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Rednelak – Zeichen und Wunder
Nach dem dritten Mal war es nicht mehr wirklich unterhaltsam, keine Antworten zu bekommen. Rednelak schätzte Folter als Befragungsmittel wie jeder Sith und konnte mit der Macht noch einiges an Qual hinzufügen – von geistiger Gewalt einmal ganz abgesehen.
Und wenn der ... zu befragende Mitarbeiter – man konnte die Kälte imperialer Bürokratiebezeichnungen problemlos auch im Privaten anwenden – ebenfalls Machtanwender war, wurde aus einer einfachen Informationsbeschaffung oft ein berauschendes Kammerspiel von Dominanz und Unterwerfung in all ihren Stadien.
Aber, wie gesagt – es verlor seinen Reiz. Und die zakuulanischen Ritter waren schon von der Propaganda ihrer verrückten Herrscher so durchgekaut und ausgespuckt, dass es nur bei den renitentesten Exemplaren überhaupt Hoffnung gab, ihnen Informationen abzupressen.
Meistens endete es wie jetzt. Rednelak schenkte dem Ritter die Freiheit, in dem er ihn oder sie an sein Schiff band und sich wieder auf den Weg nach Hause machte. Üblicherweise starben sie schon beim Start, manche hielten bis zum ersten Beschleunigungsschub durch, die wenigsten hatten Gelegenheit, ihr in Flammen aufgehen bewusst zu erleben.
Knochen und Rüstung fielen dann beim Sprung in den Hyperraum ab oder spätestens beim nächsten oder übernächsten Start.
Aber trotzdem blieb das Ergebnis dasselbe. Keine Hinweise.
Seit sie aus der Gedankenfalle entkommen waren und Rednelak nun an einer verbesserten Replik dieses Weltenkristalls baute, war die Verbindung deutlicher geworden. Konnte er selbst in leichter Meditation Visionen von ihr empfangen. Sogar in alltägliche Dinge schob sich ihr Bild. Ein lachender, atmender Schatten, der im Kampftraining neben ihm stand, dessen Berührung er im Schlaf deutlicher fühlte als das Gespinst der Träume.
Im Prinzip natürlich angenehm.
Aber dann war sie verschwunden. Und die Visionen hatten sich verändert. Waren tierischer geworden, wild, monströs und ungezügelt. Und das nicht auf die Art, die Sith schätzten, sondern als eine Hinwendung zum Wahnsinn, der die letzte Bastion vor dem völligen Verlust des Ichs war.
Eine Zeitlang tat er nichts, weil Rettungsmissionen nie Teil ihrer Beziehung gewesen waren. Sie waren beide Krieger und es wäre beleidigend, den anderen mit einer Rettung gering zu schätzen.
Doch die Visionen nahmen zu. Wurden zu ständigen Begleitern in unbedachten Momenten. Ein Erwachen mit dem Geschmack von Blut im Mund. Plötzlicher, fast unkontrollierbarer Zorn.
Und dann ... die deutlicheren Bilder.
Weshalb er aufgebrochen war, sie zu suchen. Nicht, um sie zu retten. Niemand rief einen Lord der Sith wie ein Hündchen zu sich. Nein, nur um sich von den lästigen Erscheinungen zu befreien.
Er verbrachte die Stunden im Hyperraum in tieferer Meditation, als er je zuvor erreicht hatte. Griff in die Kälte zwischen den Sternen und suchte nach dem Funken, der die Verbindung herstellen könnte. Tauchte ein in die Wogen des Nichts und der Dunkelheit und verlor sich fast in dem Gefühl, körperlos zu sehen. Er sortierte die auf ihn einschlagenden Visionen, trennte Illusion von Realität und nahm hin, dass die Verbindung ihm Schmerz und Demütigung zufügte.
Tage. Wochen.
Nichts.
Zakuulanische Ritter, Piloten, Händler ... befragt und getötet. Kein Ergebnis.
Jede Nacht das Gefühl, am eigenen Blut zu ersticken.
Visionen, gesuchter und ungewollter Natur.
Und dann, irgendwann, als Datum und Koordinaten nur noch sinnlose Zeichen auf der Nav-Konsole waren ... der Funken. Greifbar. Der Geruch nach sterbender Vegetation und ein Blick in einen fremden Himmel. Und an diesem Himmel Sterne.
Wo Sterne waren, war ein Weg.
Ghurab - Botenjunge
Er fühlte es lange, bevor es akut wurde. Schüttelte es ab, hörte nicht darauf. Weil er es nicht wollte.
Stattdessen gab er sich ganz dem Training hin. Dem Gefühl, seine Muskeln zum Brennen bringen zu können. Bladeborn setzen den Körper oft über den Geist, vertrauen ihren Knochen, Sehnen, dem winzigen Moment der Intuition tief im Bauch, der vielleicht von der Macht gelenkt wird, vielleicht aber auch tiefer sitzt, dem Gehirn der Echse entstammt, die man vor Jahrmillionen war.
Stilles zählen der Liegestütze. Die Hände breit aufgestützt, um statt die Schultern den Bizeps zu fordern. Schweißtropfen, die auf dem staubigen Boden aufklatschten. Über ihm die sich wölbende Silberscheibe des fremden Firmaments. Monde wie Traubenbündel tief über dem Horizont. Dort, wo der gewaltige Bogen des Eisrings die Linie des Meeres durchschnitt.
Der kleine Mond weit im Outback der Galaxis war wunderschön. Eine träge Brandung, die nach den blanken Zehen schnappte, atmende Bäume mit silbriger Rinde, die sich entgegen des sanften Windes wiegten. Wie Edelsteine funkelnde Krebstiere, die bei Ebbe weit über den tiefblauen Sand huschten und die das Nexuweibchen mit großem Entzücken jagte und eimerweise fraß.
Und vor allem war dieser Mond abgelegen. Einer der Rückzugsorte des Ordens, den die Bladeborn aufsuchten, nachdem sie einen Auftrag ausgeführt hatten. Um sich wieder zu reinigen. Um wieder ihre Mitte zu finden. Möglicherweise um zu heilen und manchmal um zu sterben. Fast immer, um stärker zu werden.
Abgelegen.
Und trotzdem diese Präsenz.
Ghurab knurrte frustriert, sprang auf die Füße und schüttelte die Arme aus. Der Nexu, halb in der Brandung stehend, drehte sich um, zog fragend das riesige Maul noch mehr in die Breite. Der Sith hob einen handtellergroßen Krebs auf, warf ihn weit hinaus ins Wasser. Wie ein Hündchen schoss das ponygroße Raubtier hinterher.
Die Präsenz.
Kam näher. Nagte an den Rändern seiner Wahrnehmung und reizte ihn. Er war nicht gut in solchen Dingen. In der ganzen Galaxis gab es nur drei Lebewesen, die er klar und auch auf Entfernung wahrnehmen konnte. Und nur eines davon wollte er nicht töten. Und dieses eine war es diesmal nicht, außer es hatte gelernt, eine Interceptor zu fliegen. Nicht, dass er es ihr nicht zutrauen würde. Aber bei aller Hochbegabung war ein Pilotenschein mit nicht einmal sieben Jahren doch etwas übertrieben.
Er stapfte durch den weichen Sand zurück zu seinem Schiff. Er wollte sich bewaffnen. Nicht, dass es viel nützen würde.
Als er die Destiny’s Edge erreichte, war ihm schon klar, dass es zu spät war. Über seinem Schiff hing ein anderes am Himmel.
Ghurab blieb stehen und blinzelte, sträubte irritiert die Tentakel. Das passte nicht. Oder doch? Es war die richtige Schiffsklasse. Und das Schwert-im-Baum-Wappen der Karaz prangte in dunklem Rot auf der Hülle direkt über der Pilotenkanzel. Aber der Rest ...
Der Rumpf war mit archaischen Zeichnungen bedeckt – darin Ghurabs eigener Interceptor nicht unähnlich – doch war es nicht die Bildsprache der Sith, spitz und mit Messerklingen in jedem Strich, sondern sich windende Monster umschlangen die Steuereinheiten, breiteten sich über die Turbinen aus und fraßen Sonne und Mond auf den ausgefahrenen Landestützen. Jemand hatte Teile von zakuulanischen Droiden am Rumpf befestigt, verdreht und zerfetzt. Und ganz vorne eine ehemals goldene Rüstung, die Knochen ihres Besitzers geschwärzt vom Eintritt in die Atmosphäre, zerrissen von der Macht und der Erbarmungslosigkeit des Alls. Dies war nicht mehr das elegante, kühle Schiff eines bis zur Schmerzgrenze kaltgeschmiedeten Lords. Das war ein Racheschwur aus Stahl, ein Versprechen, Tod und Verderben zu bringen.
Unter all’ den martialischen Dekorationen war die Registrierung dennoch deutlich zu erkennen. Der Besitzer des Schiffes wollte nicht unerkannt bleiben. Sein Kampf wurde wieder mit offenem Visier geführt.
Die Rememberance. Das persönliche Schiff von Lord Rednelak Karaz.
Die Rampe an der Unterseite öffnete sich, die Hydraulik zischte und spuckte Nebel. Ghurab machte sich bereit. Die Rememberance war nicht gelandet. Die bullige Gestalt in schlichter, schwarzer Robe ließ sich die fünf Meter zu Boden fallen. Die schweren Stiefel drückten sich bis zu den Knöcheln in den Sand.
Auch der Lord war unbewaffnet.
Ghurab zog die Schultern hoch, nahm die Arme leicht zur Seite. Angriff oder Verteidigung. In einer anderen Ebene, als der, die wir mit den Fleisch-Augen sehen, stand der junge Reekbulle dem alten Drachen gegenüber.
Lord Rednelak blieb stumm. Betrachtete. Die gelben Augen wanderten ohne sichtbares Urteil über die Szenerie, schienen seinen jüngsten Sohn nur als Teil der Landschaft wahrzunehmen.
Ghurab biss an. Wie immer. „Was willst du?“
„Ratintias, tin’a“
Ghurab atmete tief ein. Ah, das also. So offiziell und gestelzt, dass der Alte sogar mit der Sprache der Vorfahren anfing. Uncharakteristische Vorsicht riet ihm dazu, mitzuspielen. „Ratintias, wisosûta.“
Lord Rednelak stellte noch ein letztes Detail klar: „Nu tsrizûtairiki j'us ra zûtaosini“, dann war der Formalität genüge getan – nicht, dass Ghurab der Aussage „Ich will dich nicht angreifen“ Vertrauen geschenkt hätte.
„Nochmal – was möchtest du ... Vater?“
Der Lord griff in seine Robe und warf ihm ein Datapad zu. „Du wirst zu Borraa gehen. Es gibt Spuren, die ich nicht ohne ihr Wissen weiterverfolgen kann.“
Ghurab betrachtete das Pad. Verschlüsselt. Natürlich. Zorn machte ihm die Brust eng.
„Und warum gehst du nicht selbst zu deinem Lieblingskind? Ach, ich kann’s mir denken. Du willst ihr nicht zu nahe kommen, weil sie es sonst sehen könnte.“ – „Droh’ mir nicht, Junge.“ Die Stimme des Lords war frei von Gefühlen. Wie immer.
„Ich drohe nie, Vater. Ich greife an oder nicht. Und jetzt greife ich nicht an. Ich stelle nur Fakten fest. Und ich glaube, ich bin ganz nah an der Wahrheit, nicht? Hey, ich verurteile dich nicht, jetzt sind wir uns doch das erste Mal richtig ähnlich, nicht w-...“ der beiläufige Schlag mit der Macht fegte Ghurab mehrere Meter und an den Stamm eines Mangrovenbaums. Presste ihm die Luft aus den Lungen und ließ ihm Blut aus der geplatzten Lippe tropfen.
Rednelak gab kein weiteres Zeichen seiner Verärgerung. Aber auch diese kurze Entgleisung zeigte mehr Emotion, als der Lord seinem Sohn gegenüber in den letzten anderthalb Jahrzehnten aufgebracht hatte.
„Du verbringst zu viel Zeit mit den Wilden, Vater“
„Geh zu Borraa. Gib ihr die Daten. Hilf ihr, falls sie dich benötigt.“
„Das werde ich nicht tun, der Orden-...“ – „Der Orden weiß Bescheid. Du wirst die Anweisungen deiner Oberen in den nächsten Stunden erhalten.“
Und damit war die herzliche Familienzeit beendet. Rednelak sprang anstrengungslos zurück auf die Rampe der Rememberance. Die Luken schlossen sich und die Triebwerke heulten auf, ließen Sandwolken vom Strand aufsteigen wie die Geister der Vergangenheit.
Drei Minuten später war es, als sei diese ganze Episode nur eine Illusion gewesen. Zu viel Sonne. Vergorene Früchte. Ein Sturz beim Training samt Kopfverletzung.
Wäre nicht das Datapad.
Ghurab ging zur Destiny’s Edge. Es würde bestimmt möglich sein, die Verschlüsselung zu knacken.
Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 14 – Gegen die Sonnen schauen
Es war nicht so, dass hier ständige Geschäftigkeit herrschen würde. Es war mehr ein allgemeines Warten, gefüllt mit gelegentlichem Kommen und Gehen. Einerseits war ihm das recht, da er noch ein wenig Ruhe brauchte, um die Schäden der Flucht von Nar Shaddaa auszubessern, andererseits war es etwas enttäuschend. Er war Romantiker und hatte als solcher ziemlich genaue Vorstellungen, wie eine heroische Rebellion ablaufen sollte. Und ein Haufen Mandalorianer, die anscheinend alle ihre Aufgaben hatten und diese gewissenhaft (soweit er es beurteilen konnte) erfüllten, war so unglaublich … normal, dass es nicht einmal im Ansatz an Romantik kratzte.
Aber er würde sich nicht beschweren. Immerhin duldeten sie ihn hier und halfen sogar mit ein paar Ersatzteilen. Also – keine Beschwerden darüber. Andererseits gab es das bestimmt nicht umsonst. Der halbwüchsige Mandalorianer, dem damals im Krankenhaus nur zu deutlich gedämmert hatte, dass er Lab nun einen Gefallen schuldete, als der Illjana den Ortungschip entfernt hatte, mochte dafür gesorgt haben, dass Lab sich nun in der Peripherie der Basis herumtreiben durfte – aber auf Dauer war das keine Garantie für irgendwas.
Und das Klima half auch nicht. Außer natürlich, dass man deswegen optimal untertauchen konnte. Niemand kam freiwillig nach Tatooine. Und niemand kam freiwillig genau hierher. Eine Basis mitten im Nirgendwo des Nirgendwos. Halb in den sonnengebissenen Fels vergraben und bevölkert nicht nur von Mandalorianern, sondern auch immer wieder von Freelancern am Rande der Legalität, die mit den Rebellen Handel trieben oder sich irgend etwas erhofften.
