Die Frage nach der Schuld
Die Schuld an der Flugzeugtragödie wird im Moment wie ein Schwarzer Peter hin und her geschoben. Einige behaupten, es seien Männer in ukrainischen Uniformen gewesen, die die Boeing 777 abgeschossen haben und dass die USA über Satellitenaufnahmen verfüge, die das klar belegen.
Andere wiederum - vor allem die westlichen Mächte - sind davon überzeugt, dass die von den Russen ausgebildet und ausgerüsteten Separatisten für das Unglück Verantwortlich sind.
Somit nimmt der Druck auf Russland zu: laut Kerry sei für Putin der Augenblick der Wahrheit gekommen. Russland müsse seine zweigleisige Politik beenden und seinen Worten endlich Taten folgen lassen. Die grossen Drei der EU: Merkel, Hollande und Cameron schliessen sich Washington an und drohen mit einer Verschärfung der EU-Sanktionen sollte der russische Präsident nicht endlich die ukrainische Grenze dicht machen - dabei stellt sich natürlich die Frage, inwiefern die EU ihrerseits bereit ist ihren Worten Taten folgen zu lassen.
Nun scheint es tatsächlich so, als zeigen die Drohungen der USA und EU Wirkung. Putin forderte in einem nachmitternächtlichen Fernsehauftritt die Separatisten dazu auf, den internationalen Experten endlich uneingeschränkten Zutritt zur Absturzstelle zu gewährleisten. Trotzdem beharrt der russische Regierungschef darauf, dass die Schuld für das Unglück bei der ukrainischen Regierung liegt, da diese die Kampfhandlungen nach einer Feuerpause wieder aufnahm.Er bezieht sich dabei auf die ukrainische Armee, die derweilen verstärkt die Rebellenhochburg Donezk angreift. Wobei es denn Anschein macht, als würden Verluste aus der Bevölkerung durchaus in Kauf genommen werden.
Doch weshalb flog die zivile Maschine überhaupt über ein Krisengebiet? Vor allem, wenn man bedenkt, dass es schon Wochen vor dem 17. Juli zu Abschüssen von Militärmaschinen kam. Im Juni allein wurden in der Ostukraine zwei Flugzeuge abgeschossen. Diese flogen allerdings in einer Höhe von weniger als 3500 Meter und waren somit innerhalb der Reichweite von sogenannten MANPADS (Man-Portable-Air-Defense-System), welche leicht zu bedienen sind und von denen man wusste, dass die Separatisten über sie verfügen. MH17 flog in einer Höhe von 10'000 Meter und war somit weit ausserhalb der Reichweite von MANPADS. Vielleicht dachte sich deshalb die ICAO (Inernational Civil Aviation Organization) , dass eine Flughöhe von über 9759 Meter für zivile Flugzeuge sicher wäre.
Allerdings wurde am 14. Juli – also bloss drei Tage vor der Katastrophe von MH17 – ein Militärtransporter in einer Höhe von 6400 Meter abgeschossen. Obwohl der Transporter nicht in gleicher Höhe wie die Boeing 777 unterwegs war, so befand er sich doch deutlich ausserhalb der Reichweite von MANPADS. Es war also ersichtlich, dass es Kräfte in der Ostukraine gibt, die Flugzeuge in hoher Höhe abschiessen können und das auch taten. Weshalb hat die ICAO also nicht reagiert? Laut eigener Aussage würden die Staaten die ICAO darüber informieren, auf welchen Höhen Sicherheitsrisiken bestehen. Die ICAO entscheide darüber nur in Ausnahmefällen.
Wer trägt also schlussendlich die Schuld an dem Flugzeugabsturz? Kann man sie überhaupt bloss einem einzelnen Individuum oder einer Partei zuschieben? Wahrscheinlich war es schlicht und einfach eine unglückliche Konstellation. Es war Pech, dass die Täter über Waffen mit hoher Reichweite verfügten, es war weiterhin Pech, dass es unter ihnen scheinbar Spezialisten gab, die wussten, wie man diese Waffen bediente aber nicht in der Lage waren zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden. Und ausserdem war es Pech, dass Poroschenko seine Offensive wieder aufnahm und es auch versäumte die ICAO vor den gefährlicheren Waffensystemen zu warnen.
Und natürlich ist es Pech für alle Beteiligten, dass bis anhin keine friedliche Lösung für den Konflikt gefunden werden konnte.















