Web-Stream: Duran Duranâs komplettes Jimmy Kimmel Live! Afertshow-Konzert auf Yahoo Live.
Mit ihrem neuen, erfolgreichen Album Paper Gods bekommt die Kultband Duran Duran (Pioniere des New Wave/Post-Punk und ehemalige Teenagerherzensbrecher) endlich die Anerkennung und den Respekt den sie verdienen. Trotzdem wurden sie gerade schon wieder bei den Nominierungen fĂŒr die Rock and Roll Hall of Fame ĂŒbergangen â und dann meinte auch noch ein Brancheninsider gegenĂŒber Billboard in einer mittlerweile berĂŒchtigten Aussage, dass es âWimperntuschenbandsâ (also D2 und ihre 80er-Kollegen wie Depeche Mode) niemals dorthin schaffen wĂŒrden. Doch D2s Simon Le Bon kĂŒmmert das herzlich wenig.
âIch habe ein Problem mit dieser Institutionalisierung des Rock ÂŽnÂŽ Rollâ, sagte uns Le Bon. âIch gehe nicht gern an Orte, wo man im Frack erscheinen muss. Ich glaube nicht, dass die Rock and Roll Hall of Fame an sich etwas Schlechtes ist, aber ich muss jetzt auch nicht neben Jerry Lee Lewis, James Brown, den Rolling Stones, U2 und den ganzen anderen Leuten platziert werden, damit ich mich als wertvoll empfinde. Was fĂŒr mich wirklich zĂ€hlt, sind die Menschen, die heute Nachmittag zu unserem Konzert kommen. Der Verkauf eines einzigen Albums ist mir wichtiger als 100 Rock and Roll Hall of Fames.â
Duran Duran hat in letzter Zeit durchaus mehr als ein einziges Album verkauft: Paper Gods landete beim Billboard 200 auf der Nr. 10, die höchste Charts-Position der Band seit ĂŒber 20 Jahren. Das ist natĂŒrlich den Fans zu verdanken, den treuen âDuraniesâ, die die Band laut Le Bon âin guten und in schlechten Zeiten unterstĂŒtzt habenâ.
âBei diesem Album haben wir zum ersten Mal das Wort âMarkeâ in unseren Interviews benutztâ, gesteht Duran Durans Bassist John Taylor mit einem verlegenen Grinsen. âUnd wenn es um eine Marke geht, dann ist die Frage fast immer: Wie bewahren wir die ursprĂŒnglichen Aspekte, mit denen uns die Leute kennengelernt haben? Es war uns sehr wichtig, dass unsere Fans dieses Album lieben. NatĂŒrlich hofft man immer, dass es sich schon irgendwie verbreiten wird, aber uns war sehr wichtig, dass genau die Leute das Album lieben, die jeden Tag vor unserem Studio stehen. Und mit dem neuen Album können wir tatsĂ€chlich spĂŒren, wie stolz die Fans sind. Auf unserer Tour haben wir Leute gesehen, die seit 10 Jahren nicht mehr auf einem Konzert waren und jetzt ihre alten T-Shirts aus dem Schrank gekramt haben und wieder da sind. Das ist wirklich sehr, sehr schön.â
âWenn man einen KĂŒnstler schon lange mag und seine Projekte verfolgt und plötzlich bringt er etwas heraus, ĂŒber das alle reden, fĂŒhlt man sich als Fan validiert und bestĂ€rktâ, fĂŒgt Le Bon stolz hinzu.
Duran Duran â bestehend aus Taylor, Le Bon sowie Nick Rhodes (Keyboard) und Roger Taylor (Schlagzeug) von den ursprĂŒnglichen fĂŒnf Mitgliedern â haben mit Paper Gods die perfekte Synthese zwischen ihren letzten beiden Alben getrofffen: WĂ€hrendAll You Need Is Now von 2010 plumpes Retro war und an Rio anlehnte (laut Taylor habe Produzent Mark Ronson den Sound und Zeitgeist von Rio nehmen wollen und akustisch wiederauferstehen lassen), war Red Carpet Massacre von 2007 ein erfolgloses und missverstandenes Electroexperiment (produziert von Timbaland), das weder bei Fans noch bei Kritikern ankam. Taylor gibt selbst zu, dass Red Carpet Massacre ânichts mehr mit dem klassischen Duran Duran Sound zu tun hatteâ. Und Le Bon betont: âIch glaube, Red Carpet Massacre wurde als Album an sich ĂŒbersehen. Aber es war einfach das falsche Album fĂŒr die Fans und wenn die Fans sich nicht damit anfreunden können, dann fehlt der anfĂ€ngliche Schwung, der es in die Charts bringt, sodass alle darauf aufmerksam werden.â
âMit dem aktuellen Album wollten wir es anders machen. Wir alle lieben moderne Musik und hören uns immer an, was da gerade so passiertâ, sagt Taylor. âUnd dabei ĂŒberlegen wir uns dann, ob wir das in unseren Sound integrieren können. Aber andererseits fragen wir uns auch, ob das nicht auf Kosten von etwas anderem geht.â Also rekrutierte die Band eine Reihe von beeindruckenden GĂ€sten: Janelle Monae (fĂŒr die temperamentvolle Hauptsingle Pressure Off), Mr. Hudson, Nile Rodgers, Mark Ronson, John Frusciante, Mews Jonas Bjerre und Kiesza (auf die Le Bon stieĂ, als sein Fitnessstudio ihr bahnbrechendes Musikvideo âHideawayâ spielte). Das Ergebnis ist ein Album mit schlankem, mutigem, neuem Sound, das zu Duran Durans frĂŒheren Produktionen passt, aber frisch genug ist, um lautes Lob zu bekommen, sogar von Pitchfork.
