Stadtentwicklung im Wandel: Wie neue Projekte das Wohnen verändern
Stadtentwicklung im Wandel: Wie neue Projekte das Wohnen verändern
Einleitung
Du hast es sicher schon bemerkt: Die Städte verändern sich. Und zwar nicht nur, weil dein Nachbar wieder seine Hecke auf die falsche Seite geschnitten hat. Nein, es sind die großen, schillernden Bauprojekte, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Hochhäuser, die in den Himmel ragen, und Wohnanlagen, die so modern sind,…
Wie Tourismusplattformen den Mietmarkt verzerren
Wenn du denkst, dass der Mietmarkt ein Ort der Ruhe und des Friedens ist, dann hast du wahrscheinlich noch nie versucht, eine Wohnung in einer beliebten Stadt zu finden. Die Realität sieht oft ganz anders aus. Während du nach einem gemütlichen Plätzchen suchst, um deine Socken auszubreiten, wird der Wohnraum von Tourismusplattformen wie Airbnb und…
Wohnprojekte brauchen einen Träger, einen Verein, und Begleitung, Verwaltung. Eine Selbsthilfegruppe könnte die Orientierung starten, welche Projekte und Problematiken es in München gibt, welche Chancen im Landkreis oder Bezirk besser wären:
Eine Arbeitsrunde dazu starten, Adressen und Ideen sammeln, Wünsche und Träume formulieren, … Internet-Recherchen und Erfahrungen in anderen Städten und…
Wohnprojekte brauchen einen Träger, einen Verein, und Begleitung, Verwaltung. Eine Selbsthilfegruppe könnte die Orientierung starten, welche Projekte und Problematiken es in München gibt, welche Chancen im Landkreis oder Bezirk besser wären:
Eine Arbeitsrunde dazu starten, Adressen und Ideen sammeln, Wünsche und Träume formulieren, … Internet-Recherchen und Erfahrungen in anderen Städten und…
In Hamburg kümmert sich eine Stiftung um Häuser mit alternativen Projekten. Doch nun werden die Gebäude an ein städtisches Unternehmen verkauft – zum Ärger der Bewohner.
Anke Schwarzer | Zeit Online, 14.7.2015
"Wem wir momentan gehören, wissen wir nicht mit Sicherheit", sagt Frank Gemein. Gemeinsam mit 24 Erwachsenen und sieben Kindern lebt er in der Jäpa, einem Wohnprojekt in der Wohlwillstraße auf St. Pauli. Sie teilen sich ein Badezimmer, eine Küche und eine Schneiderei. Ein Leben jenseits von Single- und Kleinfamilien-Apartments und doch mitten in der Stadt.
Vor etwa 30 Jahren plante der damalige Besitzer, die SAGA, die alten Rotklinker-Häuser abzureißen. Das wollten einige Anwohner nicht hinnehmen, nach und nach besetzten sie einen Teil des Gebäudeensembles. Mit Erfolg: Die Stadt erwarb den denkmalgeschützten Gebäudekomplex und ließ die Protestler darin wohnen.
Die Jäpa-Bewohner müssen der stadteigenen Lawaetz-Stiftung seither nur eine geringe Miete zahlen, sich dafür aber um die Sanierung der Häuser kümmern. Dafür bekamen sie auch Fördergeld. Ende der Achtziger begannen sie damit, die Gebäude so herzurichten, dass sie gemeinsam darin leben können.
Die Abmachung zwischen der Stadt und den Bewohnern gilt bis heute. Der Mietvertrag läuft bis 2018 und beinhaltet sogar Verlängerungsoptionen. Aber: Die Bewohner haben Angst, im Stillen einen neuen Besitzer zu bekommen. Frank Gemein und seine Mitbewohner befürchten, sie könnten wieder der SAGA gehören, die nach einem Zusammenschluss nun SAGA GWG heißt. Eine Aktiengesellschaft im Besitz der Stadt, der 130.000 Wohnungen gehören. Ihre Aufgabe ist es, Gewinne zu erwirtschaften.
