NEVER TRUST A BOY WHO’S NEVER BEEN A PUNK
Wenn du dein Herz auf der Zunge trägst und darauf vertraust, dass die anderen es nicht gänzlich zerstören, weil du weißt, dass du kompetent genug bist, es zu beschützen, dann bist du an dem Punkt, dir selbst genug zu vertrauen, um die bezaubernde Eigenartigkeit des Zusammens als Weg zu verstehen. (Der oft auch mal scheiß wehtut.) Vorsichtig oder schnell - wie beim Abziehen eines Pflasters - wird das Kennenlernen, Verstehen und Verabschieden zum Spiel, dass wahnsinnig viel Spaß macht, wenn man neugierig bleibt - sich selbst und den anderen gegenüber.
Vertrauen heißt daran zu glauben, dass jemand es gut mit mir meint. Vertrauen ist wie Glauben, etwas dass man nicht sehen oder greifen kann. Wenn ich Beweise will, bevor ich vertrauen kann, dann ist das kein Vertrauen, sondern Absicherung. Vertrauensvorschuss ist dann sozusagen ein Pleonasmus, denn Vertrauen ist ja schon ein Vorschuss.
Aber es heißt doch Vertrauen will verdient sein? Wie passt das zusammen?
Vertrauen bedeutet, zu riskieren, dass mein Gegenüber meine Verletzlichkeit ausnutzt. Ihm zuzugestehen, dass er das nicht tun wird, erfordert Glauben und die Fähigkeit mir selbst gegenüberzutreten. Denn nur, wenn ich auch mir selbst etwas zutraue und Verantwortung für meine Befindlichkeiten übernehme, hat der andere überhaupt erst die Chance sich so zu zeigen, wie er wirklich ist und ich gesehen zu werden, so wie ich bin. Habe ich nicht das Vertrauen in mich selbst, dem anderen ein gutes Gegenüber zu sein, werde ich in den meisten Fällen die Verantwortung abgeben und dem anderen die Vetrauensarbeit überlassen.
Vermutlich hat das Vertrauen-Können auch etwas mit Kontrolle zu tun. Menschen, die nicht gern die Kontrolle abgeben, werden weniger schnell Vertrauen aufbauen. Aber es geht dabei eben nicht um können, sondern um Vertrauen-Wollen. Aber auch das Können bekommt eine Dimension nach der Frage der Kompetenz. Wie fähig bin ich meine eigenen Grenzen zu zeigen, wie weit will ich sie öffnen und wann sollte ich lieber eine Rüstung anziehen und kämpfen oder einfach gehen?
Welche Sichtweise macht mir mein Leben nun einfacher und ist das überhaupt das Ziel? Dinge, die einfach sind, waren selten lohnenswert - zumindest bei mir. Aber man muss es sich auch nicht unnötig schwer machen, indem man sich zum Beispiel selbst im Weg steht - was ich echt gut kann :D
Wie findet man jetzt eine Balance zwischen diesen beiden Seiten? Ich denke man muss bereit sein, Risiken einzugehen, um das mit dem Vertrauen hinzukriegen. Wenn es einem wichtig ist, nicht nur oberflächliche Beziehungen zu führen. Wer nur das im Sinn hat, kann jetzt aufhören zu lesen ;)
Es stellt immer ein Risiko dar, jemandem zu vertrauen. Nämlich das Risiko, dass mein Vertrauen missbraucht wird und ich mich dann schlecht fühle. Davor haben ja die meisten Menschen Angst – vor der Konsequenz – vor den „schlechten“ Gefühlen. Der richtige Umgang mit diesen, macht aber auch bei Vertrauensbrüchen den großen Unterschied. Bin ich bereit, meinen eigenen Anteil genauer anzuschauen? Oder gebe ich nur den anderen die Schuld? In manchen Fällen, hat man natürlich einfach nur ein Arschloch vor sich gehabt. Aber auch da gibt es Lernpotential. Arschlöcher früher zu erkennen zum Beispiel.
Wenn das Vertrauen zu oft enttäuscht wird, können wir misstrauisch werden. Misstrauen ist bis zu einem gewissen Grad gesund und auch ganz natürlich. Wir sind evolutionsbiologisch darauf ausgerichtet zu misstrauen um Gefahren zu erkennen. Wer es übertreibt mit dem Misstrauen, eignet sich schonmal die worstcase-Perspektive als Standardgedanken an. Meist dann, wenn wir zu oft Enttäuschung erfahren haben. Bei dieser schickalsergebenen Sichtweise sind aber die anderen Schuld - sie haben uns verletzt, die Welt ist gemein zu uns, uns ist etwas passiert. Wir nehmen eine passive Rolle ein in der wir uns ausgeliefert fühlen und das Gefühl der Machtlosigkeit macht sich breit.
Auf der anderen Seite der Medaille findet sich der überdeckende Optimismus. Laufe ich mit einem aufgesetzten Optimismus durch die Welt, ohne darauf zu achten, wem ich mein Vertrauen schenke, werde ich vermutlich öfters enttäuscht und kann mir wunderbar eine self fulfilling prophecy schaffen, in der ich immer und immer wieder Enttäuschung erfahre. Beim diesem Optimisten sind dann meist auch die anderen Schuld, aber er wird nicht zugeben, dass er Gefühle der Enttäuschung mit sich herumträgt. (Weil das sind ja die „bösen“ Gefühle) Das kann sich dann schonmal anstauen und sich kontraproduktiv auf die eigene Weiterentwicklung auswirken.
Erst wenn wir anfangen unsere eigenen Anteile an den Enttäuschungen zu hinterfragen, können wir uns aus diesem Kreislauf befreien. Uns selbst besser zu kennen ist dann das Ergebnis.
Kann ich lernen anderen zu vertrauen?
Ich denke schon. Und das beginnt mit dem Vertrauen in mich selbst. Was halte ich von mir? Schätze ich mich so wie ich bin? Bin ich bereit Fehler zuzugeben und mich zu verändern? Kann ich die Grenzen der anderen und meine eigenen erkennen und akzeptieren? Wenn ich mir selbst bewusst bin - meine Muster, Wertvorstellungen und Grenzen kenne und darauf vertraue, dass ich zwar nicht immer „richtig“, aber doch nach meinem Ermessen gut handle und denke und Themen anspreche, kann ich mich so zeigen, wie ich bin und gebe den anderen die Chance mich zu erkennen. Wer authentisch in die Welt hinausgeht, wird auf Vertrauen treffen, welches nur damit in Einklang ist, was ich nach außen zeige. Menschen, die kein Vertrauen in sich haben und andere suchen ihnen das zu geben, was sie selbst entbehren, werden dann meiner Erfahrung nach abgeschreckt von soviel Wahrhaftigkeit und meist garnicht erst in Berührung kommen mit den Vertrauenden. Selbst-wert, Selbst-bewusst-sein und Selbstliebe sind demnach die Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen, in denen jeder Beteiligte behutsam mit den eigenen und den Grenzen der anderen umgeht.















