Es ist ironisch. Ich möchte meine Orthese ins Sanitätshaus zurückbringen und ich stelle fest, dass sich daneben ein Fahrradladen befindet, der meine verstellte Bremse reparieren kann. Das habe ich am Tag zuvor festgestellt und ist sehr wahrscheinlich für meinen Fahrradsturz am 24. Juli verantwortlich, bei dem ich mir mein vorderes Kreuzband verletzte. Reset. Ungewollt - oder irgendwie gefügt? I have no idea.
Das war ca. 1 Monat nach dem Sachsentrail - genial übrigens - 1 Tag nach dem Geburtstag meiner Kinder und zu Beginn meines Coachings für zyklusorientiertes Training mit Stephanie Platt. Und ich glaube, ohne den Sturz hätte ich das Coaching nicht so gut umsetzen können, um endlich mal zu spüren, wie sich meine Nulllinie anfühlt. Mein Nullraum. Indem mein Stresspegel normal ist, mein Zyklus da und ich nährstofftechnisch gut versorgt - aber eben mit Handicap.
Wir versuchen es erstmal konservativ. Das heißt: let’s start mit echtem Krafttraining. Das hab ich auch im Coaching gelernt, hätte es vermutlich nicht so umgesetzt. Nun muss ich - und ich darf auch nicht mehr damit aufhören. Auch hab ich mit dem schwimmen begonnen. Hätte ich auch nie gemacht. Im Coaching hab ich gelernt, dass man auch Ausdauer-Dinge mit niedriger Intensität machen muss - et voila. Angst habe ich trotzdem. Ich habe mich völlig optimistisch und naiv für denm Ultra Trail Fränkische Schweiz Ende April 25 angemeldet - 66k und um die 2700 HM. Ob das was wird? Ich werde es auf dem Weh dahin merken… dann werde ich entscheiden. Aber zurück zum Zyklus und wie ich ihn wiederbekam. Scheinbar hatte ich ihn in der Trainingsphase zum Sachsentrail verloren, es waren immer nur um die 21 Tage - da wird es keinen Eisprung gegeben haben. Das kurz zur Vorgeschichte. Wenn ich noch weiter aushole, muss ich wohl mindestens vor 9 Jahren beginnen, wo unser Kinderwunsch konkreter wurde. Aber eines haben diese Phasen gemeinsam: ich befand mich erheblich im Energiedefizit. Nicht unbedingt zu viel Sport (vielleicht die falsche Intensität zum falschen Zeitpunkt) - eher zu wenig richtige Nahrung.
Also war es eine meiner ersten Aufgaben, Kalorien zu tracken. Da habe ich erstmal geschluckt. Aber ich stellte fest, dass ich immer nur an den 1800 kcal kratze. Meine Uhr sagt mir aber, dass ich auch an einem weniger aktiven Tag 2100 verbrauche. Finde den Fehler - gerade wenn man viel trainiert. Und ich erinnere mich, dass ich auch nicht wesentlich mehr in Trainingsphasen gegessen habe. Eher rein ins Nüchterntraining, und unendlich traurig darüber, nicht schwanger zu werden. Nun habe ich das angemessene Essen verinnerlicht und ich akzeptiere, dass temporär einige Hosen zu eng sind. Aber ich habe auch gelernt, wie der weibliche Körper funktioniert. Bekommt er zu wenig essen, muss er die Fruchtbarkeit bewahren - er setzt eher an. Das hormonelle System kommt zudem auch durcheinander, da er sich dauerhaft im Stress befindet. Zu viel Cortisol - Tschau Eisprung.
Ich habe mich also vor allem ums Essen gekümmert und mir neue Gewohnheiten ran geschafft. Auch wenn ich gerade noch nicht so viel trainiere, sondern mich aufbaue, achte ich nun mehr auf die Makros und dass genug davon am Ende des Tages da ist. Überwachen tue ich das Ganze mit einem Tempdrop, das meine Temperatur in der Nacht kontrolliert. So weiß ich sicher, dass ich einen Eisprung hatte - und hier kann dann angesetzt werden.
Was sind meine wichtigsten Take aways/neue Routinen:
Morgens ein Drink mit Apfelessig, Flohsamenschalen und Collagen
Proteinpulver + wieder mehr Fleisch essen (2x pro Woche)
Intensität in der ersten Zyklushälfte
In der zweiten eher Ausdauer oder am unteren Rand der Pulsvorgabe im Trainingsplan
Verpflegen! Vor, während und nach dem Training
Kalorien tracken, wenn das Training wieder hochfährt
Heute ist schon der 14. Juli - 3 Wochen nach dem Sachsentrail. Ich sitze gerade auf unserem Balkon und habe Corona. Es ist 10.05 Uhr und die Kinder spielen im Wohnzimmer Verreisen. Sie fahren in den Winterurlaub zum Tanzen und haben riesige Monsterchips dabei. Die sind aber so groß, dass man sie aufheben muss. Die sind salzig. Die kleinen sind süß. Aber das nur nebenbei zum Lebenskontext. Zudem kommen wir gerade aus einer Streikwoche in der Kita. Und nun noch Corona.