Ab 2018 wäre dann für die Wohngemeinschaft Jäpa nicht mehr die Stadt Verhandlungspartner, sondern die SAGA GWG. In diesem Fall rechnet sie damit, schnell eine höhere Miete zahlen zu müssen oder Probleme bei der Vertragsverlängerung zu bekommen. Sie traut der Stadt als Vertragspartner nicht mehr und hält es sogar für möglich, dass diese ihre Häuser bereits vor 2018 an die SAGA GWG verkauft, ohne ihnen Bescheid zu geben.
Einer der Gründe für diese Sorge sind die Erfahrungen anderer Wohnprojekte in Hamburg. Das nahe Karolinenviertel etwa war vor 25 Jahren zum Sanierungsgebiet erklärt und aufgewertet worden. Danach, Ende 2013, verkaufte die Stadt um die 800 Wohneinheiten für knapp 80 Millionen Euro an die SAGA GWG, darunter auch selbstverwaltete Wohnprojekte. Auch die Gegend rund um die Jäpa ist derzeit Sanierungsgebiet, noch bis Ende des Jahres. "Wir müssen damit rechnen, dass wir dann auch an die SAGA GWG gehen", so Frank Gemein.
Dass der Hamburger Senat in zunehmendem Maße städtische Wohnflächen an die SAGA GWG überträgt, bestärkt Frank Gemeins Sorge. "Den Immobilienstand ordnen", nennt sich das Vorgehen. Mit der Übertragung werde gewährleistet, so die Hamburger Finanzbehörde, dass die Wohnimmobilien zukünftig "im Eigentum eines Wohnungsunternehmens stehen, das seit über 90 Jahren für die Stadt Hamburg die Schaffung und die Verwaltung von Wohnraum in sozialer Verantwortung übernimmt".
Sowohl die SAGA GWG als auch die Finanzbehörde behaupten, dass sich für die selbstverwalteten Wohnprojekte bei einem Verkauf nichts ändere. "Der Eigentümer wechselt lediglich innerhalb des Konzerns der Freien und Hansestadt Hamburg, die Verträge bleiben unverändert gültig", so der SAGA GWG-Sprecher Michael Ahrens.
Eine Ansage, der die Jäpa und andere Wohnprojekte nicht trauen. Häuser wie die Wilde Mathilde, die Freiheit 84 oder der Schröderstift. Der Senat hat seit 1984 mit rund 50 Wohngemeinschaften ähnliche Verträge wie mit der Jäpa abgeschlossen. Ein Weg, um mit den damals zahlreichen Hausbesetzungen umzugehen, ihnen eine legale Form zu geben.
Nun haben die Wohnprojekte sich zu einem Dachverband zusammengeschlossen, um gegen die Politik des Senats vorzugehen. Ihre gemeinsame Parole: "Es reicht! Unsere Projekte sind keine Verhandlungsmasse." Sie befürchten, dass die Mieten erhöht werden und ihre Selbstverwaltung oder gar ihre ganzen Häuser verloren gehen.
"Wir erwarten von der Stadt, dass sie sich vor einer Übertragung mit den Wohnprojekten zusammensetzt und keine Hinterzimmerpolitik betreibt", sagt Christiane Hollander, Juristin bei Mieter helfen Mietern. Sie berät den Dachverband und findet den Umgang der Stadt mit seinen langjährigen Vertragspartnern intransparent und unverständlich.
"Alternative Wohnformen genießen eine hohe Akzeptanz in Hamburg", sagt Hollander. Die Wohnprojekte wirkten auch positiv in die Nachbarschaft, sie sorgten dafür, dass Menschen eine Unterkunft fänden, die sonst keine Wohnung erhielten. "Es wird sehr viel über Beteiligung gesprochen, aber an dieser Stelle findet sie nicht statt", bemängelt die Juristin des Mietervereins.
