Kleines Fazit meiner Reise | Dienstag, 26.07.16 | 105âČ5 Spreeradio mit Sebastian Oswald und Andrea von Rosenthal
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Kleines Fazit meiner Reise | Dienstag, 26.07.16 | 105âČ5 Spreeradio mit Sebastian Oswald und Andrea von Rosenthal
Lange Reportage von heute mit Schlaglichtern aus Bologna, Triest, Bratislava und Brno.
Los geht es im Bahnhof von Bologna - auf Gleis 11 ;-)
Die letzten Bilder von meiner Reise. Aus Wroclaw. Einer sehr lohnenswerten Stadt, die in vielerlei Hinsicht Berlin im Kleinen Ă€hnelt. Vor allem die StraĂenzĂŒge im Stadtviertel nördlich der Dominsel Ă€hneln sehr stark dem Prenzlauer Berg oder auch Kreuzberg. Auch deswegen hat Steven Spielberg hier fĂŒr âBridge of Spiesâ gedreht.
Aber auch die vielen kleinen Cafes, teilweise mit Garten-Ambiente, erinnern an Berlins Hipster-Kultur, die ja ursprĂŒnglich auch nicht aus Berlin kommt.
Die Interviews, die ich abends am Oder-Ufer gefĂŒhrt habe, waren nochmal sehr spannend. Nina und Julia zB haben sich deutlich von der aktuellen Regierung um die extrem konservative PiS Partei distanziert. âPolen war immer auf dem aufsteigenden Ast und jetzt bekommen wir plötzlich Anrufe von Freunden aus anderen LĂ€ndern, die uns fragen, was denn bei uns los sei. Sehr schlimm! Sogar die Rede on Obama in Warschau wurde zensiert. Peinlich.â Sie befĂŒrworten die EU und glauben, dass vor allem den Ă€lteren Menschen auf dem Land das nötige Wissen fehlt. Kann die Ernennung Wroclaws zur âEuropĂ€ischen Kulturhauptstadt 2016âł was bewirken? âNein - das ist nur ein Slogan! Mehr nicht.â
Der junge Familienvater Robert sieht letzteres genauso. Er findet die EU grundsĂ€tzlich gut, aber er sieht Probleme mit den FlĂŒchtlingen. âWenn wir Polen woanders hnziehen, passen wir uns an. Sagen nicht, was das gegessen werden soll. Die Muslime machen das hingegen nicht. Stichwort Scharia.â
Mittlerweile bin ich schon wieder in Berlin angekommen. Die nĂ€chste lĂ€ngere Reportage lief heute (Sonntag) Abend. Im Laufe der Woche folgt dann noch ein abschlieĂendes Fazit - hier auf dem Blog und evtl auch noch on-air. Das kĂŒndige ich dann aber noch rechtzeitig an.
Auch der Artikel ist schon in Mache - die lange Radio-Reportage kommt dann in den nÀchsten Wochen.
Reportage aus Bologna mit Schlaglichtern zur EU und Brexit
(Donnerstag, 21. Juli  | 105âČ5 Spreeradio mit Sabine Beck bei der Arbeit)
Heute war der erste (und leider auch letzte) ganze Tag, um Wroclaw zu erkunden. Am Vormittag hab ich bei herrlichem Wetter die klassische âFree Walking Tourâ mitgemacht. Sehr spannend und wirklich in jeder Stadt zu empfehlen. Hab damit (bis auf ein-zwei Ausnahmen) bisher nur positive Erfahrungen gemacht.Â
Kuba - den Guide der Tour - habe ich anschlieĂend noch zur EU interviewt. Er sagt: die aktuelle Regierung reprĂ€sentiert das konservative Polen, das fĂŒr einen Anti-EU und Anti-Refugee Kurs steht. Ein Teil der Bevökerung denkt so, was er angesichts der Geschichte Polens befremdlich findet. War das Land doch selbst allzu hĂ€ufig von Flucht und Vetreibung betroffen. Er selbst befĂŒrwortet die EU, glaubt aber, dass es viel mehr Bildung bedarf, um den Mythen ĂŒber die EU in der Bevölkerug mit Wissen zu begegnen. Das gröĂte Plus der EU: den Frieden, den sie dem Kontinent (vom Balkan abgesehen) gebracht hat. Dass Wroclaw EuropĂ€ische Kulturhauptstadt ist in diesem Jahr, Ă€ndert nicht allzu viel an der Meinung der Leute - so seine Meinung - bringt aber viele Touristen in die Stadt.
