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@dieblendklappe-blog
In verborgenen Efeugeäst finde ich
Die wellenumgehenden Märtyrer
Sich der Erde entziehend,
Mit pulverisierten Mitteln,
In steintoten Quadratkomplexen statisch vereinfacht,
Ferngeleitete Kameradschaft zum Mittelpunkt
Transkontinentaler Breitengradbeschau.
Und monetärer Bestimmung, bemessen sie
Weltvergessene Eroberer, ihre verkrüppelte Armlängenreichweite.
Mit lautleeren Wortkarikaturen beschmeißen
Umständliche sich, die abgefrästen Grabmähler
Der Vorangelebten zu verdichten und jäten
versickerten Traumbildern hinterher. Am Königsweg
verfluchen sie diabolisch den anderen Vater, der kümmerlos
Das Gleiche Schlachtbeil in seinem Sohn versteckte.
In einer schreienden Umarmung lehnen sie
Rücken an Rücken, einen geglätteten Wasserspiegel
Vor den verheißenden Trommeln der Untergrundmusik zu erretten.
Die Erde ausgestoßen verinnerlicht jonglieren,
Ungeliebt einst, kleine Herren ihre Verlorenheit zu verlieren
In dem Schatten des Efeus, dem Himmelreich entgegen.
der krumme zeh von wortuka
Ein kahlköpfiger Mann geht gemächlich, er scheint Zeit zu haben. Sein ausgewaschenes weißes Shirt umspannt den gewaltigen Bauch, seine Arme stehen ein wenig wie die Seiten eines Hebelkorkenziehers vom massivem Körper ab. Die Hose hängt und knarzt lieblos vom Schritt Richtung Kopfstein und sein Schluffen wird begleitet von vielsagenden Blicken zurechtgestutzter Parkbesucher. In der linken Hand hält der Mann einen CD-Player, dem Modell nach aus den frühen Nullerjahren. Er steuert, obschon seiner Lässigkeit, zielstrebig eine Holzbank des pittoresken Platzes an, dessen Ränder die Allee bemisst, die Birkenbaumallee, deren Blattkraut sich durstig dem Boden neigt. Die ihm gegenüberstehende Bank ist besetzt, zwei Männer ruhen dort samt großem Hund, sie sprechen viel und gestikulieren wild und beschwören den Inhalt des Gesprächs mit derben Handbewegungen hinauf. Kinder stürmen an ihnen vorbei, im Spiel begriffen, Jäger und Gejagte, mal voller Furcht vor dem Gefangen werden, mal siegessicher dem Stolz des Entwichenden. Der Mann neigt sein Gesäß langsam und schwerfällig der Holzbank entgegen und rupft dabei seine Hose hoch. Noch in dieser Bewegung grüßt er seine Gegenüber altbekannt, bevor er seufzend auf der Bank ankommt. Er streckt seinen Arm zum Boden. If you got bad news you wanna kick them blues. When your day is done and you wanna run. Cocaine.„Willst du jetzt tanzen?“, fragt einer der Männer ihn. Das Lied kräuselt aus den Boxen des CD-Player. „Wenn du ne Tussi wärst, dann vielleicht”, sagt der andere. Sie lachen. Der Besitzer des CD-Players holt eine 1l Flasche Wasser auf seiner Sporttasche, stellt eine Schüssel auf und befüllt sie damit. Der träge, alte Hund kommt langsam auf ihn zu geschlichen und säuft den Inhalt aus. „Ich mag mich“, sagt der Mann in die abendliche Herbstluft. „Ja, doch. Ich mag mich.” Sein Gesicht hängt runter wie das vom alten Hund. Sein Bart ist dick wie Schaumstoff. Das spontane und offenkundige betonen selbst gerichteter Zuneigung lässt die anderen vermuten, dass er sich eben nicht gänzlich mag, dass er Fragmente seines selbst nicht mag, dass er sie ablehnt und zugleich nicht ablehnen kan. Sie nicken. Eine Frau kommt den Weg, der durch die Mitte Platzes führt, entlang gelaufen. Ihre Waden sind fadrig und bleich, ihre Haare strähnig und wie Spinnweben, so dünn. Ohne ihre Erhabenheit hätte sie zerbrechlich ausgesehen. Sie grüßt den Hund der Männer, einer steht auf und heißt sie wie eine alte Freundin willkommen, streicht ihr behutsam über den Rücken und lächelt durch seinen vollen, weißen Oberlippenbart hindurch, die gelben Stummelzähne hocken ihm im Mund und sprechen dabei. Dann wendet er sich dem Hund zu, klopft sich auf die Brust, der Hund springt an ihm hoch und er fängt mit ihm zu tanzen an.
