Im Wandel der Zeit sieht sich die Gemeinde immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Kulturelle Umbrüche fordern neue Formen, neue Klänge. Aber auch unsere Hingabe zu Gott treibt uns an, uns immer nach dem Besten für Ihn und seine Gemeinde auszustrecken. _______________________________ Wie kann also der musikalische Dienst in der Gemeinde aussehen, wenn er biblisch fundiert, musikalisch hochwertig und in unserer Kultur relevant sein soll?
Die offensichtliche Aufgabe des Anbetungsleiters ist es, Zeiten zu schaffen, in denen den Gläubigen der Weg in die bewusste Anbetung Gottes geebnet und jeglicher Störfaktor entschärft wird.
Jedoch wird dieser Dienst keine bleibenden Früchte tragen, wenn er sich nicht der noch viel größeren Verantwortung stellt, einen allumfassenden Lebensstil der Anbetung Gottes durch eigenes Vorbild in anderen zu wecken.
Anbetung ist zeitlos.
Aber obwohl Gott sich nie ändert, geschieht unsere Anbetung - vor allem die musikalische - doch immer im Rahmen des Irdischen und Wandelbaren. Deswegen stehen auch Anbetungsleiter vor der Herausforderung, das Zeitlose immer wieder neu einzukleiden, denn sonst wirkt es schnell alt und überholt.
Worship Leader Magazine ist eine englischsprachige Zeitschrift für den Anbetungsleiter und bietet Hilfestellung auf geistlichem und praktischem Terrain. Es lohnt sich auf jeden Fall, immer mal wieder durch die neusten Ausgaben zu blättern.
Vor allem möchte ich die hier verlinkte Oktoberausgabe empfehlen. Einmal jährlich zeichnet Worship Leader Magazine das Beste aus allen Bereichen aus, die für den Dienst eines Anbetungsleiters hilfreich sein können. Wer sich also schon immer mal gefragt hat, welche Lieder andere Anbetungsleiter gerne singen, welche Technik sie lieben, wo sie sich weiterbilden uvm., der ist hier bestens bedient.
Stellt euch mal eine weiße Decke vor. Wenn ich behaupte, eine Decke kann dazu dienen, die Wärme darunter zu bewahren, dann wird mir jeder zustimmen. Frage ich allerdings, wie sich denn so eine Decke anfühlt, dann werden einige antworten, dass sie weich und flauschig ist. Die anderen werden hingegen protestieren und behaupten, dass man an die Decke oft gar nicht so einfach ohne Hilfsmittel herankommt um zu spüren, wie sie sich anfühlt. Aber jeder, der schon einmal auf einer Leiter gestanden hat, der weiß, dass Decken in der Regel so hart sind wie Böden.
Natürlich haben beide Parteien Recht. Die unterschiedlichen Vorstellungen rühren nur daher, dass das Wort „Decke“ zwei verschiedene Bedeutungen haben kann. Ich habe angefangen über eine weiße Decke zu reden und sofort hatte jeder ein Bild von einer Decke im Kopf. Langschläfer tendieren dazu, sich eine flauschige Decke auf ihrem Bett vorzustellen, während Bauleute wahrscheinlich eher die Decke des Raumes vor Augen haben, in dem sie sich gerade befinden.
Oder denken wir an das Wort „Tau“. Wie viele Bedeutungen kann dieses Wort haben? Zum einen kann damit ein dickes Seil gemeint sein. Zum anderen kann es auch der feuchte Niederschlag sein, den man am Morgen auf einer Wiese beobachten kann. Außerdem wird damit auch noch ein Buchstabe des griechischen Alphabets bezeichnet. Zum Glück sind die verschiedenen Bedeutungen des Wortes so unterschiedlich, dass man aus dem Kontext der Unterhaltung sehr schnell herausfinden kann, welches Tau denn jetzt gemeint ist. Spreche ich mit einem Griechischstudenten über seine Prüfungen, dann ist wohl der Buchstabe gemeint. Sagt jemand, er hätte wegen dem Tau heute Morgen ganz nasse Füße gehabt, dann ist damit wohl kaum das Seil gemeint. Es sei denn, es war ein Seemann, der unglücklicherweise über ein Tau gestolpert und dabei über Bord gegangen ist.
Nicht ganz so einfach ist die Unterscheidung bei Wörtern wie z.B. „Liebe“. Aus Predigten wissen wir, dass es drei verschiedene Arten der Liebe gibt. Im Griechischen haben diese drei Arten der Liebe ganz eigene Namen. So gibt es die erotische Liebe, die freundschaftliche Liebe und die selbstlose Liebe. In einem Gespräch über die Liebe ist es allerdings nicht ganz so einfach herauszuhören, welche der drei Arten der Liebe denn nun gemeint ist. Dieses Problem ist real und kann sehr schnell Missverständnisse hervorrufen. Wir sehen immer wieder, wie uns z.B. unsere Kultur die erotische Liebe als die einzig wahre Liebe verkaufen will und es ihr auf Kosten der selbstlosen Liebe viel zu oft gelingt. Ursache ist unter anderem, dass die Bedeutungen sehr ähnlich sind und nicht so grundlegend verschieden wie ein Seil und Feuchtigkeit auf einer Wiese.
Noch komplizierter als das Wort „Liebe“ mit seinen drei Bedeutungen ist das Wort „Anbetung“, das heutzutage in aller Munde ist und dem wir uns hier widmen wollen. In unserem heutigen Sprachgebrauch hat „Anbetung“ fünf verschiedene Bedeutungen, die relativ eng beieinander liegen, aber doch recht verschiedene Dinge meinen. Ich möchte die These aufstellen, dass dies die Grundlage für zahlreiche Missverständnisse und unnötige Diskussionen der letzten Jahrzehnte in der westlichen Christenheit war und immer noch ist. Anhand dieses Wortstudiums, in dem wir uns alle fünf Bedeutungen des Wortes „Anbetung“ einzeln vor Augen führen werden, hoffe ich ein bisschen mehr Klarheit zu schaffen, zum besseren gegenseitigen Verständnis beizutragen und eine Anregung zu weiteren Gesprächen über das Thema Anbetung anzustoßen.
Hierbei geht es mir nicht darum zu zeigen, ob eine Verwendung des Wortes richtig oder falsch ist. Das wäre ein gesondertes Bibelstudium wert. Aber das soll jetzt nicht das Ziel sein. Ich möchte hierin einfach, wie Luther es gesagt hat, „dem Volk aufs Maul schauen“ um herauszufinden, was heutzutage unter Anbetung verstanden wird. Ich möchte unser Gehör schärfen für das, was wir selbst und was andere wirklich meinen, wenn das Wort „Anbetung“ benutzt wird. Wenn wir das durchschauen, dann wird es uns eine Hilfe sein, in unseren Diskussionen über die Anbetung „schnell zum hören, langsam zum reden und langsam zum Zorn“ zu sein.
Als Gedankenstütze möchte ich euch fünf fiktive Personen vorstellen. Jürgen, Esther, Michael, Karin und Jens sind Mitglieder unserer Gemeinde und haben alle ein unterschiedliches Verständnis von Anbetung. Um herauszufinden, was sie unter dem Begriff „Anbetung“ verstehen, unterhalten wir uns nacheinander mit jedem von ihnen und versuchen genau hinzuhören, was sie zu sagen haben.
