Es hat also begonnen und die erste Woche ist schadenfrei überstanden. Bis hierhin aber war es ein recht interessanter Weg...
Es ist Freitag, kurz nach 14 Uhr. Ich komme grad aus dem Appenzell, wo ich die letzte Nacht mit ziemlich fremden Menschen im Naturfreundehaus verbracht habe. Das mit dem Fremdsein hat sich aber schon ein bisschen gelegt, „du“ ist immerhin nicht mehr der einzige Name, den ich kenne.
Die Tage davor allerdings waren geprägt durch unzählige und manchmal unsägliche Vorstellungsrunden, bei denen wir uns immerhin keine imaginären Bälle zuwerfen, uns durch Netze heben lassen oder seltsame Taktübungen absolvieren mussten. Vielmehr wurden wir gebeten, Neues zu erzählen, Dinge über uns, die die anderen noch nicht wüssten. Spätestens nach der dritten Vorstellungsrunde allerdings ist klar: Wir sind wohl doch alle ganz schön langweilig. So viel Neues gibts in der kurzen Zeit einfach nicht zu erzählen.
Dafür erzählen die Dozenten viel Neues. So diskutiert man etwa den Mythos des Künstlers, man arbeitet an dessen Dekonstruktion, fürchtet gleichzeitig seine Rekonstruktion, und erfährt, dass der Künstlerschal auch heute noch dramatisch-pittoresk den Hals so mancher Kreativer ziert. Wir erfahren ausserdem, dass man auch über Arnold Schwarzenegger arbeiten (und promovieren) kann, wenn man von Hause aus Kunsthistoriker und Heavy-Metal-Musiker ist und dass das System Kunst wohl oder übel mit dem System Ökonomie interagieren muss. Oder wenigstens sollte.
Donnerstagmittag treffen wir uns schliesslich im Appenzell und lassen uns vertrauensvoll von Schriftsteller P. W. vom rechten Weg abbringen. Dafür übernimmt er auch die Taschenlast, die allzu schwer auf vielen von uns wiegt. Fast am Ende beziehen wir aber die Hütte am Waldrand doch noch. Zeit zum Einrichten bleibt keine, die Wanderung über die weite Flur hat mehr Zeit gekostet, als im beruflichen Alltag zum Schreiben von Texten bleibt. Wir machen uns also auf zum Unterricht und damit zu den ersten einleitenden Worten der Vertiefung. Und wir kommen gerade richtig, B. und M. beim Anschieben des Lieferwagens zu helfen. Immerhin, im Wagen soll unser Proviant für den Abend liegen...
Abends wird denn auch gefeiert, und wie! Die Vernissage des Buches, das die Studierenden und zwei Dozierende der Z. über den Alpenhof realisiert haben, ist wahrhaft ein Kunstwerk geworden. Es bleibt zu hoffen, dass auch wir an solchen Projekten mitarbeiten dürfen.
Am späten Abend neigt sich der Wein dem Ende, die Stimmung erreicht dafür ihren Höhepunkt und so man wähnt sich fast in einem Roman von Sir Arthur Conan Doyle, als Dozent P. Seine Geige hervorholt und zwischen Gläserleeren und -füllen zum Tanze aufspielt. Er improvisiert appenzellische Töne, man ist ein bisschen beeindruckt und auch ein bisschen verstört. Nach einem weiteren Glas Rotwein und einem Spaziergang durch das mondehelle Appenzellerland verflüchtigt sich aber schliesslich auch dieser Eindruck und ist spätestens Freitagnachmittag gegen 14 Uhr so gut wie vergessen.