Wroclaw selbst - das werde ich gleich im nĂ€chsten Post noch mit Bildern unterlegen - erinnert bisweilen sehr stark an Berlin. Viele Hipster-Cafes und Studenten-Spots. Nicht umsonst hat Steven Spielberg hier fĂŒr âBridge of Spiesâ gedreht, um das alte Kreuzberg nachzuempfinden. Insgesamt eine sehr junge, dynamische Stadt mit vielen schönen Ecken!
Gestern Abend stand in Brno die nĂ€chste Interview-Runde an. Interessant: bei den Tschechen kommt die EU mehrheutlich nicht so gut an. Zu bĂŒrokratisch, zu kompliziert, zu unausgewogen. Auch die aktuelle Welt-Lage hinterlĂ€sst ihre Spuren. âISISâ sei ein Faktor, der die EU wieder mehr zusammenschweiĂen könnte, bekomme ich zu hören. Und: was interessiert mich die EU - ich kann gerade nicht mehr mit meinen KIndern in den Urlaub nach Frankreich oder in die TĂŒrkei fahren - ich habe Angst.
Heute morgen (Mittwoch) bin ich dann ĂŒber Breclac und Kattowice nach Wroclaw gefahren - immerhin die europĂ€ische Kultur-Hauptstadt 2016! Erste Impressionen dann morgen. Nur soviel:die Stadt ist auf den ersten Blick richtig cool und hat sich seit meinem letzten Besuch vor 5 Jahren (gefĂŒhlt) nochmal stark gewandelt ;-) Mehr dann morgen
Sie ist die zweitgröĂte Stadt Tschechiens - und trotzdem verirren sich Touristen eher selten nach Brno. Auf der einen Seite schade, auf der anderen vielleicht auch gar nicht so schlecht, weil so der interessante Charakter der Stadt erhalten bleibt.
Der GemĂŒsemarkt, die mĂ€chtige Kathedrale âSt. Peter und Paulâ, das lustige Stadtmonster (was aussieht, wie ein Krokodil, aber bitte nie, nie, nie als solches bezeichnet werden darf), interessante Geschichten ĂŒber die Historie, lustige Statuen und schmucke, kleine CafĂ©s - die Stadt hat was.
Abends trifft sich halb Brno dann vor dem Pub âVycep Na Stojakaâ, setzt sich auf den Bordstein und lĂ€sste den Tag bei einem Feierabend-Bierchen Revue passieren. Fast schon eine italienische AtmosphĂ€re.
Den Tag heute (Montag) habe ich nochmal genutzt, um Bratislava abschlieĂend zu erkunden. Diesmal sogar im Sonnenschein â zumindest fĂŒr zwei Stunden, dann fing es wieder an zu tröpfeln :D
Insgesamt ne feine Stadt, die sich super fĂŒr einen Wochenend-Trip eignet. Sehr schick zB auch die Ufer-Promenade an der Donau am Shopping-Center Eureva. Und: das Restaurant/Brauerei-Boot âDunajsky Pivovarâ, das tatsĂ€chlich eine eigene Brauerei an Bord hat und sehr gutes Essen zu nem etwas teurerem Preis serviert. Im Vergleich zu den anderen StĂ€dten auf der Tour, sieht man auf den StraĂen vom GefĂŒhl her aber auch mehr Obdachlose und dunkle Gestalten und verhĂ€ltnismĂ€Ăig viele Polizeiwagen.
Weitere Feststellungen:
1) Bratislava scheint eine der Europa-Stationen von asiatischen Touristen zu sein. In der Altstadt waren relativ viele Touri-Gruppen aus Fernost zu sehenÂ
2) Es gibt in jedem CafĂ© und in der Altstadt freies WLAN â super easy und super schnell + sogar in einigen Bussen -> Berlin: da kannste dir mal ne Scheibe von abschneiden ;-)
3) Die Free-Tour-Guides bauen das Bratislava-Klischee aus âEurotripâ (sensationeller Film btw) mit ein (da wird die Stadt nĂ€mlich als abgewrackte Ruinen-Stadt dargestellt, in der die Menschen ihren MĂŒll aus dem Fenster werfen (âwe donât do that here!!!â) und man fĂŒr wenige Pence ein Zimmer im besten Hotel inklusive 5-Gang MenĂŒ bekommtâŠ.)