In diesem Kontext sitze ich auf unserem Balkon und mich überkommt eine Welle aus purer Dankbarkeit. Mir war es möglich seit Februar für diesen Lauf zu trainieren - ja, das erste Mal mit einem Trainingsplan. Ich durfte im März mit meinem Papa 7 Tage in einem “Höhlenhotel” auf Gran Canaria verbringen und mich auftanken. Ich durfte eine unglaubliche Reise zu mir und auf eine neue Ebene machen. Das wurde mir am Freitag im Gespräch mit meiner Mentorin bewusst. Ich bin auf dem Weg, so habe ich es gestern im Podcast Sport-Kopf gelernt, Selbstmitgefühl für mich in meinem Leben zu implementieren. Mir selbst zuzusprechen, um mir zu ermöglichen, über mich hinauszuwachsen - und nicht zuletzt zu sehen und mir selbst zu glauben, dass ich gut bin, die Dinge gut tue und einfach mit mir zufrieden bin.
Nun zurück zum Lauf. Ich hatte mich nach dem Sachsentrail 23 entschlossen, diesen Lauf in 24 mit weniger Schmerzen zu laufen, er soll Spaß machen. Im letzten Jahr war nur minimal Training möglich. Dieses Jahr wollte ich die ganzen 77,7 km mit 2400HM (meine Uhr sagt das jedenfalls) genießen können. Doch der Weg dahin war ein langer.
Mit diesen Zielen im Kopf, und während einer Bronchitis im Januar hatte ich auf einmal den Impuls einen Workshop mit mir selbst durchzuführen. Ich machte System of a down an - schön laut - und hatte unfassbar produktive 1,5 Stunden, die ich damit verbrachte, unsere Wohnungstür als Whiteboard zu nutzen, mich zu mappen und mögliche Lösungen aufzuschreiben. Alles strukturiert und effizient. Ich notierte meine Glaubenssätze, meine Ziele, wo ich struggle, was meine aktuellen Tools sind - und mein großes Overall Ziel: gesund bleiben. Das integriert das ganze Leben, diese 100%. Arbeit, Familie und persönliches. Es gibt nur diese einen 100%. Aber man kann die Grenzen natürlich verschieben ;) und danach ab in die Kita und Kids abholen. Nutze den Moment und den Impuls.
Jetzt hängen diese Notizen noch immer, doch habe ich nun das Gefühl, dass ich sie langsam wegräumen kann, da ich dieses Selbstmitgefühl, die Achtsamkeit für mich, soweit in meinem Leben implementiert habe, dass ich nun damit arbeiten kann.
Nachdem ich also gesund wurde, startete ich im Februar mit einem Halbmarathon- Trainingsplan von Strava, da ich im April den Berlin HM als C-Wettkampf laufen wollte. Ab März stieg ich dann in den Trail-Plan ein. Eine andere Hausnummer - aber geniale Einheiten, sodass ich nun schon wieder mit den Hufen scharre, ihn nochmal zu machen, da ich so gerne am 5. Oktober den Mountainman im Reit im Winkel laufen möchte. Aber mal sehen. Wir wissen: es gehört so viel dazu, dass man an der Startlinie steht, und dass sind nicht nur die Kosten. Dazu zählt der Support der Familie, der innere Schweinehund, die Gesundheit der gesamten Familie, Kompromissbereitschaft, sehr frühes Aufstehen, die Arbeit,.. und und und.
Wir haben den Bogen zur Dankbarkeit geschlagen. Alles passte am 22. Juni zusammen. Die Kinder waren schon ein paar Tage zuvor bei den Schwiegereltern, Jan und ich konnten am Freitag entspannt nach Schwarzenberg fahren. Natürlich bin ich 3 Wochen vor Start nochmal etwas krank geworden. Das war wirklich eine Punktlandung. Am Mittwoch vor dem Start machte ich noch ein paar Wechselläufe, das lief auch gut, nur merkte ich es noch ein wenig im Hals. Fingers crossed. Am Freitag kamen wir am Rabenberg an, bezogen unser Zimmer, holten die Startunterlagen. Essen im Restaurant. Start war am nächsten Morgen 7.00. Ich wachte 5.53 auf - der Wecker hat nicht geklingelt. Schnell Frühstücken, Toilettengang und dann das Equipment überwerfen. Mis en place. 6.30 Briefing, 6.50 Foto, 7.00 Traben wir im Nieselregen los. Ich sagte mir, dass ich immer aussteigen kann - immer mein Ziel im Ohr: du willst den Lauf genießen, du willst gesund bleiben. Und wenn das gegeben ist, dann vielleicht sogar schneller als im letzten Jahr (9:57). Also lief ich die erste Hälfte defensiv, generellDownhill laufen lassen, Meter machen auf der Gerade, Powerhiken hoch, jede Stunde ein Gel, 2x ca. 30g Carbs in der Trinkblase plus Riegel und Banane am VP, manchmal saure Gurke, fast immer Cola-Wasser. Nach 3 Stunden zog der Himmel auf, ich war viel alleine, sammelte noch 3 Frauen ein. Oben kurz vor dem Fichtelberg Gipfel feuerte uns eine Frau so genial an! Ich rief ihr entgegen, dass ich gleich weinen muss, wenn sie das so macht. Irre.ich lief den Fichtelberg runter, fiel in den Schlamm, Füße wieder nass. Egal. Weiter. Einmal lief ich runter und mir kamen 2 Läufer entgegen, die sich verlaufen hatten. Wir fanden den Weg und machten die Markierung neu dran. Irgendwann der Fritzschberg - irgendwie 2,5km mit 15% hoch - geschätzt. Ich unterhielt mich mit einem Läufer, er hatte den selben Trainingsplan gemacht, wie ich. Wir mussten ihn beide loben. Irgendwann zog er weiter und wir waren wieder alleine.