Den Vorwurf, die Stadt würde die Mieter nicht vorab über einen Verkauf informieren, kann Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, nicht verstehen. "Die Nutzer werden regelhaft nicht über eine Eigentumsübertragung informiert, da sichergestellt ist, dass sich die Rahmenbedingungen für sie nicht verändern", sagt er. Es ändere sich nur der Besitzer, der Verwalter bliebe der gleiche. Zudem würde die SAGA GWG "unmittelbar" über Eigentumsübertragungen Bescheid geben.
Wie lange das allerdings dauern kann, hat das Wohn- und Werkstattprojekt Villa Magdalena K. erfahren. Sie liegt in der Bernstorffstraße, um die Ecke von der Jäpa. Die Bewohner wurden erst nach 14 Jahren über einen Verkauf informiert. Und nach weiteren drei Jahren wechselte dann auch der Verwalter.
"Bereits 1997 sind wir an die SAGA verkauft worden – und keiner hat's gemerkt, nicht einmal die SAGA selbst", sagt Bewohnerin Karin Kröll. Ende 2011 habe sie per Telefon davon erfahren. Weitere drei Jahre später habe die städtische Aktiengesellschaft die Villa-Aktenordner beim bisherigen Vermieter, der Lawaetz Service GmbH, abgeholt.
Doch nicht nur bei der Villa Magdalena K. scheinen Finanzbehörde und SAGA GWG den Überblick verloren zu haben. Verwirrend sind auch ihre Angaben darüber, wie viele selbstverwaltete Wohnprojekte sie seit 1995 übertragen haben. Laut Finanzbehörde sind es fünf, laut SAGA GWG nur zwei. Informationen, die auf die Bewohner nicht gerade vertrauensbildend wirken.
Die Bewohnerinnen von Villa Magdalena K. treiben jetzt jedoch ganz grundsätzliche Sorgen um. Im Jahr 2009, als ihr Haus bereits der SAGA gehörte, was aber offenbar keiner der Beteiligten zu diesem Zeitpunkt wusste, vereinbarten die Bewohnerinnen mit der Lawaetz Service GmbH moderate Mietsteigerungen und die Option, ihren Vertrag über 2015 hinaus zu verlängern. Mittlerweile zahlen sie knapp sechs Euro für den Quadratmeter, davon geht eine Pauschale für die Instandhaltung ab.
In diesem Frühjahr jedoch verweigerte die SAGA GWG ihnen die Vertragsverlängerung: Die Option sei 2009 nicht in Absprache mit ihr ausgehandelt worden und deshalb nicht gültig, heißt es. Bleibt es bei diesem Nein, läuft der Mietvertrag für die Villa K. im November dieses Jahres aus. Gleichzeitig habe die SAGA GWG andere Teile der gleichen Vertragsergänzung, etwa die regelmäßige Mieterhöhung, sehr wohl anerkannt, erzählt Kröll.
Inzwischen merken die Bewohnerinnen der Magdalena K. bei ihren alltäglichen Arbeitsabläufen, dass ihre Villa einen neuen Besitzer hat. Seit fast 25 Jahren, nach einer kurzen Besetzung und einer mehrjährigen Sanierung in Eigenleistung, leben die Frauen nun in dem Gebäude der Stadt Hamburg. Sie kümmern sich darum, dass der Rasen gemäht, neue Fenster eingesetzt und das Dach erneuert wird. Auch die Betriebskostenabrechnung erstellen sie selbst.
Doch als Karin Kröll vor Kurzem nach Hause kam und sich darüber freute, dass eine ihrer Mitbewohnerinnen den Rasen gemäht hatte, erlebte sie eine Überraschung: Der Gartenservice der SAGA GWG hatte den Job erledigt. Und dabei nicht nur das Gras im Vorgarten gestutzt, sondern auch die Tulpen ausgerupft.