I. Anbetung – Das höchste Ziel des Menschen
Wir haken also nach und lassen uns erklären, auf welcher biblischen Grundlage denn eine solche Aussage beruht. Jürgen verweist uns zuallererst auf Markus 12,28ff.:
Da trat einer der Schriftgelehrten herzu, der ihrem Wortwechsel zugehört hatte, und weil er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das erste Gebot unter allen? Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot unter allen ist: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!“
Jesus selbst teilt uns unsere höchste Aufgabe mit. Da steht Gott im Zentrum. Es geht darum ihn über alles und mit allem was wir haben und sind zu lieben. Das meint Jürgen, wenn er das Wort „Anbetung“ gebraucht. Für eine sehr treffende Wortwahl weist er auch auf das hin, was im kürzeren Westminster Katechismus gleich an erster Stelle nachzulesen ist: „Was ist das höchste Ziel des Menschen? Das höchste Ziel des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich für immer an ihm zu erfreuen.“ Es ist eine starke Definition. Das ist es, was es für Jürgen bedeutet, Gott anzubeten. Als nächstes blättert er zu Epheser 1,12ff. In diesem Abschnitt fasst Gott die Bedeutung Jesu in seinem Heilsplan zusammen und lässt seine Worte in folgenden Höhepunkten gipfeln: „[…] damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit, die wir zuvor auf Christus gehofft haben. […] Dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.“ Das ist das Endziel. Gottes großes Ziel mit uns Menschen. Wenn wir also ein Leben zum Lob seiner Herrlichkeit führen, dann ist das Anbetung. Und da fällt alles rein, was wir als Christen tun. Alles was nach Gottes Willen getan ist, das ist ein Akt der Anbetung. In diesem Sinne können auch so banale Sachen wie Essen und Schlafen teil der Anbetung Gottes werden. In 1.Korinther 10,31 werden wir aufgerufen: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.“
So wie Jürgen Anbetung versteht, schließt es alle Aufträge Gottes an uns Menschen mit ein. Es ist Anbetung, wenn wir verlorenen Menschen die gute Nachricht der rettenden Liebe Jesu weitererzählen. Es ist Anbetung, wenn wir das Wort Gottes lesen und in die Tat umsetzen. Es ist Anbetung, wenn wir das Leben mit anderen Christen als Geschwister im Glauben teilen. Es ist Anbetung, wenn wir unsere Gaben für die Gemeinde und zum Nutzen anderer einsetzen. Es ist auch Anbetung, wenn wir Momente schaffen, in denen wir Gott unsere Bewunderung und Liebe zum Ausdruck bringen. Anbetung ist das alles. Anbetung bedeutet das zu tun, was Gott sich von uns wünscht.
Vielleicht fällt euch an den genannten Bibelstellen auf, dass das Wort „Anbetung“ in diesem Zusammenhang kein einziges Mal gefallen ist. Es hieß „Gott lieben“, „Gott verherrlichen“, „Lob seiner Herrlichkeit“ und „Gottes Ehre“, aber das Wort „Anbetung“ ist noch nicht aufgetaucht. Wir fragen also Jürgen, ob es eine Bibelstelle gibt, die das Wort „Anbetung“ in diesem Zusammenhang gebraucht. Auch hierfür hat Jürgen eine Stelle parat. In Römer 12,1 steht: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.” Für Gottesdienst steht hier im griechischen ein Wort, dass den Tempeldienst der Priester im Alten Testament beschreibt und durchaus auch als Anbetung übersetzt werden kann. Somit könnte der Vers am Ende auch lauten: „Das sei eure vernünftige Anbetung“.
Anbetung schließt also für Jürgen alles mit ein, was dem Willen Gottes entspricht.
II. Anbetung – Momente der Gottesverehrung
Wenn Esther von Anbetung spricht, dann meint sie nur ganz bestimmte Momente, in denen sie sich Zeit nimmt, um Gott ihre Verehrung zum Ausdruck zu bringen.
Beispiele dafür findet Esther ganz viele in der Bibel. Hier sind ein paar davon: „Da neigte sich der Mann und betete den HERRN an“ (1.Mose 24,26). „Als sie hörten, dass der HERR sich der Israeliten angenommen und ihr Elend angesehen hatte, neigten sie sich und beteten an“ (2.Mose 4,31). „Und Mose neigte sich eilends zur Erde und betete an“ (2.Mose 34,8). „Da stand David von der Erde auf und wusch sich und salbte sich und zog andere Kleider an und ging in das Haus des HERRN und betete an“ (2.Samuel 12,20). „Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an“ (Offenbarung 7,11).
Esther erklärt, dass Gott im Alten Testament den Israeliten zunächst die Stiftshütte und dann den Tempel als Ort gegeben hatte, an dem diese Momente der Anbetung passieren sollten. Im Himmel ist es auch an einen Ort gebunden. Dort wird nämlich vor dem Thron Gottes angebetet. Heutzutage ist es aber egal, wo wir uns befinden. Als Jesus sich mit der Samariterin am Brunnen über die Anbetungsorte unterhielt, erklärte er ihr in Johannes 4,21ff.: „Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. […] Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Es ist also nicht mehr von Bedeutung, wo wir innehalten und Gott anbeten. Es ist nur wichtig, dass wir es tun und wie wir es tun.
In diesem Sinne ist für Esther nicht alles was ein Christ im Sinne Gottes tut gleich Anbetung. Daneben gilt es, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, Gottes Wort zu studieren und in die Tat umzusetzen, Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu pflegen und dort mit anzupacken, wo die eigenen Gaben gebraucht werden. Und genauso wie diese Dinge für das Leben und Wachsen eines Christen wichtig sind, so wichtig ist es auch immer wieder innezuhalten und sich Zeit zu nehmen um Gott anzubeten.
III. Anbetung – Die Musik der Gemeinde
Auf die Frage, wie man denn solche Lieder von anderen Liedern unterscheiden könne, erklärt Michael: „Zwei Dinge sind wichtig. Das Lied muss mit geistlichem Inhalt gefüllt sein und es muss mit einer ganzen Gruppe singbar sein – auch wenn da ganz viele dabei sind, die keine Sängerausbildung abgeschlossen haben.“ Damit grenzt sich die Anbetungsmusik z.B. von der säkularen Musik ab, weil die keinen christlichen Inhalt hat. Aber Anbetungsmusik ist auch etwas anderes als christliche Künstlermusik. Solche Musik ist oft schwerer singbar und stark an die Stimme und den Vortrag des Künstlers geknüpft. Aber auch klassische geistliche Werke sind keine Anbetungsmusik, weil sie einfach zu schwer sind, als dass man sie am Sonntagmorgen in der Gemeinde zusammen singen könnte.
Für Michael spielt es keine Rolle, wie alt diese Gemeindelieder sind. „Ein feste Burg ist unser Gott“ ist für ihn genauso ein Anbetungslied wie auch „Großer Gott wir loben dich“, „Ich singe dir ein Liebeslied“ oder „Morgenstern“.
IV. Anbetung – Ein Musikstil
Karin stimmt damit wiederum nicht ganz überein. Sie meint, man müsse das differenzierter betrachten. „Anbetungsmusik ist nicht das gleiche wie Gemeindemusik.“
Weil Karin sich ziemlich gut mit Musik auskennt und schon viel über die Musik der Gemeinde in den letzten Jahrhunderten gelesen hat, kann sie ihre Definition von Anbetung sehr gut begründen. Zu verschiedenen Zeiten hat die Musik in der Gemeinde unterschiedlich geklungen und man hat sie auch anders genannt. Zur Zeit Bachs hat man z.B. Choräle im Gottesdienst gesungen. Zu anderen Zeiten nannte man die Lieder Kirchenlieder, Glaubenslieder, Heilslieder usw. Das sind alles verschiedene Musikstile. Die klingen also tatsächlich unterschiedlich. In den 70er Jahren ist durch die Jesus-Bewegung auch in den Gemeinden ein neuer Musikstil entstanden. Diese Jesus-Musik hat in Amerika kurze Lieder hervorgebracht, einfache Chorusse. Dazu gehören Lieder wie z.B. „Ich lieb dich, Herr“, „Dir gebührt die Ehre“ oder „Jesus, höchster Name“. Diese Art von Gemeindemusik hat man dann erstmals als Lobpreis- & Anbetungsmusik bezeichnet.
