Ich will einfach weg sein. Es würde ohne mich sowieso nichts fehlen.

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Ich will einfach weg sein. Es würde ohne mich sowieso nichts fehlen.
Wenn ich dünn wäre
Wenn ich dünn wäre, würden mich die Leute nicht verurteilend anschauen.
Wenn ich dünn wäre, könnte ich anziehen was ich möchte.
Wenn ich dünn wäre, müsste ich mich nicht für mich schämen.
Weil ich dünn wäre
Wenn ich dünn wäre, könnte ich essen was ich will, denn es wäre ja nicht schlimm.
Weil ich dünn wäre, würde mich die Gesellschaft akzeptieren.
Weil ich dünn wäre, würden mich die Leute akzeptieren wie ich bin.
Weil ich dünn wäre, würden mich die Menschen lieben wie ich bin.
Aber ich bin nicht dünn. Ich bin nicht akzeptiert.
Muss wieder abnehmen.
Kennt ihr diese Menschen die euch nur psychisch kaputt machen, andauernd irgendwelche Kommentare. Wie soll man dann immer stark bleiben ?
Wie sehr es doch triggert, wenn man in bestimmte Sachen, die man etwas länger nicht an hatte, einfach nicht mehr reinpasst. Oder noch schlimmer: sie beim anprobieren (fast) kaputt gehen...
Ich muss dringend abnehmen
Wie können meine Gefühle so schnell von einem leichten Frühlingstag zu einem eiskalten Schneesturm wechseln?
und irgendwann suchst du die fehler nur noch bei dir selbst.
Ich will mich schön fühlen. Mit mir. Für mich.
Heute wünsche ich mir ich würde mich schön fühlen können.
In dem Rock den ich angezogen habe, den ich schon seit drei Jahren nicht mehr anhatte weil ich mich nicht schön in ihm fühle.
In einem Rock und einer Strumpfhose. Eine Hose die all die Beulen und Dellen in meinen Beinen zeigt.
In einem Rock der nicht zu eng ist aber zu eng anliegt an meinem Bauch. Obwohl er doch so luftig ist.
Ich wünschte ich könnte mich schön fühlen. Obwohl ich mich nicht schön fühle. Obwohl er mir immer wieder sagt, dass er mich schön findet.
Ich will nicht schön sein. Ich weiß, dass schön sein eine Idealvorstellung ist bei der immer irgendjemand irgendwann irgendetwas zu meckern hat und man dann eben doch nicht mehr schön ist.
Aber ich möchte mich doch nur schön fühlen. Und so alleine vor dem Spiegel in meiner 24 Quadratmeter kleinen Wohnung fühle ich mich schön. Bis ich daran denke, dass ich mich heute in gleich drei Züge voller Menschen setzten muss.
Menschen die sich darüber lustig machen, dass ich an der Bahn stehe und mit mir selber rede, weil sie die Ohrstöpsel nicht gesehen haben durch die die Stimme meines Freundes mir von seinem Tag berichtet. Aber “die Jugend von heute. Da denkt man doch die sind alle verrückt wenn die einfach immer so ins nichts reden”
Und ich stehe auf und gehe. Nicht nur weil es stört wenn dieses gemecker sich zwischen die Worte meines Freundes drängt. Sondern auch weil es mich wütend macht. Weil es meine Entscheidung sein sollte wann ich wie mit wem rede. Weil es einfach unverschämt ist über jemanden zureden der direkt neben einem steht. Weil es mich wütend macht wenn über mich ohne mich geredet wird.
Ich würde mich gerne schön fühlen in diesem Rock, den ich doch eigentlich mag. Und ich will ja nicht mal schön sein. Mich nur so fühlen können. Und so vor dem Spiegel finde ich mich schön, bis ich daran denke, dass ich gleich zum Bahnhof laufen muss. Durch die Innenstadt mir all ihren Menschen.
Mit den Menschen zu denen auch die beiden alten Damen gehören, die vor einem Feiertag mit mir gemeinsam, hinter mir an der Kasse stehen. “Schon komisch was die Leute so alles einkaufen. Die Jugend von Heute, nur fertig Sachen und dann wundern sie sich wenn sie krank werden. Ja bei all dem fertigen Zeug. Ja die können schon gar nicht mehr selbst kochen. Ja.”
Und ich werde wieder wütend. Schaue auf meinen Einkauf. Auf das Band, auf dem die kleine Stangen meinen Einkauf von ihrem trennen. Auf meinen Einkauf, neben den Weintrauben, Birnen und Kohlrabi steht tatsächlich eine Dose mit Ravioli. Und daneben liegt eine Packung mit fertigem Kuchen aus der Tiefkühltruhe. Ja gesund ist das nicht. Das weiß ich auch. Aber ich weiß eben auch, dass mein Opa im sterben liegt. Dass er sich diesen Kuchen so sehr gewünscht hat. Ich weiß eben auch, dass meine Küche zu klein ist um einen Ofen zu haben der Kuchen auch wirklich backen kann. Ich weiß, dass ich eine Stunde später in den Zug zu meinem sterbendem Opa steigen würde, wenn ich vernünftig kochen wollen würde. Und ich weiß, dass ich mich dazu entschieden habe einmal eben nicht selbst zu kochen.
Das wissen sie nicht. Und vermutlich sollte ich es ihnen sagen damit sie aufhören neben mir, ohne mich über mich zu reden. Es macht mich wütend, dass sie über mich Urteilen während ich neben Ihnen stehe.
Und dabei will ich mich doch einfach nur schön fühlen. In meinem Rock. In dem Rock in dem ich mich nur zuhause schön fühle. Weil sobald ich raus gehe die Menschen anfangen zu Urteilen. Über Dinge die sie nicht verstehen. Über Dinge die sie nicht wissen. Über mich.
Ich will mich doch einfach nur schön fühlen. Ohne dass die Menschen über mich reden. Sie müssen mich nicht schön finden. Das will ich nicht. Aber ich will auch nicht, dass sie mir ihre Urteile über mich mitteilen. Ich will mich einfach schön fühlen. Mit mir. Für mich.