Vor drei Monaten: ein falscher Kamin im Seminarraum. Heute das - nur: was ist das?

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@blmvolos16
Vor drei Monaten: ein falscher Kamin im Seminarraum. Heute das - nur: was ist das?
Seminarprotokoll...?
Klar, ein Seminarprotokoll möchte man am liebsten chronologisch lesen (/ausdrucken/in ein PDF verwandeln/archivieren). Und wie liest man dies Tumblr in chronologischer Reihenfolge?
Einfach auf diesen Link klicken.
Und die Geschichte zu unserem Tumblr-Titelbild (”Frankfurt in Flammen”) und den anderen Blockupy-Fakes gibt’s hier.
Häufige Recherche-Probleme und -Lösungen
Was wir aus unseren Fallgeschichten extrahiert haben - alles ganz typische Hindernisse aus dem Alltag, und ein paar Ansätze, wie man sie überwindet.
Problem Lösungsansatz Protagonistenrecherche Social Media? Kontakte. Abschreiben. Ansprechpartner erreichen Kontakte aufbauen und pflegen Auf Ideen kommen, Themen “drehen” Andere Quellen nutzen als die üblichen, Augen auf! (Fahrradfahrt durch Herbstlandschaft), Kreativitätsmaschinen: Storywürfel, 25 Überschriften, Zufallsbild, Flickr Mangelndes Hintergrund-Wissen Professionelle Naivität: Meine Zuschauer wissen es auch nicht!, vertrauenswürdige Experten schlechte Primär-Quellen Penetranz: sich die Pressestellen erziehen; andere Quellen aufbauen veraltete Infos, Name falsch geschrieben Routinehaft gegenchecken: Stimmt der Name? Stimmt die Organisation? Falschinformation Misstrauen, Verifikations-Methodik zu viel recherchiert: Story stirbt Mit Kollegen sprechen; Küchenzuruf
Es sind immer wieder dieselben Recherche-Probleme - das hat sich auch beim letzten Volo-Workshop gezeigt. Hier ein paar Ideen, wie man ihnen als Profi begegnet.
"Jetzt weiß ich Bescheid..."
Weshalb man sich selbst misstrauen sollte, wenn man sich eigentlich gut in ein Thema eingelesen hat - und andere Verifikationstipps. http://www.poynter.org/news/international-fact-checking/385625/6-tips-to-debunk-fake-news-stories-by-yourself/
Noch einer zum Thema Misstrauen.
Recherchieren bei Facebook...
…ist die Pest. Die Facebook-Suche nutzt den “Social Graph” - das persönliche Beziehungsnetzwerk - was faktisch zur Folge hat, dass man nichts findet, was man nicht irgendwie über seine Freunde ohnehin schon kennt. Diese Tipps sorgen für etwas Abhilfe:
Google bzw. Bing über “site:facebook.com” als Facebook-Suchmaschine nutzen. (Warum Bing? Weil Bing-Betreiber Microsoft einen Anteil an Facebook hält - und deshalb meiner Beobachtung nach einen etwas besseren und schnelleren Zugang hat.) Nachteil: findet natürlich nur die öffentlichen Posts.
Die Facebook-Sprache auf “English (US)” umstellen - US-Nutzer genießen (noch) den Vorteil einer deutlich brauchbareren Suche.
Kontakte auf Distanz halten: Facebook-Freundschaften können entscheidend sein für die Recherche u.a. in Gruppen - aber möchte ich, dass die alles von mir sehen? Nein. Also stecke ich sie in eine Liste - die “Eingeschränkt”-Liste. Sie sorgt dafür, dass ein Facebook-Freund nur Dinge zu sehen bekommt, die ich “öffentlich” gepostet habe, d.h. die ohnehin das ganze Internet samt Google kennt. Wie ich es mache: Das Profil desjenigen ansteuern, dann auf den “Freunde”-Button klicken, “Zu einer anderen Liste hinzufügen…” auswählen und ganz, ganz, ganz nach unten scrollen. Dort auf “Eingeschränkt” klicken - voilá. Auch gut für facebook-aufdringliche Chefs und Mütter.
Darüber haben wir heute gar nicht gesprochen, aber viel häufiger als Twitter nutzen wir alle: Facebook. Deshalb in aller Kürze ein paar Facebook-Recherche-Tipps aus dem letzten Seminar.
Allerdings sind ein paar Ergänzungen angebracht:
Der Tipp, die Sprache auf US_English umzustellen, bringt leider nichts mehr - Facebook hat die so genannte “Graph Search” auch für US-Nutzer Anfang 2016 wieder abgeschaltet.
Hinter den Kulissen sind die entsprechenden Befehle allerdings noch vorhanden - mit ein wenig technischem Know-How kann man sich beispielsweise alle Facebook-Freunde anzeigen lassen, die Fans von Pegida sind - oder von Helene Fischer. Achtung: Facebook produziert bei diesen Suchen manchmal Fehler - erst nachfragen, dann die Freundschaft kündigen!
