Beim Blick aus dem Zug könnte man denken, dass die Zeit in diesem Land nahezu stillsteht. Das liegt jedoch nicht nur daran, dass hier einfach alles anders zu sein scheint, sondern vielmehr weil der Zug mit gefühlten 30km/h durch die malerische Landschaft tuckert. Schon bei der Ankunft in 'Yangon' merkten wir, dass sich Myanmar von den anderen Ländern, die wir bisher bereisen konnten, unterscheidet. 5 1/2 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland, Männer in Tagesröcken, eine Achttagewoche und ein eigenes Maßsystem sind nur ein kleiner Auszug aus dem hiesigen täglichen Leben. Mit dem Taxi ging es erst einmal vom Flughafen durch die total verstopften Straßen Richtung 'Yangon-Chinatown'. Sowohl Harry und Sammy, als auch uns war direkt anzusehen, dass wir erst einmal mit der Stadt überfordert waren. Eine Geräuschkulisse wie wir sie noch nie zuvor erlebt hatten. Da Myanmar ziemlich teuer ist, hatten wir uns dieses Mal vorab eine Route überlegt, um den Geldbeutel zu schonen. Eine erschwingliche Unterkunft, die oftmals einem Loch gleicht und Klosteine als Raumerfrischer nutzt, gibt es hier nämlich nur sehr selten für unter 25€ pro Nacht. Also verbrachten wir unsere kurze Zeit in der größten Stadt des Landes damit, durch die Straßen zu laufen, atemberaubende, vergoldete Tempel zu besuchen und die Kultur in uns aufzusaugen. Nach nur zwei Tagen setzten wir unsere Reise im Luxusbus fort. Für einen wirklich schmalen Taler gab's komfortable Sitze, einen eigenen Bildschirm und Snacks für Umme. Die Relationen zwischen Hotelpreisen und Transportpreisen sind in diesem Land alles andere als im Gleichgewicht. Unser nächstes Ziel war die Tempelebene von 'Bagan'. Welch ein Kontrastprogram! Da der Bus bereits um 4 Uhr morgens ankam, wollten wir eigentlich einfach nur ins Bett. Doch es sollte alles anders kommen! Anni, Harry und Sammy waren schon fast im Tiefschlaf, da kam mir die verrückte aber absolut geniale Idee, den Morgen einfach zu nutzen, um den Sonnenaufgang über den Tempeln zu genießen. Nach anfänglicher Skepsis, gepaart mit sinnbefreiten Kommentaren des Trios, ließen sich die Drei dann aber doch überzeugen. Beschreiben kann man dieses Schauspiel nicht, denn es war einfach umwerfend. Diesen Teampunkt hatte ich mir redlich verdient! Wer sich nicht auf einen der unzähligen Tempel setzen will, der kann für 350$ das Spektakel auch aus einem Heißluftballon anschauen. Wiegt man jedoch mehr als 120kg muss tiefer in die Tasche gegriffen und das Doppelte bezahlt werden. Uns genügte die Budgetvariante und der Ausblick von einem der über 2500 Tempeln. Nach weiteren unzähligen Tempelbesuchen an den folgenden Tagen und einer Rundfahrt mit dem E-Bike (das sich übrigens nicht wie gehofft durch trampeln wieder aufladen lässt...) durch die atemberaubende Landschaft, ging unsere Reise weiter nach Mandalay. Andere Backpacker hatten uns wärmstens empfohlen, den Zug Richtung Norden zu nehmen. Was wir dann auch zum Preis von ca. 2 Euro pro Person gern taten. Vorbei an einer faszinierenden Kulisse voller Reisfeldern und verschiedensten Tempel, fuhren wir mit einem "Affenzahn" (40km/h Spitze) der Sonne und unserem nächsten Ziel entgegen. Kurz vor 'Mandalay' blieb der Zug dann plötzlich stehen. Auch den Locals war anzusehen, dass dies kein Normalfall war. Nach kurzem Blickaustausch und wildem gestikulieren wussten auch wir, wer oder was uns diesem Zwischenstopp eingebrockt hatte. Männer, mit Spitzhacken und Macheten bewaffnet, blockierten die Gleise und jagten einer Kobra hinterher, die sich offensichtlich in die Stadt verirrt hatte und eher unerwünscht war. Nachdem die Jungs die Situation unter Kontrolle gebracht hatten, ging die lustige Reise auch schon weiter. Wir sind froh, dass wir den Zug genommen haben, denn auf diese Art lassen sich Land und Leute einfach besser kennenlernen. 