Erster Besuch des Kakteenfreunde Berlin-Treffens
Lange hatte ich es vorgehabt (schlieĂlich wurde ich bei den Kakteentagen herzlich eingeladen), doch nie hatte ich Zeit oder Muse. Am Dienstag, den 5. November 2013, war es dann soweit. Mein erstes Kakteenfreunde-Treffen.
Die Berliner Kakteenfreunde treffen sich jeden ersten Dienstag im Monat im Restaurant Lindengarten in Wedding.
Ich hatte gehörig Bammel. Und es sollte sich spĂ€ter rausstellen, dass ich den zu Recht hatte. Es ist lange her, dass ich mir so fehl am Platze und auĂen vor kam. Man kommt in den Nebenraum des Gasthauses, da sitzen ca. 30 Kakteenfreunde an Tischen, trinken, essen, unterhalten sich, und dann steht man da völlig verloren rum und denkt sich: Kann ich vielleicht einfach umkehren???
Nein, kann ich natĂŒrlich nicht. AuĂerdem bin ich erwachsen und wollte hier seit langem hin. ReiĂ dich mal etwas zusammen, Anna!
Folglich setzte ich mich an einen völlig leeren Tisch, guckte schĂŒchtern in die Runde, wurde komplett ignoriert bzw. kritisch aus fremden Augenwinkeln beĂ€ugt. Unangenehm. So richtig doof. Ich habe mir dann ein GetrĂ€nk bestellt (Hunger hatte ich eigentlich auch, aber ich wollte mich nicht damit an den Ort binden, falls ich doch spontan fliehen wollte) und an meinem Smartphone rumgespielt. Und ich hoffte, dass der Vortrag bald beginnen wĂŒrde.
Aber, oh Wunder. Nach quĂ€lenden zehn Minuten kam ein weiterer Neuling herein und steuerte zielstrebig auf mich zu. Woanders war ja auch kein Platz. Ich war sowas von erleichtert! Kurze Zeit spĂ€ter kam noch jemand, der offensichtlich auch nicht dazu gehörte. Sie war das zweite Mal da. Eine Amerikanerin, die in Berlin als KranfĂŒhrerin arbeitet. Sie bezeichnete sich selbst als Kaktus-Freak und meinte, dass ihre Kakteen Namen hĂ€tten. Okay, ich war hier nicht die Irrste!
Ich war so froh, dass ich nun nicht mehr alleine war und entspannte mich merklich. Von der SchriftfĂŒhrerin wurde uns die Anwesenheitsliste gereicht und auch gesagt, wie wir Mitglied werden können. Zur Weihnachtsfeier könnten wir auch kommen. Und wenn man Mitglied bei der Deutschen Kakteen Gesellschaft wĂŒrde, bekĂ€me man monatlich eine tolle Publikation.
Die Dame war sehr nett. Ich hĂ€tte mir aber echt gewĂŒnscht, dass man uns - es ist ja fĂŒr alle offensichtlich, dass man neu ist - ordentlich begrĂŒĂt. Dann kĂ€me man sich nicht so verloren und ĂŒberflĂŒssig vor. Der Neuling rechts von mir meinte, bei der Orchideen-Gesellschaft sei man beim ersten Besuch viel besser integriert worden. Das war hier echt ein groĂes Manko.
Der Altersdurchschnitt lag so bei ca. 60 Jahren und ungefÀhr 80 Prozent der Anwesenden waren MÀnner. Ich schlug also komplett aus der Art.
Um kurz nach sieben ging es dann auch los, der Vorsitzende Dr. Gutte sprach etwas von Bestellungen von Literatur, zu liefernden Artikel, Sammlungsauflösungen etc.
Danach ging es dann weiter mit dem Vortrag eines Kakteen-Freundes, der Anfang des Jahres nach Mexiko gereist war. Er ist absoluter Agaven-Fan. Der Vortrag von Michael Greulich hatte den Titel "Kakteen und andere Sukkulente des sĂŒdlichen Mexiko - Oaxaca". Es war sehr interessant, Herr Greulich hatte eine sehr unterhaltsame und sehr informative Art, vorzutragen. So VortrĂ€ge können ja auch gerne mal laaange dauern. Das war hier definitiv nicht der Fall.
Ich staunte, mit was fĂŒr Begriffen die Leute nur so um sich warfen. Einiges kannte ich aus der Literatur, anderes hörte sich an wie Chinesisch. Die schwierigsten Namen wurden da einfach so aus dem GedĂ€chtnis aufgesagt. Ich staunte nicht schlecht! Hier saĂ echt der geballte Sachverstand. Alles echte Profis mit GewĂ€chshĂ€usern & Co. Und ich, die Fensterbank-Dilettantin.
In der Pause des Mexiko-Vortrags haben sich meine Mitstreiterin, die amerikanische KranfĂŒhrerin und ich, zu dem Kakteenfreund mit den mitgebrachten Sukkulenten getraut. Gegen eine kleine Spende in die Vereinskasse habe ich zwei herrliche kleine "Schwestern" erstanden:
Pachyphytum compactum und
Pachphytum compactum f. cristata
AuĂerdem habe ich mir beim Vorsitzenden noch die 2013er Ausgabe der Berliner KakteenblĂ€tter gekauft. Wer weiĂ, vielleicht kann ich hier irgendwann auch mal einen Artikel beisteuern.
Dann fing auch schon der zweite Teil des Vortrags an. Es war sehr spannend, aber alle Kakteenfreunde waren sichtlich erleichtert, als gegen 22 Uhr die Lichter angingen. Irgendwann ist man einfach nicht mehr aufnahmefÀhig. Und der Hintern tut einem ja irgendwann auch weh, wenn man auf einem Restaurantstuhl sitzt.
Als ich mir gerade meine Jacke anziehen wollte, sprach mich eine nette Ă€ltere Dame und ihr Mann an, die am Nachbartisch saĂen. Sie fragten, wie mir der Vortrag gefallen hĂ€tte. Ich habe geantwortet und sie dabei gesiezt. In ihrer erfrischenden Art sagte sie: Ich bin die Christel und bei den Kakteenfreunden wird geduzt. Dann haben sie mir noich erzĂ€hlt, dass sie gerade erst mit anderen kakteenfreunden in Belgien waren und dass die Woche drauf eine Delegation nach Kuba fahre. Und dass sie sich freuen, wenn ich wieder kĂ€me.
Ach, jetzt war ich versöhnt. So herzliche Menschen. Scheinbar brauchen sie - genau wie ich - etwas Zeit, um aufzutauen.
Ich habe auf alle FÀlle versprochen, im Januar wieder mit von der Partie zu sein. Zur Weihnachtsfeier Anfang Dezember traue ich mich wirklich nicht. Da kommt man sich ja dann wie ein Alien vor. Lieber schön langsam aneinander gewöhnen.
Beim Bezahlen der GetrÀnke hielt die Amerikanerin die kleine Sukkulente, die sie gekauft hatte, stolz in der Hand. Der Mann, der in der Schlange hinter uns stand, meinte nur: "Na, da hat wohl noch jemand Platz". Wir lachten. Ich war versöhnt.
Aufgedreht und mĂŒde bin ich dann nach Hause geradelt. Dabei stellte ich mir schon vor, wie ich 2014 mit den Kakteenfreunden Exkursionen in NachbarlĂ€nder mache und tonnenweise neue Pflanzen kaufe. Herrlich!