Im Jungbusch spielen Kinder bolzen. Der Fußballplatz erhebt sich über Autobahnen.
An spinnbeinigen Konstruktionen ist das Netz zur sicheren Abschirmung des Raufverhaltens gespannt.
Sonnenblumenkerne haben sich am Boden hinterlassen, ihre Besitzer zu lokalisieren.
Das zähe Ehepaar sitzt auf einer Bank und raucht und lacht.
Vorsichtige Laufversuche der Erstjährigen über die grüne Wiese mit körpergroßen Bällen vor ihren Bäuchen.
Petersilienbaumkronen spenden Schatten in der Lichtung der Arbeitergemeinschaft.
Werbeprospekte liegen wegen Unbrauchbarkeit zerrissen zwischen Holzbankbeinen.
Der Preis ist heiß.
Sonntag wird ausgeruht. Ein paar Cent der Vorschüler reichten aus für Kratzeis.
Ihre Münder sind blau und breit. Heute keine Klausur. Dafür geht man kicken.
new hersfeld
bad hersfeld ist erloschen. kaum bewegungen am bahngleis, andächtige vornachtstimmung. die klare luft ist auffällig, der rauch der zigaretten fließt darein wie tinte in wasser. selbst für spuk ist es hier zu leise. das straßenlaternenlicht scheint solide. nur die digitale zeitangabe dieser bahnhofs-vergegenwärtigungs-rechtecke erinnert an schnelllebigkeit. es ist still bis eine autotür klatscht. ein letzter reisender dreht seinen kopf sehnsüchtig zurück. dann ein anpfiff. zuggeschwindigkeit bald: 220 stundenkilometer. vielleicht auch wieder internet.
der maßstab hat ausgang er verbannt die zuschauenden an die satellitenbilder
ich spule zurück in die abendvorstellung und bleibe hängen:
ein ausstaffierter raum mit bodenloser fensterwand etikettiert den häuserhorizont der stadt
die gestiefelten kerzenständer pflegen ihren nahsassen schimmernde schatten in die sowieso schon ausgeleuchteten gesichter
ein ober hält seinen bart zurück während der koch hinter den flügeltüren die lippen schürzt vor dem essen des gehilfen
einschneidende stoffservietten stauben nach dem verzehr den staub von der wange
ein eiserner blick ist heute abend mehr wert als ein jahrhunderte alter dom perignon
und über die tapeten der zuschauerschlafzimmer
brechen satellitenbilderschwalben betont sanftmütig in die bettdecken der schlafenden ein
Ich dümpel galant zwischen euch. Vom silbrigblauen Sportbecken aus wird die Luft am Sprungturm dünn.
Mutter liegt ausgestreckt auf den Fliesen. Ihr Bauch ist ein Weltraumhelm. Das Plastikbesteck blitzt heller als ihr Zahn.
Ich lege mich rücklings ins flache Wasser, guck die Universumsfiguren der Kinder an bevor sie auseinander zueinander stülpen.
Am Rosenteich erbricht Tina ihre niedlichen Magerquarkbällchen. Ich schlucke davon.
Susanne rast mit dem Paddel vorbei an mir. Die hat aber auch immer ‘ne Energie, diese Susanne.
Der Badeguard erhellt die Liegewiese mit seinem muskulösem Erscheinungsbild und knarzt die Regeln aus dem Megafon.