Lab legte sich auf der Matte zurück, justierte die Sonnenbrille und sah hinüber zur Blonde Pussy, die auf dem kleinen, abseits gelegenen Landungspad saß und herausstach wie ein blau geschlagener Daumen. Nach fünf Jahren Krieg waren die Schiffe der Mandalorianer auch nicht mehr das Neueste vom Neuen, frisch von Mandal Motors. In den Hangars und außerhalb sammelten sich umgebaute Frachter, gammelige Patrouillenschiffe, Fähren mit nachlässig übersprühten imperialen Hoheitszeichen und ein paar Bomber, die eindeutig republikanischen Ursprungs waren. Aber sein Schiff war das einzige im glatten Design der zakuulanischen Flotte. Auch das hatte dazu beigetragen, dass sie ihn hier duldeten. Als er sich identifiziert und die Flaks sich von ihm weggedreht hatten, hatten sich etliche der Basisbewohner am Landepad versammelt und lachend und mit Daumen-hoch gezeigt, wie amüsant sie es fanden, dass jemand die Eier hatte, den Zakuulanern nicht nur ein Schiff zu klauen, sondern es auch noch zu behalten. Mandalorianer schätzten solchen Bravado. Wenigstens ein wenig heroische Romantik inmitten der staubsatten Wüste.
Jenseits des zweikantigen Schattens des großen Schirms, unter dem Lab sein Lager aufgeschlagen hatte – in Gesellschaft einer Halde für ausgeschlachtete Skytrooper, die Mandalorianer ließen nichts verkommen – witschte ein weiterer Schatten über den Sand. Das Jaulen der Triebwerke machte ein paar hustende Aussetzer. Lab sah auf und seufzte. Er kannte dieses sehr spezielle, ziemlich altersschwache Turbinengeräusch. Da waren sie wieder. Das bedeutete, dass sie bald herkommen würden. Da sie aus irgend einem Grund dachten, einerseits für ihn verantwortlich zu sein und andererseits wohl einfach mit jemandem reden wollten, der mehr Geduld hatte, als so ein durchschnittlicher erwachsener Mandalorianer, der ihnen wahrscheinlich einfach ein paar aufs Maul gab, wenn sie ihn (oder sie) zu sehr nervten.
Nicht, dass Lab mehr Geduld gehabt hätte (obwohl … vermutlich doch) – aber erstens hatte er deutliche Vorstellungen über seine Chancen, wenn er die „aufs Maul“-Variante wählen würde und zweitens war es immer wieder erfrischend auf Leute zu treffen, die mit Sarkasmus nicht das geringste anfangen konnten.
Der Echsenaffe hatte das Schiff ebenfalls bemerkt. Mit einem missmutigen Lachen schnappte er sich die Holocam und schleifte sie über den Sand davon in Richtung der Felsen. Lab hatte keine Ahnung, warum der Affe in letzter Zeit ständig mit diesem Ding herumzog. Vermutlich legte er ein Fotoalbum für seine Familie an. Die nächste halbe Stunde würde er Lab aber nicht damit nerven. Der Affe hasste den großen, ständig sabbernden Akk-Hund, den die beiden Mandalorianerbuben immer im Schlepp hatten und der in Echsenaffen eine Art plötzliches Himmelsgeschenk-Kebab sah.
Tatsächlich dauerte es keine zwanzig Minuten, bis Lab irgendwo hinter seinem kleinen Sonnenzelt die übliche „… und dann hab ich gesagt …“ – „Echt jetzt!?! Ich hätt` gesagt …“ – „Ne, da sag ich also..“ -Konversation vernahm. Einzig ungewohnt war ein metallisches Klackern und ein Wischen, als würden sie etwas hinter sich herziehen. Lab war zu faul, sich umzudrehen. Er würde gleich erfahren, was sie dabei hatten.
Er öffnete die Augen, als die beiden Schatten endgültig zwischen ihn und die Sonnen gerieten. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit auf Bikini-Ladies zu hoffen hatte nichts gebracht. Statt dessen zwei spätpubertierende Mandalorianer mit schwarz-orangen Rüstungen, die Helme unter den Arm geklemmt. Ein braunhaariger Mensch und ein schwarzhaariger Zabrak. (Nicht zu vergessen ein hummerroter Akk-Hund)
Der Zabrak hatte eine riesige, nachlässig gefaltete Plane und Teleskopstangen dabei. Der Mensch trug eine offene Tasche, aus der Sprühdosen ragten. Beide grinsten wie irre.
Lab richtete sich auf, kniff misstrauisch die Augen zusammen. „Guten Tag … was kann ich für euch tun, an diesem überraschend sonnigen Nachmittag?“
Noch breiteres Grinsen, sich-mit-den-Ellbogen-Angestupse. „Also, wir war´n ´n büsschen unterwegs. Un´ dann war da das Arts-Centre auf…“ – „So war´s nicht! Erzähl´ richtig, vod!“ – „Ey, wills´ du vielleicht …?“ – „Na sicher! Besser wie du!“
Eine kurze, freundliche Prügelei brach aus, die Lab nutzte, um aufzustehen und sich etwas zu trinken aus dem Schiff zu holen.
Als er wieder nach draußen kam, war alles wieder im Lot (wie immer) und der Zabrak hatte damit begonnen, Teile der Blonde Pussy mit der Plane vor Flugsand und Staub zu schützen, während der Mensch schon eine Atemmaske übergestreift und die Spraydosen nach Farbton geordnet aufgebaut hatte.
Lab schwante Übles. „Moment, was soll denn das werden?“
Wieder strahlendes Grinsen. Man traf selten fröhlichere Wesen als entschlossene Mandalorianer. „Na, wir schenken dir ´ne richtige Noseart! Den Namen haste nämlich echt voll scheiße aufgemalt. Nix für ungut; is halt so.“ Energisches Schütteln der Farbe.
Lab wusste, wann Widerstand sinnvoll war und wann er einfach nur zu viel Energie kostete. Und da er das Schiff der beiden kannte, hatte er zumindest Hoffnung, dass alles ganz gut ausgehen würde. Er setzte die Simulation eines dankbaren Lächelns auf. „Großartig. Ja, das klingt großartig. Ich freue mich auf das Ergebnis.“ – „Dachten wir uns schon. Also, auf geht´s. Hey, Garrm … wie viele Beine hatte Illjana nochmal …?“ Wieherndes Gelächter, während Lab das Gesicht in den Händen vergrub.
Die Sonnen brannten unbeeindruckt Löcher in den Sand.
Ghurab - Katzenfutter
Das Schwierige war nicht, an sie heranzukommen. Nein, das war sogar erstaunlich einfach. Ein fast langweiliger Auftrag, den ich für den Orden ausführte. Nichts als ein wenig Rache. Kühler Zorn und strafendes Zuschlagen. Niemand tötet eine der Klingen, ohne zu bezahlen. Das Schwierige war, die Blecheimer zu bekommen, ohne dass sie in tausend Einzelteile zerfetzt wurden, damit man besser mit ihnen spielen kann.
(Nicht Tannan. Derzeit muss ich mich mit anderen verspielten Wesen herumschlagen.)
Aber von Anfang.
Vor einer Woche gab ich Tannan bei Skaara ab. Derzeit noch auf Onkel Ginyus Anwesen im Dschungel, wirkte der Miraluka aber so, als würde ihn im Moment alles fortziehen. Ich habe nicht nachgefragt. Ich vertraue ihm. Er wird meiner Tochter die nicht sichtbaren Wunder der Macht zeigen und sie dabei hüten wie … fast hätte ich „seinen Augapfel“ gedacht und das wäre nun wirklich absurd. Auf jeden Fall muss ich mir keine Gedanken machen.
In meinem Kopf steht die Vorbereitung auf das Opferritual des Togruta und ich sehne mich nach Ablenkung, um nicht jedes Mal in Zorn zu verfallen, wenn ich daran denke. Es ist eine ständig offene Wunde in mir. Ich sehe überlebensgroß, was vor mir liegt und es gefällt mir nicht.
Dass ich dann erfuhr, dass die Zakuulaner einen meiner Brüder aus dem Orden getötet hatten und ich dafür ausersehen war, Rache zu üben, passte mir. Es würde ablenken, mich fokussieren und auf meine Aufgabe hin erden.
Ich war vorher noch nie auf Felucia gewesen und von der überbordenden Natur sehr angetan. Der regentriefende Urwald, die moschussatten Gerüche und die tief im Boden widerhallenden Geräusche der Tiere berührten mich im Inneren. Vielleicht sollten ich einmal mit Meister Concabille und Tannan herkommen …
Nicht, dass diese kraftvoll-lebenspralle Umgebung für meinen Auftrag relevant gewesen wäre. Search and destroy, mehr gab es nicht zu tun.
Und, wie gesagt … es war fast zu einfach. Wie hatte diese überhebliche Frau in ihrer goldglänzenden Rüstung überhaupt einen der Bladeborn töten können? Vermutlich gegen den Wind angeschlichen und über eine Klippe geschubst.
Seit sie uns angegriffen haben, fühle ich nichts als Verachtung für diese Kultur, die ihre Bürger zu sabbernden Zombies macht und ihre Krieger zu hirnlosen Maschinen, die sich nur noch durch die ständig geblökten Propagandaphrasen von ihren droidischen Begleitern unterscheiden. Widerliches, wert- und ehrloses Pack.
Die Droiden … genau. Die Ritter sind selten allein unterwegs – noch etwas, das sie von uns Bladeborn unterscheidet – und auch diese hier hatte eine Eskorte von vier Metallfreunden dabei. Als ich sie sah, klang mir Borraas kratzige Stimme in den Ohren. Ihre Bitte, für ihre Schülerin (hatte sie nicht einen Schüler? Na, vermutlich hat sie ihn kastriert) noch fast funktionsfähige Skytrooper mitzubringen. Meiner Schwester einen Gefallen tun. Absurder Gedanke. Aber andererseits will sich Meister Concabille aus mir unerfindlichen Gründen bei meinem Vater beliebt machen. Und Vater neigt dazu, mich und alles, was zu mir gehört, mit etwas mehr Wohlwollen zu betrachten, wenn ich … nett zu Borraa bin. Also bekommt sie ihre verdammten Droiden.
Und hier kam ins Spiel, was mich eben doch nicht ganz zum Einzelgänger macht. Der Orden hat sich in den letzten fünf Jahren anpassen müssen. Unsere Zahl schrumpfte zu schnell und wir sind mittlerweile zu versteckt, um noch genug Rekruten zu finden. Doch unsere Pflichten nehmen auf Unterzahl keine Rücksicht. Also wurde diskutiert und beraten und man einigte sich darauf, die uralte Tradition von Kampftieren für uns wiederzubeleben. Helfer auf unseren Jagden. Mit den archaischen Regeln des Ordens vereinbar.
Weshalb ich nun seit anderthalb Jahren ein Nexuweibchen auf- und mittlerweile eher erziehe. Sie heißt Dis. Weil ich nicht vorhatte, mich an sie zu gewöhnen. Sie ist ein Problem, da sie sich nicht mit meiner Zeldrate versteht – schon als Dis mir noch nicht einmal bis zum Knie reichte, wollte sie die Echse angreifen, umgekehrt herrscht völlige Ignoranz – und ich so gezwungen bin, auf dem Rücken der Nexu in die Schlacht zu ziehen, anstatt auf der Zeldrate. Sie springt und klettert besser, ist aber unbequemer. Aber ansonsten ist Dis hilfreich, seit sie begriffen hat, dass es Freude bereitet, Skytrooper anzuspringen und zu zerlegen. Wenigstens einer von uns, der Spaß an den Blecheimern hat.
Aber genau diese Freude machte mir nun Schwierigkeiten. Wie gesagt – die Zakuulanerin zu töten war nicht wirklich herausfordernd. Sie finden es immer sichtbar amüsant, wenn man sie und ihre Lichtlanzen mit einer Vibroklinge angreift. Allerdings nie lange.
Die Arbeitsteilung, die sogar Dis recht schnell begriffen hat, ist immer die gleiche: Ich vermeide die Skytrooper und greife den dazugehörigen Ritter an. Dis darf mit den Droiden spielen, bis sie kaputt sind.
Dass der Nexu nun nicht verstand, warum ich diese Abmachung außer Kraft setzte, kann ich ihm nicht zum Vorwurf machen. Auch nicht, dass Dis dann dachte, ich wollte mitspielen, als ich die tote Ritterin achtlos gegen den Stamm eines der riesigen Pilzbäume schleuderte und daran ging, Skytrooper einzusammeln.
Nein, ich kann ihr nicht böse sein. Dennoch schmerzt die tiefe Krallenwunde an meinem Oberschenkel und das Zischen der zerbissenen Runen auf meiner Armschiene ist auch nicht gerade erbaulich.
Nach dem Kampf ist es bis auf das monotone Vogel- und Echsengeschrei still. Ein paar Blastereinschüsse lassen Rauchfäden von den Stämmen in den sporengeschwängerten Himmel steigen. Dis sieht ihnen hinterher, hat katzenüblich von einem Moment auf den anderen jedes Interesse an ihren Spielzeugen verloren.
Ich mache mich auf den Weg zurück zum Versteck der Destiny´s Blade. Als erstes Koltospray suchen, damit sich die Kratzer nicht entzünden. Dann schleppe ich die zerstörten Skytrooper an Bord. Und dann mache ich mich auf den Weg zu Borraa. Oder zu ihrem…r Schüler…in.
Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit, meine Schwester ein wenig zu ärgern, so lange ich der brave Bruder bin, der ihr so nett etwas vorbeibringt. So brav.
Ghurab - Vorbereitungen auf das Opfer
Die Stadt schläft tiefer als früher. Weniger Lichtpunkte in der Luft und in den Fenstern; kaum noch Schiffe, die schwer wie Wale über den Türmen hängen. Fast fünf Jahre, seit ich das letzte Mal hier war. Was hätte mich auch herziehen sollen? Der Orden ist dort, wo er gebraucht wird. Und derzeit wird das Imperium im Wild Space verteidigt, nicht auf Dromund Kaas. Außerdem machen wir uns rar, denn niemand soll auf uns aufmerksam werden.
Aber diesmal ging es nicht anders. Ich musste herkommen.