Bei km 72, nachdem ich eine leichten Berg runterlief und sich das Erzgebirge vor mir ausbreitete, breitete auch ich meine Arme aus. Erfüllt mit einer großen Dankbarkeit, bei dem Wetter, in der Natur und den noch so guten Beinen. Also rief ich den Verpflegern am VP zu, was das denn bitte für ein geiler Tag ist?! Der letzte Anstieg kam, ich hörte die Menge im Ziel. Heute schaffe ich einen Zielsprint. Jan stand im Ziel, wie im letzten Jahr. Ich war voller Freude und Glück und rannte mit dem breitesten Grinsen durch den Zielbogen in 09:27h als 8. Frau von 46, als 4. Frau in meiner AK, als 43. gesamt.
Es hat einfach alles gepasst. Danach duschen, chillen, fuelen. Wir fuhren zum Abendbrot auf den Fichtelberg und am Sonntag zu unseren Kindern und danach ins Kleinwalsertal in den Urlaub.
Mich durchströmt wieder große Dankbarkeit, dass mir diese Reise im letzten halben Jahr ermöglicht wurde. Ich habe sie angenommen, sie mit offenen Armen empfangen und bin sie bei vollem Bewusstsein gegangen. Ich nehme meine Erfahrungen und trage sie mit in das gefühlt neue Kapitel.
Ich nenne es Freizeit mit Müßiggang und einer Prise Selbsterkenntnis
Manchmal muss man etwas nicht zu Ende bringen. Manchmal ist es sowieso zu groß, manchmal wird es währenddessen größer und manchmal reichen einfach 80%.
Das ist eine Betrachtung, eine Haltung, eine Erkenntnis von meinem langen Lauf am Wochenende umrahmt von schwierigen und nicht existenten Bahnverbindungen.
Geplant waren 59,8 km von Altenberg nach Pirna mit guten 1000hm hoch und 1300hm runter.
Es war so warm! Ich lief 8:11 nach Anreise vom Pirnaer Basecamp in Altenberg los, es lief super. Voller Kraft. Dann nach 15k erste Einkehr bei meiner Oma. Das war wirklich schön und wichtig. Sie ist einfach 95 und sie hat den ganzen Tag an mich und mein Abenteuer gedacht. Das ist mir sehr viel wert, ist ihre Erinnerung gerade nicht mehr so gut.
Danach ging es weiter, es lief nicht mehr so flüssig. Mental ging es langsam bergab. Ich robbte mich vorwärts, überlegte die Strecke komplett zu ändern und vor Bergießhübel noch nach Pirna zu laufen. Das war fast genauso weit, wie nach Königstein und dafür weniger schön. Also: nächstes Ziel Königstein. Vielleicht gehts ja dann doch weiter. Es ging hoch und runter, durch Flußbetten, Brennnesselfelder und ab in die Sächsische Schweiz. Endlich Sandstein. Das motivierte. Aber die Hitze (30 Grad) machte mir doch zu schaffen. Ich denke, ich hätte noch mehr trinken müssen. Dazu hätte ich aber an Türen klingeln müssen - irgendwie habe ich mich da geniert. (Mache ich das nächste mal nicht mehr). Irgendwann ging es tendenziell runter, recht flowig, schöne Wälder. Dann endlich die Festung Königstein. Und: eine kleine Wurzel. Ich legte mich lang und hatte so ein Glück, dass ich nicht auf den Stein unter meinem Gesicht geprallt bin. Ich war dankbar und mir noch sicherer, in Königstein in den Zug zu steigen. Es geht ja nur noch runter. Ja, nee. Auf einmal sagte mir Komoot: jetzt scharf links. Nee. Da gehts doch mega steil hoch! F***. Also schleppe ich mich hoch, nochmal dankbar dafür, doch die Stöcke dabei zu haben. Irgendwann war ich oben. Über den Malerweg ging es dann zum Markt nach Königstein. Brunnen, Apfelschorle, done. Nun: Zug und von Pirna irgendwie noch die 3k zum Basecamp.
Es fühlt sich nicht wie ein Abbruch an. Es fühlt sich auch nicht wie ein Versagen an. Eigentlich wollte ich noch etwa 16k zum Basecamp laufen. Aber das war einfach nicht drin. 80% haben gereicht und waren eigentlich auch 100%. Ich wusste, weiterlaufen macht einfach keinen Sinn. Ich muss nicht beißen. Ich muss es weder mir noch anderen beweisen. Im Zweifel geht etwas kaputt. Das möchte ich nicht. Und ich wollte den Nachmittag noch entspannt und alleine im Basecamp genießen. Wie ich finde: ganz vieles richtig gemacht. Lediglich mit der Verpflegung muss ich noch schauen. Mehr trinken und auch deftige Kohlenhydrate dabei haben. Vielleicht etwas Salz. Irgendwann konnte ich keine Gels oder Riegel mehr zu mir nehmen. Letztendlich wurden es 1 Apfel, 2 Gels, 2 Riegel, ein Käsebrötchen und insgesamt 2 Liter Wasser inkl. Stop bei Oma. Das ist echt zu wenig bei den Temperaturen. Eigentlich wollte ich die Trinkblase mitnehmen, aber ich hatte den Verschluss zu Hause vergessen. Naja. An vieles habe ich gedacht, aber an das nicht.
Nun sitze ich im verspäteten Zug zurück nach Berlin, froh einen Platz zu haben. Irres Wochenende. Viel umgedacht und es dennoch möglich gemacht. Da finde ich 80% ziemlich perfekt.
