Part 68 | Im Licht von tausend Sternen | Fatfrido
Ich kann meinen Blick von Lord Grau nicht abwenden. Eine Kellnerin nähert sich ihm und erkundigt sich nach seinen Bedürfnissen. „Ein Schnitzel und ein Butterbier“, ist die Antwort der merkwürdig hohen Stimme, die aus dem fetten Körper dringt. Die Angestellte nickt und verschwindet, ehe sie wenige Minuten später an unserem Tisch steht. Sie sieht uns einfach nur an, fast schon musternd. Speisekarte haben wir keine und sie wird uns auch nicht angeboten, und da ich nicht extra auffallen will beschließe ich, es Lord Grau gleich zu tun. „Ein Schnitzel und ein Butterbier, bitte.“ „Für mich auch.“ Die Kellnerin nickt und verschwindet wieder. Ich werfe Viin einen unsicheren Blick zu. Manchmal frage ich mich, ob sie unter der Kapuze überhaupt etwas sehen kann. Wir sitzen da und warten. Nach etwa einer halben Stunde bekommt Lord Grau seine Bestellung serviert. Ich versuche zu sehen, wie das Essen aussieht, doch es ist ziemlich finster im Gasthaus unter der Brücke und einen optimalen Sichtwinkel auf das Gericht habe ich auch nicht. Lord Grau emittiert ein freudiges Grunzen, bevor er anfängt sich sein Schnitzel gierig einzuverleiben. Fünf Minuten später ist der Akt auch schon vollbracht und die Kellnerin trägt ein Teller und einen vermutlich leeren Humpen zurück in die Küche, ehe sie Lord Grau eine gigantische Schüssel bringt, in der wohl irgendwelche Snacks sind, die sich der Lord dann Stück für Stück in den Mund schiebt. Dann kommt auch unser Essen. Essen? Wirklich? Das Schnitzel ist komplett schwarz, Beilage gibt es keine. Viin starrt auf ihr Gericht. Ich hingegen beschließe, es zumindest zu probieren. Vielleicht schmeckt es ja gar nicht so schlecht. Großer Fehler. Das Schnitzel ist komplett verbrannt, doch nicht etwa kross, nein, es schmeckt, als hätte man das verbrannte Stück für ein paar Stunden in kaltes Frittierfett eingelegt und dann serviert, ohne es abtropfen zu lassen. Ich verziehe mein Gesicht, versuche, mich nicht zu übergeben und dadurch Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Viin schiebt ihr Schnitzel beiseite. Auf diesen Schock hinauf möchte ich den grässlichen Geschmack in meinem Mund mit dem Butterbier hinunterspülen. Hätte ich nicht tun sollen. Warum dieses Getränk Butterbier heißt, ist mir nicht klar. Der zähflüssige Inhalt meines Humpens schmeckt nur nach Butter. Angewidert schiebe ich alles von mir und deute einer Kellnerin zu uns zu kommen und abzuservieren, sowie zu kassieren. Das tut sie auch, macht noch einen kurzen Umweg zu Lord Grau, nickt diesem zu und verschwindet in der Küche. Ich habe definitiv genug von diesem Ort und erhebe mich. Viin tut es mir gleich und wir spazieren Richtung Ausgang. Als wir am Tisch des Lords vorbeikommen ruft er uns mit einer sich zu überschlagen drohenden Stimme zu: „Hat euch mein Menü etwa nicht geschmeckt?“ Erstarrt und in der Befürchtung einen kapitalen Fehler begangen zu haben, bleiben wir stehen. „Kommt schon, meine Freunde, leistet mir Gesellschaft!“




