14/53: Auf dem Weg nach Waihi, einer der vielen Goldgräberstädte.
Wie so oft war es vermutlich das Gold, das die Besiedelung Neuseelands so richtig in Schwung gebracht hat. Waihi ist eine der wenigen noch aktiven Goldgräberstädte mit einer ziemlich einzigartigen städtebaulichen Entwicklung, die sich zu 100% am Gold orientiert. Dieser Blick auf die Karte macht es ziemlich eindrucksvoll deutlich, was ich damit meine. Neben diesem ominösen Loch gab es für uns noch ein weiteres Highlight: "The German Bakery".
Wenn ich mich recht entsinne, war es "Jim from the Forest", den wir beim Besuch der Victoria Battery begegneten. Nach dem häufigen Frage-Antwort-Spiel: "... So where are you from?" - "Germany!" erzählte er uns schlagartig von Ronny, dem Besitzer einer deutschen Bäckerei in Waihi, an der wir beim Stadtbummel wenige Stunden zuvor – offensichtlich ohne sie zu bemerken – mindestens zweimal dran vorbeigelaufen sind.
Also zurück nach Waihi, um die Bäckerei aufzusuchen, deren Schild sich schlussendlich fast gänzlich hinter einem sich unverschämter Weise direkt vor dem Laden breitmachendem Baum versteckte.
Kurz nach Ladenschluss öffnete uns aber Annika (Ronnys Frau) noch einmal die Türen und beglückte uns mit zahlreichen Backwaren. Unsere Ausbeute: Sauerteigbrot, Roggenbrötchen, Laugenstange und ein Lebkuchenmann mit einer anschließend sehr kurzen Lebenszeit. Alles lecker, alles gut und nach zwei Wochen Schwammbrot auch höchste Zeit. Allein deswegen war unser Besuch in Waihi und Umgebung die Reise wert.
Laugengebäck in Neuseeland zu produzieren ist übrigens komplizierter als man denkt. Zwar gibt es Lauge als Haushaltsmittel, dieses ist aber natürlich nicht für die Verwendung und Verarbeitung in und an Lebensmitteln zugelassen. So muss man Lauge aus Europa importieren. Gleicher Inhalt, andere Verpackung. Das macht Laugengebäck dann zwar auch etwas teurer, aber mindestens genauso lecker.
Aber kommen wir zurück zur Victoria Battery, die auf eine eindrucksvolle Geschichte zurückblickt. Erbaut, um die unzähligen Tonnen Erz aus der Waihi Martha Mine zu verarbeiten, war die Victoria Battery die damals größte Industriestätte Neuseelands und mit ihrem 200 Stempeln die größte erzverarbeitende Goldwaschfabrik Australasiens. Laut, dreckig und vermutlich auch stinkend, wurden täglich über 800 Tonnen Erz zu Sand zermahlen.
Heute ist davon nur noch wenig zu sehen: mit Gras überwachsene Fundamente, viel verrostetes Eisen, eine kleine noch intakte Eisenbahn, ein Museum und ein nahe gelegener Wasserfall sind aber trotzdem eine Reise wert.
Was das Reisen angeht, so begegnet man in Neuseeland übrigens immer wieder diesen Hinweis-/Warnschildern. Immer anders, immer erfrischend und vor allem aufklärend, statt beängstigend und drohend wie in Deutschland. "Think positive" ist hier die Devise. Daumen hoch!
*P