Aber das ist noch immer nicht das, was man heute unter Anbetungsmusik versteht. Damals war die Professionalisierung der Musik im säkularen Bereich schon sehr weit fortgeschritten und auch die christlichen Künstler benutzten mittlerweile immer fortschrittlichere Mittel, um ihre Lieder zu produzieren, zu arrangieren und weltweit zu verbreiten. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch die Musik, die in den Gemeinden gesungen wurde, professionell aufgenommen, bearbeitet und in der ganzen Welt verbreiten werden würde. Und das passierte dann wenige Jahre später. Mit Musikern wie Michael W. Smith und Darlene Zschech von Hillsong, fing man an Gemeindemusik professionell zu produzieren und überall zu verkaufen. Dadurch hat sich der Klang der Gemeindemusik noch mal sehr stark verändert, weil das auch die Musik in den Gemeinden überall beeinflusst hat. Heute gibt es ganz viele Anbetungsproduktionen. Wenn man wissen will, wie Anbetungsmusik klingt (man kann dazu übrigens auch Lobpreismusik oder Worship sagen), dann muss man sich einfach nur die Musik von Hillsong, Chris Tomlin, Matt Redman oder der Outbreakband (um auch einen deutschen Vertreter zu erwähnen) anhören.
Karin versteht also unter Anbetungsmusik nur den momentanen modernen Musikstil, der in den Gemeinden Verwendung findet.
V. Anbetung – Ein Liedinhalt
Das versteht Jens aber anders. „Anbetung und Lobpreis ist doch nicht das Gleiche.“ Für Jens sind diese beiden Begriffe Gegensätze.
Im Gegensatz dazu stehen die Anbetungslieder. Da geht es mehr um die Beziehung zwischen Gott und mir. Ich bringe in diesen Liedern zum Ausdruck, was Jesus für mich bedeutet und wie sehr ich ihn liebe. Hier wird Gott oft direkt angesprochen. Von der Stimmung sind solche Lieder oft besinnlich, ruhig, andächtig oder reflektierend. Als Beispiele für Anbetungslieder könnte man „Näher, mein Gott, zu dir“, „Ich singe dir ein Liebeslied“ und „Mittelpunkt“ anführen.
Für Jens bezieht sich das Wort „Anbetung“ also auf einen Liedinhalt.
VI. Fazit
Jetzt, wo wir uns das Verständnis der fünf Personen angehört haben, werde ich euch nicht sagen, dass Michael Unrecht hat oder dass Esthers Variante die einzig wahre ist. Alle fünf Bedeutungen des Wortes „Anbetung“ sind in unserem Sprachgebrauch Fakt.
Dass es diese fünf verschiedenen Auffassungen des Wortes „Anbetung“ gibt, macht die Sache eigentlich schon schwer genug. Tatsache ist allerdings, dass viele Christen nicht so wie unsere fiktiven Personen nur eine dieser Definitionen für richtig erklären. Oft ist die Unklarheit über die Bedeutung des Wortes so groß, dass man die verschiedenen Definitionen unwissentlich durcheinanderwirft und das Wort in einem Satz mit verschiedenen Bedeutungen füllt.
Ich hoffe, dass ich mit dieser Ausführung zu ein bisschen mehr Klarheit und Bereitschaft zum genaueren Hinhören beitragen kann.
Hast du Situationen erlebt, in denen diese verschiedenen Bedeutungen zu einem Missverständnis oder sogar zu einem Konflikt geführt haben? Oder ist dir noch eine weitere Verwendung des Wortes „Anbetung“ über den Weg gelaufen? Behalte es nicht für dich. Die Kommentarfunktion möchte gern in Anspruch genommen werden :)
Um sich auch in Sachen Noten- und Liedtextkopien die nötigen Rechte zu sichern, können die Angebote von VG Musikedition, der Stiftung der Brüdergemeinden oder der CCLI in Anspruch genommen werden.
Als staatlich legitimierte Verwertungsgesellschlaft im Bereich Vervielfältigung bietet die VG-Musikedition einen sogenannten Einzelvertrag an. Die preisliche Staffelung orientiert sich an der durchschnittlichen Besucherzahl des Hauptgottesdienstes. Im Gegenzug erhält die Gemeinde folgende Rechte:
Herstellung und Nutzung von Fotokopien und Folien für den Gemeindegesang in Gottesdiensten, gottesdienstähnlichen Veranstaltungen sowie allen nicht-kommerziellen Veranstaltungen der Gemeinde (wie z.B. Jungschartreffen, Seniorentreffen, Frauennachmittage etc.)
Wichtig: Dies gilt nicht für Vortragsstücke. Es dürfen also nicht einfach Kopien für Chor, Orchester oder Solisten gemacht werden.
Einspeicherung der Lieder und Liedtexte in Systeme der elektronischen Datenverarbeitung zum Zwecke der Sichtbarmachung mittels Beamer zur Verwendung für den Gemeindegesang in Gottesdiensten, gottesdienstähnlichen Veranstaltungen sowie allen nicht-kommerziellen Veranstaltungen der Gemeinde.
kostenfreie Nutzung einer Liedtext-Datenbank
Herstellung eines eigenen Gemeindeliederheftes oder einer eigenen Liedsammlung, sofern es sich dabei nicht um ein professionell hergestelltes Druckerzeugnis handelt. Die Anzahl der hergestellten Exemplare darf dabei die durchschnittliche Besucherzahl des Hauptgottesdienstes nicht überschreiten.
Nähere Details zu der Abgrenzung dieser Rechte sind hier in einem Dokument der VGM zusammengefasst.
Um die Autoren entsprechend für den Gebrauch der Lieder zu entlohnen, durchläuft die Gemeinde in den ersten 12 Vertragsmonaten eine Testphase, in der vierteljährlich alle benutzten Liedtitel gemeldet werden müssen. Alle vier Jahre wird eine neue Testphase vereinbart, um dieses Ergebnis zu aktualisieren.
Wie bereits für die Aufführungsrechte, hat die Stiftung der Brüdergemeinden auch einen Rahmenvertrag Vervielfältigungsrechte mit der VG-Musikedition abgeschlossen. Eine Gemeinde, die diesem Rahmenvertrag beitritt, genießt die gleichen Rechte wie bei der VG-M. Es besteht jedoch ein Unterschied in der Ermittlung der zu zählenden Personen sowie in der preislichen Staffelung. Insgesamt fällt dieses Angebot kostengünstiger aus.
Zur Ermittlung der tatsächlich verwendeten Titel wählt die Stiftung der Brüdergemeinden jährlich 5% der teilnehmenden Gemeinden aus, die dann über das in diesem Jahr genutzte Liedrepertoire Bericht zu erstatten haben.
Als dritte und etwas andere Option bietet die internationale Lizenzagentur CCLI auch in Deutschland ihre Dienste an. In ihrer Liedlizenz sind im Grunde die gleichen Rechte eingeschlossen, wie auch bei den bereits genannten Verträgen. Doch darüber hinaus setzt sie sich in folgenden Punkten von ihren Konkurrenten ab:
Die CCLI ist ein christliches Unternehmen, das sich auf diesen Bereich im christlichen Markt spezialisiert hat.
Nach eigenen Angaben sind viele christliche Lieder nur über die CCL-Liedlizenz nutzbar.
Preislich liegt die CCL-Liedlizenz in ihrer Staffelung zwischen VGM und der Stiftung der Brüdergemeinden.
Gegen einen jährlichen Aufpreis bekommt die Gemeinde Zugang zu SongSelect, einer Datenbank, die sowohl Texte als auch Akkorde und Noten in jeder gewünschten Tonart zur Verfügung stellt. Aus dieser Datenbank können Lieder direkt in viele andere Programme wie PlanningCenter, Songbeamer oder ProPresenter importiert werden. (SongSelect ist nur in Verbindung mit einer CCL-Liedlizenz nutzbar.)
Anhand der CopyReport Software berichtet jede Gemeinde gegen Ende des Lizenzjahres mit relativ wenig Aufwand elektronisch das Repertoire gespeicherter und ausgedruckter Lieder. Dadurch ist eine faire Entlohnung der Autoren möglich.
