Ich fande Kuba sehr interessant und habe mich auf unseren Abstecher gefreut. Auf der bisherigen Reise haben uns Leute erzählt, dass Sie Kuba nicht toll fanden und bei meiner (sehr kurzfristigen) Recherche, habe ich so manche Abzocker Storys gefunden.
Aber erst mal eigenes Bild machen dachte ich mir, was dann am Ankunftstag so aussah:
Unser Flugzeug hatte schon mal kein Gate zugewiesen bekommen, weshalb wir 30min auf der Rollbahn standen, während "unsere Jungs" gegen Italien im Viertelfinale geschwitzt haben. Zum Glück konnten wir beim Gepäckband in die "VIP Lounge" spitzen, und das Ende des Spiels sehen. Die Verlängerung haben wir dann in der Ankunftshalle auf einem Minifernseher eines Souveniershops geschaut-umzingelt von Italienern.
Naja, Ende gut alle gut und ab in unsere Unterkunft. Ein klassisches "casa particular", eine privat vermietete Unterkunft, die hielt was sie versprach. Der erste Blick aus dem Fenster unseres Wohnblocks: völlig heruntergekommene Häuser. Das hatte ich irgendwie nicht so heftig erwartet.
Unser erster Ausflug vor die Tür (wir lebten in Havana Zentrum) war seltsam.
-Alles schaut nicht bewohnbar aus, ist es aber
- Fast jeder "glotzt" mich an. Eine Umstellung, weil sich in Latinoamerika keiner so recht um mich geschehrt hat
- statt Salsa gibt es den klassischen Reggaton an jeder Ecke
- Viele Leute wirken arm, ungepflegt und "fertig". Wahrscheinlich alkoholabhängig.
- Die "gepflegten" Mädels haben sich so herausgeputzt, dass es schon wieder "billig" wirkt.
- es stinkt nach Urin an jeder Ecke und ist sehr schmuddelig
Zum Abendessen hat sich Mark für ein Steakrestaurant interessiert. Der Kellner am Empfang meinte, falls wir lieber kubanisch essen möchten, bringt er uns zu einem Kumpel. Gesagt getan.
Wir freuten uns, dass wir in einem kleinen lokalen Restaurant gelandet sind. Die schmutzige Tischdecke störte uns nicht sondern suggerierte uns ein preiswertes "local food". Was wir bekamen war ein Fischfilet mit Riesengräten, Baguettebrot von Vorgestern und labrigen Salat. Und das für 15 EUR-das habe ich ewig nicht mehr für einen Fisch ausgegeben. Volle Abzocke, aber wir waren müde, es war spät und anscheinend ist das hier so teuer, dachten wir.
Ok, dann eben nach Hause schlendern und noch etwas Wasser kaufen. Aber wo? Wir haben nirgendwo einen Laden gesehen. Vor unserem Haus tragen Leute Rum und Saftflaschen aus einem Imbiss. Der wird doch Wasser haben. Fehlanzeige. Nur Rum und Saft/Softdrinks. Dann muss das überteuerte Wasser aus der Minibar erhalten.
Also Kuba/Havana. Am ersten Abend hast du mich noch nicht überzeugt. Aber ich geb dir natürlich noch eine Chance.
Der Tag beginnt mit Joggen an der berühmten Malecón. Die Sicht auf die Stadt ist herrlich. Wie erwartet blieben Pfiffe und Bemerkungen von den Balkonen nicht aus.
Das Frühstück in unserer Unterkunft war lecker. Der Tag beginnt schon mal besser als er zu Ende ging.
Und dann haben wir uns dem Touristenzentrum genähert und wurden leider Teilnehmer eines mießen Spiels. Bisschen zu lang um es zu beschreiben, aber kurz zusammengefasst haben uns vermutlich unabhängige Leute Tipps zum Zigarrenkauf gegeben. Da wir sowieso welche kaufen wollten waren wir ganz Ohr und wenn uns das so viele verschiedene Leute empfehlen, muss es ja stimmen. Naja, wir haben dann welche gekauft und erst danach rekapituliert, wie das alles aufeinander abgestimmt war.
Da denkt man, man ist auf alles vorbereitet und dann sowas. Wir waren dann nicht verärgert, dass wir vermutlich zuviel bezahlt haben ( auch aufgrund fehlender Recherchemöglichkeiten wegen nicht verfügbaren Internet) sondern, dass unsere Offenheit, deren Entwicklung wir ja u.a. durch solche Reisen angestrebt haben, schamlos ausgenutzt wurde.
