Der Beginn einer sozialkritischen Kurzgeschichte über den eigenen Lebenssinn.
Lebenswünsche
Es war Nacht und alle Bewohner des Hauses lagen bereits in tiefem Schlummer.
Nur er war zu dieser späten Stunde noch wach, auch wenn ihn der Wecker in wenigen Stunden wieder aus dem Schlaf reißen würde.
Gedankenverloren blickte er über den Rand seines Notebooks hinweg.
Sein Arbeitszimmer war aufgeräumt. Er war zwar nicht der ordentlichste Mensch, aber er hatte das Bedürfnis, das Chaos in seinem Kopf durch die Ordnung des Arbeitszimmers zu kompensieren.
Die geöffnete Dokumentenseite starrte ihm mit leerem Blick entgegen. Es war nicht so, dass er keine Ideen hatte. Er konnte nur in dem Bewusstsein nicht schreiben, dass ihm bis zur Abgabe kaum noch Zeit blieb.
Während der letzten Stunde hatte er immer wieder einen Absatz begonnen und das Geschriebene daraufhin gelöscht. Es klang lieblos, erzwungen und stilistisch ungelenk.
Da er keinen weiteren Versuch wagen wollte, ließ er seine Gedanken schweifen.
Vielleicht sollte er das Schreiben lassen, das Dokument schließen und eine jener Menschen werden, die er täglich in der Bahn beobachtete.
Jeden Morgen, wenn er seine Wohnung verließ, um sich auf den Weg zur Arbeit zu begeben, betrachtete er all die anderen Menschen um sich herum.
Viele erschienen ihm wie Roboter, programmiert um zu funktionieren.
Sie fuhren morgens zur Arbeit, um abends nach dem gemeinsamen Essen mit der Familie vor dem Fernseher einzuschlafen.
Sie passten ihre Kleidung dem sozialen Status, dem Wunsch der Bekleidungsindustrie an und bemerkten dabei nicht, dass tausende andere es ihnen gleich taten.
Individualität war unerwünscht, gar verteufelt.