Die Liedlizenz kann einfach online beantragt werden.
Im direkten Vergleich der drei Anbieter lassen sich folgende Merkmale gegenüberstellen:
Einzelvertrag der VG-Musikedition
- teuer
- nicht benutzerfreundlich
Rahmenvertrag Vervielfältigungsrechte der Stiftung der Brüdergemeinden
+ günstig
Liedlizenz der CCLI
+ gemeindeorientiert / benutzerfreundlich
+ aufschlussreiche Onlinepräsenz
+ beste Abdeckung des Liedrepertoires
+ Flatrate für Notenblätter
+ beste Entlohnung für Autoren
Um nicht jeden Liedermacher oder Komponisten einzeln kontaktieren zu müssen, nur um sich eine Aufführungsgenehmigung zu erbitten, gibt es eine staatlich legitimierte Verwertungsgesellschaft – die GEMA. Dass diese Organisation in ihrem Aufgabenfeld das Monopol innehält, kommt uns als Endnutzern zumindest in der Hinsicht sehr entgegen, dass sie im Grunde als Vertretung eines allumfassenden Repertoires auftritt. Auch mit allen nennenswerten ausländischen Schwestergesellschaften hat sie Gegenseitigkeitsverträge abgeschlossen.
Als Anlaufstelle für Musiknutzer aus allen Branchen hat die GEMA auch für Gemeinden einen besonderen Vertrag (WR-K 2) angefertigt. Für einen jährlichen pauschalen Betrag, der sich aus der durchschnittlichen Besucherzahl errechnet, werden der Gemeinde die folgenden Rechte eingeräumt:
Aufführungen von Liedern und instrumentalen Stücken im Rahmen von Gottesdiensten und Gottesdienst-ähnlichen Veranstaltungen
(eingeschlossen sind Veranstaltungen wie Jugendtreffs, Frauennachmittage, Evangelisationen, Gemeindeaktionen, usw.; ausgeschlossen sind allerdings konzertähnliche Veranstaltungen, also Events wo musikalische Aufführungen im Mittelpunkt stehen und für die Eintritt gezahlt wird; außerdem handelt es sich hierbei nur um das Recht zur Aufführung der Titel, nicht jedoch um die Nutzung des benötigten Notenmaterials)
Aufnahme und Vervielfältigung von Gottesdiensten und Gottesdienst-ähnlichen Veranstaltungen, die Musik mit eingeschlossen, sofern keine großen Stückzahlen produziert werden und für die Aufnahmen kein Geld genommen wird
Ähnliche Angebote von anderen Organisationen sind keine Konkurrenzangebote, sondern beruhen auf Verträgen mit der GEMA. So bietet beispielsweise die VG Musikedition auf ihrer Website unter „Musik im Gottesdienst“ einen „Vertrag zur Gemeinde-Lizenz“ zu den von der GEMA festgesetzten Beträgen an.
Allerdings ist hier eine zusätzliche Option angeführt. Für einen sogenannten GVL-Zuschlag von 20% bietet die VG Musikedition den Gemeinden ein weiteres Recht:
Musik auf Tonträgern im Gottesdienst wiedergeben (also das Abspielen von MP3s, CDs oder anderen Musikquellen im Gottesdienst-ähnlichen Rahmen)
Wiederum im Vertrag mit der VG Musikedition bietet die Stiftung der Brüdergemeinden interessierten Freikirchen das gleiche Leistungsangebot im "Rahmenvertrag Aufführungsrechte" ebenfalls zu GEMA-Preisen.
Mit wem sollte meine Gemeinde also den Vertrag schließen? Die Leistungen sind beinah überall die gleichen und die Preise unterscheiden sich auch nicht. Deswegen empfiehlt es sich, sich für die Stiftung der Brüdergemeinden zu entscheiden. Während GEMA und VG Musikedition im säkularen und im christlichen Umfeld tätig sind, beschränkt sich die Stiftung der Brüdergemeinden auf christliche Arbeit. Zusätzlich ist die Organisation nicht so groß und deswegen hat man auch stets eine freundliche Person am Hörer, die unkompliziert und kompetent Hilfe bieten kann.
Organisationen zur Rechteverwaltung für Gemeindemusik
Zwei Bereiche müssen im gemeindlichen Musikdienst rechtlich gesichert werden:
Musikalische Aufführungen und Tonträgerwiedergaben
Vervielfältigung von Liedtexten und Notenblättern
Folgende Details stecken hinter diesen zwei großen Bereichen:
Zu 1.
Aufführung von Liedern und instrumentalen Stücken
Aufnahme und Vervielfältigung von Gottesdiensten mit Liedern und instrumentalen Stücken
Abspielen von MP3s, CDs und anderen Tonträgern im Gottesdienst
Zu 2. [1]
Kopieren oder mehrfaches Ausdrucken von Liedtexten und Notenblättern
Zusammenstellen von Liedsammlungen oder eigenen Liederbüchern
Projizieren von Liedtexten oder Noten
Auf der Suche nach Ansprechpartnern, um den gesetzlichen Anforderungen bezüglich der Gemeindemusik gerecht zu werden, sollte man sich mit den folgenden vier Organisationen vertraut machen:
Alle vier haben unterschiedliche Funktionen, decken aber zum Teil die gleichen Aufgabenfelder ab. Die grundlegenden Differenzen liegen hierin:
GEMA: Verwertungsgesellschaft, die ausschließlich Aufführungsrechte verwaltet (christlich und säkular)
VG Musikedition: Verwertungsgesellschaft, die Vervielfältigungsrechte für Kirchen, Kindergärten, Schulen und Musikschulen verwaltet
Stiftung der Brüdergemeinden: Stiftung, die in Zusammenarbeit mit GEMA und VG Musikedition Pauschalverträge für Freikirchen anbietet.
CCLI: Internationale christliche Lizenzagentur, die ausschließlich Vervielfältigungsrechte für Kirchengemeinden verwaltet
Um einen Pauschalvertrag für Aufführungsrechte abzuschließen, stehen Angebote der GEMA, der VG Musikedition und der Stiftung der Brüdergemeinden zur Verfügung. Um sich auf dem Gebiet Vervielfältigungsrechte abzusichern, sollte man sich an die VG Musikedition, die Stiftung der Brüdergemeinden oder die CCLI wenden.
Im nächsten Beitrag soll es darum gehen, wie sich die einzelnen Angebote voneinander unterscheiden.
[1] Weiterführende Lektüre: „Täter im Frack“ (Broschüre der VG Musikedition)
Wie? Für so etwas muss man Geld bezahlen? Immer wieder hört man diese oder ähnliche ungläubige Äußerungen. Ja, auch in diesem Bereich hat das Leben glücklicherweise seine Ordnung.
Warum eigentlich? Hinter jedem Lied, das – egal in welchem Rahmen – einen Platz in unseren Gottesdiensten eingenommen hat, steht mindestens ein Urheber, der in oft harter Arbeit ein musikalisches Werk ins Leben gerufen und damit ein geistiges Eigentum geschaffen hat. (Seit ich selber Lieder schreibe, entdecke ich diese zweite Seite der Medaille.) Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) räumt dieser Person das Recht ein, zu bestimmen, in welcher Weise dieses Werk verwendet werden darf, und für dessen Benutzung entsprechend entlohnt zu werden. Weigern wir uns als Gemeinde also für die Nutzung fremden Eigentums zu zahlen, handeln wir illegal und entmutigen Glaubensgeschwister, neue Lieder zu schreiben, die unserer Gemeinde wiederum zu Gute kommen.
Außerdem enthalten wir damit nicht nur den Urhebern ihren rechtmäßigen Teil vor, sondern auch die Verlage, denen wir meist zu verdanken haben, dass wir überhaupt von den Songs gehört haben, kommen nicht auf ihre Kosten.