Ich trete auf die Terrasse des Penthouse hinaus. Schließe die Tür zum Schlafzimmer leise hinter mir. Es ist so früh, dass es fast noch spät ist. Am Horizont zeigt ein grauer Streifen den anbrechenden Tag. Ich gehe zur Brüstung und steige hinauf. Setze mich auf die kühlen Steine und lasse die Beine ins Nichts hängen. Unter mir nur der Sog der Leere, wie jedes Mal, wenn ich hier bin. Irgendwo vor mir im Dunkel ist das Hochhaus, das meiner Familie gehört. Oder gehörte. Auch am Vermögen der Karaz ging dieser Krieg nicht spurlos vorüber. Was will sie nur mit dieser Familie, warum will sie diesen Namen, gegen den ich mein ganzes Leben gekämpft habe? Es gehört zu den Dingen, die ich im Moment nicht verstehe.
Sie schläft noch. Unser Wiedersehen war wie immer … anstrengend. Auf gute Weise. Und wie immer war es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es ist eine Harmonie, die mich zornig machen sollte, impliziert sie doch, dass ich allein nicht vollständig bin. Macht mich dadurch unfrei.
Genau wie ich mich auch dieses Mal wieder für sie an eine Kette gelegt habe. Diesmal die dieses seltsam bleichen Togruta, dessen Gedanken in Schleifen zu laufen scheinen. Ihres neuen Meisters …
In meinem Kopf wachsen Worte, die ich nicht hören will und die trotzdem dort feststecken und aus dem Dunkel hervorbeißen. Wird Meister Concabille alt und unsicher? Sie hat sich schon wieder an jemanden gebunden, obwohl sie doch weiß, dass es zu nichts führt. Wir wollten immer frei sein, das Ende des Sith Code erreichen. Und dennoch sucht sie sich wieder einen Meister. Wozu? Die schwarzen Gedanken flüstern: Sie hat Angst. Sie erträgt es nicht, auf sich gestellt zu sein.
Es gab nie einen festeren Fels für mich. Sie war das Fundament, von dem aus ich emporstieg. Sie gab mir die Flügel, mich aufzuschwingen. Jetzt bin ich frei, diene nur dem Orden, den ich gewählt habe und der das ist, was ich immer gesucht habe. Nichts hält mich zurück.
Und doch sind die Ketten noch da. Die, die ich nicht abstreifen will. Weil ich nicht sein möchte wie der Rest der Familie. Die Kette zu Tannan, die in ihrem bisher fast nie benutzten Kinderzimmer schläft und vermutlich von den tausend Sorten Eis träumt, die sie gestern in einem Laden am Raumhafen gesehen hat. Und die Kette zu meinem Meister. Denn Loyalität ist ein Pfeiler meiner Ehre.
Ist es auch eine freiwillige Kette, die sie an diesen Togruta bindet? Ich kann es nicht verstehen. Sie braucht ihn nicht. Er hält sie nur zurück, ihrer Bestimmung zu folgen. Sie schuldet ihm nicht das Geringste. Aber es ist nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen.
Ein anderer schwarzer Gedanke erzählt von ihrer Besessenheit von Aroval. Der alte Darth ist schon lange nur noch ein Fleck vor einer Sonne und trotzdem kann sie nicht loslassen. Wie Puzzlestücke passen die Gedanken ineinander. Ihre Angst, auf sich gestellt zu sein. Sie greift nach alten und neuen Herren wie Tannan nach meiner Hand, wenn wir in unbekanntem Terrain unterwegs sind.
Nein, nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen.
Ich werde ihr helfen, dieses Ritual zu vollziehen. Werde ihr eine Stütze sein und ihr damit einen Bärendienst erweisen, weil ich ihr wohl nicht zutraue, allein nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
Wenn dies alles vorbei ist, muss ich sie wieder zu einem richtigen Kampf fordern. Muss Blut fließen, damit wir sehen können, wessen Band in der Macht stärker ist. Und dann wird sich zeigen, ob ich in der Lage bin, ihr die Angst zu nehmen. Ich bin ihr Schüler, aber es scheint, als müsste ich ihr zeigen, dass sie keinen Meister braucht.
Meine Gedanken gehören ihr. Ob ich das will oder nicht.
Ich ziehe die Beine auf die Steinbrüstung in einen Lotussitz und lasse mich in die einstimmende Atmung fallen. Ein wenig Meditation, dann ein wenig Training. Dann werde ich die beiden wecken – wenn Tannan nicht schon lange in unserem Schlafzimmer ist – und wir werden uns wieder trennen.
Ich muss mich vorbereiten. Auf das Opfer, das der Togruta fordert. Und ich muss Tannan in Sicherheit bringen. Bei Skaara kann ihr nichts passieren und sie werden vermutlich gemeinsam durch alte Jediruinen wandern, um Artefakte zu suchen. Vielleicht ein wenig moderate Lebensgefahr. Dennoch würde ich meine Tochter niemand anderem anvertrauen wollen, so lange der Meister und ich um das schwarze Loch herumtanzen, das Aroval gerissen hat und das sie anzieht wie Licht eine Motte.
Und bis der Togruta mich rufen wird, werde ich noch für den Orden kämpfen. Zakuulanische Ritter töten und vielleicht, wenn ich gute Laune haben sollte, auch für Borraa ein paar nicht zu zerstörte Skytrooper mitbringen. Natürlich nur um zu sehen, wie sie an ihnen scheitert.
Die Macht wird mich befreien …
Die Wege des Rächers, Teil 1 – A Bitch Ain´t One.
Zwei Drittel waren gut – aber bei weitem nicht gut genug. Die Zeit für halbe Sachen war vorbei. Und wie immer blieb alles an ihm hängen. Er musste das Schicksal mit sanfter Gewalt dazu bringen, sich zu seinen Gunsten zu neigen.
Glücklicherweise war das Schwerste schon vollbracht. Der Rest sollte zu schaffen sein.
Aber dazu brauchte es anscheinend mehr Material. Dass Menschen so schwer von Begriff sein konnten, wollte ihm nicht in den Kopf. Er hatte nun wirklich alle nötigen Hinweise auf möglichst diskrete Art (man konnte schließlich nie sicher sein, wer noch mitlas) an die Frau gebracht. Aber noch keine Reaktion.
Dass sie jetzt auf diesem staubigen Felsen festsaßen half natürlich auch nicht. Ach, warum waren alle immer nur so furchtbar kompliziert?
Er seufzte und sprang in Richtung des schon nach kürzester Zeit völlig vollgerümpelten Schlafraums. Auch das ein ewiges Problem. Ordnung halten. Wieso landete getragene Kleidung mit chirurgischer Präzision direkt auf dem Boden? Wieso schafften es leere Flaschen und abgegessene Pappteller nicht, ihren Weg in den Müll zu finden? Unverständlich.
Er wühlte in den Dünen aus Hosen und Hemden und fand schließlich, was er gesucht hatte. Holorecorder. Nicht das neueste Modell dafür ohne direkten Standortuplink. Das war wichtig. Damit man später seine eigenen Koordinaten hübsch ins Bild verschlüsseln konnte und ihr etwas zu rätseln gab.
Was sie aber zweifellos lösen können würde. Dann käme sie und alles wäre wieder so, wie es sein sollte. Aber dazu brauchte es erst einmal etwas Kooperation.
Er schnappte sich den Recorder und stellte ihn mit ein paar geschickten Fingerbewegungen auf Einzelbildaufnahme. Dann schlich er in Richtung der Nasszelle, von wo her Plätschern und eine eher unmusikalisch vorgetragene Version des derzeitigen Nummer eins Hits „My heart longs for a bothian woman“ verrieten, dass sein Opfer sich ahnungslos der Körperreinigung hingab. Sehr gut. Genau da, wo er ihn haben wollte. Das konnte praktisch nicht schief gehen.
Nun ganz ruhig. Er drückte den Knopf, die Tür glitt zur Seite. Sein Opfer war weiterhin ahnungslos hinter dem Duschvorhang. Gut, sehr gut. Eine natürliche, ungestellte Wirkung half der Botschaft immens. Er schlich sich an. Ein Schritt noch … sich vorbeugen, die Kamera im Anschlag. Nicht zu viel Zeit lassen, da sonst die Linse beschlagen konnte … ein Griff nach dem Vorhang … und … zur Seite reißen, Zielen, Abdrücken. Perfekt!
Und dann flüchten. Er hatte nicht viel Zeit.
Die Schrecksekunde. Dann ein „Was zum …?! Verdammtes Mistvieh, was soll der Scheiß!!?“ Ja, ziemlich genau eine Sekunde.
Er schoss um die Ecke in Richtung des Laderaums. Hinter ihm polterte es und ein sehr lästerlicher Fluch zeigte, dass sein Opfer sich mit Seife und Wasser recht unsanft auf´s Maul gelegt hatte. Dann Schritte. Schnelle Schritte.
Nun, nicht schlimm, sein Vorsprung war komfortabel und wenn er erst einmal aus dem Schiff war, konnte ihm nichts mehr passieren. Er drückte die Kamera an sich, hechtete durch das sich öffnende Schott und raste dann vom Schiff weg hin zu den Felsen. Erklomm sie mit der üblichen Geschwindigkeit und machte es sich dann auf einem kleinen Vorsprung in etwa fünf Metern Höhe bequem.
Sein Opfer folgte ihm, griff mit einer Hand an den Schottrahmen, um die Kurve zu bekommen, die andere Hand hielt ein Anstandshandtuch am Platz. Obwohl im Umkreis von zwanzig Klicks niemand lebte.
Er sah hochmütig nach unten, gönnte sich ein überhebliches Grinsen. Es war doch alles nur zu ihrer aller Bestem. Dass das niemand einsehen konnte.
Er bekam einen sehr, sehr finsteren Blick, eine halbgare Drohung „Mach das noch einmal, und du landest im Eintopf!“ und dann war er wieder allein und konnte sich der Fortführung seines Planes widmen.
Ein paar einfache Verschlüsselungen, dann war das Bild auf dem Weg. Zu ihr. Der, die hier fehlte, um das Leben wieder wie damals und damit perfekt zu machen. Die beiden, ein Schiff, Kriminalität. Und er.
Er war sich sicher, dass es funktionieren würde. Sein ausgiebiger Holonet-Konsum hatte ihn gelehrt, dass menschliche Frauen nichts so sehr schätzten, wie Bilder der Fortpflanzungsorgane ihres Männchens. Bei seiner Spezies lief das anders. Aber er bezweifelte, dass er Lab dazu bringen könnte, Illjana mit Obst und Kleintieren zu bewerfen. Also musste das Bild reichen.
Es würde sie anlocken. Ganz sicher.
Bonzo, der maskierte Rächer von Nar Shaddaa, Teilzeithaustier eines Mirialaners und wie alle Echsenaffen deutlich intelligenter, als der Rest der Galaxis gemeinhin annahm, drückte auf „senden“.
Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 13 – Nine to Five
Ein fremdes Land, die Vergangenheit. Zwei Jahre vor dem flüchtigen Zeitpunkt, der für uns das „jetzt“ ist.
Tief gesunken. Verdammt tief gesunken.
Lab schloss die Tür hinter sich, sah sich kurz mit angeekelt gekräuselter Oberlippe in dem Einzimmer-Appartment um, schloss dann die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Dass es nur noch aufwärts gehen konnte, wenn man ganz unten angekommen war, mochte eine nette Platitüde sein, doch hatte das nicht viel mit seinem derzeitigen Leben zu tun.
Er atmete tief ein, bereute das angesichts der überwältigenden Muffigkeit – hier hatten sogar die Schimmelflecken an der Decke ihre eigenen Schimmelflecke – und zog dann das Hemd aus der Hose, während er es aufknöpfte.
Möglichst zügig dieses Zeichen der Lohnsklaverei loswerden. Um es dann am nächsten Morgen wieder anzuziehen. Dezent hellgrau, mit hellblau abgesetzt. Die Farben der Ques-I-ven Evaluation, seines … verflucht, war das peinlich … Arbeitgebers.
Arbeit. Neun bis fünf.
Das Hemd landete auf dem klebrigen, leberbraunen Teppich und Lab ging zur Couch. Liess sich fallen und griff nach der Fernbedienung für das Holo. Kein Blick nach draußen, wo das, wofür er das alles hier auf sich nahm, auf dem abgesetzten, vollgemüllten Dachabsatz unter einer Plane der allgegenwärtigen Luftverschmutzung trotzte. Seit drei Jahren schon. Vielleicht hatte Garzo ja heute endlich das Teil, das Lab vor vier Wochen mit einer nicht unbeträchtlichen Anzahlung – und genauso beträchtlichen Drohungen – bestellt hatte. Aber irgendwie verlor er langsam den Schwung. Richtete sich in diesem erbärmlichen Leben ein, weil er nicht sehen konnte, dass sich Dinge veränderten. Jeder Tag war gleich. Aufstehen, zur Arbeit gehen, dort langsam verblöden, nach Hause kommen, schlafen. Aufgelockert durch ein gelegentliches Besäufnis mit den Kollegen in einer nicht zu teuren Bar. Aber selten, da seine Credits schließlich in das Ding unter der Plane gingen.
Aber wozu? Drei Jahre und es war kein Ende in Sicht.
Sein altes Leben schien ihm Jahrzehnte entfernt.
Mit der Blue Fire am Himmel über Nar Shaddaa vor drei Jahren in einer lautlosen Explosion vergangen.
Seit er dem Angriff der Zakuulaner auf das Kartell entkommen war, war es nur noch bergab gegangen. Sie hatten die Pink Turtle einkassiert (sein verdammtes Ticket aus diesem Höllenloch!), Illjana war mitsamt ihren Sithkumpels verschwunden (er wollte nicht glauben, dass die hässlichen weißen Blechfressen sie erwischt hatten … wie den ganzen Rest der Galaxis) und der Großteil seiner Kontakte war entweder getötet worden oder hatte sich abgesetzt.
Und irgendwie war es Lab dann gelungen, die sowieso schon beschissene Ausgangssituation noch beschissener zu machen. In dem er ein zakuulanisches Shuttle stahl. Damit eine sehr kontrollierte Bruchlandung auf einem zakuulanischen leichten Transporter hinlegte und dann mit eben diesem schwer beschädigten Schrotthaufen aus dem resultierenden Feuerball entkam.
Soweit war alles nach Plan gelaufen. Er hatte dieses neue Imperium richtig eingeschätzt – sie suchten nicht lange, sondern werteten den Frachter als Verlust, um sich weiter auf die Unterdrückung der Galaxis zu konzentrieren. Aber dummerweise war das Schiff beschädigter als geplant. Weit über Labs finanziellen Möglichkeiten.
Und das hatte seinen Abstieg besiegelt.
