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Discoholic 🪩
Three Goblin Art
he wasn't even looking at me and he found me
Sweet Seals For You, Always

#extradirty
One Nice Bug Per Day
will byers stan first human second
Show & Tell

oozey mess
DEAR READER
"I'm Dorothy Gale from Kansas"

⁂
Claire Keane
Lint Roller? I Barely Know Her
ojovivo

roma★
Not today Justin

Janaina Medeiros
taylor price

izzy's playlists!
seen from Türkiye
seen from United States
seen from United States
seen from Netherlands
seen from United States
seen from South Africa

seen from Malaysia

seen from Malaysia

seen from United States
seen from United States

seen from United States
seen from United States
seen from Malaysia
seen from Sweden
seen from United States

seen from United States
seen from United States

seen from United States

seen from United States
seen from United States
@23tage
23
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Kein Zugang frei, schnell weiter, schneller, immer den Pfeilen nach, immer am Zaun entlang. Die Schäferhunde dahinter kläffen schon die Nationalhymne mit. Keine Abkürzung also.
Keine Selbstbestimmung, nur Gattermodule, die in Intervallen von Ordnern geöffnet werden, keine Luft, kein Platz, geschoben werden.
Durchatmen. Keine gute Stimmung. Kein Sieg, keine Entladung. Bierbecher zertreten, Polizisten anpöbeln. Nur die Touristen können an Geburtstage denken und schicken Whatsapp Videobotschaften vom Brandenburger Tor.
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Heute können wir nicht still stehen. Weil es so kalt ist, brauchen wir die Bewegung. Treppe hoch, Treppe runter. Hangeln von Screen zu Screen. Wir brauchen die Nähe zu anderen, sammeln uns ganz vorne und fangen Gespräche miteinander an. Eine steht da und singt dazu. Sie trägt nur ein Federkleid und versucht uns einzureden, dass wir in Brasilien am Strand sind. Sie sagt sie braucht uns alle um nicht zu frieren dort oben. Wir sind zu träge, nur wenige tanzen; sie lacht trotzdem und geht von der Bühne.
20
Katerstimmung. Und es ist kalt. Alle sitzen drinnen, zurückgelehnt, die Stühle eingedreht zur Leinwand. Kaum wird sich unterhalten, im Essen nur gestochert. Der Jubel kommt nur aus den Boxen, und mischt sich mit dem Applaus für die Helene-Fischer Coverband vom gut besuchten Sommerfest nebenan.
19
Aus der Ubahn, hoch ans Tageslicht: nichts ist so wie sonst. Alles ist dicht. Intuitiv bewegen wir uns genau dort entlang, wo wir es sollen. Ein paar von uns laufen auf der Straße und werden scharf angepfiffen, 'das ist jetzt gefährlich für alle'. Dann stehen wir davor. Wir sind so viele und ständig kommen mehr dazu, Erhöhen den Druck von hinten. Die Hauptsache ist, dass alles weiter nach vorn geht und sich niemand umdreht. Wir schieben uns gegenseitig rein. Jetzt sind wir alle da: Du bist da, ich bin da, der Typ mit der Perücke und die mit dem Hut und der und die und er und sie und es sind auch da. Und wir sind heiß Jungs, wir sind heiß. Das ist der Moment mit dem alles anfängt. Was ich will - was alle wollen: einfach da sein, hier sein, sichtbar sein. Ein Teil nehmen. Jetzt sind wir damit hier und könnten alles mal einfach ganz anders machen. Wir malen uns die Flagge aufs Gesicht, Indianer der Integration. Reißen die Arme in die Luft. Wir fiebern zusammen. Wir sehen uns, während wir die Leinwand betrachten, selber darauf; im Taumel der Masse aufgehend. Wir springen hoch und reiben uns aneinander. Wir rasten aus zusammen. Gleichheit Gleichheit Brüderlichkeit.
18
Kaum ist es zuende, ist der abgegrenzte Bereich ganz vorne auch schon leer. Nur ein paar zertretene Plastikbecher liegen dort noch rum, die Eingänge wurden mit Sperrgittern verschlossen. Die Spots sind noch eingeschaltet und lassen Lichtfinger über die Bäume flackern.