Mit Sicherheit gibt es noch andere Gründe, aber ich denke, das hier sollte Grund genug sein, die notwendigen Kosten mit Würde zu tragen und so dem Protokoll Genüge zu tun. Ich für meinen Teil weiß, was das für meinen Dienst bedeutet.
In den vergangenen Jahren haben wir zum Beginn der Weihnachtszeit für gewöhnlich ein Weihnachtsliederbuch aus dem Regal gezogen und auch die Präsentationsdateien waren so provisorisch angelegt, dass sie scheinbar jedes Jahr neu erstellt werden mussten.
Damit haben wir diesmal aufgeräumt. Ich habe mich bemüht eine ausgewogene Weihnachtsliederauswahl zu treffen, mit traditionellen, modernen aber auch kindgerechten Titeln. Diese Lieder mussten jetzt den kompletten Prozess durchlaufen, d.h. sie wurden in die Musikerliederbücher als Weihnachtsliederanhang hinten eingefügt, entsprechende Präsentationsdateien wurden in die Liederdatenbank gesteckt und auch ins Planning Center haben diese Lieder den Weg gefunden. Dort sind sie alle in der Kategorie „Anlässe – Weihnachten“ nicht mehr zu verfehlen.
Lied ausgesucht? Alles vorbereitet und eingeübt? Dann können wir uns dem interessantesten Punkt zuwenden:
„Wie bringe ich meiner Gemeinde das Lied am besten bei?“
Wie bestimmt zu erwarten war, gibt es auf diese Frage nicht nur eine richtige Antwort. Aber es gibt gute und nicht so gute Ansätze. Ich möchte versuchen, ein paar gute Ideen anzustoßen.
Das Lied durch Üben beibringen
Grundsätzlich gilt: Je mehr die Gemeinde sich dazu bewegen lässt, das neue Lied mitzusingen, desto schneller hat sie es gelernt. Die Phase, in der ein Lied noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, wird immer Unsicherheiten bei einigen hervorrufen und es fällt schwer, die Aufmerksamkeit auf Gott zu richten, wenn man gleichzeitig bemüht ist, den Text zu entziffern und sich die Melodie zu merken. Wir wollen unserer Gemeinde also so schmerzlos wie möglich durch diese Phase hindurch helfen, damit sie im Anschluss umso begeisterter in die Anbetung Gottes mit einstimmt.
Was bedeutet es, das Lied mit der Gemeinde zu üben?
Zunächst geht es darum, der Gemeinde nur einen Teil des Liedes zu präsentieren. Damit erhöht man die Chancen, dass alle mitsingen und sich zumindest das schon einmal merken können. Dazu wählt man am besten den eingängigsten Teil des Liedes. Das wird meistens der Refrain oder vielleicht sogar nur ein Teil des Refrains sein. Und da der Refrain auch gleich mehrmals pro Lied gesungen wird, hat man damit die größte Hürde geschafft.
Wie kann ich das Ganze aufziehen?
Hier darf man gerne kreativ sein. Es wird allerdings stark von der Art des Liedes abhängen. Einige Möglichkeiten sind:
Vorsingen: Trage den ganzen Refrain vor und singe ihn anschließend noch ein- oder zweimal mit der ganzen Gemeinde.
(Vorraussetzung: kurzer Refrain)
Frage-Antwort: Singe eine Zeile vor und lass die Gemeinde das Gesungene wiederholen. Z.B. Leiter: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“
Gemeinde: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“
Leiter: „Ich weiß, dass er hoch oben steht“
Gemeinde: „Ich weiß, dass er hoch oben steht“[1] ...
Singt so den ganzen Refrain durch.
(Voraussetzung: die Phrasierung des Refrains muss den Frage-Antwort-Stil zulassen)
Betonungen: Bringe der Gemeinde ein markantes Wort oder einen Ausruf bei, der im Refrain mehrmals wiederholt wird. Singe (oder rufe) es ihnen vor, lass es sie nachmachen. Singe dann den Refrain und zeige ganz unmissverständlich (durch Handzeichen, durch Blickkontakt, durch einen musikalischen Bruch, ...) an welcher Stelle ihr Einsatz kommt.
„Welch ein Tag“[2] eignet sich beispielsweise sehr gut hierfür. Die Gemeinde darf das „Oh!“ singen/rufen und kann gleichzeitig auch noch mit den Armen ein riesiges O über dem Kopf formen. Der Refrain könnte dann so gesungen werden:
„Oh!“ (welch ein Tag, welch ein Tag, du wäschst mich von Sünde rein)
„Oh!“ (welch ein Tag, welch ein Tag, nichts wird wie vorher sein ...)
Beim zweiten Durchlauf können die meisten dann mit Sicherheit schon den ganzen Refrain mitsingen – und wer es noch nicht kann, der hat trotzdem schon etwas zu tun und auch noch Spaß dabei.
Was mache ich, wenn nicht richtig nachgesungen wird?
Liebevoll korrigieren. Man übt ja schließlich gemeinsam. In so einem Rahmen ist es durchaus angebracht, auf die richtige Gesangsweise hinzudeuten. Das kann dann z.B. so klingen: „Das hat schon sehr gut funktioniert. Allerdings merke ich, dass es an einer Stelle noch Unsicherheiten gibt. Diese Zeile müsste so klingen: ... (vorsingen) Lasst uns das noch einmal gemeinsam probieren.“
Natürlich darf bei so etwas eine wohlwollende Ausstrahlung nicht fehlen. Aber gerade solche Momente tragen dazu bei - wenn gekonnt genutzt - dass unsere Gottesdienste nicht so steif ablaufen, sondern eine gemeinschaftliche und familiäre Atmosphäre vermitteln.
Das Lied durch Anführen beibringen
Manchmal hat man nicht die Zeit, um mit der Gemeinde ein neues Lied zu 'üben'. Oder viele der Besucher kennen das Lied bereits von irgendwoher. In solchen Fällen bietet es sich an, einfach darauf hinzuweisen, dass wir ein neues Lied lernen möchten, den Gottesdienst jedoch nicht in eine Chorprobe zu verwandeln.
Es gilt also, die Gemeinde zu motivieren, mit in den Gesang einzustimmen, sobald sie den Dreh raus haben. Ob sie dabei stehen oder sitzen soll, wird davon abhängen, was die Gemeinde sonst gewohnt ist und wie viele schon gleich mitsingen werden. Gemeinsam wird also das Lied ein einziges Mal durchgesungen.
Kann man der Gemeinde trotzdem irgendwie entgegenkommen?
Auch hier lässt sich vor allem durch das Arrangement der Lernprozess erleichtern. Hilfreich ist es z.B. wenn man
die erste Strophe zu Beginn gleich zweimal singt,
den Refrain noch einmal hintendran hängt,
das ganze Lied zu einem späteren Zeitpunkt im Gottesdienst noch einmal singt.
Das Lied durch Aufführen beibringen
Es gibt Situationen, in denen man gerne ein neues Lied nutzen möchte, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen (z.B. die Hinleitung auf die Predigt). In diesem Fall ist es wichtiger, dass die Gemeinde sich auf den Inhalt des Liedes konzentriert, anstatt auf die Leinwand zu starren. Man lädt sie also hier auch gar nicht zum mitsingen ein, sondern ermutigt sie im Gegenteil, Platz zu nehmen und sich auf die Botschaft des Liedes einzulassen.
Diese Art ein neues Lied für den gemeinsamen Gesang vorzustellen, ersetzt die anderen beiden im Normalfall nicht. Meistens wird es beim nächsten Mal immer noch nötig sein, den Besuchern im Lernprozess beizustehen, weil die wenigsten ein Lied nach einem Mal zuhören komplett verinnerlicht haben.
Wie oft sollte ich neue Lieder vorstellen?