Er parkte das Schiff, auf dessen Rumpf nun der neue Name „Blonde Pussy“ prangte (er war sicher – Illjana hätte es so gewollt), auf einem Dach, mietete das Apartment direkt daran und war dann gezwungen, Geld zu verdienen, um die kaputten Teile des Antriebs ersetzen zu können.
Die unehrliche Tour funktionierte ohne Schiff nicht wirklich. Er war ein eher mittelmäßiger Kartenbetrüger und nach der Zerstörung der halben Flotte durch die Zakuulaner gab es auch keinen Mangel an Kriminellen ohne flugbereiten Untersatz; sozusagen ein schwer übersättigter Arbeitsmarkt.
Also biss er die Zähne zusammen und tat das, was er jahrelang erfolgreich vermieden hatte – legale Arbeit annehmen. Doch in der allgemeinen Rezession, die der Invasion gefolgt war, waren selbst zwei Doktortitel kein Garant für einen guten Job.
Schließlich landete er bei Ques-I-ven Evaluation. Einer zu groß geratenen Pfandleihe, bei der die verzweifelteren Ex-Reichen ihr Tafelsilber verscherbelten. Dort schätzte er Antiquitäten, schrieb Gutachten über Dinge, die eigentlich in Museen gehörten und langweilte sich das Hirn aus den Ohren.
Und irgendwie reichte das Geld hinten und vorne nicht. Die Blonde Pussy fraß gierig jedes neue (oder nicht ganz so neue) Ersatzteil und lag immer noch stumm unter ihrer Plane, statt ihren Besitzer zwischen die Sterne zu tragen.
Ein Symbol. Für ein vergangenes Leben.
Lab lehnte sich auf der Couch zurück, klickte sich durch die Holokanäle, bis er beim 25-Hours-Porn-Channel landete. Twi’lek Schwestern in finanziellen Schwierigkeiten, die ihre Handwerkerrechnungen nicht bezahlen konnten. Jap, damit konnte er sich identifizieren. Er legte die Fernbedienung zur Seite, zog die halbleere Taschentuchschachtel zu sich und öffnete den Gürtel.
… und hätte sich fast selbst sehr weh getan, als es in diesem Moment vor der Tür seines Apartments einen Schlag gab, als würde jemand einen Rancor gegen die Wand schleudern. Allerdings einen Rancor mit Prothesen, denn es klang sehr metallisch.
Mit einem unterdrückten Fluch, warf er sich von der Couch, zog aus einem Haufen ungewaschener Kleidung sein Blastergewehr hervor und kontrollierte die Energiezelle, während er zur Tür robbte und lauschte.
Nichts mehr. Lab stand auf, drückte auf das Kontrollpanel und rollte sich seitlich neben den Türrahmen. Dass er mit offener Hose und in einem graugewaschenen Unterhemd nicht eben bedrohlich aussah, war ihm völlig egal.
Die Stille blieb. Nur ein leises, irgendwie fragend klingendes Zischen von draußen.
Na gut, was es auch war – Lab würde jetzt seinen Standpunkt klarmachen. Zu was auch immer. Vermutlich dazu, dass jemand Metall an seine Tür warf.
Den Finger am Abzug hechtete er durch die Türöffnung und richtete das Gewehr in Richtung des Zischens. Das … hinter einem zerstörten Skytrooper erklang … den offenbar jemand mit … einem schweren Gegenstand zermatscht hatte … und dieser Jemand kletterte nun auf das verbeulten Chassis des Droiden und wirkte extrem selbstzufrieden.
Lab fielen fast die Augen aus dem Kopf. „Du??! Wie … du bist … ich habe gesehen, wie … Verdammte Axt, du bist tot! Solltest tot … sein … Und wie hast du den Skytrooper kaputt bekommen .. der ist dreimal so groß wie du …“
Der maskierte Rächer (denn er trug ein fransiges Cape und eine Art selbstgemachte Augenbinde) hielt ihm eine Tasche hin. Lab schlang sich das Gewehr über die Schulter und griff nach der Tasche. Sah hinein. Bekam große Augen. Credsticks. Viele. Credsticks. Der Rächer grinste, wozu seine Physiognomie sehr gut geeignet war und zeigte mit einem langen Finger durch das Apartment aus dem Fenster auf die Blonde Pussy.
Das war natürlich klar.
Lab erwiderte das Grinsen. „Yeah Baby, wir sind wieder im Geschäft!“
….
Jetzt. Der Punkt, den wir als „heute“ betrachten, während wir von der Vergangenheit in die Zukunft rasen.
Der zakuulanische Frachter schoss tief genug über die Dächer der Wolkenkratzer, um ein, zwei Antennen mitzunehmen. Hinter ihm ein ganzes Rudel Hutt-Sec Patrouillenschiffe. Und ein paar Air Turrets der Zakuulaner. Aus der offenen Frachtrampe der Blonde Pussy hing an einem Arm der maskierte Rächer und warf mit dem anderen sehr gezielt Schrott nach den Verfolgern. Eine armlange Verbindungsstrebe wurde in die Turbine eines Patrouillenschiffes gezogen und das Schiff wurde ruckartig langsamer, drehte sich unkontrolliert, während fettiger Rauch aus dem Antrieb drang. Der Rächer heulte triumphierend.
Vom Cockpit her brüllte Captain Lab „Lass den Scheiß! Mach die Tür zu, ich will hier weg!“
Ques-I-ven Evaluations hatten seine Kündigung heute nicht wirklich gelassen entgegen genommen. Was auch damit zusammenhängen mochte, dass er im Zuge seines Abgangs eine Kiste Artefakte mitgenommen hatte. Aber die verletzten Gefühle seiner ehemaligen Arbeitgeber kümmerten Lab nicht mehr. Das Schiff war besser als neu, sie hatten die Beute … die Galaxis stand ihnen offen!
Die Rampe schloss sich, der Frachter zog in einer viel zu schnellen und steilen Parabel in den Himmel, während der Computer den Sprung berechnete.
Wohin? Das war erst einmal nicht wichtig.
Lab lachte.
Ghurab - Verpflichtungen
Ich gebe die Koordinaten von Hand ein. Der Speicher des Navcomputers ist so leer wie immer seit bald fünf Jahren. Niemand, dem dieses Schiff mit seiner neolithischen Bemalung, die es wirken lässt, als hätten die ersten Sith es als eine Jagdgottheit verehrt, unbefugt in die Hände fällt, kann seine Wege zurückverfolgen. Eine unnötige Vorsichtsmaßnahme? Vielleicht. Immerhin gibt es die Bladeborn offiziell schon lange nicht mehr. Ausgelöscht von den unendlichen Wellen der Zakuulaner. Verschwunden von jeder Karte. Nicht einmal das Imperium weiß noch, dass wir existieren.
Aber wir sind da. Dort, wo wir immer waren. Auf unserem Mond. Mitten unter den Planeten und Systemen der braven Schafe, die sich unterworfen haben. Und tun das, was wir schon immer getan haben – den Kampf zum Feind tragen. Mit der Gewalt der Jahrtausende, archaisch und ein Blick zurück auf das, was die Zivilisation uns genommen hat.
Der Feind …
Es gab Diskussionen in unseren Reihen. Was ist der Feind? Natürlich die Jedi. Die, die schon immer versucht haben, uns auszulöschen.
Aber nun ist da auch der andere Feind. Der Feind, der die Jedi so mühelos vor sich hertreibt. Der Feind, der nichts ist als eine gesichtslose Maschine. Dessen entpersonalisierte Kriegsführung alles versinnbildlicht, was wir hassen. Dem Ehre fremd ist.
Also haben wir unsere Ziele vorübergehend angepasst. Niemand wird die Jedi auslöschen außer uns. Deshalb greifen wir nun die zakuulanischen Ritter an. Immer noch im Kampf Mann gegen Mann. Einzeln und zu unseren Bedingungen. Bis dieses blinde neue Imperium zu Boden gezwungen ist und wir uns wieder dem richtigen Krieg widmen können.
Wir arbeiten nun völlig unabhängig von jedem staatlichen Konstrukt. Der kümmerliche Rest des Sith Empire hat uns vergessen, hält uns für tot. Und das ist uns nicht unrecht.
Ich will nicht behaupten, dass der Kampf gut liefe. Wir haben viele Krieger verloren. Der Orden ist zusammengeschmolzen wie ein Schneefleck im Frühling. Aber es ist nicht das erste Mal in der Geschichte des Ordens, dass wir von einer sehr ungünstigen Position aus angreifen. Und wir sind nicht die einzigen, die sich gegen die Zakuulaner auflehnen. Hoffnung ist ein zu starkes Wort. Entschlossenheit passt besser.
Und neben meinem Job als Racheengel bin ich im Moment auch Babysitter.
In diesen Zeiten ist Tannan genau an zwei Orten sicher: Bei mir oder bei Meister Concabille. Wir sind beide recht paranoid, was sie angeht. Ihre Fähigkeiten wachsen mit jeder Woche, die vergeht und es wird immer deutlicher, dass das, was sie im Moment ihrer Geburt so besonders gemacht hat, beginnt, die Flügel auszubreiten. Wir müssen sie schützen. Also ist sie entweder dort, wo immer der schrullige Arbeitgeber des Meisters sie hinbeordert, oder sie kommt mit mir. An vorderster Front sucht niemand nach einem Kind auf der silbernen Linie zwischen Licht und Dunkelheit. Und niemand kann sie beschützen, wie ich es tue.
Schnelle Schritte, sie stürzt neben mich, umfasst mich an der Hüfte und strahlt nach oben. „Das ist soooo toll! Ich freu mich totaaal auf Atla!“
Ich blinzle einen Moment reptilhaft-verwirrt. Was …-
Das Com beginnt monoton zu piepen. Nur sehr, sehr wenige können mich hier erreichen. Die Frequenz macht mich zornig, sobald ich sie sehe. Die Voidwalker. Vater. Tannan hampelt begeistert neben mir herum. Anscheinend hat sie wieder Gedankenfetzen ihres Großvaters aufgefangen. Sie weiß, dass sie das nicht darf und irgendwann wird der große Drache sich umdrehen und den Kolibri mit einem Klauenschlag zerquetschen. Aber im Moment scheint er sie zu tolerieren. Warum auch immer.
Ich werde sie später disziplinieren. Jetzt bekommt sie nur einen strengen Blick, bevor ich den Comkanal öffne.
Das blaue Bild, das sich ins Leben zittert zeigt nicht Vater. Kein riesiger Schatten mit der kalten Präsenz eines Gletschers. Statt dessen – Nauras! Ich entspanne mich, lasse die emotionale Mauer fallen, die ich mir für die stetige Konfrontation schon aufgebaut hatte. Ich bekomme ein Lächeln. Niemand unserer Familie, der er so hingebungsvoll und bis zum letzten Blutstropfen loyal dient, hat ihn je lächeln sehen. Nur ich. Ich erwidere die Herzlichkeit. „Brolin …“ Bruder. Wir waren immer Brüder. Er neigt kurz den Kopf. „Bruder, du weisst, dass ich deine Sicherheit nicht ohne Grund mit einem Höflichkeitsanruf gefährden würde.“
Ich nicke. Auf den Punkt wie immer. „Schon klar. Vater schickt dich vor?“ – „Der Lord bittet dich darum, dass du die Herrin Borraa suchst. Sie ist … unerwartet verschwunden.“
Ich hebe überrascht einen Brauenwulst. Natürlich hat Vater Nauras gegenüber keinerlei Höflichkeiten verschwendet. Er hat angewiesen und der Rattataki packt diese Befehle in freundliche Worte. „Soll heißen ..?“ – „Niemand weiß warum und wohin. Aber ihr Schiff hat einen Tracker. Ich übermittle dir die Frequenz.“
Ah, man geht also schon davon aus, dass ich praktisch auf dem Weg bin. Diese Familie ist manchmal viel zu berechenbar. Aber ich bin neugierig. Und hätte nichts zu tun, als zur Basis zurückzukehren. Also gut, schlucke ich den Köder. Womöglich bietet sich auch die Chance, meine geliebte Schwester in Schwierigkeiten zu sehen, was immer eine Reise wert ist.
„Gehen wir einmal davon aus, dass ich sie tatsächlich suche … was soll ich tun, wenn ich sie gefunden habe?“ – „Herausfinden, was mit ihr los ist, denke ich.“
Ich muss lachen. „Sicher. Wir setzen uns zusammen, trinken Tee und betreiben Geschwisterbindung. Unsere Paradedisziplin!“
Auch von ihm ein leises, zurückhaltendes Lachen. „Das meine ich nicht. Ich glaube, der Lord ist davon überzeugt, dass eure Rivalität mehr zu Tage fördern kann als jede Empathie.“ – „Na großartig. Ich wollte schon immer Borraas Therapeut sein. Aber vielleicht ist es ja ganz amüsant, sie einmal mit Vaters Segen zur Weißglut zu bringen. Für das höhere Wohl, versteht sich.“
Er grinst mit schief gelegtem Kopf. „Das höhere Wohl … ja genau“
Neben mir flüstert Tannan durchdringend „Wir müssen noch Atla abholen.“
Nauras hebt die haarlosen Brauen. Dann schüttelt er den Kopf, auch er hat schon ein paar Mal Tannans Fertigkeiten in Aktion erleben dürfen. „Ja, Tannan. Du hast recht. Der Lord wünscht, dass ihr die Erbin mitnehmt. Ich treffe euch mit der Rememberance.“
Irgendwie ist wieder einmal schon alles klar. Wie so oft, wenn das Oberhaupt der Karaz etwas plant. Es geschieht dann einfach. Es macht mich jedes Mal zornig, aber derzeit bin ich nicht in der Position, diese ganze Sippe anzugehen. Also spiele ich mit. Und Borraas vermutete Schwierigkeiten sind natürlich ein gar zu süßes Bonbon.
Also nicke ich. „Wir sind auf dem Weg.“
Hinter mir rennt Tannan los, um im Schiff herumzupoltern und aus voller Kehle „Wir treffen Atla! Wir treffen Atla!“ zu singen.
Nauras lächelt wieder, als wir uns verabschieden.
Wieder einmal werde ich in das undurchdringliche dunkle Netz gehen, das Borraa um sich aufspannt. Ich werde wachsam bleiben.
Saqr - Flugratten
Saqr atmete tief ein, als er den Tempelkomplex hinter sich liess und die Stimmen des Cathar und des Twi’lek langsam im Umgebungsgeräusch des Dschungels untergingen.