Auf der VIP-Tribüne ist noch was los, einer schmettert Arien aus Rigoletto und wird mit Applaus, Pfiffen und Gegröle angetrieben, immer weiter zu machen. Die Budenbetreiber bauen einhändig ihre Bänke ab und machen dabei Ausdruckstanz.
Der Screen zeigt ein Testbild und wird kalibriert. Alles auf Anfang.
17
Dieser Bereich wird überwacht. Innen wie Außen. Einsatzwagen säumen den Eingangsbereich, Ordner in orangenen Westen tasten uns ab und kontrollieren die Taschen. Kameras sind an den Laternenmasten befestigt. Securities stehen bereit, bei den geringsten Auffälligkeiten loszusprinten. Zwischendurch werden einzelne von uns auf die Leinwand projiziert, Moderatoren fordern diejenigen, die es erwischt hat, zum Küssen auf, alle applaudieren und es gibt viel Gelächter.
Vorne steht einer, er ist uns zugewandt, er sieht uns an. Er liest unsere Gesichter, unsere Energie ist seine Energie. Er opfert seinen Spielgenuss für uns, er spendet die Stimmung. Wenn er klatscht, klatschen wir alle; er gibt den Rhythmus an. Der Boden klebt von den verschütteten Getränken. Später tanzen wir alle darauf und tanzend bewegen wir uns durch die Absperrungen hin zum Ausgang. Wir werden überholt von Polizisten in Kampfmontur, die geschlossen an uns vorbeirennen.
16
Ein ganzer Straßenzug voller Fressbuden, nur niemand da zum Essen. Gelangweilt stützt sich die Bowlenverkäuferin auf dem Tresen ab, zu wenig los für aufrecht. Meilenweit entfernt blinkt das Riesenrad und steht still. Wir sind hier gar nicht alle zusammen, sondern jeder für sich. Nach und nach erst bilden sich Gruppen, stehen vor den LED-Leinwänden und sitzen da, wo man sitzen kann. Von den Stahlbrettern an den Rücken der Absperrmodule aus hat man den besten Blick. Sicherheitskräfte patrouillieren über das Areal, das sich erstmal nur durch ein bisschen mit Planen verhangenen Bauzaun vom Rest der Straße abgrenzt, und zeigen, dass hier ihre Regeln gelten. Langsam geht die Sonne unter. Die Supporter der einen Mannschaft stellen sich so gegen die Anhänger der anderen auf, dass sie einander immer im Blickfeld haben, die einen mittig vor dem Screen, die anderen rechts von ihnen. Langsam fährt das Bier rein. Beide singen Schlachtgesänge, machen Aufnahmen von sich selbst, schwenken Fahnen, machen sich groß. Je schlechter es für ihr Team aussieht, desto weiter rücken sie vorwärts und andersherum.
15
Jürgen Drews ist ein Prophet: 3 Tore prognostiziert er in der Pause. Von null auf hundert in nur drei Sekunden singt er dann noch, und da behält er recht: Innerhalb eines Moments kann das schwarz rot goldene Woodstock umkippen. 8 Securities braucht es, um die beiden pöbelnden Gruppen in der ersten Reihe voneinander zu lösen. Die älteren Damen dahinter schreien Sieg Sieg Sieg, es wird nicht ganz klar, wen sie anfeuern. Zum Glück fällt da das dritte Tor, der Bierregen kühlt die erhitzten Gemüter, alle liegen sich in den Armen. Zumindest in einem, der andere wird zum Selfies schießen benötigt.
14
Ein dunkler hölzerner Esstisch steht rechts vom Eingang, parallel zur Straße, mit Fernseher am Kopfende. Davor ist genügend Platz für Bierflaschen und Aschenbecher. Links vom Eingang gibt es Obst und Bulgursalat. Und ein Konzert. Auf den wenigen Sitzgelegenheiten wird sich abgewechselt, jeder will auch mal ab und zu rüber, gucken, was da so los ist. Das Spiel ist eher Hintergrundrauschen. Hier geht’s eher um Kontakt. Immer wieder kommt der Spätibesitzer raus und wünscht Portugal die Heimreise. Danach verschwindet er und wir gucken uns an, grinsend.
13
Im ganzen Kiez ist so viel los, dass die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwimmen. Die Türen stehen offen, die Bürgersteige sind voll. Trauben von Menschen bilden sich. Köche aus 4 Nationen fiebern zusammen für Portugal. Über 3 Tische wird die rassistische Bemerkung des Kommentators diskutiert. Der Junge neben mir erzählt von seiner Wette mit dem Nachhilfelehrer und erklärt das Tabellensystem. Trauben von Menschen lösen sich wieder. Ich lasse mich mit treiben. In or Out? Die Entscheidung wird ständig neu getroffen.