“Nicht vom Beckenrand!”
Ein gekonnter Sprung sitzt aber eigentlich immer aufrecht und hübsch im Lorbeerbeet.
Menschen voll Gegebenheiten lehnen am Glastürenkabinett mit Verzerrungseffekt. Formblätter voll von Möglichkeiten in einem Horizont mit Restriktionen bedeckt.
Linoleumboden im Alltagswarteraum gleich dem der Armeleuteschlafzimmer. Damals in der Mitte der Städte ein Traum heut mehr die Armen mit Räumen nimmer.
Das Arbeitszentrum weist den Peripheren ihre Plätze außerhalb in Quadraten zu wohnen. Betonstufen hochlaufen ohne sich zu beschweren Wohnraum – sagen die in der Mitte – soll lohnen.
Hinter Linien und Gucklöchern warten Vermittler deren Pausen sich von ganz alleine aufessen. Kurz vor ihren Mündern enden die Gitter nur welch Abstand wird von ihnen bemessen?
Ordnung ist nicht das Halbe sondern ein Leben weiter inzwischen zu finden. Dort aufrecht verborgen von Mauern wo Kinder selten nach unten entschwinden.
Unsere Schlafkammer wird teils von Fremden gebaut teils vom Staate und teils von haarlosen Redakteuren. Man fühlt sich selbst wie man kann in seiner Haut und ist der Kontrolleur aus Angst vor Kontrolleuren.
Berlin
Im letzten Jahr war ich auf der Eröffnung eines Sextoystore. Dort gäbe es eine Virtual-Reality-Pleasure Box, ich wollte dahin, um mich darüber zu informieren. Unter einer Virtual-Reality-Pleasure Box konnte ich mir als VR-Erstklässlerin wenig vorstellen, nur der Name und der Sexstore gaben den leisen Hauch einer Idee: irgendwas mit glattrasierten Menschenkörpern in verruchten, virtuellen Spaßzonen vielleicht.
Zwischen einer Jet-Tankstelle, einem Burger-King und einem McFit hingen um ein massives Stahlcontainergebäude herum bunte Luftballons. Das neue Gadgetparadies für Mittvierziger mit ausreichend ausgelebten Kuschelrockfantasien entstand in der Berliner Peripherie. Beim Eintreten landete ich in einer Daunenjackenwand aus Fotografen, es war Winter zu der Zeit. Die Fotografen riefen “Micaela, Micaela. Hier, hierhin gucken” Ich schaute direkt auf die Szene, aus Blick der eifrigen Paparazzi. Das berühmte Pornomodel hielt ihren sehr großen, sehr schlanken und sehr nackten Körper in die blitzenden, lautstark klickenden Kameras und präsentierte gleichsam euphorisch wie lethargisch ein neues Dildomodell. Das kann man einfach auf dem Tisch liegen lassen wenn Oma kommt, sagte sie und spielte damit wie mit einem Pürierstab herum, das sieht so hübsch und unschuldig aus.
Ich lief schnell weiter. Im hinteren Raum umgab mich instant eine wohlig muckelige Atmosphäre. Es lief tatsächlich etwas in Kuschelrockmanier, wahrscheinlich war es Robbie Williams. Man hatte optimal vorgeheizt, den Boden mit rotem Teppich ausgelegt und halbnackte Frauen verwöhnten die Anwesenden mit schäumendem Sekt. Das Publikum war eher einfach als exzentrisch und schluffte in Paaren rücksichtsvoll durch die mit außergewöhnlichen Artikeln zugekleisterten Regale.
“Schon krass, wa?” Der Betreiber der Virtual-Reality Pleasure Box erklärte mir frenetisch was es damit auf sich habe. “Das macht das Erlebnis so echt wie sonst nix gerade auf dem Markt. Das ist wie richtiges Leben. Nur besser: Hier kannste die Tür zu machen und abschalten. Und Sex haben, den du willst. Ich find sowas sollte man selbst in der Firma anbieten, so als Mittagspausenspaßvertreib. Das ist genial.” Die Virtual-Reality-Pleasure Box als Tischtennisplatte von morgen, das war er also, der Fortschritt von Heute.