Singt man immer nur die gleichen Lieder, verlieren sie schnell an Reiz und Wirkung. Versucht man allerdings jede Woche ein neues Lied einzuführen, überfordert man die Gemeinde gnadenlos (es gibt zwar Gemeinden, die das ganz bewusst und anscheinend auch erfolgreich machen, aber die sind eine große Ausnahme). Was ist also angebracht? Hier gilt es die eigene Gemeinde gut zu kennen. Wie schnell findet sich die Menge in neuen Liedern ein? Wie viele Musikbegabte sitzen in den Reihen, die den anderen das Singen erleichtern? Hat unser Liedrepertoire ein dringendes Upgrade nötig? Je nachdem wie solche Fragen beantwortet werden, wird die Neue-Lieder-Rate varrieren müssen. Einen Richtwert möchte ich vorschlagen: 1 neues Lied pro Monat. Damit gibt man der Gemeinde die Chance das Lied lieben zu lernen und hält gleichzeitig das Liederbuch in Schwung.
Einmal, und noch einmal
Bedenke auch, dass es mit dem einen Mal singen nie getan ist. Ich möchte ermutigen, das neue Lied in sehr naher Zukunft noch einmal in eine Veranstaltung einzuplanen, idealerweise gleich am nächsten Sonntag.
Reflektieren und bewerten
Nicht immer ist die Begeisterung für ein neues Lied so wie man sie sich als Leiter erhofft. Habe den Mut, ein Lied auch wieder unauffällig aus dem Repertoire verschwinden zu lassen, wenn du merkst, dass es für die Gemeinde nicht gewinnbringend ist.
Fallen dir noch andere Möglichkeiten ein, der Gemeinde das Liederlernen zu erleichtern? Behalte dein Wissen und deine Erfahrungen nicht bei dir. Die machen sich hier unten in einem Kommentar ganz besonders gut.
Hoffentlich konnte ich einigen damit Hilfestellung geben oder auch die Kreativität im Leiten ankurbeln. Viel Spaß beim Lieder beibringen!
Hat man ein geeignetes Lied für das Gemeinderepertoire gefunden, gilt es, die nächste Hürde zu nehmen:
„Was muss getan werden, bevor wir der Gemeinde das neue Lied beibringen können?“
Zunächst einmal muss ich hier vorweg schicken, dass dieser Prozess von einer Gemeinde zur anderen ein wenig variieren wird. Fühl dich also frei, die Punkte auszulassen, die deine Gemeinde nicht betreffen, aber auch Aspekte als Kommentar hinzuzufügen, die ergänzt werden müssen.
Aufnahme in die Planungsdatenbank
Schon dieser Punkt wird wohl für viele deutsche Gemeinden (noch) irrelevant sein. Trotzdem möchte ich ihn an erster Stelle erwähnen, weil es für mich immer den ersten Schritt darstellt und die nachfolgenden unheimlich erleichtert.
In einem früheren Blogeintrag habe ich PlanningCenter vorgestellt. Hier greift das System. Zunächst erstelle ich eine Word- oder PDF-Datei mit dem Text des Liedes. Je nachdem, was die Musiker brauchen, füge ich dann noch eine Datei mit musikalischem Arrangement hinzu, die Akkorde oder auch Noten beinhaltet (Natürlich müssen auch Urheber und Rechteinformationen aufgeführt sein). Es wird für das neue Lied ein Eintrag in der Liederdatenbank mit allen erforderlichen Informationen gemacht und die Dateien werden angehängt.
Aufnahme ins Gemeindeliederbuch
Statisches Liederbuch
Einige Gemeinden nutzen ausschließlich käuflich erworbene Liederbücher. In so einem Fall ist es eigentlich fast unmöglich, ein neues Lied hinzuzufügen. Die Optionen, ein altes Liederbuchset gegen ein neues zu ersetzen, oder ein zweites Liederbuch für die ganze Gemeinde dazuzukaufen sind nicht gerade verlockend, wenn es nur darum geht, ein neues Lied einzuführen. Liedgut lebt grundsätzlich unter ständiger Veränderung. Deswegen ist der Übergang vom statischen zum dynamischen Liedrepertoire eines der besten Dinge, die einer singenden Gemeinde passieren können.
Einen Vorteil hat dieses System jedoch. Die Gemeinde kann sich so unter Umständen Gebühren für Vervielfältigungsrechte sparen. Allerdings ist dann jegliches kopieren, abschreiben, projizieren usw. verboten. Für alle anderen in diesem Post angeführten Punkte ist ein abgeschlossener Vertrag zur Text- und Notenvervielfältigung unausweichliche Voraussetzung. Dazu aber ein andermal.
Dynamisches Liederbuch
Singt eine Gemeinde aus einem erweiterbaren Liederbuch ohne weitere visuelle Mittel, dann gilt es, das Lied in dem Format des Liederbuchs abzuschreiben (evtl. Akkorde oder sogar Melodie hinzuzufügen). Wichtig ist hierbei, dass auf der Liedseite auch Angaben zum Verfasser und zum Copyright vermerkt sind. Möglich ist auch, einfach das jeweilige Lied aus einem Liederheft zu kopieren. Jetzt noch jedes Gemeindeliederbuch mit dem neuen Lied ausstatten. Fertig.
Notenbuch für Musiker
In unserer Gemeinde wird nicht aus Liederbüchern gesungen, da die Lieder über den Beamer an die Wand geworfen werden. Trotzdem haben wir ein paar Notenbücher, die das gesamte Liedrepertoire beinhalten und von den Musikern auf der Bühne genutzt werden. Auch diese wollen auf den neuesten Stand gebracht werden. Das funktioniert im Grunde genauso wie auch beim dynamischen Liederbuch.
Einige Gemeinden drucken für jede Veranstaltung einen separaten Notensatz für Sänger und Musiker. Das gibt Flexibilität in den Arrangements, allerdings häuft sich dabei ein riesiger Stapel Papiermüll an. In so einem System muss einfach nur dafür gesorgt sein, dass jeder Musiker einen Notensatz bekommt, der mit allen nötigen Informationen ausgestattet ist.
Aufnahme in die Präsentations-Bibliothek
Soll das Lied per Beamer projiziert werden, muss auch dafür noch eine Datei erstellt werden. Viele Gemeinden nutzen hier noch PowerPoint. Ich möchte jedoch ermutigen, sich einmal mit den vielen Angeboten im Bereich Liedpräsentation auseinanderzusetzen. PowerPoint wurde nun mal nicht für den Gemeindegebrauch optimiert und hinkt seinen Alternativen bei weitem hinterher. Aber auch das ist ein Thema für einen anderen Blogeintrag, denn obwohl der Vorgang sich bei jedem Programm ein wenig unterscheidet, muss doch immer ein Eintrag für das neue Lied in der Präsentations-Bibliothek angelegt werden.
An was muss hier gedacht werden? Das Format sollte mit dem der anderen Lieder übereinstimmen. Rechteorganisationen wie die CCLI schreiben vor, dass die Präsentation ebenfalls Angaben zu Urheber und Copyright beinhalten muss. Diese müssen nicht auf allen Folien erscheinen – einmal reicht. Und sie müssen lesbar sein. Ist auch irgendwie fair – den Liedermachern und Verlegern gegenüber.
Korrekturlesen
Natürlich wird dich keiner Fressen, wenn Rechtschreibfehler im Liederbuch oder in der Präsentation gefunden werden. Das sorgt meistens eher für Erheiterung im Gottesdienst.
Trotzdem glaube ich, dass jeder Anbetungsleiter weiß, dass Fehlschreibungen ein Kapitalverbrechen in dieser Branche sind. Wenn es unsere Hauptaufgabe ist, den Fokus der Gemeinde auf Gott zu richten, dann hat ein einziger Rechtschreibfehler diese Bemühung mit Pauken und Trompeten zunichte gemacht. Natürlich muss der Besucher dann grinsen und es seinem Nachbarn erzählen, oder gleich beiden. Und mit Sicherheit haben weitere 70% der Gemeinde das gleiche Bedürfnis. Also: Lass jemanden Korrekturlesen. Und am besten jemanden, der/die der deutschen Schriftsprache überdurchschnittlich mächtig ist.
