Von Zewa, Tempo und Tavanic
Wer mich kennt, weiß: Ich hasse hasse hasse Werbung. In jeder Form und Farbe, in der sie daherkommt, verabscheue ich das Gehabe von irgendwelchen Psycho-Zauberern, die mir suggerrieren wollen, ich möchte etwas haben, das ich gar nicht brauche. Sobald ich gezwungen bin, mir Werbung anzusehen, ist mein erster Gedanke: "Raus aus meinem Kopf, Hexe!" Oder so ähnlich.
Im Umgang mit z.B. den Taschen- oder Küchentüchern deines Vertrauens ist das ja nicht so dramatisch. Heißen halt alle Rotzfahnen dieser Welt pauschal Tempo oder meinetwegen Kleenex und Selters steht ja auch gefühlt im Duden. Ja, sicherlich werden reihenweise Kaufentscheidungen von Markennamen beeinflusst. Aber kaum eine Berufsgruppe hat wie wir Mediziner jeden Tag mit den Ausgeburten von Werbeabteilungen zu kämpfen. Denn jedes Medikament, das wir verschreiben, hat zwei Namen: Da wäre der Name des Wirkstoffes, zum Beispiel das Blutdruckmittel Lercanidipin. Und da wäre der wohlklingende Name, den sich Big Pharmas Marketingabteilung ausgedacht hat, in diesem Falle: "Carmen".
Wieso jetzt Frauennamen besser für den Blutdruck sind und warum es nicht viel witziger wäre, "Dietrich 10mg 1-0-0" zu verordnen, sei jetzt mal dahingestellt. (Ich komme da bestimmt nochmal drauf zurück. Dass das einen Einfluss hat, kann ich mir tatsächlich vorstellen!) Aber im Krankenhaus versteht alle Nase lang einer den anderen nicht, weil es für eine Sache mehr als einen Namen gibt. Das ist in unserem Falle keine Frage der Entscheidung für Rotzfahne A oder Rotzfahne B, sondern durch das gesteigerte Risiko von Kommunikationsproblemen eine echte Gefahr für Medikamentenverwechselungen und damit für Leib und Leben von Patienten. Echt nicht witzig.
Mein erster galliger Rülpser zu diesem Thema kam mir allerdings, als ich einer seit 12 Jahren oder so im Job arbeitenden Krankenschwester in der Kurve schriftlich anordnen musste, dass Acetylsalycilsäure = ASS = Aspirin ist. Sie sah sich nicht in der Lage, die Aufschrift der Packung zu lesen, was mich sehr verwundert hat, denn: Der Gesetzgeber ist ja nicht ganz doof und hat vorgeschrieben, dass unter dem bunten Wohklangnamen auf jedem Medikament der Wirkstoffname draufstehen muss. Das hat sich fortan mit quasi jedem Medikament wiederholt, das nicht als Generikum bei uns auf Station lag und ich bin immer wieder davon irritiert, denn: Es steht ja beides klar lesbar vorne drauf. Irgendwann werde ich von der Tatsache genervt sein, dass ich der Pflege bei uns vorlesen und verordnen muss, was vorne auf der Medikamentenpackung kleingedruckt draufsteht. Dann werden sie mich irgendwann nicht mehr fragen und irgendwann kommt dann der Tag, wo ein Patient ein falsches Medikament bekommt, weil eine Schwester nur "Cynth" und nicht "Moxonidin" kennt (Wieder ein Frauenname für ein Blutdruckmedikament… Ich erkenne da ein Muster)
Wir fassen zusammen: Wo kein Wille ist, ist auch kein Weg… Das Kleingedruckte zu lesen stellt die Menschen allerorten immer wieder vor unüberweindbare Herausforderungen....
... Auf den Schrecken erstmal ne Coke.