12
Jeder von uns ist ein sicherer Körper. Alle wurden gleich gecheckt. Wo wir sind duftet es, ein gemeinsamer Duft, der in kleinen Proben verteilt wird. Es gibt genug zu essen und trinken, zu erschwinglichen Preisen. Wir werden gut unterhalten, alle gleich gut. Großbildleinwände flimmern und Musik wummert aus großen Boxen; Zeppeline und Konfetti aus Kanonen fliegen über unsere Köpfe. Wer seine Schminke vergessen hat, kann sie hier günstig erwerben. Wir sind bunt gekleidet oder nicht, tragen Perücken oder nicht. Wir haben ausreichend Platz, auf dem Boden, auf Bänken, Sonnenstühlen, der Tribüne oder stehend. Geht einer verloren, wird sein Name laut ausgerufen. Wir sind eine Gemeinschaft. Unsere Stimmung wird regelmäßig geprüft. Ist sie nicht gut, spielen wir ein Spiel: Wir machen Krach zusammen, hohe Töne, tiefe Töne. Wenn wir laut genug sind, kriegt jeder seinen eigenen Lidl-Gutschein und wird aus dem Käfig entlassen.
11
Drei Screens hängen auf nur 50 qm. Im Halbkreis stehen wir drum herum und sind jeder für sich. Hier ist Fluchen kein Problem. Die Fernseher lenken Blicke und Ausbrüche über die Köpfe der anderen hinweg. Einziger Berührungspunkt ist die Klinke der Toilettentür.
10
Wo man auch hingeht, es wird drüber gesprochen. An Nachbartisch wird getippt, der Busfahrer verkündet Ergebnisse über sein Mikro, die Bahnanzeige wird zum EM-Ticker. Jeder ist plötzlich ein Fachmann. Kann mitreden und prognostizieren, lamentieren und schwärmen. Die Hemmschwelle für das Miteinander ist sehr gering.
9
Sogar das Fernsehen ist jetzt hier, 'Alles voll und es wird noch schlimmer!'. Menschen, alte, junge, als Banane verkleidete, essende, stehende; den ganzen Straßenzug entlang – recken die Hälse um etwas zu sehen. Straßenmusiker quetschen sich durch die Menge und spielen an jedem Tisch einzeln. Fast gibt es eine Schlägerei, weil jemand jemandem in die Quere kommt. Die Kamera hält immer drauf in Erwartung, dass irgendwas passiert. Von den Markisen prasselt der Regen. Dann kommt der Jubel. Erst links (Satellit), dann rechts (Kabel) und dann auch bei uns: Arme in die Luft, aufspringen, Brüllen. Volare.
8
'Ist doch Werbung!' rufen die Jungs, die während der HEUTE-Sendung anfangen, in der Nachbarseinfahrt zu kicken. Überhaupt ist nach der Halbzeit nach dem Spiel, da helfen auch die Windlichter nichts, die der Kellner eben rausbringt: die Luft ist raus. Die Fahnen, die sie eben noch wie Superheldenumhänge anhatten, hängen schlaff über die Stuhllehnen. Die Mädelsreihe, die vorhin lauthälsig den Spielstand über die Straße gebrüllt hat, ist jetzt in ihre Handys vertieft.
7
Das Feuerwerk ist auf einmal da. Keiner hat es kommen sehen, da sprühen Funken auf der Straße vor uns. Es sieht hübsch aus, und es ist laut. Ein Nachbar kommt auf seinen Balkon gerannt und hat so eine Tute dabei, die er benutzt, es wird nicht klar, ob weil er sich freut oder weil er sich ärgert. Alle lachen, weil es ein wenig absurd ist, nach diesem Spiel Böller abzuschießen. Aber es schließt einen feierlichen Bogen zur Fahnengirlande, die zu Beginn mühevoll aufgehängt wurde. Und es lockert die Stimmung auf, die während des Spieles recht konzentriert war. Es wird gekifft, gegessen und kein Pfand rausgegeben: ‘Ist ein bisschen für unsere Extrakosten, dass wir das hier so aufbauen und so.’ Um die 100 Leute sind wir am Ende, auf Bierbänken, -kästen und Monobloc-Stühlen. Der Flachbildschirm lehnt am Laternenmast, die Lampe strahlt ihn von oben an. Steht einer auf und verdeckt die Sicht der anderen, wird er namentlich gebeten, sich hinzusetzen.