Eine Umfrage unter (nordamerikanischen) PR-Leuten
Marcia W. DiStaso ist derzeit die führende – allerdings auch nahezu die einzige – Forscherin zum Thema Wikipedia und PR. Insbesondere arbeitet sie eng mit CREWE – der Facebookgruppe von PR-Menschen in der Wikipedia - zusammen, und hat mit deren Hilfe eine Umfrage unter PR-Schaffenden konzipiert.
Das Ergebnis der Umfrage erschien als [http://www.prsa.org/Intelligence/PRJournal/Documents/2012DiStaso.pdf Studie „Measuring Public Relations Wikipedia Engagement: How Bright is the Rule?“] erschien 2012 im Public Relations Journal.
Bei der Studie befragte DiStaso im Februar und März 2012 online insgesamt 1284 Personen, die von sich selbst angaben, dass sie praktische Erfahrungen in PR/Öffentlichkeitsarbeit haben. Von den 1284 Personen gaben 1061 an aus Nordamerika zu kommen, die anderen Teilnehmer der Umfrage kamen vor allem aus Asien und Europa. Die Antwortenden arbeiteten dabei sowohl in Unternehmen wie Agenturen, wie staatlichen Einrichtungen, Universitäten, NGOs etc.
Ich wage jetzt aber einfach mal die Behauptung, dass unter den Teilnehmern eine Selbstselektion in Richtung Wikipedia-Nähe erfolgte. Sprich: die Teilnehmer waren vermutlich aktiver in Wikipedia und kenntnisreicher über Wikipedia als es ein repräsentatives Sample gewesen wäre.
DiStaso fragte recht allgemein zum Thema PR und Wikipedia. Dabei ging es um Fragen, was die PR professionals wussten, wie die PR professionals in Wikipedia agieren, wie die Wikipedia mit den PR professionals agiert, und was sich die PR professionals wünschen.
Die ganze Studie ist recht interessant und aufschlussreich. Meines Erachtens steht nichts wirklich Überraschendes drin, aber manchmal ist es ja schon sinnvoll, belastbarere Zahlen zu haben.
Wikipedieren scheint auch in Nordamerika weit verbreitet: Der Aussgae „Ich habe den Eindruck, es ist üblich für PR-Leute Wikipedia zu editieren:“ stimmten 63,1% der Umfrageteilnehmer zu.
Selber editiert haben 31% der Antwortenden und bei mehr als 50% bleiben die Edits immer oder fast immer (3/4 der Zeit) stehen. Die Diskussionsseite hingegen nutzten 12%. Die Antwortzeiten auf den Diskussionsseiten sind stark unterschiedlich, und liegen zwischen Minuten und Wochen, wobei ein Viertel der Anfragenden nie eine Antwort bekam.
Die englische Regel zum Interessenkonflikt kannten und verstanden 21% der Teilnehmer an der Umfrage. 16% hingegen sagten, dass sie die Regel kennen, aber nicht verstehen.
Ganze 14,5% (Nordamerika) beziehungsweise 18% (Rest der Welt) glaubten auch: „Ich habe den Eindruck, es ist üblich unter falschen Namen zu editieren.“
60% derjenigen, die darüber Bescheid wussten, gaben an, dass der Wikipedia-Artikel über ihre Organisation/ihren Klienten faktische Fehler enthielt. Dabei waren besonders oft historische Informationen falsch, einzelne Daten oder Informationen über die aktuelle Unternehmensführung.
Was Vertrauen in und Zufriedenheit mit Wikipedia angeht, erreichte Wikipedia bei PR Professionals mittlere Werte. Die Einschätzung derjenigen, die tatsächlich schon praktische Erfahrungen mit Wikipedia gemacht hatten, war dabei deutlich schlechter als die Einschätzung derjenigen, die das nicht hatten.
Spannend auch die Antwort auf die Frage, wie es denn eigentlich sein sollte. Dabei gaben immerhin 40% an, dass keinerlei Edits durch die PR-Leute direkt sein sollten, sondern immer vorher von Wikipedianer überprüft werden sollten, weitere 30% fanden direkte Edits nur bei „minor edits“ (Rechtschreibung, einfache Fakten) für sinnvoll. Wenig überraschend waren diejenigen, die Wikipedia bereits bearbeitet haben, tendenziell eher dafür Bearbeitungen auch zu erlauben.