Der in der Luft stehende Staub, die abgestorbenen Lianen, das leise Ticken fallender Steinchen. Alles an diesem Gebäude hatte ihn deprimiert und gelangweilt. Die bizarr-regelmäßigen Kristallformationen mochten für ein paar sekunden interessanter sein, boten aber nicht genug Anreiz, um ihn länger zu beschäftigen. Sollte sein Vater sich aufregen – ihm war´s egal. Er war, nicht anders als jeder in seiner Familie, ein Spezialist. Hochbegabt auf einem Feld, dafür reichlich uninteressiert an vielem anderen. Und der grauschwarz hinter ihm dräuende Tempel, dessen steingeschnitzte Mauern im unnatürlich gelben Licht eines heranziehenden Gewitters aufleuchteten, war definitiv „vieles anderes“. Nichts für Saqr.
Kristalle, Säulen, Steinstrukturen. Das schrie nach seinem Vater und Onkel Rednelak, nicht nach ihm.
Hier draußen hingegen … er sah zu Siqsa, die begeistert ins Freie gerannt war und nun eifrig zum Waldsaum trabte. Ja, hier draußen war es besser.
Ein scharfer Pfiff und der Kell-Schlupfling hielt inne, kam gehorsam zurück, die Hornstummel erwartungsvoll aufgestellt.
Nun, dann wollte er mal sehen, wie er an diese Furien-Vogelwesen herankam, die sogar Massassi zerrissen. Das sah nach einer guten Herausforderung aus.
Er schlenderte zum Platz des Massakers und studierte die Spuren. Die Vögel mussten zusammenarbeiten, um so große Beute zu schlagen. Wie es aussah – ein paar verwischte Flügelschlagspuren hier, ein paar Krallenstriche dort – tatsächlich Schwarmtaktik. Was bedeutete, dass er sie nicht frontal aufscheuchen durfte. Er musste sie einzeln und leise erwischen, sonst würde sich die Kolonie gesammelt auf ihn stürzen und das könnte verdammt eng werden.
Er grinste und knackte mit den Fingerknöcheln. Feldstudien und eine Jagd. Ja, das versprach doch weitaus mehr Spaß als ein nach alten Socken riechender Tempel.
Saqr sah sich um. Wohin könnten sie verschwunden sein? Er schloss die Augen, drehte sich langsam, suchte Fäden in der Macht, die noch zitterten. Eine angeschlagene Saite in der Melodie des Planeten.
Ah .. ja, genau .. dort! Er spürte ihre Unruhe, das ewige Gezänk im Schwarm.
Er machte sich auf den Weg. Nahm sich Zeit, sorgte dafür, dass die Tiere des Dschungels weder ihn noch Siqsa bemerken konnten. Schlich auf Armlänge an einem der seltsamen Pflanzen-Tier-Wesen vorbei, das auf einer Lichtung wiederkäute.
Nach einer halben Stunde war er unter der Baumgruppe, die dem Schwarm als Heimat diente. Der Abfall der Kolonie überzog den Boden. Der ätzende Mist hatte den Bewuchs getötet, Eierschalen und tote Nestlinge zogen Insekten an.
Siqsa starrte fasziniert nach oben, Speichel lief ihr aus dem Maul. Er gab ihr das Zeichen, komplett ruhig zu sein. Und hoffte, dass seine Erziehung des jungen Kell Früchte getragen hatte.
Dann suchte er sich einen der Vögel aus, der etwas abseits saß und offensichtlich zu keinem Nest gehörte.
Er ging ein paar Meter weiter in den Wald und begann, die Aufmerksamkeit des Raubvogels in der Macht einzufangen. Er zupfte an ihm, lies ihn sich ärgerlich bewegen und schließlich schaffte er es, dass die Furie mit einem ärgerlichen Zischen abhob. Ledrige Flügel klatschten und das große Tier ließ sich zwischen die Baumriesen fallen.
Der Rest der Kolonie achtete nicht weiter darauf, fuhr damit fort, sich anzukeifen, zu streiten oder sich zu putzen.
Saqr war ganz Jäger. Das Jahrzehnt bei seinem Stamm hatte ihn auf solche Situationen vorbereitet. Fast konnte er die Gischt des hundert Meter hohen Tidenhubs auf Thenebria riechen …
Nein. Fokus. Die Furie weiter anlocken. Näher … näher … näher ….
Jetzt!
Er schlug zu. Zunächst in der Macht. Funken sprühten von seinen Fingerspitzen. Dann mit dem Schwert, das summend in seiner hand zum Leben erwacht war.
Die Furie kam nicht dazu, zu kreischen. Ihre Krallen rissen ihm etwas Haut vom Arm – da fiel der Kopf schon mit einem dumpfen Schlag auf den Mulch des Waldbodens.
Saqr atmete aus. Grinste. Siqsa kam angesprungen, starrte auf das angerichtete Fleischbuffet.
Saqr lachte leise „Nein, Kleine. Noch ein paar Köpfe mehr für Vater. Dann darfst du essen!“
Wieder konzentrierte er sich auf die Kolonie. Diesmal etwas Herausfordernderes.
Ja, das hier war viel besser als der Tempel!
Nisr Karaz – Kopfsplitter
Der Mann, der nur Gegenwart war, griff nach der Schale aus gepresstem Zellstoff, die ihm über die Theke gereicht wurde. Sah sich den Inhalt neugierig an, verglich die rotbraune Stückigkeit darin mit dem über dem Laden angebrachten Werbeschild und kam zu dem Ergebnis, dass nur wenig Ähnlichkeit vorhanden war.
Hinter ihm wurde die Schlange länger. Aber wenn man deutlich über zwei Meter aufragte und Vibroklingen groß wie Echsenaffen trug, konnte man sich in der Regel bei Vielem Zeit nehmen. Er hielt noch ein wenig inne. Tunkte das Ende eines Metallfingers in die Soße und leckte es ab.
Der Rodianer hinter der Theke sah ihn nervös an, die riesigen Augen noch dunkler als gewöhnlich, angstgefärbt. Schweiß bildete sich unter den Antennen und holperte über die schrundige Haut in Richtung des speckigen Kragens.
Der Mann, der nur Gegenwart war, drehte sich zur Seite, ließ einen kleinen Credstick auf die Theke fallen. Deutlich waren die Markierungen des Kartells zu erkennen. Dann ging er zu einem der Plastiktische in den düsteren Tiefen der Fastfoodbutze hier in den mittleren Ebenen des stinkenden Mondes.
Systematisch und ohne großen Genuss begann er zu essen. Mechanische Handlungen halfen manchmal. Sorgten dafür, dass seine Gedanken Wege um die Sicherung in seinem Kopf, die die Finder eingebaut hatten, nehmen konnten.
Aber vielleicht war er doch noch zu angespannt, vielleicht war es nur der Ekel, den er vor seiner Umgebung empfand. Jedenfalls kam diesmal nichts zurück. Nicht einmal der Hauch eines Geruches, ein Lachen, ein Blick über die Schulter. Die Vergangenheit blieb leer und dunkel, erhellt nur von den Splittern, die sich viel zu selten in den letzten vier Jahren eingefunden hatten.
Er klaubte einen kleinen Fleischklumpen aus der Schale und warf ihn dem roten Horranth unter dem Tisch zu. Der Rodianer sah ihn kurz strafend an, aber nicht strafend genug, um nicht sofort wieder wegzusehen, als der Mann, der nur Gegenwart war, den Kopf in seine Richtung drehte.
Auch das war ein Splitter. Man fürchtete ihn. Hatte es schon immer. Und es lag nicht an seinem Äußeren. Die kybernetischen Arme, Beine. Die verbrannte Gesichtshälfte. Es lag an anderen Dingen. Aber sie kamen nicht zurück.
Er wusste, was er war. Er war Sith. Er konnte die Macht nutzen und nichts fiel im leichter als zu töten. Aber das war einfach gewesen, ein Blick in den Spiegel und dann ein Griff nach einem Datapad mit Holonetverbindung hatte gereicht, das herauszufinden. Aber sonst blieb die Leere.
Er hätte nach seiner vollständigen Genesung – Hah! vollständig! Wie denn, wenn nur noch die Hälfte seines Körpers vorhanden war? - zurück ins Imperium gehen können. Aber das Chaos dort war zu groß. Und was, wenn er zu hoch auf der Abschussliste stand? Wenn er nur zu seiner eigenen Hinrichtung marschieren würde?
Nein. Er musste von hier aus herausfinden, was hinter ihm lag.
An manchen Tagen schien es ihm, dass er es nicht musste. Nicht wollte.
An anderen war es ein Brennen hinter den Augen, das sich nicht ignorieren ließ.
Was war sein Wille? Und was war das, was das Implantat ihn denken ließ?
Natürlich war er den Findern dankbar. Die ihn aus dem brennenden Wrack gezogen und verarztet hatten. Die erkannt hatten, was er war. Und die vor allem Möglichkeiten gesehen hatten.
Aber diese Möglichkeiten waren mit Risiken gekommen. Es gab wenig effektivere Vollstrecker als Sith. Sie waren gnadenlos, unermüdlich und getrieben. Aber genau das machte sie zweischneidig und gefährlich – auch und gerade für die, die sie beauftragten. Deshalb hatten die Finder ihm das Implantat eingesetzt, als er noch bewusstlos gewesen war.
Das Implantat, das ihm Frieden geben konnte, wenn er Zorn wollte. Das Implantat, das ihn nicht auf seine Vergangenheit sehen ließ. Das Implantat, das die Ärzte der illegalen Klinik mit großer Ehrfurcht auf dem Holo betrachtet und ihm dann gesagt hatten, dass diese Technologie mit das Fortschrittlichste und Perfideste sei, das sie je gesehen hätten. Das Implantat, das niemand außer die Finder nutzen oder entfernen konnte. Und warum sollten sie es entfernen wollen?
So war das Verhältnis des Mannes, der nur Gegenwart war, zu den Findern ein Zwiespältiges. Sie hatten ihn gerettet, sie hatten ihm den Körper wiedergegeben. Aber sie hielten ihn fest.
Er würde sie töten.
Aber zuerst musste er weiter Splitter sammeln. Denn noch war es viel zu wenig. Alles, was er bisher gefunden hatte, war rinnender Sand zwischen den Fingern. Das Lachen einer Frau, ein Junge mit roten Haaren und roter Haut. Eine Tür im Dschungel Korribans. Das glatte Gefühl, wenn man mit den Fingern über die Navigationskonsole einer Interceptor strich. Keine Namen und das Gesicht des Jungen war nirgendwo zu finden. Nicht einmal sein eigenes Gesicht – das, was davon übrig war – war zu finden. Oder ließen sie ihn finden.
Der Gegner saß in seinem Kopf und ahnte jede Bewegung voraus, weil er es selbst war.
Der Mann, der nur Gegenwart war, hatte seine Mahlzeit beendet. Er stand auf und schnippte mit den Fingern. Der Horranth knurrte und schoss unter dem Tisch hervor an seine Seite.
Er hatte noch etwas zu erledigen. Jemanden zu erledigen. Der den Findern oder ihren Geschäften im Wege stand. Freiwillig wäre er auch nicht auf diesem Mond.
Während er sich ohne allzu viel Aufmerksamkeit auf seine Umgebung zu verschwenden durch die Menge bewegte, die die Geschäftsstraße dieses Ebenendistrikts entlangwogte, dachte er, dass er wieder einmal einen neuen Namen gebrauchen könnte.
In den letzten vier Jahren hatte er etliche ausprobiert.
Diesmal? Wie wäre es mit … Ramad. Ja, Asche.
Vielleicht war es diesmal der richtige?
Lord Rednelak – Unvertraute Gewässer
Vermutlich war das Seltsamste, dass diese fremdartige Gesellschaft so reibungslos funktionierte. Natürlich gab es ein klares Oben und Unten – eine herrschende Kaste. Was Rednelak gut hieß. Doch unterhalb davon herrschte eine fröhliche, absurderweise auch noch größtenteils diskussionsfreie Anarchie, die ihn verwirrte und ärgerte. Ein Sith liebte Strukturen – bevorzugt solche, die sich unter ihm erstreckten. Regeln mochten nur für andere gelten, doch dort waren sie ein integraler Bestandteil des Alltags.
Aber hier, inmitten dieses quirligen Durcheinanders, in welches die Gedankenfalle sie geworfen hatte, gab es praktisch keine Regeln. Gut, einige essentielle Konzepte wie Eigentum oder Familie waren zu erkennen – aber ansonsten wuselte das Volk umeinander herum, jeder sprach mit jedem und ein Kaufmann konnte so mächtig werden wie ein Adliger. Erschreckend demokratisch für eine feudale Welt. Und laut. Überall Lärm. Überall Gestank und Hektik.
Die Alor schien damit wenig Probleme zu haben. Sie glitt durch all das wie ein Fisch durch Wasser, blieb ruhig und schaffte es sogar, mit ein paar Scherzworten oder rüden Gesten, sich einzufügen und beliebt zu machen.
Rednelak hingegen blieb jeder sozialen Zusammenkunft fern, sagte wenig – wenn dies auch seinem normalen Verhalten entsprach – und verschwendete keinen freundlichen Blick an irgend jemanden.
Doch so sehr er sich auch separierte – die Unmittelbarkeit und Aufdringlichkeit der Gesellschaft ging ihm auf die Nerven.
Umso entspannender war diese Reise ins Innere der großen Wüste.
Eine Woche hatte die Reise vom Söldnerlager bis nach Hammerfell gedauert. Zeit genug, die ständige Nähe von Mitreisenden, ihre Neugier und ständige Teilhabe an allem ausgiebig hassen zu lernen. Er mochte umgeben von Sklaven aufgewachsen sein und auch den Großteil seiner Zeit auf den Familienanwesen in ständiger Gesellschaft von Unfreien verbracht haben – aber ein imperialer Sklave war ein Gegenstand. Ein ruhiger Gegenstand, der seine Meinung zum Privatleben der Herrschaft für sich behielt.
Anders diese geschwätzigen Menschen, Katzenwesen, Echsen, was auch immer. Die Kommentare zu jeder Lebenslage abgaben. Die morgens ein Grinsen und verschwörerisches Rippenstupsen tauschen wollten, wenn Eria wieder einmal zu laut gewesen war. Die Kochrezepte austauschen und ihre Brut zum "eben mal aufpassen" abstellen wollten.
Zum Glück waren sie nun tief genug in der Wüste, dass nur noch wenige Mitreisende unterwegs waren. Und heute würden sie sich auch vom Rest der Karawane trennen, um nach den Dwemer-Ruinen zu suchen.
Das tiefe Schwarz der kalten Wüstennacht begann sich langsam grau zu färben. Rednelak stand leise auf, zog sich den weiten Umhang über und schlüpfte aus dem Zelt ohne Eria zu wecken. Ein tiefer Atemzug, die Stille um ihn nur gebrochen vom leisen Gespräch der letzten Nachtwache am Feuer ein paar Zelte weiter.