Ich bin am Samstag den 12.08.23 im Rahmen der 100 Meilen von Berlin in der Zweier-Staffel 90 Kilometer gelaufen. Mein Partner Fabian lief dabei die zweite Strecke mit knapp 73k.
Ich hab es nicht für möglich gehalten. Doch irgendwie schon - wenn ich ehrlich bin: ich habe es für möglich gehalten. Sonst hätte ich mich nicht dazu entschlossen, oder vielmehr blauäugig aus einem Gespräch mit Fabian beim Nach Hause Laufen vom Fast Forward zugesagt. Klar - warum nicht? Diese Strecke bist du noch nicht gelaufen. Aber theoretisch könnte es ja gehen.. Also: Ich habe es für möglich gehalten.
Es war ein Nach-Hause-Laufen, von Anfang an. 2014 lief ich zum ersten Mal innerhalb einer Vierer-Staffel zu den 100 Meilen von Teltow nach Sacrow - um die 32k als Vorbereitung für den Berlin Marathon (mein erster Marathon). In den kommenden Jahren folgte die Zweier-Staffel mit Steffen, bei der ich die ersten 71k lief, dann 2 mal 10+-Staffel und einmal die 55k innerhalb der Vierer-Staffel im letzten Jahr. Daher war diese Strecke nun ein Nach-Hause-Laufen für mich im Ultra Modus. Einmal zurück nach Sacrow bitte. Da, wo alles anfing..
Ich habe es sogar für möglich gehalten zwischen 17.00 und 18.00 Uhr nach 10 bis 11 Stunden in Sacrow zu sein. Ich war 16:45 da. Übertroffen - wie kann das sein? Ich warte einfach auf den Moment an dem mein Gefühl nicht mehr aufgeht. Gibts das? Ja, und was ist dann? Dann ist es so -mit dem Wissen, dass ich immer alles gebe, was mir zu dem Zeitpunkt möglich ist. Unzufrieden zu sein, wäre aus meiner Sicht unverfroren. Aber dazu später mehr.
Heute, 2 Tage später, fühle ich mich nicht unantastbar, aber über eine gewisse Art beflügelt - felsenfest, ruhig und konzentriert. Ich sitze in den Meetings und denke: „ich bin am Samstag 90 Kilometer gelaufen-und niemand hier ahnt etwas davon. Das ist mein Schatz.“ Es ist das, was mich hier entspannt da sitzen lässt. Es ist die körperliche Anstrengung, Glaubenssätze aus dem Alltag, die nun nachrangig sind. Hatte ich auch während des Laufes solche Zweifel? Nein. Am Anfang fühlte ich, dass es gehen kann. Zum Ende hin, wusste ich, das ich es wirklich schaffen werde. Ein proof of concept.
Etwas zieht mich. Klar, mein Staffelpartner wartete auf mich. Und ich wusste, dass meine liebste Familie in Sacrow steht. Die größte Motivation. Jedoch wusste ich auch, dass jederzeit etwas passieren kann. Mir war klar, dass das dazu gehört und ich einfach nur dankbar über jeden Schritt sein kann, den ich machen darf. Aber am Ende des Laufes dachte ich: Nie wieder so lang. 50 k reichen auch. (Kleine Anmerkung der Redaktion: ich habe mir für das zweite September-Wochenende einen langen Lauf geplant. Knapp 60k von Altenberg nach Pirna).
Jetzt stelle ich so eine Befriedigung fest. Es ist irre. Der Schmerz ist nicht mehr so groß. Der Blutdruck ist top. Ja, ich habe schon wieder Lust zu laufen. Niemals hätte ich das gedacht. Ich bin die ersten 30 Kilometer sehr zügig gemeinsam mit einem anderen Läufer gelaufen, die nächsten 20k moderat. Was man hat, das hat man. Ab 57k, ab Teltow, habe ich mir in den Kopf gesetzt: Jetzt piano. Run and walk ist das Thema. Der Plan ging auf. Der Puls ging definitiv runter. Ich hab's geschafft. Es hat aber wehgetan.
Ich frag mich, was das ist, was da anpowert. Warum macht man das wieder? Warum fühlt man sich jetzt so gesetzt? Was ist das? Ist das evolutionär bedingt? Ist das was Neues? Warum machen wir denn das? Warum fühlen wir uns jetzt so gut? Das Verrückte ist, meine Selbstzweifel sind weg.
Das bin ich. Du hast es geschafft. Und das andere - das machst du gut. Das kannst du glauben.
Was jetzt rauskommt, ist nicht die Unfehlbarkeit, dass man so was schafft, sondern die Akzeptanz der Fehlbarkeit. Während so einem Lauf ist man ständig Situationen gegenübergestellt, die man noch nicht kennt. Man sieht sie, wendet sie in der Luft, validiert seine Optionen und verändert in einem Bruchteil von Sekunden seine Einstellung zum Rennen, nimmt die aktuelle Situation an und macht anders weiter - mit dem Ziel im Rennen zu bleiben. Was mir da immer hilft: in erster Linie freundlich mit sich selbst zu bleiben, die Anpassung zu akzeptieren mit dem Wissen und der Spannung, dass sich bald schon wieder das Blatt dreht - oder auch nicht. Es bleibt spannend.