'Mandalay' selbst war leider nicht so aufregend wie erwartet, aber die Menschen die in dieser Stadt leben waren dafür umso herzlicher. Egal wo wir vier Weißbrote auch hinkamen, überall wurden wir herzlich begrüßt und mit einem Lächeln empfangen. Da kann es schonmal passieren, dass dir die Leute auf der Straße einfach mal die Hand zum Gruße schütteln, wenn du an ihnen vorbei läufst. Viele dieses Menschen haben nicht viel, aber ihre echte Freude und Herzlichkeit sind einfach überwältigend. Da es von Mandalay keine Zugverbindung zu unserem nächsten Stopp 'Inle See' gab, mussten wir zur Weitereise einmal mehr auf den Nachtbus zurückgreifen. Leider war dieser Bus nicht mit dem Ersten zu vergleichen und auch der Fahrer schien ein pensionierter Rallypilot gewesen zu sein. In Rekordzeit und ohne ein Auge schließen zu können, legten wir die Strecke zurück. Am 'Inle See' angekommen zeigte sich Myanmar wieder von seiner schönsten Seite. Uns erwartete ein riesiger See, umgeben von Bergen, Weingärten und kleinen Dörfern. Der See dient den verschiedensten Menschen als Lebensquelle. Egal ob Fischer, Gärtner oder Goldschmied, alle Leben auf dem See und verdienen hier ihr täglich Brot. Nachdem wir unsere Runden für drei Tage gezogen und den Weingärtenden in der Umgebung einen Besuch abgestattet hatten (Anni hat sich sehr über den ersten echten Wein seit Wochen gefreut), führte unser letzter Nachtbus in die Berge nach 'Kinpun'. Eines der wohl bedeutendsten buddhistischen Wahrzeichen des Landes befindet sich hier. Der 'Goldene Fels' hoch oben auf dem Kyaiktiyo-Berg trotz nicht nur der Schwerkraft, sondern ziehtsondern auch gleichzeitig jeden Tag Hunderte von gläubigen Pilgern an. Die einzige Möglichkeit den Berg zu erklimmen ist entweder eine fünfstündige Wanderung, oder für dreißig Minuten auf der Ladefläche eines ausrangierten LKW's zu fahren. Die Entscheidung viel uns ziemlich leicht. Mit 40 anderen Pilgern bestritten wir den motorisierten Weg, der eher einer Achterbahnfahrt glich. Der Ein oder Andere konnte wie immer seinen Mageninhalt nicht bei sich behalten, was bei dem Fahrstil aber auch nicht verwunderlich war. Auch wenn dem Berg und vorallem dem 'Goldenen Fels' eine mystische Aura umgibt, fühlt man sich auf dem Gipfel doch ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt. Traditionelle Mönche, spielende Kinder, Bauchladenverkäufer und Pilger bestimmen das Gesamtbild. Zudem ist es Frauen nicht gestattet, sich dem Stein dichter als 5 Meter zu nähern, geschweige denn ihn zu berühren. Verständlich, dass Anni und Sammy den 'Goldenen Fels' nicht als ihren Lieblingsort in Myanmar bezeichnen würden. Da wir uns der angepeilten zwei Wochenmarke näherten, zogen wir nach zwei Tagen weiter zurück nach 'Yangon', um von dort aus über Singapur (Yeah! Eine weitere Nacht auf dem Flughafen schlafen...) weiter nach 'Yogyakarta' auf Java in Indonesien zu fliegen. Zwei Wochen in dem chaotistischen, aber gleichzeitig sehr liebenswürdigen Myanmar liegen hinter uns. Bis auf ein paar Pauschal-Rentner-Touristen gibt es nur sehr wenige Menschen, die sich hierhin verirren. Dieses Land hat einfach unglaublich viele Facetten und wir können jedem nur raten, einmal mit dem Rucksack durch's Land zu ziehen. Jedoch sollte man sich Zeit nehmen und ein etwas größeres Budget haben als wir, um das Land in vollen Zügen genießen zu können. Letzter Halt in Asien: Indonesien.