Die VR-Pleasure Box ist ein rechteckiger, hoher Kasten, den man verschließen kann, eine Art Kabine. Wie damals im Schwimmbad die Kabinen, nur dass man sich hier jetzt offiziell befummeln darf. Ein gemütlicher Sessel steht drin, das ist praktisch, für Mittagspause und für Porno, man kann sich zurück lehnen. Dann setzt man sich Kopfhörer und Virtual-Reality Brille auf. Gegenüber vom Sessel an der Wand ist ein Bildschirm, auf dem ist das Menü zu sehen. Man kann auswählen, es ist für jeden was dabei. Ob dir Sadomaso schmeckt oder Oma, die Industrie hat vorgesorgt. Durch Hingucken steuert man die Auswahl. Bleibt man zu lange auf einer Vorschau hängen, wird der Film in der Brille abgespielt.
Und das ist heftig. Immersion. Ich werde verschluckt und lande in einem neuen Raum, einem Zimmer. Da bin ich handlungsunfähig, obwohl ich mir alles so real vorkommt. Mit dieser Divergenz muss ich erstmal umgehen. Das Video ist Point-of-View, das heißt, mein Körper ist der der Darstellerin oder: ich bin die Hauptfigur. Ich gucke an mir runter und sehe Brüste, Bauch, Beine, ich liege auf einem Bett. Ich hab gute Brüste, denk ich. Ich will sie automatisch anfassen aber ich fasse meinen Pulli an. Natürlich bewegt sich mein Arm im Film nicht mit. Es ist trotzdem ziemlich überzeugend, ich denke immer noch ich bin in diesem anderen Raum. Dann kommt ein Typ ins Zimmer und auf mich zu. Muskulös und braun gebrannt, so ein Latino. Er zieht sich aus und spricht dabei mit mir, das ist gruselig, ich kann nicht antworten und will irgendwie auch nicht und fühle mich ausgeliefert. Ich schaue also an die Decke und auf den Nachtisch, bin neugierig, was es sonst noch so gibt im Raum. Ich schweife ab und denke, das ist jetzt echt cool: wo mein Blick hingeht, bestimmt tatsächlich was ich sehe. Dann drehe ich mich nach vorn und fahre verschreckt zusammen. Der Typ ist ein paar Zentimeter von meinem Gesicht, er will mir etwas ins Ohr flüstern. Die Grenzen verschwimmen. Man taucht ein in die Abbildung von etwas Vergangenen, das auf einmal wieder beliebig in Erscheinung treten kann. Der Film geht weiter, mein Körper stöhnt und ich selbst denke mir, das ist wirklich zu intim für mich.
Fürth
Die Händler des Wochenmarkts am Bahnhofsplatz breiten sorgfältig ihre Ware aus, es wird mit Produkten aus der Region geworben, mit Landwurstwaren und freiheitlichen Früchten. Ich kaufe mir eine Semmel bei einer mittelalten Verkäuferin mit grüner Schürze, die mein Essen mit bemerkenswerter Präzision in die dafür vorgesehene Tüte manövriert. Dann gehe ich langsam, ich bin zu früh, auf ein Hochhaus etwa hundert Meter vom Bahnhof entfernt zu.
Im Inneren des Gebäudes ist es auffällig still. Rote Geländer, rot gestrichene Einlassungen um die Schaufenster herum, aufgezeichnete, rote Blumen. Rot, rot, rot und ein bisschen gelb. Die Wände sind asphaltgrau und sie plumpsen fast auf einen drauf, so sperrig und drückend ist das Foyer konstruiert. Eine speckige Palme ruht in einer Ecke, ich frage mich ob sie aus Plastik ist, weil sie ja keiner gießen kann, wo keiner ist. Das einzig vernehmbare Geräusch ist das Surren und Klacken des veralteten Rolltreppengetriebe. Ich denke an Apokalypse, diese Stimmung mochte ich schon immer und setze mich auf die Stufen und höre nur das Klacken und Surren und denke über meine Fragen nach.