An alles gedacht?
Die Musiker mit Notenmaterial versorgt? Check!
Die Gemeinde mit Texten versorgt? Check!
Den Computer mit Folien gefüttert? Check!
Korrekturgelesen? Check!
Auf unserem Weg bis zum Sonntagmorgen, muss nun noch für eines Sorge getragen werden: Jeder, der auf der Bühne stehen wird, muss das Lied bestmöglich kennen. Gib deinen Musikern eine Chance, ihr Bestes zu geben.
Und noch was. Spiel und sing das Lied zuhause in deiner Stillen Zeit, um Gott damit anzubeten. Nur dann kannst du andere mit diesem Lied auch darin anleiten. Und dann ermutige deine Musiker dasselbe zu tun.
Alles erledigt? Dann atme einmal kurz durch bevor wir uns der nächsten Frage zuwenden:
„Wie bringe ich meiner Gemeinde das Lied am besten bei?“
In den folgenden drei Blogs möchte ich Hilfestellung zum Thema geben, das sich in der Frage formulieren lässt, „Was muss alles passieren, damit unsere Gemeinde neue Lieder lernt?“
Drei Schritte müssen wir dazu unter die Lupe nehmen:
Die Liedauswahl
Die technische Vorbereitung
Das Beibringen
In diesem Eintrag wollen wir uns zunächst nur mit Nr. 1, der Liedauswahl, beschäftigen.
Wer ist dafür verantwortlich, dass neue Lieder in der Gemeinde gesungen werden?
Diese Frage ist leicht zu beantworten: Der Anbetungsleiter. In unserer Gemeinde ist das meine Aufgabe. Also, keine Ausreden suchen – wenn das dein Dienst in deiner Gemeinde ist, dann wird und sollte auch kein anderer die Verantwortung dafür übernehmen.
Natürlich darf man sich dafür Helfer suchen, die mit anpacken, aber die Verantwortung bleibt beim Leiter.
Wo finde ich neue Lieder?
Das kann ganz leicht und gleichzeitig auch ganz schwer sein. Ein paar Tipps sind hier sehr hilfreich.
Wenn du grundsätzlich wenig Musik hörst, dann nimm dir das hier zu Herzen: Ändere deinen Lebensstil und hör so viel Musik wie möglich. Das wird dir als Gemeindemusiker noch in so manchem Bereich eine große Hilfe sein.
Geeignete Lieder finden sich zwar in unterschiedlichen Genres; allerdings gibt es Stile in denen sie häufiger auftreten als in anderen. Solltest du also in deiner freien Zeit fast nur Rap und Heavy Metal hören, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass du auf ein Lied stößt, dass deine Gemeinde mit Begeisterung mitsingen wird. :)
Lerne „Gemeindelieder“ so weit zu lieben, dass du sie nicht nur am Sonntag der Gemeinde und ihrer Kultur zuliebe benutzt, sondern mach es dir zur Aufgabe, selber Gott in deiner Stillen Zeit durch sie zu verherrlichen.
Verschaffe dir Zugang zu legalen Musikdatenbanken, um neue Lieder zu finden. Hier kann ich Spotify sehr empfehlen. Mithilfe der Anzeige ähnlicher Künstler kannst du Lieder finden, die deinen Lieblings-Anbetungsliedern nahe kommen.
Informiere dich, welche Lieder gerade sehr gerne in anderen deutschen Gemeinden gesungen werden. Hierzu stellt CCLI regelmäßig aktuelle Ranglisten auf.
Hör dich bei deinen Musikern und bei Gemeindemitgliedern um. Was hören sie gerne? Was singen sie gerne? Welche Lieder bauen sie geistlich auf?
Woher weiß ich, ob ein Lied für den gemeinsamen Gesang geeignet ist?
Sehr wichtig: Nicht jedes Lied ist für den gemeinsamen Gesang brauchbar – ich möchte sogar behaupten, dass es die allermeisten nicht sind. Aber woran erkenne ich, ob ich auf ein taugliches Lied gestoßen bin? Das ist gar nicht so leicht zu sagen, aber vielleicht helfen die folgenden Fragen zur Bewertung des Liedes:
Inhaltliche Testfragen
Ist das Lied ausdrücklich (un-zweideutig) christlich?
Ist der Text inhaltlich wertvoll für meine Gemeinde?
Ist der Text einfach und verständlich formuliert?
(Komplizierte Texte sind zwar schön anzuhören, aber schwer zu singen. Und unsere Gemeinde soll sie doch gerne singen.)
Hilft der Inhalt dieses Liedes unserem Liedrepertoire eine ausgewogene Theologie zu vermitteln?
(Es werden im Moment z.B. sehr viele Lieder über die Liebe Gottes geschrieben. Das ist sehr gut. Aber Gott ist nicht nur liebevoll. Er ist auch viele andere Dinge. Darf meine Gemeinde auch mal über Gottes Gerechtigkeit singen?)
Habe ich sichergestellt, dass es keine Formulierungen im Lied gibt, die unserer Überzeugung als Gemeinde widersprechen?
(Hier denke ich z.B. an Phrasen über den Heiligen Geist, die – unabhängig davon ob sie biblisch korrekt sind oder nicht – eher dazu dienen werden, dass in einigen Gemeinden die Mitglieder in eine Abwehrhaltung verfallen, als sich auf die Anbetung Gottes zu konzentrieren.)
Musikalische Testfragen
Ist die Melodie leicht singbar?
Geht sie ins Ohr?
Kann ich sie beim zweiten Mal Hören schon mitsummen?
Fällt es mir leicht immer die richtigen Noten zu treffen, oder versinge ich mich an einigen Stellen immer wieder?
(Bedenke: Alles was mir als Musiker kleine Schwierigkeiten bereitet, wird für die Gemeinde umso schwerer.)
Begeistert das Lied auch dann, wenn es nur zu Klavier- oder Gitarrenbegleitung gesungen wird?
Wenn das Lied mehrere Strophen hat – ändert sich in den Strophen wirklich nur der Text, oder gibt es verwirrende Unterschiede in Silbenanzahl, Textbetonungen oder Melodieverlauf?
Kann ich das Lied für den Gemeindegebrauch auch so arrangieren, dass das lange Intro, das E-Gitarren-Zwischenspiel und die fünfte bis achte Wiederholung der Bridge rausfallen und sich das Lied trotzdem noch gut anhört?
Entspricht der Stil dem, wo die Gemeinde hin möchte?
(Wenn die Leitung es sich z.B. als Ziel gesetzt hat, modernere Lieder ins Repertoire aufzunehmen, dann ist es eher kontraproduktiv ein Lied einzuüben, das vor 30 Jahren geschrieben wurde und sich auch so anhört.)
Kann ich es meinen Musikern zumuten?
Kann ich es meiner Gemeinde zumuten?
(Hierfür entwickelt man mit der Zeit das nötige Fingerspitzengefühl.)
Gar nicht mal so leicht... Und ich bin sicher, es gibt noch andere Dinge, auf die man achten könnte oder sollte. Wenn dir noch etwas einfällt, dann schreib es doch einfach in einen Kommentar unter diesen Eintrag.
Hast du ein Lied gefunden, das all die Fragen positiv beantwortet, dann geht’s weiter mit der Frage: „Was muss getan werden, bevor wir der Gemeinde das neue Lied beibringen können?“
Am 27. Oktober hat der Jugendchor unserer Nachbargemeinde, der EFG-Niedernberg, den Gottesdienst bei uns gestaltet.
Es war schön mal wieder einen Chor in den eigenen Räumen zu hören - das gab es schon seit 1,5 Jahren nicht mehr (und wird auch von vielen vermisst).
Dazu war es auch sehr gut, einmal andere Instrumente in Aktion zu sehen. Elektrisches Schlagzeug, E-Gitarre und Geige sind bei uns eben noch etwas Außergewöhnliches.