4) Mein Highlight: es gibt interessante Gesetze, die ich kurz vor der Abfahrt nach Brno noch selber testen durfte. Denn: es ist ganz offensichtlich verboten, vor dem Bahnhof zu rauchen. Zumindest in den ersten zwei Metern davor â danach ist okay. Darauf machten mich zwei ânetteâ Polizisten 15 Minuten bevor der Zug fahren sollte mit den Worten âPassport pleaseâ aufmerksam. Hier exklusive GesprĂ€chsauszĂŒge âSorry, but there is no sign for that. So I didn`t knowâ âOkay, there (zeigt auf die 2 Meter entfernte Bank) itâs okay. Here not. Normally there is a 100 Euro penalty maximum. 20 Euro Minimum. So please.â âBut I didnât know and I donât have cash.â âThere is a cash-machine in the station!â âI think itâs a bit hardâ âI said normally maximum 100 Euro. 20 Euro and itâs okayâŠâ Tjaaa, so viel dazu. Ende der Geschichte: Ich bin natĂŒrlich rein, hab die 20 Euro abgehoben und den TrantĂŒten mit einem freundlichen LĂ€cheln in die Hand gedrĂŒckt. Den Hinweis hab ich dann 4 Ecken weiter super klein auf einem Zettel gesehen. Aber naja - ham wa mal wieder was gelerntâŠ
Jetzt gehtâs weiter nach Brno â der zweitgröĂten Stadt Tschechiens. Bin gespannt, wie es wird und melde mich morgen mit ersten EindrĂŒcken.
Erste lange Reportage mit Stimmen ĂŒber die EU und Europa aus Bordeaux.
(Sonntag, 18. Juli  | 105âČ5 Spreeradio mit Stefan Henkel)
Eeendlich die ersten Bilder von meiner aktuellen Station: Bratislava :-) Die Hauptstadt der Slowakei zeigt sich erstaunlich hipster-affin (es gibt zahlreiche âNeukölln-Ă€hnlicheâ CafĂ©s), sehr touristifiziert aber trotzdem noch mit dem Charme einer tollen Altstadt+Donau-Panorama UND (nach Frankreich+Italien) angenehm gĂŒnstig ;-) [groĂes Bier zwischen 1,20âŹ-1,50âŹ] Freitag und gestern hat das Wetter nicht so ganz mitgespielt (Regen, Regen, Regen). Heute war es dann zwar immer noch grau, aber immerhin trocken :-)
Interviews habe ich natĂŒrlich auch schon gefĂŒhrt. Unter anderem mit Silvia - eine der Free-Tour Guides hier in der Stadt. Ihre Meinung: seit die Slowakei in der EU ist, hat sich viel verbessert. Aber: die vielen Reglementierungen findet sie falsch. Katka und Matej sind auch eher pro EU. Er hat aber Angst, was mit GB nach dem Brexit passiert, weil seine Firma enge Kontakte nach Schottland hat. Sie findet, dass das gesellschaftliche Klima aktuell eine bedrohliche, rechtsgerichtete Form annimmt - gepusht durch Facebook+Co.
Heute lief ja auch die erste lÀngere Reportage bei Spreeradio mit Schlaglichtern aus Bordeaux. Die werde ich morgen noch hier hochladen. Und: ich muss noch entscheiden, wohin es als nÀchstes geht. Brno, Budapest und Wroclaw oder Poznan in Polen sind noch in der Verlosung. Realistisch gesehen werde ich nur noch zwei Stationen schaffen. Ich halt euch auf dem Laufenden!
Reportage mit ersten Stimmen ĂŒber die EU und Europa aus Bordeaux.
(Donnerstag, 14. Juli  | 105âČ5 Spreeradio mit Thomas Engelke am Nachmittag)
Gestern, am Donnerstag, stand die nÀchste Etappe auf dem Programm. Von Triest bin ich weiter gezogen in die slowenische Hauptstadt Ljubljana.
Highlight: die Fahrt mit der Tram-Linie 2 vom Piazza Oberdan nach Villa Opicina, einem Grenzkaff an der italienisch-slowenischen Grenze. Die Uralt-Bahn rumpelt gemĂ€chlich durch die StraĂen von Triest und klettert am Ende den sehr steilen Berg in Richtung Opicina hoch - per Standseil.
Opicina selbst: ein ganz schmuckes Dorf, aber ĂŒberschaubar - mit ner leckeren Eis-Diele ;-) Der Bahnhof: provinziell durch und durch und gottverlassen.
Auf dem Weg nach Ljubljana treffe ich dann Mia aus DĂ€nemark, die mit zwei Freunden per Interrail durch Osteuropa tourt. Sie glaubt noch an die EU und vor allem an die Kraft des Reisens, das die Kulturen und Menschen vereinen kann!
Der groĂartige Piazza dellâUnita dâItalia - nur per Video in GĂ€nze festzuhalten. Es heiĂt, er sei der gröĂte offene Platz Italiens in Richtung Meer ;-)
Son bisschen der Tag der Premieren hier in Triest - in dreierlei Hinsicht.