Ich treffe Bernd Römer. Er wurde in Hessen geboren, in Hernborn, wo die LWK's den Westerwald herunterfahren. Nach seinem Abitur studiert er Feinwerktechnik in Gießen. Er kümmert sich in den folgenden Jahren um die Hardware in Telefonen, entwickelt technische Ausweitungen für marktführende Unternehmen und reist viel. In den achtziger Jahren heiratet er, bekommt zwei Kinder. Römer erinnert mich an ein Konglomerat aus gutmütigem, fürsorglichen Franz-Walter Steinmeier und nerdigem Bill Gates. Römer liebt Technik und Römer findet Porno gut. Deshalb produziert er Virtual-Reality Pornofilme, als einer der ersten in Deutschland.
In einer Ecke, durch architektonische Verwinkelungen unscheinbar, liegt in dem Hochhaus das Fotostudio Colors of Erotic. Ein kleiner Rundgang durchs Studio, dann setzen wir uns auf einen Barhocker an einem Tresen im Raum. Römers monströser Bauch steuert seinen Körper, er zieht ihn etwas nach vorne auf dem Hocker, mit respektvollem Abstand zu mir. Seine Augen ziehen sich verhalten ins Gesicht zurück, denn seine Wangen sind sehr mopsig. Die Lippen hält er immer leicht geschürzt. Es ist wirklich ganz nett hier, in dem Studio, wieder so muckelig und plüschig, wie bei der Sextoystoreeröffnung. Ich beiße in die Semmel rein und höre Römer zu.
Durch eine Sendung von Jean Pütz wird er vor Jahren auf 3D-Technologien aufmerksam. Römer ist fasziniert: Wie kann man Wahrnehmung mithilfe von Technologie nachahmen, wie realitätsnah abbilden? Er besucht Fotografiekurse an der Volkshochschule, Akt taugt ihm besonders gut, er spezialisiert sich. Ein enger Freund ist Augenoptiker. Der Optiker wurde durch die Bilder des Raum-Bild-Verlags auf Stereoskopie aufmerksam. Da fotografiert man Objekte aus einem bestimmten Winkel heraus, so dass auf dem Bild ein räumlicher Eindruck entsteht, der physikalisch nicht vorhanden ist. Charles Wheatstone entwickelte 1838 das erste Stereoskop, ein heute antik wirkender Apparat, der erstmals binokulares Sehen ermöglicht.
Als die Technik so weit ist, beginnen Römer und sein Partner mit der Produktion von Virtual-Reality Pornofilmen. Gründung der eigenen Firma: CyberoticVR. Wortspiele sind beliebt in der Pornowelt, das weiß man. Aufstand in der Lederhose, Alfred Fistcok - Die Vögeln, Aus heiterem Pimmel oder Big Mama - Speckfalten in Wallung, um einige Beispiele zu nennen. Römer ist Regisseur, sein Partner Techniker. Die beiden sind penibel. Ihm und seinem Partner geht es vor allem um die Produktion hochwertiger 3D-Filme, die, durch Verwendung von Virtual-Reality Brillen, das Erlebnis so echt wie möglich erscheinen lassen sollen. Dadurch erhofft sich die Industrie eine Errettung aus der zunehmenden Bedeutungslosigkeit von Pornoproduzenten. Als Amateur ist die Herstellung von VR-Porn kaum möglich.
Die Hardware stellen führende Unternehmen wie Samsung und Google zur Verfügung. Oculus VR, ein weiterer Hardware-Entwickler, wurde 2014 von Facebook für 400 Millionen Dollar in bar und 1,6 Milliarden Dollar in Aktien aufgekauft. Diese Unternehmen werden in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass VR sich ausbreitet, die Technik kontinuierlich verbessern und Virtual-Reality Welten noch mehr Echtheit einhauchen.
