06:20 wurde aufgestanden, gefrühstückt und dann ging es los zur Kakaofarm.
Dort angekommen haben wir erst unsere Macheten an einem Stein geschärft und dann bekamen wir eine kurze prägnante Einweisung im Kakaofrüchte ernten. Rechts die Machete in der Hand, links einen Sack für die Kakaobohnen konnte es losgehen. Und dann hieß es, die reifen Kakaobohnen mit einem gekonnten Schlag vom Baum zu trennen und zum Kakaofrüchtelager zu bringen. Für die Früchte, die außerhalb der eigenen Reichweite lag, gab es einen eigenen Stab mit Klinge.
Das Gute: Man ist durch die Vegetation zum größten Teil von der Sonne beschützt. Trotzdem ist das Ganze auf Dauer echt anstrengend. Und der Fakt, dass man die Kakaobohnen auch immer noch erst finden muss, macht es nicht immer einfacher. Meistens muss man dafür weit abseits vom Trampelpfad gehen und es war kein Einzelfall, dass ich nicht mehr zurück gefunden habe.
Man sieht häufig nicht den Boden. Ich habe Angst, dabei ausversehen, in das Revier einer Schlange vorzustoßen. Ghanesen haben auf jeden Fall tierisch Angst vor Schlangen. Darüber sich den Kopf zu zerbrechen, bringt einem bei der Ernte aber nicht weiter. Und ständige Spinnennetze, Insektenbisse und -stiche, sind nicht nur stark gewöhnungsbedürftig, sondern das Jucken lenkt auch von den Sorgen ab.
Bis Mittag konnten wir zu dritt die Farm leer ernten. Ich bin stolz. Hier was wir erbeuten konnten:
Fazit: Es ist eine harte Arbeit. Aber ich schätze, das man sieht, was man geschaffen hat. Gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich aufgrund der geistlichen Unterforderung nicht durchdrehe. Aber da muss ich mich wohl überraschen lassen, wie die Kakaofrucht ;)
Zuhause wieder angekommen, wird erstmal nachträglich Mittag gegessen und dann vor Erschöpfung ins Bett gefallen. Als Max (Zimmergenosse und ebenfalls Volunteer aus Deutschland) und ich am späten Nachmittag aufwachen, beschließen wir noch die Nachbarstadt zu besuchen. Es ist das erste Mal für uns außerhalb des Dorfes ohne Einheimischen. Aber was soll schon groß schief gehen? In der Stadt lief alles optimal wir fahren gewohnt mit dem Taxi wieder zurück. In dem Dorf wieder angekommen, drücke ich dem Taxifahrer die üblichen 5 Cedis (= 1€) in die Hand und möchte aussteigen. Er hält uns auf. Er möchte, mehr Geld haben. Wir verstehen nicht wieso. Gott sei Dank, hat Mr. Thompson (Projektbeteuer) auf unsere Rückkehr gewartet und er kommt gleich dazu. Und fängt mit dem Taxifahrer an zu sprechen. Er möchte 10 anstatt 5 Cedis, was ungefähr 2 Euro entspricht. Mr. Thompson findet das eine Frechheit und das Gespräch wird immer hitziger. Inzwischen stehen beide vor sich und schreien sich an. Max und ich sitzen immernoch komplett verduzt im Auto und wissen nicht recht, wie wir mit der Situation umgehen sollen. Die Dorfbewohner haben inzwischen mitbekommen, dass wir in Stress geraten sind. Und alle Männer kommen zur Unterstützung. Dem Taxifahrer scheint das anscheinend wenig zu jucken und vertritt lautstark seine Meinung. Nach 20 Minuten und keine Besserung in Sicht, werden wir nach Hause begleitet, während der Streit lautstark weitergeführt wird. Woah, ich bin schockiert und einfach so dankbar, dass uns die Dorfbewohner so beschützen, wie als ob wir zu ihrer Familie gehören würden.
Der Streit mit gegenseitigen anbrüllen dauert noch über eine Stunde. Und das Ganze, weil der Taxifahrer 5 Cedis (= 1€) mehr als üblich wollte...