Madonna de l'O
Oder Madonna del Parto, Madonna von O, die Madonna des Scheidens/ der Niederkunft: Hubert Damisch kommentiert:
Selbst wenn die Metapher annehmbar und ein Gemälde wirklich, wie Alberti meint, dieses auf die Außenwelt geöffnete Fenster wäre, durch das man betrachten würde, was darin gemalt ist, würde sich die Malerei weder auf eine einfache Kadrierung, noch auf die mehr oder weniger weit getriebene, partielle oder umfassende Beschreibung des so konsituierten Ganzen beschränken. Auch dürfe man erwarten, dass die Aktion, die seine Voraussetzung ist, sich darin in einer Form ausdrücken könnte, die manifestiert, wie die Gegebenheit des Fensters von Anbeginn mit dem Faktum seiner Öffnung zusammenfällt - oder, um es anders zusagen: Wie die Definition des Gemäldes ständig auf seine erste Umgrenzung bezogen werden muss.
Selbst wenn es so wäre, Auch dürfte: Mit kriechenden Konjunktiven führt Damisch aus, dass das Offene, in dem, was seine Operation ausmache, niemals fertig würde. Es erhalte sich in einer fortgesetzten, permanenten Öffnung, wie dies in Descartes Vorstellung göttlicher Schöpfung oder Trotzkis Idee permanenter Revolution der Fall sei. Die Operation der Öffnung würde nie fertig, sie erhalte sich fortgesetzt und permanent: Damisch verweist in einer zweiten Schicht seines Kommentars, in den Fußnoten, auf eine Wortmeldung von Martin Heidegger in einem Seminar, das Eugen Fink 1966/1967 zu Heraklit abhielt:
Die Offenständigkeit ist nicht so etwas wie ein offenes Fenster oder wie ein Durchgang. Die Offenständigkeit des Menschen zu den Dingen meint nicht, dass da ein Loch ist, durch das der Mensch hindurchsieht.
Weil das Offene, das heißt: die Offenständigkeit, nie fertig, sich aber fortgesetzt und permanent erhalten würde, weil das Offene in dem Sinne offenständig sei, kein Fenster, kein Durchgang, kein Loch, gebe sich eine klassische Repräsentation niemals besser zu erkennen als im Moment ihrer Suspendierung. Damisch beschreibt damit, er definiert damit einen technischen Begriff, seinen Begriff klassischer Repräsentation. Er beschreibt ihn über eine Zuspitzung, in dem Sinne über eine große Referenz, eine/die Determinante. Er stellt die Referenz auf die Linien zweier Unterscheidungen, nämlich einerseits der Kadrierung, die den Blick einrasten ließe und die er insoweit mit dem pomerium vergleicht, weil darin Begrenzung und Öffnung auf derselben gründlichen (römischen) Linie läge. Anderseits stellt er die Referenz auf die Linie der Unterscheidung zwischen Einrichtung und Suspendierung, was sie wie eine Resonanz zur Unterscheidung von Regel und Ausnahme erscheinen lässt. Damit, so lautet die These, verkettet Damisch das, was er technisch als klassische Repräsentation definiert, mit Souveränität.
Das kann man machen. Muss man aber nicht.