Wieder habe ich so viel gelernt, auf dieser langen, kurzen Reise. Jetzt ist sie schon wieder 1 Woche her. Den Text begann ich 2 Tage später auf dem Fahrrad mit einer Audio an zu verfassen. Ich war auf dem Heimweg von der Arbeit zur Kita - der Alltag geht weiter. Mit einer Ruhe, mit einer wohltuenden energetischen Erschöpfung. Mit einer Basis. Mit einem Vertrauen darin, das zu geben, was mir im Moment möglich ist. Und dazu das, was ich noch nicht für möglich gehalten habe, mit rein zu geben. Seien es auch nur 15 Minuten.
Es so viel mehr. Es ist die Erkenntnis darin, und das was ich vom Ultra laufen erwarte: in wahrhaftige Tiefen meines Selbst zu gelangen um mich zu sehen - in der Rohheit, die im Alltag verborgen bleibt.
Strava
Noch kleiner Gag: als ich morgens 6:30 im Stadion sein wollte und am Vorabend feststellte, dass es SEV zwischen Gesundbrunnen und Wedding gibt, habe ich mcih für doe Tram entschieden. Leider ging ich am Morgen zu spät los, vergaß meine Flasche, musste nochmal heim, um dann zur Landsberger zur spurten. Dort eine Verbindung nach Gesundbrunnen zu erwischen, dann nach Pankstraße um dort in einen Bus einzusteigen, der nicht kam. Ich nahm mir ein Tier-Bike und radelte zum Start. Ich war 6:30 da. Es geht immer irgendwie.
Ich kann es noch immer nicht fassen. Gleichwohl bin ich unfassbar stolz, überwältigt und möchte am liebsten einfach weiterlaufen. Aber das geht natürlich nicht. Die Beine tun weh, die Zeit fehlt und das Leben geht ja weiter.
Es muss so viel stimmen, dass man bei einem solchen Unterfangen, 73,9km mit um die 1.800hm mitlaufen kann. Erstmal das Training. Mit tatkräftiger Unterstützung durch @trailrunning.mit.anna habe ich im Januar wieder begonnen, etwas strukturierter zu laufen - wenn man das so sagen kann, wenn man 2 Kita-Kids hat. Und nein: bis Ostern sind nicht alle Erkältungen vorbei. Daher war das Training eher wieder #slotrunning - ich habe die mir verfügbare Zeit genutzt (hab aber auch Zeit für Netflix etc eingeplant - auch Regeneration ist Training). Kraft und Stabi kam bestimmt zu kurz - aber ich hebe ja täglich 2 Kinder, das muss ja auch was bringen. Lange Läufe hab ich zeitlich nicht in der work-family-Balance hingekriegt, daher gab es mal vor 3 Wochen eine Woche mit 83k (nochmal schnell 13k nach 1,5h Einschlafbegleitung um 20:30)
Zweitens muss man gesund sein!
Drittens Unterkunft und Orga, dass wir familiäre Unterstützung vor Ort haben.
Viertens - gesund und munter ankommen.
Fünftens passendes Wetter. Irre.
Irgendwie hat alles gestimmt. Das fehlende Training habe ich mit passendem Mindset und Erfahrungen ausgeglichen und damit, keine hohen Erwartungen zu haben. Mein Ziel war, gesund und munter anzukommen. Das Ding genießen. Vielleicht in 9-10 Stunden. Und dann lief es. Ich ließ einfach laufen, da wo es ging. Und ich ging, wenn es nicht so lief. Hab immer drauf geachtet, keinen Hunger zu haben. Viel trinken. Und: ich war viel alleine. Mein Lauf - mein Tempo. Herrlich. Nur ich. Keinerlei Fremdbestimmung. Nur mein Genuss und meine Entschlossenheit, immer mit Kinderliedern als Ohrwurm (ratamtamtam) und den Worten meiner Töchter im Ohr (Tee, AlleAlle,..) Die letzten 14km waren die schwersten, die Beine taten weh. Ich hab mir Zeit genommen dafür, und für die Emotionen. Mir kamen so oft die Tränen! Bei jedem Anfeuern, manchmal einfach so. Und dann der Zieleinlauf! Nochmal flott - die Zuschauer freuen sich, ich freue mich heule. Done. Dankbar.
Letztens war ich mal in einem Podcast zu Gast. Und zwar im Laufen und Leben Podcast von Anna Hughes. Wir haben über das Laufen gesprochen, über dessen Essenz und wie man das Erlaufene in das normale Leben übertragen kann. Wie hilft mir die Ultra-Denke mit den Zwillingen? Im Umgang mit der Familie und dem Job? Wie sprechen über mein beinahe-Burnout, unseren Kinderwunsch, über den Zyklus - und überall findet sich das Laufen. Als Lösungsweg, als Selbstbegegnung, als Leistungselement, als Meditation. Das schreibt Anna in der Podcast-Beschreibung:
Anhören könnt ihr euch den hier:
Listen to this episode from Laufen und Leben on Spotify. Anna rennt und rennt. In Berlin und wo immer es ihr sonst möglich ist. Und das scho
Show Laufen und Leben, Ep Anna Rentsch - Wie kriegst du als junge Zwillingsmutter alles unter einen Hut? - 21 May 2021
Heute ist mein erster Muttertag. Irgendwie ein doch emotionales Thema. Wie lang haben wir uns ein Kind gewünscht, und nun haben wir so 2 wundervolle Wesen. Dafür bin ich mehr als dankbar.
Heute sind wir gegen 6 aufgewacht, haben den Tag begrüßt, gefrühstückt und haben einen schönen Vormittagsspaziergang unternommen. Putzen, Spielen, Mittag.
