Freitag, 4. Juli 2025
Der letzte Tag unseres diesjährigen Alpencrosses wird uns noch einmal alles abverlangen. 105 Kilometer und 1.420 Höhenmeter stehen auf dem Programm, wobei wir uns allerdings gar nicht recht erklären können, wo die 1.400 Höhenmeter her kommen sollen. Eigentlich, so jedenfalls unsere Hoffnung, geht es doch erst mit einigen Aufs und Abs weiter auf der ruppigen Salzstraße, danach aber nur noch abwärts ans Mittelmeer. Aber mal schauen.
Ein gutes Frühstück ist die Grundlage für einen anstrengenden Tag. Haben wir heute aber leider nicht bekommen. Hüttenfrühstück light, würde ich sagen. Jeder bekommt jeweils einen Stick Honig, ein Päckchenlein Nutella und ein Stückchen Butter. Aufgebackenes Brot und Konfitüre sind glücklicherweise nicht abgezählt. Dazu ein Becher Kaffee. Ich haue mir so viel Marmeladenbrote rein wie geht, die nächste Essenfassmöglichkeit wird es erst am Nachmittag geben.
Tom drängt wegen der langen Strecke auf einen früheren Start als sonst und sitzt schon viertel nach Acht auf dem Bock, ich folge und mit etwas Abstand Norbert. Uns graut etwas davor, weil wir laut Komoot 40 Kilometer unbefestigten Grobschotter vor uns haben. Das Wetter scheint wieder angenehm zu werden, sonnig, aber nicht zu warm.
Das weitere Teil der Salzstraße stellt sich so dar wie wir es von gestern kennen. Grober Schotter, rumpeliger Untergrund, Auf und Ab, so dass wir nach kurzer Zeit schon absteigen und schieben. Da kommt uns schon der erste Motorradfahrer entgegen. Scheinbar ist die Strecke heute auch für motorisierte Fahrzeuge freigegeben. Motocrossfahrer haben wahrscheinlich ihre helle Freude an diesem herben Gelände. Uns werden im Laufe des Tages noch viele begegnen. Schlimmer ist aber, dass heute auch Autos hier verkehren. Da der Weg recht schmal ist, können die uns nicht einfach überholen und wir müssen jedes Mal am Straßenrand das Fahrzeug passieren lassen. Vor allem eine Vielzahl von historischen Peugeot 205 sind doch recht lästig. Es scheint so, als würden die heute eine Art Rallye veranstalten. Immer wieder kommen ein, zwei oder auch mal mehr von diesen Oldtimer von hinten und wollen passieren. Dann machen sie irgendwo Pause, wir überholen sie, um sie kurz darauf wieder im Nacken zu haben. Klar haben sie dasselbe Recht hierher zu fahren wie wir, aber langsam nervt es.
Nach ungefähr 20 Kilometern, die sich ewig hinziehen, passieren wir die südliche Mautstelle und hoffen, dass der Untergrund jetzt besser fahrbar wird. Ordnungsgemäß werden unsere 1€-Tickets einschließlich Rifugio-Stempel geprüft. Alles gut, wir dürfen weiter.
Die Hoffnung, dass es jetzt weniger steinig-ruppig würde, erfüllt sich zunächst nicht. Der Weg ist derselbe wie zuvor. Doch peu à peu wandelt sich der Weg dann endlich doch. Zwischenzeitlich dann zwar immer noch fiese Auf- und Abfahrten, aber immer mehr halbwegs fahrbare Passagen. Auch die lästigen Peugeots-Kolonnen nehmen langsam ab. Nach 40 Kilometern und 8 Stunden hat die Pein ein Ende, wir kommen wieder auf Asphalt. In perfekter Pabstmanier wirft sich Norbert auf den Boden und küsst den glatten Untergrund. Puh, das war ein Ding. Aber trotzdem ein tolles, einmaliges Erlebnis in einer sehr beeindruckenden Berglandschaft.
Das bedeutet nun aber auch, dass wir noch 65 Kilometer vor uns haben. Die nächsten 40 Kilometer bis Ventimiglia sind eine wunderschöne Abfahrt. Man merkt während der rasenden Fahrt förmlich, wie es wärmer wird. Bald stellt sich zudem ein ordentlicher Gegenwind vom Meer ein, der aber wegen des Gefälles nicht sehr stört. In einem kleinen Ort kurz vor Ventimiglia legen wir noch einmal eine Pause ein. In einem Lädchen kaufen wir Ess- und Trinkbares und machen uns gleich vor Ort darüber her. Das karge Frühstück, die kräftezehrende Fahrt und das fehlende Mittagessen haben bei uns ein veritables Hungergefühl ausgelöst.
Gestärkt rasen wir weiter. Bald wird Ventimiglia erreicht, wo wir uns aber nicht weiter aufhalten. Auf einem schönen Radweg direkt am Strand streben wir gen Westen. Bald passieren wir auch schon die italienisch-französische Grenze bei Menton. Auch diese schöne Stadt wird rechts liegen gelassen. Bei Roquebrune-Cap Martin müssen wir noch einmal eine ordentliche Steigung bewältigen, um dann endlich in unseren Zielort Monaco einzuziehen. Um 19.00 Uhr stehen wir völlig ermattet, aber extrem glücklich über die bewältigte Alpentour auf dem Platz vor dem berühmten Casino. Schnell werden ein paar Erinnerungsfotos gemacht, da werden wir auch schon von geflissentlichen Security-Kräften verjagt, weil hier keine Fahrräder erlaubt seien, selbst wenn sie geschoben werden. Nun gut, wir wollten eh nicht bleiben.
Das nächste Ziel ist der Bahnhof von Monte Carlo. Hier besteigen wir einen Regionalzug und fahren nach Antibes, wo Norberts Schwiegermutter bereits sehnsüchtig auf uns wartet. Unser kranker Mitfahrer, dem es erfreulicherweise inzwischen viel besser geht, ist auch schon eingetroffen. Hier verbringen wir einen wunderschönen Abend in einer Pizzeria in der Altstadt.
Am nächsten Morgen wird noch ergiebig bei Norberts Schwiegermutter gefrühstückt. Dann müssen wir auch schon zum Bahnhof, von wo aus uns ein TGV nach Paris bringt. Dort müssen wir - wie auf der Hinreise - 5 Kilometer durch die Stadt radeln. Winz reist vom Ostbahnhof, Tom und ich vom Nordbahnhof aus nach Hause. Norbert ist noch für zwei Tage an der schönen Côte d‘Azur geblieben.