Es geht vorwärts. Manchmal in kleinen, manchmal in größeren Schritten. Und manchmal sind gerade die Schritte, die einem Besucher verborgen bleiben, die wichtigsten. Einige dieser Schritte sind wir in den letzten Wochen gegangen und ich berichte gerne, was sich bereits getan hat.
Grundlagentraining für Tontechniker
Im Zuge der Vorbereitungen auf die bereits angekündigte Tontechnikerschulung habe ich den ersten Ansatzpunkt darin gesehen, mit dem rudimentären Halbwissen aller derjenigen aufzuräumen, die sich schon einmal (oder auch mehrmals) aus Tontechnikermangel an das Mischpult getraut haben. Es ging also zunächst einmal darum, ein festes Technikerteam zusammenzustellen, das von nun an für jegliche Art technischer Bedürfnisse zur Verfügung stehen soll.
Diese ausgewählten Personen wurden nun an einem Samstag in den wichtigsten Grundlagen der Tonabmischung unterrichtet. Zwei Stunden haben sich die Köpfe über das Mischpult gebeugt, Beschriftungen studiert, Knöpfchen gedreht und sich die Theorie hinter dem ganzen angehört. Im Anschluss durften die neu gewonnenen Erkenntnisse gleich an den Musikern erprobt werden.
Da ich für diesen Zweck die Musiker sowieso zusammentrommeln wollte, habe ich den ersten Teil der Schulung dazu genutzt, Nachwuchsmusiker in einem Nebenraum ebenfalls auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. In unserem Kreis ging es um die Wichtigkeit der Musik in der Gemeinde, die Rolle der Musikleitung, aber auch um praktische Grundlagen zu Haltung, Atmung und einiges mehr.
Also volles Programm und voller Erfolg auf mehreren Ebenen. Zum Glück wurden für uns im Anschluss belegte Brötchen serviert. Die waren mehr als nötig.
Präsentable Präsentationen
Wie auch bei den Tontechnikern schreit der Präsentationsdienst förmlich nach einem festen Team, das den wachsenden Anforderungen gerecht werden kann. Erste Gespräche haben stattgefunden und einige junge Leute haben sich schon bereitwillig für diesen Posten einplanen lassen. Auch mit dieser Gruppe möchte ich gerne eine Schulung durchführen, allerdings müssen vorher noch einige Dinge passieren.
Vor einer Woche habe ich mich mit Computerbegeisterten in der Gemeinde zusammengetan und nach einem neuen PC gesucht, der uns nicht nur von den Macken der alten Krücke erlöst, sondern auch dem potenziellen Einsatz der Computertechnik im Gottesdienst der kommenden Jahre genügend Spielraum gibt. Dieses Prachtexemplar steht nun bei mir zuhause und soll noch heute auf seinen rechtmäßigen Arbeitsplatz versetzt werden. Zudem wird er als erstes mit einem neuen Präsentationsprogramm ausgestattet, dass speziell auf Präsentationen in der Gemeinde ausgelegt ist. Sobald es so weit ist, werde ich auch Näheres dazu nicht für mich behalten.
Die konkreten Schritte also: PC betriebsbereit machen, Präsentationsteam ausbilden, loslegen.
Ich habe mich bemüht, in den vergangenen Wochen besonders die Ohren offen zu halten, um die Reaktionen auf unsere Bemühungen wahrzunehmen. Und auch wenn man es sich theoretisch denken kann, ist es doch echt erstaunlich, was sich da alles im Kescher sammelt. Ich bin mal gespannt, ob es mir jetzt gelingt, ein verständliches Bild von dem zu malen, was mich bisher erreicht hat...
Positives – das lasse ich einfach so stehen
Einige euphorische Reaktionen haben gar nicht lange auf sich warten lassen. In der oberen Hälfte des Altersspektrums fielen Sätze wie „Ich fühle mich wie im siebten Himmel!“ und „Ich fühle mich wie ein Schwamm, der sich so richtig voll saugt.“ Von Kindern wurde ich teilweise schon an der Eingangstür mit der Frage, ob wir denn heute das neue Lied singen, begrüßt und musste die offensichtliche Enttäuschung mit ansehen, wenn es denn mal nicht auf dem Tagesplan stand. Auch im Zuge der spannenden Entwicklungen unserer Jugendlichen und Teens, haben Eltern ganz erstaunt und begeistert erzählt, dass diese plötzlich von sich aus anfangen zu singen. Man muss die Augen also nicht besonders weit aufreißen, um zu sehen, dass wir nicht einfach nur Chancen nutzen, sondern offensichtlichen Defiziten den Kampf ansagen.
Negatives – hier wage ich mal, Stellung zu nehmen
Aber auch skeptische und besorgte Äußerungen blieben nicht aus. Ganz oben in der Rangliste steht die Trauer um den Klang des Klaviers (das ja in den Sonntagmorgen-Gottesdiensten durch ein E-Piano ersetzt wurde) neben der Befürchtung, dass die neue Gottesdienstplanung mit „Planning Center“ die Spontaneität und familiäre Atmosphäre im Gottesdienst ersticken wird.
Zu Nr.1 lässt sich sagen, dass in allen anderen wöchentlichen Veranstaltungen immer noch das Klavier genutzt wird, weil mir das E-Piano privat gehört und ich es unter der Woche zuhause brauche. Auch die Tontechniker werden bald darin geschult, den besten Klang aus dem Instrument rauszuholen. Möchte sagen: ich denke, es bedarf einer Gewöhnungszeit bis auch der Gottesdienstbesucher die Vorteile gegen die Nachteile abwägen kann.
Zu Nr.2 ist wichtig zu erwähnen, dass Gemeindemitglieder auf den Gottesdienstplänen Minutenangaben für jeden Beitrag entdeckt und damit meinen, ein Gesetzbuch oder eine versiegelte Liturgie in den Händen gehalten zu haben. Darauf hat aber natürlich keiner gezielt. Fakt ist, dass das Programm diese Zeiten standardmäßig einfügt und sie uns eine große Hilfe darin sind, die Länge der Gottesdienste im Groben abzuschätzen. Sie hindern uns also in keinster Weise daran, spontane Beiträge einzuschieben, das dringende Gebetsanliegen aus den Reihen anzuhören oder den Refrain des letzten Liedes noch einmal zu singen. Um diesen Bedenken entgegenzuwirken, haben wir eine ganz simple Lösung gefunden. In den Druckaufträgen für die Gottesdienstpläne werden wir einfach die Zeitangaben deaktivieren, damit die Zeiten tatsächlich nur eine Planungshilfe bleiben und keinen dazu zwingen, die Predigt unnötig in die Länge zu ziehen oder die Kindergeschichte in doppelter Geschwindigkeit zu erzählen.
Eine bewundernswerte Vorsichtshaltung
John Maxwell nennt folgende Statistik:
„10 Prozent der Menschen sind Pioniere,
70 Prozent sind Bewahrer und
20 Prozent sind Gegner.“[1]
Wenn ich unsere Gemeinde im Licht dieser Neuerungen betrachte und selbst die Gespräche mit Skeptikern mit einbeziehe, kann ich momentan beim besten Willen keine Gegner ausmachen. Ich merke wohl, dass der eine schneller auf den Zug springt als der andere. Und trotzdem erkenne ich auch bei den Besorgtesten eine bewundernswerte Einstellung, die mir gegenüber zu kommunizieren scheint: „Wir sind sehr froh, dass du da bist und dich einsetzt. Wir sind zwar einigen Dingen gegenüber skeptisch, begrüßen dafür andere umso mehr. Wir haben Vertrauen in dich als Person und als Leiter.“ Eine solche Einstellung ist goldwert und hilft mir, selbst auf die Vorsichtigsten gerne zu warten.
[1] John C. Maxwell: Ihr Traum auf dem Prüfstand, S. 165.