Er bohrte die Zehen in den kühlen Sand und fühlte sich entspannt und gelassen. Schon seit die letzten Spuren der Zivilisation, die goldgedeckten Türme einer der Redguard-Städte an der Küste, hinter ihnen geblieben waren, hatte er es gefühlt – dieser Körper, den der Kristall ihm gegeben hatte, kam aus der Wüste. Lebte sie, atmete ihre backofenheiße Luft. Bewegte sich mit angeborener Leichtigkeit über den kochenden Sand. Rednelak hatte sich schon gedacht, dass dies der Fall sein könnte, als er die Karawanenwache gesehen hatte, deren fast schwarze Haut und scharf geschnittene Gesichter so sehr dem ähnelten, was er jeden Morgen im Bronzespiegel sah, wenn er sich rasierte.
Er hatte die Zeit genutzt, die sie sich langsam im Laufrhythmus der Kamele tiefer in die Alik'r bewegt hatten, um mehr über die Bräuche und Traditionen der Beduinen zu erfahren. Er hatte ihre Geschichten und Überlieferungen kennen gelernt, ihre Art sich zu Bewegen und ihren Umgang miteinander. Ein Sith lernte schnell. Tat er es nicht, war er tot. Und so hatte er sich Schritt für Schritt, Sonnenaufgang für Sonnenaufgang mehr in einen der Wüstenwanderer verwandelt.
Bis heute – dem Tag, an dem alles auf dem Prüfstand stehen würde. Sie würden jede Gesellschaft hinter sich lassen und allein dorthin gehen, wo jeder Fehler tödlich war. Wo ein stecknadelkopfgroßes Loch im Wasserschlauch Verdursten bedeuten konnte. Wo jeder Bissen Nahrung berechnet sein wollte. Eigentlich keine unvertraute Situation. Beide waren auch schon in ihrem echten Leben in unwirtliches Terrain vorgedrungen. Hatten auf Tatooine und Ilum überlebt.
Und dennoch – diese Körper waren zerbrechlicher. Und zusätzlich hatte Red ein seltsames Gefühl. Als sei die Alor in den letzten Tagen aus Glas gemacht. Zart und von seltsamer Verletzlichkeit. Er konnte nicht sagen, warum er so empfand und es beunruhigte ihn. Schlimmstenfalls war dies der glimmende Rest seiner Machtsensitivität, der ihn darauf hinwies, dass sie krank oder anderweitig geschwächt war. In dieser primitiven Welt konnte ein Virus oder eine einfache Infektion den Tod bedeuten.
Er musste die geringen Fähigkeiten, die ihn hier noch mit der lebenden Macht verbanden, besser zu beherrschen lernen. Es war durchaus möglich, dass die Veränderung der Alor und seine Reaktion darauf ein Teil des Schlüssels sein konnten. Und herauszufinden, ob er – anders als in der Realität – mit der Macht hier heilen, Zellen reparieren konnte.
Er sah zu, wie sich schmal und kalt der erste Schein der Morgensonne über dem östlichen Gebirgszug erhob. Die Kälte der Nacht griff noch nach ihm, er nahm sie dankbar an. Schon bald wäre die Luft selbst in den Lungen reine Hitze.
Den Umhang enger um sich ziehend schlenderte er zum Pferch der Tiere, um nach den Pferden zu sehen. Sie würden heute deutlich schwerer bepackt werden als die letzten Tage. Bis zu den Ruinen war es noch über zwanzig Stunden Marsch. Eine Tortur – aber notwendig.
Die Dwemer würden ihnen Antworten geben.
Lord Rednelak – Unter fremden Sternen
Er liess sich vor dem Zelt zu Boden sinken. Einige Muskeln meldeten sich mit dieser Art heftigen Brennens, das für den nächsten Morgen schmerzhafte Steifheit vorhersagte. Etwas, das dieser Körper eher zu fühlen schien. Das Training war nicht wirklich erschöpfend gewesen. Nichts, was er sich … zu … hause … nicht jeden Tag antat. Aber hier war es anders. Ob auch dies eine Methode des Kristalls war, ihn an seine Grenzen zu bringen? Ihm Zerbrechlichkeit zu geben, die er nicht gewohnt war? Ihm die Endlichkeit und den Tod vor Augen zu führen, auf eine Art, die seine Machtfülle und sein echtes Leben maximal karikierte ...
Mit einem unwilligen Laut schob er diesen Gedanken beiseite und begann, seine Rüstung zu reinigen.
Von weiter hinten im Lager hörte er Erias Stimme, die sich in einem Lachen über das Gemurmel der anderen Söldner erhob. Sie fügte sich gut ein. Überhaupt schien sie diese irreale Welt immer besser anzunehmen. Als trüge jeder Mandalorianer irgendwo tief in sich die Sehnsucht, zu den ältesten Wurzeln zurückzukehren - ein Taung auf Coruscant, lange vor dem Aufbruch zu den Sternen.
Wer war er, dies zu kritisieren? Niemand konnte so gut verstehen, was es hieß, sich nach Ursprünglichkeit zu sehnen. Nur galt sein Streben dem alten Blut. Zu leben wie seine primitiven Vorfahren, Adas´ Axt zu schwingen ... nein, danach stand ihm nicht der Sinn. Und doch hatte er genau das bekommen.
Aber vermutlich ging es genau darum - zu sehen, wie weit er gehen würde, um den Schlüssel zu finden. Nach hause zu kommen. Nach hause ... wo er nach Akiratis´ Tod eine Position erreicht hatte, die alles war, was er sein wollte. Nur noch eine Sache wäre zu erreichen - doch daran hinderte ihn noch der Krieg und die dadurch zerbrochenen Strukturen. Was bedeutete, dass er noch viel zu tun hatte. Außerhalb der Traumwelt.
Mit methodischen Bewegungen führte er den Putzlappen über die schlammverkrusteten Stellen der Brustplatte.
Es schien wirklich, als würde der Kristall Erias tiefste Wünsche nehmen und einen virtuellen Spielplatz daraus formen. Aber was war mit ihm? Was war mit Lord Rednelak, dem Patriarchen der Karaz-Familie, Führer der Seniai Qo? Was spiegelte die Gedankenfalle für ihn?
Er hatte in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht. Und nach und nach hatte es sich herauskristallisiert. Persönliches war für ihn noch nie gleichbedeutend mit Wichtigem gewesen. Er konnte trennen, konnte mühelos kalt und distanziert sein. Aber das, was die Jahre dieses letzten Krieges ihm angetan hatten, das, was sie ihm genommen hatten - das war nicht nur persönlich. Es hatte an den Grundfesten seiner Überzeugungen genagt und gebissen, wie eine lästige und beharrliche Ratte.
Doch jetzt bot ihm der Kristall auf eine höhnische, lockende Art eine Möglichkeit, diese Verluste ungeschehen zu machen.
Und ja, es war verführerisch. Ein Sirenengesang knapp über der Schwelle des Unbewussten. Irgendwann würde er ihm erliegen. Irgendwann würde er sich zurücklehnen und den Schlüssel vergessen. Irgendwann wären die primitiven Waffen alles, an was er sich noch erinnern würde. Irgendwann wären die weichen, ihn willkommen heißenden Arme der Alor, ihre warmen Schenkel um ihn geschlungen, alles, was ihn noch halten würde. Irgendwann hätte er sich an die Blindheit gewöhnt, die ihn mit nichts als winzigen Funken in seinen Händen zurück gelassen hatte.
Irgendwann ...
Dann würde die Verbindung erlöschen. Ihre Körper würden in einer Höhle dem Tod entgegen dämmern und nichts wäre mehr als diese Welt.
Und was, wenn das gar nicht so schlimm wäre? Nein. Dieser Gedanke kam vom Kristall.
Aber dennoch - er hatte in ihre Augen gesehen. Hatte die Zufriedenheit gespürt. Die Gelöstheit und Entspannung. Die Freude am Schmerz in den Muskeln, wenn sie trainierten. Ihr Feuer, wenn sie ihre Körper eins werden liessen.
Selbst wenn er heute den Schlüssel in Händen hielte, war er nicht sicher, ob sie ihm folgen würde.
Es gab also nur eine Möglichkeit. Er musste den Kristall von innen verstehen lernen. Die Traumwelt bewahren und begehbar halten. Selbst mit seinen normalen Fähigkeiten eine Aufgabe, die ihn an seine Grenzen bringen konnte. Und hier - so ganz ohne eine Verbindung zu allem, was Leben und Tod war? Wie sollte er anfangen? Es war, als müsste er ein vierdimensionales Puzzle lösen, von dem er selbst ein Teil war.
Wieder trug ihre Stimme zu ihm herüber ".. habe ich zu ihm gesagt, glaubt´s mir ruhig! ...", Gegröhle darauf.
Er musste es tun.
Während er den Panzer zur Seite legte und nach dem Lederöl für die Riemen griff, grinste er und schüttelte den Kopf. Eine selbstlose Tat! Wie weit war es mit ihm gekommen.
Er würde mehr Bücher brauchen. Denn in der Natur einer Gedankenfalle lag es, dass sie in sich selbst enthalten war. Also könnte er die Bau- und Schaltpläne, all´ die winzigen Elemente der Hexerei, die hineingeflossen waren, die Worte der Rituale und die Zeichen der Bindung, hier irgendwo finden. Und dann könnte er den Schlüssel benutzen, ohne sie zurückzusetzen.
Eine Tür, die in beide Richtungen führen würde.
Er wünschte, er hätte Zugriff auf seine Bibliothek. Aber statt dessen musste er wohl mit dem Wissen dieser seltsamen Frau vorlieb nehmen, die ihm - er schnaubte ein Lachen - "Unterricht" geben wollte.
Und sie würden in der Zeit, die sie nicht mit diesen Söldnern verbringen mussten, die Orte aufsuchen, die Macht sammelten. Pole des Lebens, der Zauberei und der Wissenschaft.
Keine geringe Aufgabe, die er sich hier stellte. Er wollte die Uhr nicht mehr anhalten - er wollte sie auseinander bauen, neu zusammensetzen und sie wieder und wieder aufziehen. Sollte es ihm gelingen, hätte er nicht nur das schönste Geschenk für die Alor - ein Universum in einem Kristall - sondern auch das elaborierteste Gefängnis, das je geschaffen worden war. Die Möglichkeiten waren schier endlos.
Aber ein Schritt nach dem anderen. Zunächst musste er sich an der Realität festhalten. Er durfte sich nicht verlieren, denn sonst würde er nicht einmal den Schlüssel finden können, geschweige denn die Pläne.
Er sah hinüber zum Feuer. Wo sie aufgestanden war, einen Bierkrug in der Hand und mit irgend jemandem diskutierte.
Sie durfte sich fallen lassen, eins mit der Kristallwelt werden. Rednelak würde für sie beide wach bleiben.
Er hob den Blick zum Himmel, wo die beiden Monde sich langsam um die Welt drehten. Er kannte schon ihre Namen. Genau wie den des Planeten.
Ein Anfang.
Lord Rednelak - Innenwelt
Als er die Seite umblätterte stieg der Geruch von Staub und gegerbter Tierhaut auf, winzige Partikel tanzten in einem der bunten Lichtstrahlen des verglasten Fensters. Von draußen drang das Gemurmel der Scholare herein und lenkte ihn ab. Er stand auf, schloss die Tür und kehrte zum Schreibpult zurück. Sein Finger fuhr über die Zeilen, bis er die Stelle wieder fand, an der er aufgehört hatte zu lesen. Wissen aufnehmen. So vertraut und doch so fremdartig.
Seit fast einem Monat waren sie in dieser Welt. Nein, das war falsch. Nicht in einer Welt. In einer Projektion, einer Gedankenfalle, einer Illusion und einem Traum. Von einer Komplexität, die er noch nie zuvor gesehen oder auch nur davon gehört hatte. Sobald sie den Schlüssel gefunden hätten und zurück in ihren Körpern waren, musste er diesen Kristall, der das alles ausgelöst hatte, genauer untersuchen. Er musste dessen Geheimnis ergründen und es sich zu Nutze machen.
Er schnaubte ein leises Lachen. Die Besessenheit mit dieser fremdartigen Siliziumstruktur war selbst jetzt noch deutlich fühlbar. Aber das war nur natürlich. Schließlich mussten sie den Schlüssel finden.
Jede Gedankenfalle hatte einen Schlüssel. Rein biologisch war sie so ausgerichtet, dass ein Trigger dafür sorgte, das Bewusstsein von der Es-Ebene wieder zum Ich zu befördern. Normalerweise waren die Trigger einfach konstruiert. Eine Meditation, welche die Alphawellen synchronisierte, eine Strukturwelle in der Macht, eine Frequenz des Denkens - all´ so etwas war möglich und dokumentiert.
Aber Rednelak bezweifelte, dass es in diesem speziellen Fall so einfach war. Denn noch nie hatte er von einer Gedankenfalle gehört, die eine komplette Welt simulierte. Ganz und gar überzeugend bis hin zum Geruch des Straßenstaubes, dem Gefühl des Windes auf der Haut und einer Vielzahl von Kulturen, deren Konflikte auf bizarre Weise das spiegelte, was außerhalb des Kristalles lag. Gar nicht davon zu reden, dass diese Welt sie zu einem Teil gemacht hatte. Einem Teil von Allem. Sie hatten Appetit auf die Speisen, die zum Kulturkreis der Körper passten, die der Kristall ihnen gegeben hatte. Sie hatten ihre Ästhetik angepasst – völlig unmöglich, dass er sonst damit zurecht gekommen wäre, wie ein Mensch auszusehen – und selbst ihre Kenntnisse schienen in die illusionären Muskeln geprägt.
Wenn Rednelak nicht genau aufpasste, übernahm dieses künstliche Ich seine Gedanken, ließ ihm die grobe, unansprechende Art des Kampfes, die diesem Körper die Muskulatur geformt hatte, als völlig natürlich erscheinen. Ganz davon ab, dass er sogar vergessen konnte, wie fadendünn hier seine Verbindung zur Macht war. Erschien es ihm am Anfang noch als sei er blind, taub und mit einem Tuch vor Mund und Nase unterwegs, hatte er sich mittlerweile fast daran gewöhnt. Gelegentlich konzentrierte er sich noch in einer tiefen Meditation, um das glitzernde Geflecht in allen Zellen wahrzunehmen und sich sein Potential ins Gedächtnis zu rufen … aber er fürchtete, dass der Kristall ihn bald auch das vergessen lassen würde. Ihn in ein Leben zwingen wollte, das nichts als Durchschnitt und grobe Gewöhnlichkeit war.