Wie oft wurden wir auf unseren Trips schon mal wohingelockt, was uns seltsam vorkam, sich dann aber meistens in Wohlwollen, Gastfreundlichkeit und schönen Erlebnisse aufgelöst hat. Und hier spricht dich jeder auf die freundlichste, nicht gleich durchschaubare Tour an, um an deinen Geldbeutel zu kommen. Ein hässliches Gefühl.
Wir können uns das so erklären, dass der Sozialismus hier einfach nicht funktioniert. Jeder versucht hier seinen Lebensstandard mit allen Mitteln etwas zu verbessern, weil es einfach nicht reicht. Ich habe gelesen, dass das monatliche Einkommen , über der staatlichen Grundversorgung, bei ca. 10 EUR im Monat liegt. Viva la Revolución sag ich da nur!
UND es ist einfach eine Hauptstadt, wo der Tourist ja nichts besonderes ist...
Nachdem wir unsere Gedanken gesammelt haben, ging es ins Muesum der Revolution.
Den Abend haben wir mit Zigarre und Rum am Malecón ausklingen lassen. Hier außerhalb des Tourismus haben wir echte, authentische nette Leute kennengelernt. Das gab auf jeden Fall wieder Pluspunkte.
Beginnt mit einem kleinen Kater :)
An diesem Tag mussten wir vom Touristenprogramm pausieren, denn die nächsten Tage und auch unseren Flug aus Havana, den wir noch nicht hatten, musste organisiert werden. Die Herausforderung: alles ohne Internet, da wir immernoch nicht wussten, wo es das gibt bzw. wir auch nicht unseren Aufenthalt mit Internet suchen verplempern wollten.
Zum Bus reservieren, den uns unsere Vermieterin empfohlen hat, mussten wir mit dem Taxi zum Busterminal fahren. Was man im Netz in 15 min macht, dauerte dann 1,5h und kostete 14 EUR Taxifahrt!
Danach auf zu einem Platz, voll mit Reisebüros aller Airlines die Havanna anfliegen. Den haben wir den Tag zuvor zufällig gesehen.Ich hab mich so amüsiert, denn es fühlte sich an, als ob wir "in Momondo/Skyscanner o.ä." waren.
-fliegt ihr nach Curacao?
-ne, ich glaube aber die, zwei Türen weiter
-fliegt ihr nach Curacao?
-ja, aber den Rückflug müsstet ihr bei den Kollegen am Ende vom Gang buchen
Wie in einer Suchmaschiene immer Start,Ziel, Datum angeben. Unglaublich!
So nach 2h hatten wir uns dann genug Infos geholt mit dem Ziel, jetzt Internet aufzutreiben und die letzen Mosaike dort zu sammeln. Also durch die halbe Stadt gelaufen um zu einem staatlichen Hotel zu kommen. Halleluja hier gab es Wifi zum Schnäpchen von 7,00 EUR die Stunde. Leider hat die nicht gereicht :( Hier haben wir dann einen Teil gebucht. Den anderen im "realen Momondo". Das erste Mal in unserem Leben haben wir dann einen Flug cash im Büro der Airline bezahlt (Kartenzahlung nicht möglich)-im Jahr 2016!
Puh, jetzt erst mal ganz gemütlich mit dem Taxi in die Stadt und was essen. Kaum sitzen wir im Taxi, wird dieses von der Polizei angehalten, weil er um uns einsteigen zu lassen, im Halteverbot gehalten hat. Oh Mann..
Der Abend verlief dann gut, mit glücklicherweise gutem Essen und schönstem Sonnenuntergang am Malecón.
Eines haben wir aber immernoch nicht: Wasser!! Gibt es wenn man Glück hat in überteuerten 0,5L Flaschen!? Findet man aber sehr selten. Somit kann die Tagesversorgung Wasser ( wenn man auch noch Sport macht) bei 5-6 EUR liegen. Ok, wir haben große Kanister ca. 20min von unserer Unterkunft gefunden. Aber bis man nach Hause geht, hatte der Laden auch schon wieder zu.
Da wir im echten Zentrum und nicht im Touristeneck wohnen, kennen wir jetzt vermutlich alle Facetten und Mensch von Havanna. Die Armen, die die nicht mehr können, die Abzocker, die die sich durchbeißen, die Lebenslustigen, die Freundlichen und die Machos ;)
Genug von Havana. Auf geht es in dir kleinere Stadt Trinidad.