Und dann: Cut. Mutti hat sich für den @wflworldrun im Team von @on_running angemeldet und möchte ihren ersten Halbmarathon seit bestimmt Oktober 2019 laufen. Heute ist es extrem warm, 13:00 gehts los, die 3k Runde steht und die fantastische Radbegleitung Kira aktiviert. Ich bin so nervös, wie vor einem echten Lauf. Der Countdown läuft und es geht los. Natürlich starte ich zu schnell.
Klassiker. Aber dann kommt mehr Ruhe rein, Kira und ich unterhalten uns viel.
Echte Quality Time. 2h bin ich einmal keine Mama. Eine bewusste Auszeit. Ich weiß auch, dass ich mich nicht verausgaben darf. Zu Hause dreht sich die Uhr weiter. Es ist irre, neben den Zwillingen zu seinen eigenen Zielen zu kommen. Aber es geht. Aber nur, wenn die Partner*in mitmacht. 3k vor dem Ziel trafen wir @jonoboy mit den Kids, eines weinte. Es war gar nicht so einfach, weiter zu laufen. Jan zeigt mir, dass ich weiterlaufen soll. Als ich nach Hause kam, freuten sich die Mädels dermaßen! Und natürlich wollten sie stillen. Zum
Muttertag haben sie mir noch lecker Kuchen aus der @brotquelle mitgebracht. Also: erstmal duschen, dann beide stillen und dann Kuchen. Kurze Pause. Für echtes Wunden lecken ist keine Zeit. Die Kinder wollen die Mama, sie war ja 2h nicht da. Am Abend gabs Pizza. Während ich diesen Post schreibe, habe ich 2x beide Kinder gestillt. Aber sie sind im Bett.
Es funktioniert. Man kann die Balance halten. Eigene Ziele und eine junge Familie. Alle müssen zusammenhalten und die Ziele sollten klar kommuniziert und deren Wichtigkeit akzeptiert werden. Nur so können wir zufrieden und ausgeglichen weiter machen. Balance, Akzeptanz, Ausdauer und Kräfte einteilen. Und natürlich Liebe 💕 ein bisschen, wie Ultra. ————-
Sich Ausgleich holen. Auch nach kurzen Nächten - oder gerade dann. Auch wenn man unendlich müde ist - oder genau dann. Ich laufe wieder, nach gut 9 Monaten laufe ich schon ganz gut wieder. Ich bin unendlich stolz auf meinen Körper, auf dass, was er geleistet hat und leisten kann. Das ist stark. Zwillinge austragen, Stillen, Alltag bewältigen. Ohne die fantastische Partnerschaft mit @jonoboy würde das nicht gehen. Jeder kann, so gut es geht, seinen Bedürfnissen nachgehen, um Kraft für unsere wundervollen Mädels zu tanken. Nur so können wir es schaffen. Jeder braucht Freiraum, in dem er die Dinge tun kann, die er/sie gerade braucht. Das ist genauso wichtig, wie die Kommunikation darüber. Nicht unbedingt leicht, wenn man müde und überspannt ist. Es helfen Atmen, gute Routinen, klare Absprachen, Erwartungsmanagement, Zuhören, nicht nachtragend sein.
Der Blog heißt ja annarennt. Allerdings renne ich gerade eher wenig, aber ja - es hat einfach gute und wichtige Gründe. Seit Ende Juli sind unsere beiden Elfen bei uns (sie liegen gerade im Bettchen neben mir, werden langsam wach vom Vormittagsschlaf, pupsen). Da kann man nicht rennen. Man hat gar keine Zeit. Aber: letzte Woche, nach exakt 12 Wochen habe ich meine Laufschuhe geschnürt, meine neue Laufhose angezogen, in die ich auch mit Post-Schwangerschaftskörper reinpasse, und bin los gelaufen. 30 Minuten hatte ich. Ich habe meine Marathon 2015 Playlist angemacht und bin losgelaufen. (Kind 1 wird wach, kurz stillen).
Ha. Seitdem ist nun eine Woche vergangen. Viel Stillen, etwas Sport, ganz viel Freude, ein paar Tränchen der Kleinen.. ach. Es ist wirklich ein Geschenk und man kann es nicht in Worte fassen, wie sehr man die beiden liebt. Das geht uns beiden Eltern so. Obwohl es wenig Schlaf gibt, kaum Zeit für einen selber und man hat ständig ein Kind an sich dran. Aber das alles stört nicht. Wir haben es uns gewünscht und so lange darauf gewartet. Da ist es nur richtig, wie es ist. Daher Selfcare. Dieser Begriff bekommt eine neue Bedeutung. Im Grunde ist es so, die Zeit die man sich schafft (wenn zum Beispiel die Kids gleichzeitig schlafen) sinnvoll zu verwenden mit den Dingen, die einem wichtig sind. Das kann mal aufräumen, kochen, DUSCHEN!, stricken oder eben Sport sein. Es ist nicht immer nur das Eine, was einen befriedigt und was man braucht. War für mich vor der Schwangerschaft der einzige Weg zur Entspannung das Laufen sind es nun die viel kleineren Dinge. Erkenntnis Ende.
