der Hausvater selbst trug die Glutpfanne, auf die das Harz, die Wacholderbeeren und mitunter auch Kräuter gelegt wurden, gefolgt von sämtlichen Mitgliedern der Hausgemeinschaft, durch alle Räume — auch die Ställe — und
durchräucherte sie. In Tirol wurde bei diesen Räucherungen vom Hausvater stets der Spruch hergesagt: „Glück ins Haus, Unglück hinaus!“
Verschiedene deutsche Volksüberlieferungen gestatten uns noch etwas Genaueres darüber auszusagen, wie einst im Mittwinter das neue heilige Sonnenfeuer hergestellt wurde, mit dem die gelöschten Herdfeuer neu entzündet wurden. Es geschah dies auf die altertümliche Art des Reibens von Holz, und zwar wurde entweder ein Pfahl in der Nabe eines Wagenrades gequirlt oder mit Hilfe eines Seiles ein Stab gedreht, der zwischen zwei in den Boden gerammten Eichenpfählen oder in horizontaler Lage eingespannt wurde. Dieses Holzfeuerzeug mußte von zwei Burschen bedient werden, die die gleichen Namen hatten oder Brüder waren. All dies ergibt sich aus dem sogenannten Rotfeuerbrauch, der Rückschlüsse auf die Wintersonnenwende erlaubt.
Das Rotfeuer, d. h. Reibefeuer, ist nichts anderes als die aus einem besonderen Anlaß wiederholte wintersonnenwendliche Herderneuerung. Es wurde in einigen Gegenden nachträglich wieder auf einen bestimmten Jahreszeitpunkt festgelegt, und zwar meist auf die Sommersonnenwende. Im allgemeinen wurde es aber nur aus einem besonderen Anlaß – meist wegen einer Viehseuche — veranstaltet. Es kann nur neu gerieben werden, wenn zuvor im ganzen Dorf jedes Feuer und jedes Licht gelöscht war.
Jeder Hausstand mußte Holz für den Scheiterhaufen geben, der in der Nähe des Dorfes, meist in einem Hohlweg, aufgeschichtet wurde. War dann das neue Feuer mit dem Holzfeuerzeug hergestellt, mit Zunder hatte man den entstandenen Funken aufgefangen, ihn durch Schwenken in der Luft entzündet und steckte nun den Scheiterhaufen mit diesem in Brand. Durch die Flammen trieb man, sobald sie etwas niedergebrannt waren, das Vieh hindurch, um es von der Seuche zu heilen. Später nimmt jeder ein brennendes Scheit von dem Scheiterhaufen mit heim und zündet seinen Herd damit wieder an.