Für die Recherche bei Facebook sinnvoller: zwei Tools, die auf dieser Technik aufbauen - ein sehr rohes, aber nützliches von Henk van Ess, mit dem man sich das Facebook-Verhalten einer Person anzeigen lassen kann. Und das Tool eines US-Sicherheitsexperten, das allerdings sehr auf den Effekt abzielt - und falsche Ergebnisse liefert, wenn man es an sich selbst ausprobiert, denn da kann man ohnehin alles sehen.
Tooltipp: Regionale Nachrichtenseite im Eigenbau!
Auch ohne Twitter: Man kann sich eine eigene Überblicksseite der (Online-)Medien aus der Region mit Feedly zusammenbauen.
Feedly ist die Online-Version eines so genannten Feedreaders, der eine alt erprobte Web-Technik namens RSS nutzt. RSS-Feeds sind ein bisschen so etwas wie ein automatisierter Twitter-Feed für eine Webseite (oder einen Teil davon) - darüber teilt der Server der Welt mit, wenn es etwas Neues gibt, und große Webseiten wie der BR haben oft sehr fein nach Themen und/oder Regionen differenzierte Feeds.
Mit Feedly brauche ich mich um diesen technischen Unterbau nicht zu kümmern - Feedly sucht automatisch die Feeds einer Quelle und bietet sie mir in einer E-Mail- bzw. Newswire-artigen Oberfläche zum Lesen an.
Noch ein bisschen Quellencheck zum Mitraten am praktischen Beispiel - und die Auflösung für unser Tumblr-Titelbild (Spoiler: kein Fake, aber...)
Die Quellencheck-Präsentation als PDF zum Download - und der 15-Minuten-Quellencheck mit ergänzenden Tools in meinem Blog.
Was wollen wir Journalistinnen hier? Ein paar Anwendungsfälle. Außerdem: Twitter-Basics, Suchstrategien bei Twitter, Profi-Recherchetipps - und ein echt praktisches Werkzeug, das Twitter mit einer Facebook-artigen Das-ist-wichtig-Alarmfunktion versieht (auf dem Smartphone): Die Nuzzel-App.
Gemeine Suchaufgabe des Journalisten und Webrecherche-Gurus Henk van Ess : Finde heraus, was hinter dieser mysteriösen Anzeige steckt.
Die Geschichte in aller KÜrze: Der Preis ist gekauft - die LA Music Awards sind ein Event, das nur stattfindet, damit die Teilnehmer einen Preis mit nach Hause nehmen können (und eine Pressemitteilung darüber). Die Preise kann man einfach kaufen - was in diesem Fall der reiche Vater der Jungs getan hat, ein gewisser Ignatius Piazza.
(Etwas Hintergrund in den Kommentaren dieses Blogeintrags.)
Der BR-Journalist Florian Regensburger suchte auf Facebook nach "ISIS" und wurde fündig. Unter den "Gefällt-mir"-Angaben eine ISIS-Facebookseite fand er zudem Personen aus seinem Facebook-Freundeskreis. Ein Automatismus könnte dafür verantwortlich sein. Mittlerweile hat Facebook die Seite gelöscht.
Die gruselige Story von den ISIS-Phantomlikes. (Gefunden von Amelie.)
Google Academy!
So, du glaubst, du kannst googlen? Beweis es! (Aufgabenblatt als PDF)
Auch hier ist der Weg das Ziel - bzw. dass wir aus den Aufgaben etwas über die Wege lernen, mit denen wir zum gewünschten Suchergebnis kommen. Die Erkenntnisse haben wir in einem Google Doc zusammengetragen.
(Hier eine PDF-Kopie davon.)
Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Diese Frage führt zur (nicht sonderlich überraschenden) Erkenntnis: Die Optimist/innen sind bei uns deutlich in der Überzahl. Dabei ist ein Pessimist doch nur ein realistischer Optimist!
Die “Optimisten” sollten jedenfalls die Geschichte einer misslungenen Recherche erzählen - die “Pessimisten” die einer gelungenen. Diese Geschichten haben wir analysiert - welche Faktoren sind für den Erfolg bzw. Misserfolg einer Recherche verantwortlich?
Die Ergebnisse unserer Sammlung im zweiten Foto:
Was ist Recherche? Welche Regeln gelten? Die Eingangsfolien (und die Definition des unermüdlichen Herrn Haller) gibt es hier als PDF zum Download.
Der Plan für heute
Recherche: Was ist das? Wie macht man das?
Google Academy
Infoboards: Sich eine Quellenübersicht zusammenstellen
Social-Media-Recherche
Verifikation, Quellencheck
Los geht's! Weil wir in einem Fernsehstudio sind, gibt es tolle Requisiten im Raum.