âDas ist einer der wirklich wichtigen Faktoren in der Langlebigkeit von Duran Duranâ, sagt Le Bon. âWir investieren die Zeit im Studio, aber auch die Emotionen⊠an diesem Album, an Paper Gods, haben wir ĂŒber ein Jahr gebastelt und rumĂŒberlegt, bevor wir eine Richtung und eine gute Ideenauswahl hatten⊠Nur, weil wir die entsprechende Energie reingesteckt haben, sind die Lieder jetzt so vorzeigbar geworden und gefallen auch Leuten, die Duran Duran noch nicht kennen. Das ist ziemlich selten in der Branche und ich glaube, dass wir es zum einen verdient haben, weil wir die Arbeit reingesteckt haben und dass wir uns zum anderen sehr glĂŒcklich schĂ€tzen können. Wir haben groĂes GlĂŒck, dass wir so tolle Fans haben.â
Paper Gods hat ĂŒberwiegend begeisterte Kritiken bekommen, doch Taylor zuckt mit den Achseln und meint: âWir sind mittlerweile ziemlich immun gegen Rockkritik. Als wir die ersten Jahre neu dabei waren, ging die Presse ziemlich hart mit uns um. Sie machten es uns wirklich schwer. Die wichtigen Medien waren nicht auf unserer Seite. Also lernten wir ziemlich schnell, uns nicht auf sie zu verlassen. Klar, jetzt gerade sind die Kritiken gut, aberâŠâ
Le Bon ruft dazwischen: âDie Sache ist die: Wenn man das Gute liest, muss man auch das Schlechte lesen. Und das kann ganz schön deprimierend sein⊠die Kritiker, also die Leute die fĂŒr Magazine wie NME und Sounds schreiben, waren in den 80ern alles Typen, die eine sehr genaue Vorstellung davon hatten, wie ein Entertainer auszusehen hat. Und wir fielen nicht in diese Kategorie. Und das es vor allem MĂ€dels waren, die uns mochten, fĂŒhrte zu zwei Reaktionen bei denen: Zum einen wurden sie eifersĂŒchtig. Das kompensierten sie dann damit, dass sie sagten âein weiblicher Fan ist kein echter Fanâ. Und darunter haben wir definitiv gelitten. Aber wisst ihr was, uns gibt es noch â und die nicht!â
Duran Duran hĂ€lt sich mit SchĂ€tzungen zum genauen Zeitpunkt, an dem die Kritiker endlich auf ihre Seite kamen, zurĂŒck. Doch Le Bon zitiert eine Kritik, die ihm viel bedeutet habe. Als 2012 bekannt wurde, dass sie beim Olympischen Konzert spielen wĂŒrden, habe ein Typ namens Tony Parsons vom NME angefangen, die Messer zu wetzen. Und zu ihrer aller Ăberraschung sei es dann Journalist Paul Morley vom Guardian gewesen, der der Band zur Hilfe eilte â dieser Mann hĂ€tte geschrieben, dass er Duran Duran seit 30 Jahren hassen wĂŒrde. Morley habe geschrieben: âWeiĂt du was, ich bin kein Fan von Duran Duran. Ich konnte sie frĂŒher nicht ausstehen. Und ich werde nicht losziehen und alle ihre Alben kaufen. Aber ich muss zugeben, dass ich sie grummelnd dafĂŒr respektiere, dass sie in dieser wirklich harten Welt ĂŒberleben.â Und das habe ihm so viel bedeutet. Nur das habe gezĂ€hlt.
Taylor sinniert: âSo geht die Geschichte eben. Jetzt sind wir Ă€lter und reden viel darĂŒber, wie es frĂŒher war. Es war alles sehr emotional, wir haben auf alles emotional reagiert. Vielleicht versteht man uns besser, wenn man das bedenkt. Ich denke nicht an eines unserer Alben und ĂŒberlege mir âOh, das Album wurde ĂŒbersehenâ. Sondern fĂŒr mich war es genau das richtige Album, das genau das getan hat, was es machen sollte. Das ist eine Philosophie, mit der ich mich genau da, wo ich jetzt bin, gut fĂŒhle. Und wenn ich mich an diesem Ort gut fĂŒhle, kann ich auch den Weg gut finden, der mich dorthin gefĂŒhrt hat.â
Duran Duran kommt vielleicht nie in die Rock and Roll Hall of Fame, aber nach vier Jahrzehnten Karriere mit wilden Auf und Abs wissen sie, dass sie einen Platz in der Musikgeschichte haben â und in den Herzen und Albensammlungen der treuen und ergebenen Fans, die Duran Duran frĂŒher tatsĂ€chlich als âPaper Godsâ anbeteten und ihre Zimmer mit Postern der Band tapezierten.
âAls ich selbst Teenager war, haben ein halbes Dutzend bis maximal ein Dutzend KĂŒnstler mein Leben verĂ€ndert. DafĂŒr bin ich fĂŒr immer dankbarâ, erinnert sich Taylor an die Musikhelden aus seiner Kindheit. âIch kann mich bei Paul McCartney, George Harrison, Johnny Rotten, Joe Strummer oder Bryan Ferry natĂŒrlich nie dafĂŒr revanchieren, was sie mir gegeben haben. Sie haben mich aus meinem kleinen Leben herausgeholt und mich zu dieser unglaublichen Karriere gefĂŒhrt. Ich glaube, wenn man Menschen bewegt und ein Teil ihres Lebens wird, dann bedeutet man ihnen fĂŒr immer etwas. Und das ist fĂŒr uns der Kern eines jeden Albums, das wir herausbringen.â