#Gedanken – Protest geht anders
Manchmal werden dir deine Augen geöffnet, obwohl du dachtest, bereits alles voll im Blick zu haben. Eine ganz banale Frage war das, die der Zeit-Redakteur Kai Biermann gestern auf Twitter stellte: Warum protestieren wir nicht gegen die Überwachung durch NSA und co?
Ich will nicht allzu viel zur eigentlichen Aktion sagen, verweise auf den dazu gehörigen Artikel und auf den Hashtag #WirSchafe in der weiten Welt von Twitter. Nur eins: Es ist eine gute Aktion, aber leider eine, die mindestens 90% der Bevölkerung nicht wahrnehmen werden.
Auch ich bin nur zufällig drauf gestoßen, hab mir die Frage nur oberflächlich durch den Kopf gehen lassen. „Jaja genau! Wieso sind die alle so dumm, und lassen das über sich ergehen?“, war mein ultimativer erster Gedanke. Vielleicht auch der erste Gedanke von vielen anderen. Keiner, den man genauer hinterfragt. Und wenn man es doch tut, wird man aus seiner rosaroten Gutmenschen-Welt gerissen. Bin ich nicht selbst der Dumme? Protestiere ich denn dagegen?
Nun, ich sehe in Edward Snowden einen Helden, kritisiere in meinem Blog vereinzelt mal die NSA und bei der Bundestagswahl hab ich nicht Mutti gewählt. Aber ist das schon Protest? Unterscheide ich mich letztendlich so sehr von den Leuten, die völlig ignorant ihre Standard-Phrasen „Ich hab doch nix zu verbergen“ oder „War doch klar, dass wir alle überwacht werden.“ bringen. Bin ich da wirklich anders als die 75% der Deutschen, denen der ganze Skandal laut Umfragen am Arsch vorbei geht? Die Antwort ist ziemlich schmerzhaft: Nope.
Es ist so schön einfach, im anonymen Internet aufzumucken, seinen Senf zu den aktuellen Themen zu geben, und immer irgendwie dagegen zu sein. Es war halt stylisch, Asyl für Snowden zu fordern und Mutti zu verspotten, als sie selbst zum Opfer der NSA wurde. Dagegensein ist „in“. Dagegensein war schon immer cool. Dagegensein fühlt sich revolutionär an - ohne es zu sein. Tatsächlich liegt zwischen Dagegensein und Protestieren ein höllenweiter Unterschied. Der NSA kann's egal sein, was die Couchpotato aus Hinterdeutschland zu ihren Methoden sagt. Die Merkel handelt nicht anders, wenn Otto Normalverteufler auf Twitter seine Meinung kundtut. So sieht es aus. Da kann der olle Alfharix meckern wie er will. Das „Neuland“ kann mit seinen zahlreichen Blogs und Communitys, allem voran Facebook und Twitter, anspornen und aufklären, ein fantastischer Ort für revolutionäre Ideen sein, – nicht aber für „echte“, bewegende Proteste.
Wie beantworte ich aber die eingangs gestellte Frage? Darf ich sagen: „Ich habe nicht gewusst, dass ich nicht protestiere.“? Wohl kaum. Stattdessen sollte man mal wirklich ehrlich sein (aber bitte, bitte wirklich nur dieses eine Mal ...):
Die Überwachung ist zu abstrakt. Wir finden die Ganze alle irgendwie falsch, weil es das verdammt noch mal auch ist, aber es tut uns nicht wirklich weh. Und so lange es uns nicht wehtut, werden nie genug Menschen auf die Straße gehen. Wo nichts revolutionäres ist, wird sich auch nichts verändern. Vielleicht ist das das Dilemma in dieser NSA-Affäre. Vielleicht ist das die Antwort. Ich habe mir grad viele Gedanken gemacht. Und dennoch bezweifle ich, dass ich morgen mit Pappschild und Trillerpfeife bewaffnet einer Demo beiwohne.
Bitte tretet mir in den Arsch. Danke schön.