Schritte im Vorhof der Stadt. Tropfen von der Dachrinne.
Bänke im Garten und Fensterbänke. Ein Kind weint. Es begehrt die Mutter.
An manch einem Fenster spielt Licht. Ein Glockenschlag folgt.
Es kann gut werden, ist einer zugedeckt:
Mit Buchstabenfolgen an Kühlschränken. Fröhlichen Betonungen an Wänden wie Milch. Aufziehfiguren und angelehnten Klinken.
Man kann zwischen Menschen wohnen. In Glanzlauben sanfter Arrangements.
Manche leben in Zwischenräumen. Spinnwebschächte ungeordneter Zuspitzungen verhindern Glockenschläge, dafür serviert man saure Milch.
Das fehlende Abwinken ungewollter Handschläge führt zu Unterhautrissen.
Oder es dienen Seidentücher zum Vortäuschen zärtlicher Gebärden.
Am Fußende der Stadt findet man keinen Schlaf. Männer und Frauen sinken vor ihrem Stammplatz nicht selten zu Boden und glucksten dabei aus dem Bauch.
Ihr Begehren findet seinen Weg nicht mehr.
An einem Fenstersims hält eine alte Dame die Pflanzenkübel aufrecht. Sie weiß: bei manchem Parkett verdorren Blumen in Pappe.
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„Bambambam.“ Ein Mädchen, an die vier Jahre alt, hält die Spielzeugknarre zwischen den fragilen Fingern. „Bambambam“ ruft sie. Die drei kahlköpfigen, hochgewachsenen Männer um sie herum lachen. Alle teilen sich ein Essen. Abwechselnd nimmt das Mädchen die Knarre und ein Handy in die Hand. Mal schaut sie dabei umher, dann begutachtet sie die Objekte aufmerksam. Sie hat ein Mondgesicht, mit hellen blauen Augen.
Es ist wenig los in der Bahnhofstube in Pristina. In einer anderen Ecke des Raums sitzen drei ältere Männer, bläulicher Dunst verhängt ihren Tisch. Sie rauchen um die Wette und trinken dabei Tee. Überall an den Wänden sind Holzfenster eingelassen, ansonsten sind die Wände kastanienbraun gestrichen.
Unser Essen kommt. Vier Chiwaphchichi für jeden. An der Wand zu unserer rechten hängt lässig nach vorn ein Fernseher. Die Nachrichten laufen, aber interessieren tut das niemanden. Die Moderatorin hat blondes Haar und Lippenstift aufgelegt. Sie spricht aufgeregt. Es folgt ein Schnitt, ein neues Bild: Gelangweilt aussehenden Männern wachsen Maschinengewehre aus der Brust. Wir ziehen unser Besteck aus einem Korb Weißbrot, das so groß ist wie Backstein. Das Essen schmeckt. Das Fleisch ist zart und der Salat scheint frisch.
Ich hab mich verschätzt. Die Scheinwerfer schmelzen mich wie ein Stück Butter auf dem Brett.
Ich zerlaufe in dem was ich tue, weil etwas, das abstrakt ist, mir befiehlt:
Etwas muss sichtbar werden, da ich Geld besitzen soll.
So flaniere ich durch eine Welt voller Codes, geschrieben von meinen Großeltern, Eltern, von Adenauer und von Goldman Sachs.
Und ich eigne mir die Codes mit Überzeugung an, weil sie Überleben sind.
Und sie beschreiben mich und ich vertusche.
Wie bin ich in diesem System eigentlich untergebracht?
Ich kann ohne Wert nicht sein, also:
Wurde mir ein Preisschild fröhlich an den Rücken getackert.
Es ist an mich gebunden wie ich an mich, mir wurde gesagt, dass ich darüber froh sein kann.
Und an jeder Ecke warten die Händler, meinen Wert zu schätzen.
creatio ex nihilo
Die Butter ist in das Brett zerlaufen.
Das Brett knallhart reduziert.