Mittwoch, der 27. Februar 2019
Der Tag an dem ich gebannt war von dem Ort an dem mehr als eine Millionen Menschen gefoltert, gedemĂŒtigt wurden und ihr Leben verloren. Menschen wurden hier von ihren Familien getrennt. Sie waren Versuchskaninchen und wertloses Vieh, nichts weiter als schlechte Luft zum Atmen, in den Augen des Bösen, in den Augen der Nationalsozialisten.
In der Geschichte der Menschheit gibt es eine Abbildung, die jedem bekannt ist:
Der Blick auf das Tor und den Aussichtsturm des gröĂten Konzentrationslagers der Nazis. Das Tor von AUSCHWITZ-BIRKENAU. Zu Beginn dieser Fahrt war es mir bewusst, ich wĂŒrde einmal exakt an der Stelle stehen, an der dieses Bild entstand, aber dann wirklich dort zu stehen und ein fast identisches Bild zu machen, wie dieses, das war wirklich ein unbeschreibliches GefĂŒhl. Genau dieses GefĂŒhl bestĂ€rkt jedoch meine Meinung, dass man definitiv einmal den Auschwitz-Komplex besucht haben muss, um das Verbrechen gegen die Menschheit der Nazis, in allen seinen Aspekten, zu verstehen.
(Nebenbei, wie auch der Name âAuschwitzâ, leitet sich âBirkenauâ auch von etwas Polnischem ab. Der Name wurde abgeleitet von dem Ort an dem Auschwitz II liegt, nĂ€mlich Brzezinka. Eigentlich gehört das Lager gar nicht zur Stadt OĆwiÄcim, sondern gehört zum eigenen Brzezinka.)
Das ist meine eigene Fotografie von den Bahngleisen und dem Tor von Birkenau. Mit der Bearbeitung wollte ich erzielen, so nah wie möglich ans Original heranzukommen, um eine moderne Version dieser Fotografie zu bekommen.
Der Aufenthalt in Birkenau war ohne Zweifel der anstrengendste von all den Aufenthalten an den verschiedenen Orten, die wir in OĆwiÄcim und Umgebung besucht haben. Das lag nicht nur an der enormen GröĂe und WeitlĂ€ufigkeit des Lagers. Vor allem lag es an der KĂ€lte an diesem Tag. Selbst fĂŒr uns als Touristengruppe war es anstrengend durch das Lager zu marschieren, mit den dicken, gepolsterten Jacken, die wir trugen und dem festen Schuhen. Bei ca. -2 bis +2°C. Im Februar. Ich wage es nicht mir vorzustellen, wie schlimm es fĂŒr die HĂ€ftlinge gewesen sein musste, die nichts als Lumpen trugen und oft gar nichts an den FĂŒĂen hatten. Dann noch im tiefsten Winter bei mindestens -15°C inklusive Schnee im Dezember und Januar. Alleine wegen solchen Erkenntnissen kommt man einfach nur auf Gedanken, wie âWie menschenunwĂŒrdig können Menschen eigentlich behandelt werden?â und âIst dies das Maximum an Grausamkeit oder geht es noch grausamer?â
Aber hey, klar, es geht noch mehr und zwar hier:
Links und rechts die Pritschen auf denen, sowohl im MĂ€nnerlager als auch im Frauenlager, vier Personen lagen. Solche Pritschen als âBettâ mit AnfĂŒhrungszeichen zu versehen ist natĂŒrlich falsch... aber wie soll man solche Pritschen, denn anders satirisieren? Ich empfand diese Baracke auf einem neu definierten Grad demĂŒtigend, wie die Menschen, wie Du und Ich dort zusammengepfercht auf solch einem kleinen Raum nebeneinander schlafen mussten.
Etwas, was jeden gestört hat in unserer Gruppe und natĂŒrlich auch unserem Gruppenleiter nicht gefiel, waren die Wandbemalungen von denen viele ĂŒberhaupt nicht aus der Zeit stammten, sondern von irgendwelchen Touristen hinzugefĂŒgt wurden. Bei einigen Kritzeleien war es deutlich, dass sie nicht aus der Zeit stammten, da sich oft irgendwelche frĂŒheren Touristen mit ihren Initialen und dem Datum, an dem sie Auschwitz II besucht haben, verewigt haben. Jeder von uns fand das kritisch, zumal Auschwitz erstens eine GedenkstĂ€tte ist in der mehr als eine Million Menschen ihr Leben verloren und da Auschwitz, aus einer anderen Perspektive ein Museum ist. Und in einem Museum darf man ja auch nichts schĂ€nden bzw. anfassen, was damit auch Auschwitz mit einschlieĂt. Die oberen Fotos bilden, wie man sehen kann, Davidsterne ab. Bei beiden war ich mir nicht sicher, ob sie von ehemaligen HĂ€ftlingen stammten oder ihnen von irgendwelchen Touristen âRespekt gezolltâ wurde.
Ein weiteter spannender Ort war die Ruine einer der beiden Haupt-Krematorien Birkenaus. Krematorium II, das von dem Sonderkommando in Auschwitz betrieben wurde, wurde von selbiger Gruppe am 07. Oktober 1944 bei einem Aufstand in die Luft gesprengt. Da dieses Krematorium als eines der gröĂten mit Krematorium III galt, war dies ein erheblicher Schlag fĂŒr die Nazis, da die KapazitĂ€ten fĂŒr Vergasungen folglich schrumpften.
Zu diesem Vorfall schauten wir uns gemeinsam am Donnerstag, den 28. Februar den Film âDie Grauzoneâ an, in welchem dieser Aufstand und das Wirken des Sonderkommandos generell thematisiert wird.
Rose auf einer ĂŒbrig gebliebenen Mauer des Krematorium II, in der Mitte des Bildes ist der Umkleideraum zu sehen
Zwischen den Ruinen der beiden Krematorien II & III steht das Mahnmal an die Menschheit, das an den Völkermord der Nationalsozialisten erinnern soll. Auf mehr als 20 auf dem Boden liegende Tafeln, auf denen ein Text steht, der auf mehr als 20 Sprachen ĂŒbersetzt wurde, wird die Menschheit ermahnt. Pro Tafel, eine andere Sprache. Das Schöne an den Tafeln ist, dass sie auf allen Sprachen der Opfer von Auschwitz geschrieben sind.
Man bemerkt eine Verbundenheit mit den Opfern, man merkt, wie sehr man doch verbunden ist. Dass deine Familie auch Schuld dran sein kann, vielleicht aber auch deine Vorfahren Opfer waren. Du weiĂt es nicht genau. Du wirst es vermutlich nie genau wissen. Das ist genau der Punkt, an dem man sich aufhĂ€ngt, wenn man in den beiden Lagern unterwegs ist. Du schaust dir die Gesichter der Opfer an und siehst deutlich, dass sie aussehen wie du, oder ich. Vielleicht Ă€hnelt einer deinem lieben Nachbarn, der dir immer zum Geburtstag Schokolade in den Briefkasten wirft. Vielleicht sieht auch einer aus, wie dein Arzt, dem du deine Gesundheit anvertraust. Vielleicht Ă€hnelt wirklich jemand einem deiner Familienmitglieder. Wie betroffen sind wir wirklich?Â
Ich finde, wir alle sind es. Es ist unsere gemeinsame, europÀische Geschichte, die uns miteinander verbindet.