Sehr instragramable sagte @cell_u_loid , als sie das Foto gemacht hat. Schöne schwangere Welt. Man kann hier nicht erkennen, wieviele Sorgen man sich in einer Zwillingsschwangerschaft macht, zu einer Zeit, in der die Partner nicht mit zu den Untersuchungen dürfen und man gefangen ist im Rad der Fachmedizin. Man kann nicht sehen, wie schwer es ist, die Balance zwischen dem natürlichen Urvertrauen in den Körper und zu den Kindern und dieser Mühle zu finden - drüber zu stehen, wenn die Ärzte sagen, dass jeder Tag, den wir schaffen Gold wert ist. Das ist er auch. Aber das will man nicht hören. Man will, dass es einfach ist - das ist es nicht. Aber es ist ein Weg mit vielen Steinen, Kreuzungen und man läuft diesen Weg im Nebel. Man sieht nichts. Man kann nur hoffen und vertrauen - sich selbst, den Kindern, den Nächsten, den Ärzten. Ein bisschen wie Freeriden im unbekannten Terrain. Immer mal wieder anhalten und inne halten. Zurückblicken, auf die Line, die man gezogen hat, um dann nach vorne zu sehen, wie man die nächsten Meter sicher überwindet. Vertraue in dich.
Ein Wortspiel. Ein Wortspiel mit vielen Tiefen, Höhen, Perspektiven, vom einfachen Laufen, bis zum Rennen, über die Selbstwahrnehmung hin zur Erkenntnis. Einfach, Klar, Ehrlich, Rennen. Das ist runpretentious. Unprätentiös eben. Das trifft es - unseren Lauftreff jeden Dienstag 19.00, mein Verständnis des Laufens. Das Sein. Die Essenz. Das (manchmal) Wichtigste und das Natürlichste auf der Welt. Laufen. Nur für dich - fur niemand anderen. Du.
Mir hat es schon oft das Leben gerettet, mich ins Leben zurück geholt, mich mal kurz aus dem Leben heraus genommen und in eine eigene Kugel gesteckt. Nur wenn es dir selbst gut geht, kannst du ein Beitrag für dich, deine Umgebung und die Welt drum herum sein. Ganz unprätentiös. Das ist die Wahrheit und so ehrlich können wir zueinander sein.
Die letzten 9 Monate waren eine 180° Kehrwende für mich. Auf allen Ebenen ist etwas passiert. Es fühlt sich etwas so an, wie als wäre ich Münchhausen, der sich allein an seinen eigenen Haaren aus dem Schlamm gezogen hat. Einmal alles anders, alles neu und bitte in gesund - danke.
Im November letzten Jahres spürte ich “wenn ich so weiter mache, drehe ich durch”. Mein Blutdruck war morgens schon bei 150 Schlägen, mein Schlaf war über das ganze Jahr schon schlecht und ich habe einfach weitergemacht. Bis jetzt. Ich besuchte meine gute Freundin in Potsdam. Ich stand völlig neben mir - etwas überdreht, zu hohe Flughöhe, nichts kann schnell genug gehen und alle denken zu langsam. Ich kam nicht mehr runter und habe nur darauf gewartet, dass mich endlich jemand sieht (wahrscheinlich war es vorher schon der Fall, aber ich wollte es nicht hören) und mir sagt: Anna, hör auf. Du drehst durch. Nimm dir frei. Ich dachte nur “ ich kann doch nicht frei nehmen, die brauchen mich doch.” Aber tatsächlich war ich am nächsten Tag nur den Vormittag auf Arbeit, am Nachmittag kaufte ich mir neue Laufschuhe, ging Kuchen essen und betrieb Müßiggang. Ab dem Zeitpunkt beschloss ich nur halb so viel zu arbeiten - in der selben Arbeitszeit von 40 Stunden. Ich hatte immer noch genug zu tun. Aber was anders war: ich fuhr stückweise immer mehr runter - bis zu einem Montag, an dem ich mich auf Arbeit schleppte, auf dem Fahrrad saß und dachte: fuck, du musst hier raus. Ich verbrachte den Vormittag noch auf Arbeit, aß mit meiner Kollegin zu Mittag und sagte: ich kann nicht mehr, ich muss nach Hause, ich lass mich krank schreiben.
Das war ein sehr großer Schritt für mich. Als ich zum Arzt radelte überlegte ich mir, was ich am Empfang sagen soll. Man muss doch immer was sagen. 30 Minuten habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen. Als ich beim Arzt ankam und mich die Sprechstundenhilfe fragte, was sie für mich tun kann, sagte ich nur “Ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr. Ich brauche eine Krankschreibung.” Die bekam ich. Ich ging nach Hause, legte mich aufs Bett und heulte. Einfach aus.
Am nächsten Tag hatte ich dann einen Arzttermin, bei dem mir geraten wurde, alles aufzuschreiben und nur das zu tun, was mir Spaß macht. Alles raus. Nur ich. “Was macht Ihnen Spaß?” “Draußen sein, laufen.” “Dann gehen Sie raus und laufen.” Ok. Ich ging zum Yoga. Jedes Mal, wenn die Lehrerin sagte “loslassen”, musste ich weinen. Etwas ganz tief in mir drin war verletzt und erschöpft. Es konnte nicht mehr festhalten. Es war im freien Fall.