Nein. Das würde er nicht zulassen. Er würde den Schlüssel finden und sie zurück bringen. Beide.
Bis dahin schien aber die Aufgabe zu sein, sich anzupassen. Nicht aufzufallen. Und dazu brauchten sie Wissen, das ihnen in dieser Konstrukt-Welt weiterhalf. Rednelak machte sich keine Gedanken, dass ihre Körper in dieser Höhle auf einem abgelegenen Planeten des Outer Rim schon lange tot sein könnten. So funktionierten Gedankenfallen nicht. Sie arbeiteten mit der Geschwindigkeit von Neuronen. Was ihnen hier wie Tage, Wochen, Monate oder Jahre erscheinen mochte, war in der realen Welt nicht mehr als ein Wimpernschlag. Der Schlüssel …
Seit einer Woche hatte er sich wie ein gewöhnlicher Handwerker bei dieser Gilde verdingt, deren Mitglieder in dieser Welt die stärkste Verbindung zur Macht hatten. Zähneknirschend hatte er verborgen, was er noch an Potential und Fähigkeiten trug und ihnen das angeboten, was unverdächtig klang: Er bearbeitete die Runen und Kristalle, die hier als Speicher von Macht dienten. Im Austausch bekam er Zugang zur Bibliothek und eine geringen finanziellen Ausgleich. Es war sehr ernüchternd, ließ ihn aber nicht in Selbstzweifel versinken. Immerhin war hier nichts real und es war nur zu wahrscheinlich, dass die Gedankenfalle ihn mit genau so etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen versuchte.
Er verbrachte seine Tage damit, mit äußerst primitiven Mitteln Edelsteine zu bearbeiten, diese in Waffen und Rüstungen zu setzen – eine Variante dessen, was er so unendlich komplexer in der wahren Welt tat - und sich immer mehr in die Kulturen, den Glauben und die Philosophie dieser Konstruktwelt zu arbeiten. Und zur Nacht kehrte er in das winzige Zimmer über einem Kürschnerladen zurück, das sie sich im Gewerbeviertel dieser unruhigen, lauten, stinkenden Stadt gemietet hatten.
Die Alor hatte sich im Gegensatz zu ihm fast mühelos integriert. Sie hatte sich lose einer Gruppe von Söldnern angeschlossen, begleitete Karawanen, verdingte sich als Objektschützerin oder arbeitete als Leibwächterin. Ohne Anstrengung nahm sie das alltägliche Wissen auf. Lernte nicht aufzufallen und schien sogar auf eine seltsame Art zufrieden. Aber diese Beobachtung mochte falsch sein. Er konnte sie nicht mehr so deutlich lesen wie in der realen Welt.
Sie sprachen immer seltener davon, wie die physische Realität außerhalb des Kristalls beschaffen war. Für ihren Vermieter waren sie ein Redguard-Paar, das seine Heimat verlassen hatte, um Geld für die Gründung einer Familie zu verdienen, weil ihre Verwandten ihre Verbindung auf Grund des Altersunterschiedes nicht billigten. Und fast schien es, als wolle der Kristall sie dazu drängen, sich in dieser Lüge zu verlieren.
Er würde keinen Erfolg haben.
Rednelak markierte die Seite mit einem geflochtenen Band, schlug das Buch zu und erhob sich. Er griff nach der Schatulle mit den heute bearbeiteten Kristallen und Steinen. Sie summten leise und ein kurzes Glitzern huschte durch den Raum. Er lächelte. Zumindest reagierten sie auch hier auf ihn. Er ging nach draußen auf die Galerie und suchte Magister Parvulus. Er würde ihm die heutige Ausbeute geben und dann noch zur Schmiede gehen. Er arbeitete an einem Armschutz für die Alor. Damit ihr wenigstens hier der Verlust erspart bleiben konnte und diese Aufgabe erlaubte seinen Gedanken, sich zu vertiefen und zu wandern.
Auf dem Rückweg von der Schmiede würde er einen Teil seines heutigen Lohnes in Kartoffeln und etwas Käse investieren. Aus irgendeinem Grund mochten sie beide nun ein Gericht aus gebratene Kartoffelstücken, überbacken mit einer Sorte Käse, die es hier nicht zu geben schien, an deren Geschmack sie sich aber deutlich erinnerten, ohne ihn je gekostet zu haben. Eingepflanzte Erinnerungen. Fremdes Leben in ihren Köpfen.
Der Schlüssel … wie sollten sie ihn finden? Die Welt schien sich unendlich in jede Richtung zu erstrecken.
Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 12 – Fast zum Helden geboren
Krieg war nur von außen betrachtet immer unterschiedlich. Es gab verschiedene Motive, die "gerechte Sache", die "Notwendigkeiten" oder auch "Reinigung", "Wachstum" und natürlich den Klassiker "präventive Verteidigung". Steckte man hingegen mittendrin ging es nur darum, die Fanatiker, die Hasenfüße, die Rückgratlosen und all´ die anderen Geschmacksrichtungen von Soldaten davon abzuhalten, einen – oder, falls man ein echter Held(TM) war, andere Leute - zu töten.
Lab hatte sich nie als echten Helden gesehen. Aber er war ein Experte darin, Krieg aus dem Weg zu gehen und dabei seiner Umgebung zu helfen, das ebenfalls zu tun.
Dumm nur, dass dieser Krieg anders war. Tatsächlich anders. Von außen wie von innen. Republik und Imperium waren immer schon damit beschäftigt gewesen, sich gegenseitig an der Gurgel zu hängen. Selbst zu Zeiten des Vertrages von Coruscant. Die beiden Großmächte waren wunderbar berechenbar in ihrem Verhalten und ließen rund um sich gerade durch den Krieg eine üppige Biosphäre aus allerlei lichtscheuem Gesindel bis hoch zum Kartell und nahezu staatlichen Organisationen wie der Exchange gedeihen. Im Schatten der großen zwei lebte es sich gemütlich, wenn man wusste, wann man dem Ganzen besser aus dem Weg ging. Die Sith mochten sich unberechenbar, launisch geben – aber aus der Sicht der kriminellen Unterwelt musste man nur ein paar Regeln beachten und bekam ein hübsches Stück vom Kuchen ab.
Aber das hier … das war, wie gesagt, anders. Von den ersten Gerüchten bis zur Erkenntnis, das nichts mehr ging, hatte es keine drei Monate gedauert. Und mit diesem Gegner ließ es sich nicht listig argumentieren, man konnte ihn nicht schwindelig quatschen und es fanden sich einfach keine Ansatzpunkte. Die wenigen menschlichen Gegner schienen auf eine kalte Art noch fanatischer als die Sith und die Droidenarmee war strikter unter Kontrolle als jeder Astromech der Galaxis. Kurz: Diese Invasoren flößten Lab in ihrer leidenschaftslosen Effizienz eine Höllenangst ein.
Dennoch musste etwas getan werden. Weshalb der Captain nun zu einem Treffen diverser ehemaliger und aktueller Führer von unabhängigen Piratenbanden über Nar Shaddaa eingetroffen war. Er ignorierte das ungute Gefühl, das in seinem Magen rumorte und in seinem Hinterkopf in den höchsten Tönen schrie, dockte die Blue Fire an dem großen Huttenkreuzer, der als Versammlungsort dienen sollte, an und schlenderte betont unbesorgt durch die Luftschleuse hinüber.
Weit unter den Transparisteelfenstern erstreckte sich die lichtpunktübersäte Weite des Schmugglermondes. Noch weiter weg die brütend grüne Masse von Nal Hutta.
Seit acht Wochen hatte er nichts mehr von Illjana gehört. Er erlaubte sich nicht darüber nachzudenken, was das bedeutete. Sicher, die Navy des Imperiums bestand zum großen Teil aus rauchenden Trümmern und im All treibenden gefrorenen Leichen … aber Illjana hatte bisher immer einen bemerkenswerten Überlebensinstinkt bewiesen, weshalb es keine Grund gab zu glauben, dass irgendeiner der schneeweißen Droiden sie erwischt haben könnte. Nein, sie beide waren unsterblich, was man daran erkennen konnte, dass sie bisher noch nicht gestorben waren. Und das würde auch so bleiben.
Noch ein letzter Blick auf die anderen Schiffe, die sich um den Kreuzer scharten. Kampfgegerbte fliegende Resterampen neben bunt lackierten Luxusgondeln. Piraten gab es in allen Farben und Formen. Und erst diese neue Bedrohung brachte sie nun alle an einen Tisch. Die Kommandanten von Banden in Flottenstärke und die unabhängigen … Unternehmer (ja, viel besser als Con-Man konnte man ihn kaum beschreiben) wie Lab. Die schlaueren Hutten und die besorgteren Mobster. Es hatte fast etwas theatralisches.
Der Blick des Mirialaners streifte mit liebevollem Stolz die Blue Fire, deren gerade erneuerte Thruster das Licht von Nar Shaddaa grundfalsch spiegelten. Vielleicht hätte er etwas erhebenderes als "Ich muss echt mal den Mynockschiss von der Heckscheibe putzen" gedacht, wenn er gewusst hätte, dass dies sein letzter Blick auf sein Schiff sein würde. Aber was hätte das geändert?
Lab wendete sich ab und machte sich auf den Weg zum Konferenzsaal. Ein Schritt, zwei Schritte. Er kratzte sich am Ohrläppchen und überlegte, ob der Rodianer, der gerade aus einer anderen Luftschleuse trat, ihm Geld schuldete.
Der Ruck, mit dem sich das fremde Schiff einfach direkt auf der Blue Fire parkte, sie vom Docking abriss und in einem nach innen saugenden Explosionspilz in die Hülle des Huttenkreuzers trieb, riss Lab von den Füßen. Der Rodianer schoss durch das Loch, das die Hecksektion des Schrotthaufens, der vor drei Sekunden noch Labs Schiff gewesen war, in die Hülle gerissen hatte, ins Nichts hinaus, bevor mit einem schrillen Warnheulen die Notfallversiegelung griff und ein Kraftfeld vor dem Bruch erzeugte.
Noch bevor Lab sich ganz in den nächsten Durchgang geworfen und das Gewehr vom Rücken gerissen hatte, erbebte der ganze Kreuzer unter den Aufschlägen von Enterkapseln.
Wer tat so etwas? Direkt über Nar Shaddaa!
Dumme Frage, offensichtliche Antwort. Imperium und Republik waren fast am Ende, nun waren die Hutten und all´ die unorganisierten Kriminellen dran. Keine halben Sachen. Durch die Reste des Schotts, das eben noch zur Blue Fire geführt hatte, strömten diese unheimlichen weißen Droiden mit ihrem seltsam menschlichen Aussehen, das sie noch viel furcht erregender machte. Dämonen aus pädagogisch nicht wertvollen Kindergeschichten.
Lab war augenblicklich klar, dass er nur eine Chance hatte – unwichtig sein, ungesehen sein. Und dann laufen wie die Hölle. Hier konnte er niemanden retten (nicht, dass er das gewollt hätte, aber manchmal hatte er seltsame Anwandlungen von heroischem Irrsinn) … mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht einmal sich selbst, wenn er nicht scharf aufpasste.
Er liess sich zu Boden fallen, zog ein Stück Schrott über sich. Tot stellen funktionierte bei Droiden nicht – aber mit Glück (und auf etwas anderes als Glück konnte man hier nicht vertrauen) wähnten sie ihn kampfunfähig und ließen ihn liegen.
Er hörte gleichförmige Schritte näherstampfen. Noch näher. Er sah die geriffelten Fußerweiterungen der weißen Monster direkt vor seinem kleinen Refugium auftauchen. Augen schließen, an nichts denken. Ein Kinderreim. Die Monster können dich nicht sehen, wenn du sie nicht siehst. Lauf, kleiner Mirialaner, lauf. Nein, lieg still. Ganz still.
Noch ein metallischer Schritt. Lab hörte das Rauschen des Blutes in seinen Ohren so laut, dass die Droiden doch eigentlich davon taub werden müssten … noch … ein ... Schritt.
Blasterfeuer von weiter hinten im Durchgang. Geschrei auf Huttese. Der Droide wendete sich ab. Marschierte den Gang hinunter. Lab konnte das Surren hören, als sich sein Gewehr auflud.
Warten. Geduld haben. Auch wenn jede Faser seines Körpers ihn wild brüllend zum Aufspringen und panisch Wegrennen aufforderte. Warten. Zehn Herzschläge, zwanzig. Keine Droiden mehr zu hören. Mehr Blasterfeuer. Schmerzensschreie. Wutgebrüll.
Jetzt oder nie.
Lab warf das Schrottstück von sich, rappelte sich auf und rannte den Gang hinunter. Vorbei an einer langen Reihe leerer Enterkapseln, deren Hydraulik noch leise murmelte und zischte. Endloser Gang, das. Einfach immer weiter. Und jeder Schritt brachte ihn noch mehr in Gefahr, diesen Angreifern in die Hände zu laufen. Aber das Glück der Unehrlichen hielt. Die Energie der Hecksektion versagte schon, die Kälte des Alls kroch durch die Haut des verwundeten Kreuzers, als Lab im Rot der Notbeleuchtung einen Cluster von drei Rettungskapseln fand. Eine gezündet, eine offenbar defekt und eine unbenutzt – ein stummer Dank an alle Mächte, Ahnen und Götter!
Hektisch öffnete er die Luke, sprang hinein und startete den Entkopplungsvorgang. Durch das kleine, runde Fenster an der Front sah er noch andere Kapseln das Schiff verlassen, wie die kleinen Propellersamen den alderaanischen Löwenzahn im Frühsommer. Keine wurde beschossen. Den Angreifern waren sie völlig egal. Und das machte alles irgendwie noch viel schrecklicher. Es ging ihnen also darum, Zeugen zu hinterlassen, die das Entsetzen weitertragen konnten. Und das bedeutete, dass diese Droiden und ihre goldgerüsteten Herren nicht auf einem kurzen Raubzug waren. Nein, sie waren gekommen, um zu bleiben. Und wollten ihre neuen Untertanen von Anfang an so mit Furcht erfüllen, dass niemand an Widerstand denken würde.
Lab setzte den rudimentären Autopiloten der Kapsel auf Kurs direkt nach unten, nach Nar Shaddaa. Im Dschungel des Stadtmondes war vielleicht noch irgendetwas möglich … irgendetwas.
Als das Fenster sich im taumelnden Sinkflug langsam wieder nach oben drehte, konnte Lab beobachten, wie der Huttenkreuzer auseinanderbrach. Die angedockten kleineren Schiffe wurden von der lautlosen Explosion erfasst und zerrissen zeitlupenlangsam. Über dem Himmel von Nar Shaddaa brannte alles, was noch unabhängig und frei gewesen war.
