VOLCANO GUNUNG AGUNG - SUNRISE
Auf Bali gibt es mehrere Vulkane. Die bekanntesten sind der Mount Batur (1717 m) und Mount Agung (3142 m). Beide sind noch aktiv und werden regelmĂ€Ăig bestiegen, Mt. Batur natĂŒrlich viel höher frequentiert. Da wir auf einen vollen Aussichtspunkt mit hunderten von Touristen keine Lust hatten und auch keine einfache Besteigung wollten, entschieden wir uns dafĂŒr, bei Nacht Gunung Agung zu besteigen um pĂŒnktlich um 6 Uhr den Sonnenaufgang auf gut 3000 Metern zu bestaunen.
Zuvor hatten wir einige Berichte zur Besteigung durchgelesen, welche eher abschreckend waren. Die meisten hatten Todesangst oder empfanden es als wahre Qual, andere brachen sogar ab. Hmm, bestÀrkend war das nicht gerade, aber wir wollten das unbedingt. Wir haben nun doch ein bisschen Bergsteigerfahrung und trauten uns das trotz allen Horrorberichten zu. Also, los gehts!
Um 23 Uhr wurden wir am Hostel abgeholt und die Fahrt ging circa 1,5 Stunden bis wir auf 1000 Metern an einem Tempel (ein sehr wichtiger fĂŒr die Hindus, denn der Gunung Agung gilt als heiliger Berg) am Basecamp I abgesetzt wurden. Dort trafen wir unseren lieben Guide, der uns mit Snacks und einem Bambusstock (sehr wichtig!!) ausrĂŒstete. Ich zog mir gleich meine lange Hose an, denn es war jetzt schon frisch. Wir liefen los. Scheinbar endlos wanderten wir sehr steil durch den Dschungel auf rutschigem Boden. Wieder einmal war ich froh ĂŒber meine Wanderschuhe, fragte mich aber wie unser Guide das in Sneakers schafft. Naja der macht das drei mal die Woche, wie er uns sagte. Es wurde immer steiler und langsam auch steiniger, was gut war, da man ein bisschen halt fand. Ich war froh um meine gute Stirnlampe, aber es war definitiv gewöhnungsbedĂŒrftig bei einem lediglich kleinen Lichtschein bergzusteigen. Höhenmeter fĂŒr Höhenmeter kĂ€mpften wir uns hoch, es galt ja auch 2000 in guten 5 Stunden zu schaffen... Puhh! Wir trafen zwei Kanadierinnen mit ihrem Guide, die schon ziemlich am Ende waren. Ich dachte mir nur, ohje ihr habt noch unglaublich viel vor euch! Ich brauchte immer wieder kleine PĂ€uschen, um zu trinken oder zu essen, ich war von Anfang an durchgeschwitzt, da es schwĂŒl war, aber dennoch immer kĂ€lter wurde. Der Weg wurde immer steiler und steiler, ach was, es gab keinen Weg mehr. Ich lehnte mich so gut es ging gegen den Felsen, in der einen Hand der Stock, mit der anderen hochziehen, ok. Da dachte ich wieder an die Berichte..das alles wieder runter, oha.. Obwohl ich Abstiege sehr gerne mag, machte ich mir Sorgen. Die Psyche macht nun doch viel aus, aber ich machte mich nicht zu verrĂŒckt. Endlich sagte der Guide, wir wĂ€ren bei der HĂ€lfte, wir hatten das Basecamp II erreicht.
Dort erfuhren wir auch, dass die zwei Kanadierinnen abgebrochen hatten. Unser Guide betete und legte Opfergaben an kleine Tempelchen, die in den Felsen lagen. Es ging weiter, wir stiegen weiter auf und erreichten nun erhĂ€rtete Lava und leichtes Geröll. Achtung, Rutschgefahr! Ein, zwei mal legte es uns richtig hin, aber rutschten Gott sei Dank nicht groĂ ab. Ich wollte es nun immer mehr, es machte dermaĂen SpaĂ, endlich wieder Berge, Felsen, Klettern. Hach, wie hab ich es vermisst! Wir waren nun fast oben, der Wind wurde immer stĂ€rker, es war halb sechs. Nach fĂŒnf Stunden Aufstieg hatten wir uns heiĂen Tee und Snacks verdient. Es war unglaublich kalt (ca. 10 Grad) und ich war von oben bis unten durchgeschwitzt. Ganz oben konnten wir in den riesigen Krater schauen. Schon ein bisschen angsteinflöĂend auch noch zu wissen, dass der Vulkan noch aktiv ist. Die Spitzen des Vulkans wurden durch einen schmalen, fast nicht zu erkennenden Grat verbunden, wo wir die anderen 3 Wanderer sahen, die auch den Aufstieg wagten. Und jetzt hieĂ es warten und genieĂen.
Langsam wurde es heller und der Himmel wandelte sich von dunkelblau zu rot und lila. Langsam stieg auch der grelle Feuerballen auf und man sah die riesige Silhouette des Vulkans Mount Rinjani auf Lombok. Ich war einfach glĂŒcklich, dass ich es hoch geschafft hatte und dass es das sowas von Wert war. Das ganze berĂŒhrte mich sehr, wir saĂen nur da und genossen die friedliche Stimmung.
Nachdem wir alle unsere innere Balance gefunden hatten (:P) stand uns ein vierstĂŒndiger Abstieg bevor. Er war zwar anstrengend und teilweise etwas heikel, aber als etwas geĂŒbter Bergsteiger sollte das kein Problem sein. Der Bambusstock federte das ganze Gewicht ein bisschen ab. Ein-, zweimal legte es mich hin, vor allem auf dem rutschigen Dschungelboden, sonst lief alles ganz gut. Wir sahen noch wilde Affen an der Baumgrenze herumklettern. Der Abstieg zog sich zugegeben echt lange, meine Beine wurden schwĂ€cher und so war ich froh unten auf festem Boden am Tempel wieder anzukommen.
Der Wanderung war unglaublich schön. Allgemein wĂŒrde ich sagen, dass sie fĂŒr Wanderer mit ein wenig Bergsteigerfahrung gut zu meistern ist. Vergesst aber nicht, dass nicht alle Touristen es da hoch schaffen, also schĂ€tzt euch ehrlich ein! Ihr braucht warme Kleidung, gutes Schuhwerk und Essen/Trinken. Es ist anstrengend, die Steigung liegt teilweise bei 70 %, 2000 Höhenmeter hoch und 2000 wieder runter gehen nicht spurlos an einem vorbei. Es sind schwierige Passagen dabei, an denen ich mich einen Moment sammeln musste, aber einfach immer mit der Ruhe. Das schwierigste an der ganzen Sache waren die Berichte aus dem Internet, die mich total beeinflusst und verunsichert haben. Man sollte auf sich selbst hören, denn letztendlich war es genau das was ich mag und gut kann!
Unser Guide war super und auch unser Fahrer war unglaublich lieb. Wir hatten noch einige sehr gute GesprĂ€che, wĂ€hrend dem gemeinsamen Essen. Die Hindus auf Bali sind sehr aufgeschlossene, freundliche und friedvolle Menschen, die mir sehr sympathisch sind. Dann ging es aber schnell ins Hostel, da wir sooo mĂŒde waren!