1) Der erste Regen auf der Reise (abends sogar dickes Gewitter)
2) Die erste Pizza in Italien
3) Mein erstes Interview auf (halb-)italienisch mit Giuseppe
Die Stadt selbst ist echt schick. Ne gute GröĂe, am Wasser und akzeptable Preise. Dazu durch die NĂ€he zu Slowenien und Kroatien mit internationalen Flair - historisch bedingt auch mit österreichischen EinflĂŒssen. Ein europĂ€ischer Schmelztiegel gewissermaĂen - prĂ€destiniert fĂŒr mein Thema ;-)
Auch was das Thema der Reise angeht, war es ein spannender Tag.
Giuseppe beklagt die Auswirkungen des Euro und sagt: âEs ist keine soziale Union, sondern eine finanzielle. Die Probleme mĂŒssen jetzt gelöst wedenâ.
Inus (aus DĂ€nemark)+Christina (aus Bulgarien) trampen zusammen durch Europa und finden. Er âJetzt entweder ganz oder gar nicht. Also mehr EuropĂ€isierung oder gleich aufgebenâ Sie âEuropa funktioniert gerade nicht. Es gibt zu viel Armut. Bulgarien, mein Heimatland, hĂ€tte eigentlich nicht in die EU aufgenommen werden sollen.â
Lucas - geboren in Triest âMeine Schwester lebt in London - keine Ahnung, ob sie nach dem Brexit vielleicht bald nach Hause kommen muss. Wir hier in Triest haben einen speziellen Bezug zu anderen Kulturen. WĂ€hrend und nach des Jugoslawien-Kriegs sind viele hier zu uns geflĂŒchtet. Wir sind ein multikultureller Mix. Aber: aktuell nimmt die Tendenz zum Rassismus auch hier zu.â
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Morgen gehtâs dann schon weiter nach Zagreb. Aber: ich werde definitiv mal fĂŒr ein Wochenende wiederkommen!
Kurze Impressionen aus dem Zugfenster bei der Einfahrt nach Triest.
Heute, am Mittwoch, hieĂ es dann wieder: Tasche packen und ab Richtung Bahnhof. Hatte mich leicht verkalkuliert mit der Zeit und wĂ€re fast zu spĂ€t am Gleis gewesen. Aber: auf Trenitalia ist Verlass, der Zug hatte natĂŒrlich ne halbe Stunde VerspĂ€tung...
Die Fahrt hab ich dann hauptsĂ€chlich mit dösen, Tagebuch fĂŒhren und Landschaft gucken verbracht - rund 4,5h Stunden warens insgesamt.
Vor allem die Einfahrt nach Triest war dann sehr schön - parallel zum Golf von Triest mit Blick auf die dicken Ăl-Tanker und aufs Stadt-Panorama. Ein kleines Video folgt noch.
Gestern, am Dienstag, war ich nochmal unterwegs in Bologna, um Stimmen zu sammeln auf der StraĂe.
Beatrice, Abiturientin: âViele in Italien wollen raus aus der EU. Ich finde, wir sollten bleiben. Dass man vielleicht bald einen Pass braucht, um nach England zu reisen - verrĂŒckt. Ich hoffe, dass nicht noch mehr Staaten die EU verlassen.â
Andrea - gebĂŒrtiger Grieche, Chef einer kleinen Trattoria: âEuropa ist eine wunderbare Idee, die aber noch nicht richtig verwirklicht wurde bisher. Es geht nur um Geld. Ich kann es nicht akzeptieren, dass wir hier gerade reden und im gleichen Moment Menschen im Mittelmeer sterben. Wir bilden Mauern.â Zu Griechenland: âIch glaube die Griechen werden die nĂ€chsten sein, die ein Europa, wie es jetzt ist, verlassen.â
Paul, Pilgerer aus Graz/Ăsterreich: âMir sind die Zeiten gerade nicht so sympathisch. Wir bauen wieder Mauern und ZĂ€une. Auch in Ăsterreich hat sich die Grundsprache verĂ€ndert. Ich habe noch Vertrauen in Europa, aber die Stimmung ist gerade 50/50 auf Messers Schneide.â
Spannend: er pilgert gerade nach Assisi, hat vor kurzem seinen Job als Software-Entwickler gekĂŒndigt und wird im Herbst in ein Kloster der Franziskaner eintreten!
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Zu Bologna: definitv eine Reise wert. Sehr jung, sehr lebendig mit schönen Ecken. HĂ€tte es mir fast noch ein bisschen kleiner und gemĂŒtlicher vorgestellt, aber gut. Als Reiszeit vielleicht aber eher Richtung Herbst gehen, wenn die Temperaturen nicht so tropisch sind, wie jetzt gerade ;-)