Als ihm bewusst wurde, dass der nutzlose, lästige Echsenaffe noch an Bord der Blue Fire gewesen war, spürte Lab Tränen des Zorns seine Wangen hinunterlaufen.
Khalb – Wunderhunde
Die Hitze hatte den Felsen im Laufe der Jahrtausende mit einem Netz aufgesprungener Spalten überzogen, manche davon groß genug, dass sie menschlichen Fingern Halt boten. Unter dem gleichgültigen Licht zweier Sonnen fiel ein Tropfen Schweiß in vierzig Meter leerer Luft nach unten. Zerplatzte auf hartgebackenem Sand.
Nichts als seine Fingerspitzen hielt ihn davon ab, dem Fall des Schweißtropfens zu folgen. Trotzdem dachte er nicht darüber nach. Niemals. Wenn man in einer Felswand hing, waren die Gedanken auf anderes fokussiert. Khalb atmete ruhig und regelmäßig, pendelte den Körper aus, holte Schwung und bat die Schwerkraft, für den Bruchteil einer Sekunde in eine andere Richtung zu sehen. Dann spannte er sich an, der ganze Körper eine Feder, und liess eine Hand los, griff um, bevor er fallen konnte.
Er packte zu und zog sich nach oben. Ein kleiner Absatz an der Seite des von Wind und Zeit aus einem alten Massiv gefrästen Felsbogens. Khalb lehnte sich an, verschnaufte etwas. Dann griff er nach dem kleinen Sender in seiner Gürteltasche und machte sich daran, ihn in einer der kleinen Spalten zu befestigen.
Sein Helmcom meldete sich mit einem leisen Knacken. Eine tiefe Stimme vom hinter einem der Monde dümpelnden Schiff.
"Bakrinr, cuyir gar ogir su?"
Khalb schnaufte genervt. Immer diese Hektik! Klar war er schon da. Langsam könnten sie ruhig mal glauben, dass er überall hochkam.
"Be buskra'amtu ni cuyir ogir" Natürlich.
Im Hintergrundgeräusch der Konversation hörte er Slagathor keifen und knurren. Sie hatte seine Stimme gehört und tobte nun wohl auf der Suche nach Herrchen durchs Schiff. Dass sie das Prinzip von Coms nicht begriff, war vielleicht ganz niedlich gewesen, so lange sie noch ein winziger Welpe war. Aber ein ausgewachsener, auf Schutz und Suche trainierter Akk konnte ziemlich viel Verwüstung anrichten, wenn er es darauf anlegte.
Ein Krachen weiter weg vom Com. Etwas schepperte. "Tahla'ada pe'nr, ni kyr'amur gar!!!!" Okay, das war zu erwarten gewesen.
Khalb murmelte zu sich selbst "Könnt' meinen, dass man so ´n Hund mal für ´n paar Stunden hüten kann, ohne dass se ausrastet … ". Er drehte die interne Lautstärke hoch, so dass er im Schiff laut zu hören war, auch wenn er hier auf dem Planeten nur flüsterte. "Temya'r, b'ami'r! Ni malyasa'yr cuyir norac catnat!" Das liess den Krach sofort verstummen. Sie glaubte ihm. "Bleib! Ich bin bald da" war in der Welt des Hundes mehr als Gesetz, es war eine unverrückbare Tatsache direkt neben der Gravitation.
Dann schaltete er das Com auf stumm und machte sich daran, das Abhörsignal zu justieren. Die Daten, die das kleine Ding liefern würde, könnten der Rebellion helfen herauszufinden, was die Zakuulaner hier auf Tatooine trieben. Und sobald man mehr wusste, konnte man zuschlagen.
Zuschlagen – aber vermutlich ohne Khalb, der dann schon auf irgend einem anderen besetzten Planeten nach den Goldköpfchen und ihren Blechgefährten Ausschau halten würde. Die Alor hatte schon früh erkannt, dass seine Stärken in der Aufklärung lagen. Man konnte ihn unbesorgt mit nichts als seinen Blastern (und meistens Slagathor) auf einem Planeten absetzen und ein paar Tage später tauchte er mit jeder Menge Informationen wieder auf. Seine Zeit als Großwildjäger hatte ihn optimal auf solche Missionen vorbereitet. Das zusammen mit seinem natürlichen Klettertalent und dem imperialen Infanterietraining hatte ihn bisher von jeder Aufgabe lebend nach Concordia zurückkehren lassen. Jäger … er vermisste Garrm! Aber Krieg war Krieg und man konnte nur selten zusammen unterwegs sein. Sobald die Zakuulaner mitsamt ihren Droiden Geschichte waren und der Mandalore wieder andere Prioritäten setzte (oder vielleicht zur Abwechslung die Clans mal etwas von der Leine liess!), würden Garrm und Khalb wieder Drachen jagen. Und Wraids. Reeks. Gundarks. Alles, was groß und möglichst wehrhaft war. Das war das Leben, wie es sein sollte! Aber bis dahin …
Vorsichtig spähte er über die Kante seines kleinen Felsvorsprungs. Der heiße Wind zerrte an ihm und weit über ihm zog irgend ein Aasvogel seine Kreise in der Thermik.
Die Zakuulaner und ihre Skytrooper waren von hier oben nur winzige, spiegelnde Punkte. Es war eine ärgerliche Machtdemonstration, dass sie ihre Rüstungen immer so glänzend hielten. Als sei es völlig belanglos, wer sie sehen konnte. Angeberische Bastarde. Dass die mando'ade aus genau dem selben Grund ihre (sicherlich nicht glänzenden!) Rüstungen bunt bemalten, war in Khalbs Augen natürlich etwas völlig anderes.
Noch ein paar letzte Handgriffe und der Sender war bereit. Das unerbittliche Klima des Wüstenplaneten würde ihn zwar in weniger als einem Monat unbrauchbar machen, aber zu diesem Zeitpunkt hätte der Widerstand schon alles an Informationen, was sie brauchten.
Khalb drückte den kleinen, abgesenkten Knopf an der Seite des Gerätes und verschloss es mit der sanddichten Abdeckung.
"Narir gar pabida dayesr?"
"'lek"
Sehr gut. Das Schiff empfing Daten. Zeit für den Abstieg. Er befestigte einen Magnethaken und hakte den Karabiner ein.
Während er sich konzentriert auf der vom Lager der Zakuulaner abgewandten Seite des Bogens nach unten schwang und hangelte, war er von der üblichen Zufriedenheit erfüllt, die sich immer nach der Erledigung eines Auftrages für den Widerstand einstellte. Mochten ihre Schiffe denen der Eternal Fleet auch unterlegen sein – sie hatten so viel, was dem Eternal Empire fehlte: Mut, Kreativität, Zusammenhalt, eine seit Jahrtausenden auf Kampf ausgerichtete Kultur. Sie würden gewinnen. Und mit etwas Glück wurde man in diesem Prozess Imperium und Republik auch gleich los!
Also so im Ganzen gar keine schlechten Aussichten.
Rednelak – Asymmetrisch, Teil 2
Als die Interceptor auf dem Hochplateau aufsetzte und die Landestützen sich unter dem Gewicht des Schiffes einige Zentimeter absenkten, war Rednelak schon umgezogen. Keine Rüstung – eine schlichte, schwarze Robe über einem kurzärmligen, lose über eine weite, in hohe Stiefel gesteckte Hosen, hängendem Hemd. Ein Gegensatz zur eleganten Opulenz, der goldsprühenden, verzierten Aufmachung der Zakuulaner. Rednelak glaubte an die Werte seiner Welt. Harte, klare Linien, Dunkelheit.
Er nahm sein Schwert, befestigte es am Gürtel und verließ das Schiff. Hinter ihm kamen die Mechaniker, suchten nach Schäden und führten die Routineinspektion durch, die jedes der Schiffe bekam, wenn es von einem Einsatz zurückkehrte.
Der Lord sah in den hellen Himmel, ein Flugechsenschwarm schwang sich von einer Baumkrone zur anderen.
Immer noch amüsierte ihn die Ironie. Nach fünf Jahren immer noch. Natürlich behielt er seine persönlichen … Verhältnisse für sich. Er war in erster Linie ein Lord der Sith. Seine Beziehungen waren nichts, was etwas in der Öffentlichkeit zu suchen hatte. Er schützte damit die, die ihm nahestanden. Und sich selbst, da sich ein Lord nicht angreifbar machen sollte.
Für sie jedoch war es vor dem Angriff des Eternal Empire anders gewesen. Zwar eine Clansführerin war es doch trotzdem nicht von belang, mit wem sie sich umgab. Aber nun war sie mehr als das. Und plötzlich musste auch sie Privates von Geschäftlichem trennen, wollte sie sich keine Achillesferse zulegen.
Die köstliche Ironie. Sie waren von verschiedenen Punkten gekommen und nun doch auf der selben Stelle gelandet.
Rednelak betrat das Hauptgebäude der Rebellenbasis, kümmerte sich nicht um die Mandalorianer, die davor ihre Waffen auf Vordermann brachten, Vorräte herumschleppten oder trainierten – zusammen mit Männern und Frauen in imperialen Rüstungen und Uniformen; ja, sogar einige republikanische SpecOps reparierten gerade etwas, das vor Urzeiten ein Basilisk gewesen sein mochte, mittlerweile aber so oft umgebaut worden war, dass von dem mandalorianischen Modell fast nichts mehr übrig geblieben war.
Sobald das Eternal Empire zerschlagen wäre, würde man wieder auf verschiedenen Seiten stehen. Ein Gedanke, der Rednelak mit Zufriedenheit erfüllte. So sehr ihn Konflikt sich am Leben fühlen liess – es gab Kriege, die natürlicher waren als andere.
Er spürte ihre Präsenz; zu vertraut war ihre Aura, er hatte sie schon schwach spüren können, als die Remebrance in die Atmosphäre von Concordia eingetreten war. Und nun, hier direkt in der Basis, war es ein Leichtes, sie zu finden. Er betrat die Kammer und schloss die Tür vor der Nase eines Mandalorianers, der gerade mit ihm den Raum betreten wollte. Der durch das Metall gedämpfte Fluch war ihm nach fast fünf Jahren fast zu einem liebgewonnen Spitznamen geworden: "Bu'nas'a darjetii!" Verdammter Sith. Er achtete das Kampfgeschick seiner Verbündeten, gab aber nach wie vor nichts darauf, sich mit ihnen anzufreunden. Diese Allianz war eine Zweckgemeinschaft.
Zumindest meistens. Es gab Ausnahmen. Eine davon drehte sich jetzt zu ihm um. Legte den Kopf schief und zog die vollen Lippen zu etwas in die Breite, das ihm Niemandsland zwischen Lächeln und Grinsen zu Hause war. Sie bewegte sich nicht. "Ntima."
Er antwortete "Vivenea"
Ohne Eile ging er zu ihr, ließ seine Ruhe und Gelassenheit, das innere sanfte Glühen nach einer erfolgreichen Jagd, von seiner Aura Besitz ergreifen und gab ihr ebenfalls davon ab. Er schaltete ihr Com aus, das auf dem mit Karten, Waffen und etlichen zerstörten zakuulanischen Sensoren übersäten Tisch lag und bisher eine Konferenz einiger anderer Rebellenführer aus dem Outer Rim übertragen hatte.
Er griff nach ihr, immer wieder davon überrascht, wie klein sie ihm gegenüber war. Kaum bis zum Kinn ging ihm das längste ihrer Hörner. Er hob sie ein paar Zentimeter von den Füßen – ihre 'gam wog jedesmal weniger als in seiner Erinnerung – und beugte sich zu ihr. Ein Kuss nach einer Jagd. Das Feiern des noch-am-Leben-seins.
Der Hunger, mit dem sie nach ihm griff, zeigte, dass er für ihren Geschmack zu lange weg gewesen war. Oder dass die Konferenzen mit den anderen Rebellenführern sie mehr ärgerten, als sie zugeben wollte. "Wenn du das Ding nicht ausgeschaltet hättest, hätt´ ich's gegen die Wand geworfen! Diese mirshebii reden, reden und reden … es macht mich fertig. Manchmal."
Rednelak antwortete nicht, biss ihr statt dessen in den Hals. Sanft genug, um die Haut nicht zu zerreissen aber fest genug, um Male zu hinterlassen. Sie seufzte guttural, liess den Kopf zur Seite sinken. Er drehte sie um, seine Bewegungen ohne Gewalt aber unnachgiebig wie ein aufziehender Sturm. Griff in ihren Nacken - auch dabei ohne Eile, ohne Zorn. Dann drückte er sie über den Tisch, während er mit der anderen Hand ihren Gürtel löste. Immer noch kein Wort.
Sich Zeit lassen und trotzdem alles auskosten. Durch Leidenschaft erlange ich Stärke …
Eine halbe Stunde später (als ob dies von Bedeutung wäre).
Er mochte die Hitze ihrer Haut an seiner. Er saß auf dem Boden, an den Tisch gelehnt. Hielt sie auf dem Schoß, eine Hand um eine ihrer Brüste gelegt. Beide atmeten langsamer, genossen die geteilte Stille und die noch präsente Gier. Der Geruch nach Sex, nach Leben und Begehren erfüllte den kleine Raum.
Wieder verging Zeit.
Das Jetzt holte sie ein. Auf dem Tisch wurde das Piepen des Com regelmäßiger. Von draußen wurde immer wieder an die Tür gehämmert und mit rauer Stimme "Alor? Mhi ne'waadas gar bu'litr" gebrüllt. Und auch Rednelaks Com hatte begonnen, auf sich aufmerksam zu machen. Vermutlich der General, der im Moment die Voidwalker mit seinen Männern bewachte und schon seit drei Tagen auf Ablösung wartete.
Er legte den Kopf in den Nacken, seufzte. Sie nickte.
Rednelak erhob sich, hielt sie weiter in den Armen und stellte sie auf die Füße, als wäre sie ein Kind, was sie leise lachen liess. Er griff nach seiner Kleidung. "Geborgte Zeit, wie immer. Kümmere dich um deine Krieger, ich höre mir an, was es Neues von der Seniai Qo gibt. Wir treffen uns in zwei Stunden. Ich will mit dir über diese Mission nach Ilum reden …"
"Probleme gehabt?"
"Zu wenige davon … Aber nicht jetzt."
Er schloss den Gürtel und warf die Robe über. Auf dem Weg zur Tür hielt er noch einmal inne, sah zu ihr.
"Nu buti ouhe kia buti su j'us."
Er wartete auf keine Antwort. Fühlte ihre Augen in seinem Rücken und ihre Aura bei sich. Zwei Stunden.