Ich fühlte mich, wie ein Schaf, das in einem Käfig angekettet eingesperrt ist. Dieses Bild hatte ich schon mal. Vor 12 Jahren, als ich eine Beziehung mit einem Mann führte, die für mich zu einem Trauma avancierte. Ich wurde klein gemacht “du bist nichts wert”, “du darfst das nicht machen”, “brich den Kontakt zu deinen Freunden ab - die tun dir nicht gut.” Bei ihm versuchte ich 2 Mal zu gehen. Es ging nicht. Ich resignierte, bis ich einen Zusammenbruch bei meinem damaligen Job erlitt und die Chefin meine Mutter anrief. Es wurde schnell gehandelt. Mein Vater und mein Bruder fuhren in meine Wohnung ins Erzgebirge und holten meine Sachen da raus. Ich kam erstmal bei meiner Kollegin unter. Danach wurde ich von ihm gestalkt. Meine Kollegin übernahm die Kommunikation über mein Handy mit ihm. Sie verstanden sich gut. Später bekamen sie zusammen ein Baby, sind jedoch getrennt - und der Mann zahlt keinen Unterhalt. Ein wirklich verrückter Mann.
Und genauso hilflos fühlte ich mich Ende letzten Jahres. Das selbe Schafs-Bild im Kopf kaufte ich mir ein kleines Plüsch-Schaf, um dieses Bild besser zu visualisieren und mich sicher zu fühlen. Meine gute Freundin aus Potsdam half mir mit Gesprächen in der Zeit, mich zu finden. Ich lief, fand zu mir, fuhr alleine in das kalte Brandenburg, lief, und dann war Weihnachten. Die Kraft kam langsam, ich blieb bei mir, ich versuchte Entscheidungen zu treffen, wie es mit mir weitergehen kann.. Im neuen Jahr war ich nur eine Woche arbeiten und reiste dann für eine Woche mit meinem Bruder nach Island.
Ein traumhaftes Land, zu der Zeit nur 4 Stunden hell. Es passte zu mir, zu uns. Ich traf eine Entscheidung. Ich muss kündigen. Ich muss neu anfangen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht warum, aber es musste sein. Als ich wieder in Berlin war, fing ich an Bewerbungen zu schreiben. Wo wollte ich hin? Was kann ich? Ich wollte etwas mit Weitblick machen, etwas was bleibt und etwas verändert. ich dachte: dann musst du in den Health- oder in den Mobility-Sektor. Ich schrieb einige Bewerbungen und wurde 2 mal eingeladen. Beim zweiten klappte es. Strategic Design bei der Deutschen Bahn in der Station & Service. Unsere Aufgabe: Wir machen Bahnhöfe schöne und Erhöhen die Aufenthaltsqualität. Ein schöner Job - das kann ich auch nach 3 Monaten Arbeit dort so sagen.
Dennoch hatte ich Angst, wieder in meine gleichen Muster zu verfallen (110% geben, nichts bekommen, um Anerkennung arbeiten...) und kümmerte mich um eine Therapie mit Schwerpunkt Tiefenpsychologie. Auch um das Trauma mit dem Mann aufzuarbeiten. Nach einer langen harten Suche (das ist nicht leicht: es geht einem nicht gut und man muss sich durch so viele Therapeuten durchtelefonieren, Anträge schreiben, zig mal seine Geschichte erzählen, bis man endlich einen Platz bekommt.) Aber es hat geklappt. Langzeittherapie. Einmal in der Woche gehe ihr zu ihr und habe einen Raum, den ich mit meinen persönlichen Ängsten, Gedanken, Bedenken und Freuden füllen kann.
Es ging und geht vorwärts. Dafür bin ich sehr sehr dankbar.
Läuferisch wollte ich am Rennsteig teilnehmen, was aber leider durch einen Unfall nicht ging. Ich erholte mich schnell und eine Woche später starteten wir auf unsere lang ersehnte Fahrradtour von Hiddensee nach Riga (Bericht folgt).
Wir kamen wieder in Berlin an. Ich musste noch eine Woche auf Arbeit und gab am Donnerstag meinen Rechner ab. Endlich. Ich konnte es nicht erwarten. Nach gut 7 Jahren (viel gelernt auf vielen Ebenen - positives, sowie negatives) habe ich das Handtuch geworfen und mich für mich entschieden. Keine Aufopferung mehr. Das Trauma ein und für alle mal endlich abschließen. Gefühlt habe ich es 2 Mal erlebt. Das treibt mir direkt wieder die Tränen in die Augen. Alles fühlt sich in dem Moment so richtig und gut an! Doch wenn man erstmal drauf blickt, merkt man dass etwas schief läuft.
Nun versuche ich mit viel Bewusstsein durch die Welt zu gehen, den Balanceakt aus Neugier, Selbstfürsorge, Geben und Nehmen zu schaffen.
In dieser letzten Arbeitswoche verletzte ich mich dann am Freitag bei einem gemeinsamen Lauf mit einem Lauffreund. Ich knickte um und riss mir 1,5 Außenbänder am Sprunggelenk und zog mir eine Knochenprellung zu. Am Montag sollte der neue Job beginnen. Es war Ende Juni. Auch das hatte ich mir anders vorgestellt. Nun kam ich mit Krücken zu meinem ersten Arbeitstag.
Und was empfing mich? Wärme, Freundlichkeit, Unterstützung und Verständnis. Ich hatte die Möglichkeit, ganz langsam zu starten. Denn es ging nicht schneller. Das war sehr heilsam für mich. Ich lernte, die Dinge langsamer zu machen und nicht direkt zu überperformen. Das klappt bis jetzt. Jetzt habe ich eine natürlich Schranke, die mir sagt: jetzt ist gut. Bis hierhin und nicht weiter.
Nun laufe ich auch wieder - nach 10 Wochen durfte ich wieder beginnen. Mit Bedacht. Das passt zum aktuellen Projekt. Selbstfürsorge.