Wieso ich ein hĂ€ssliches Entlein bin oder: Verlorenes SelbstwertgefĂŒhl
Letztens hab ich mich in den Spiegel geschaut und mir hat absolut nichts von dem gefallen, was ich gesehen hab: ich bin ziemlich klein, dafĂŒr hab ich aber recht dicke Oberschenkel und eine wirklich breite HĂŒfte, meine zweite Zehe ist gröĂer als die anderen und irgendjemand meinte mal, dass ich extrem groĂe NĂ€gel habe. Ich hab keine tolle Figur, keinen schönen Bauch, meine Stirn ist lĂ€nger als mein Kinn, meine Lippen sind super schmal und wenn ich lĂ€chle oder lache sieht man, dass meine ZĂ€hne nicht in der Mitte sind. Strahlend weiĂ sind sie ĂŒbrigens auch nicht. Ich hab ziemlich rötliche, unebene Haut, die noch dazu Unrein ist. Meine Wimpern werden nicht mal mit der 1 Million Super Lash irgendwas Mascara halbwegs ansehnlich und um meine Augen herum bilden sich die ersten Falten, die wenigstens von den Augenringen und TrĂ€nensĂ€cken ablenken. Aber was mich am meisten stört, ist diese prĂ€sente, hervorstechende, schwarze Brille*.Â
Eigentlich mag ich Brillen - im Geheimen. Wenn ich könnte, hÀtte ich so viele, dass ich jeden Tag eine andere tragen kann. Es ist einfach nur dieses stereotype Bild, das man von Klein auf mitbekommt: Nerds tragen Brillen, Streber tragen Brillen, die unbeliebten Kids tragen Brillen, alte Leute tragen Brillen. Brillen sind, laut dem uns vermittelten Weltbild, einfach nicht cool.
Und bei Frauen sowieso nicht. Welches Model trĂ€gt denn bitte eine Brille? Und ĂŒberhaupt: als Frau auch noch so offensiv auf einen Fehler hinweisen. Na wo kommen wir denn da hin?
Ich hab in letzter Zeit immer öfter das GefĂŒhl, dass wir uns das Leben unnötig schwer machen, gleichzeitig aber gar keinen Ausweg kennen, weil diese Strukturen, diese Anforderungen an uns Frauen (sorry Jungs - aber lest weiter, es ist auch fĂŒr euch spannend) immer mehr zunehmen und sich immer stĂ€rker in der Gesellschaft manifestieren. Ăberlegt doch mal: heutzutage muss eine Frau: berufstĂ€tig sein, am besten mindestens 30 Stunden, sie muss ihr eigenes Geld verdienen und unabhĂ€ngig von MĂ€nnern sein, wenn sie aber in einer FĂŒhrungsposition ist, wird die als schlechte Mutter dargestellt, wenn sie weniger arbeitet, weil sie Mutter ist, als faul. AuĂerdem schupft die Frau meistens auch noch den Haushalt, geht einkaufen, wascht die WĂ€sche, kocht, putzt, bĂŒgelt und sollte sich eventuell noch um die Kindererziehung kĂŒmmern. Dem nicht genug: dabei muss sie immer top aussehen.Â
Es ist kein Wunder, dass die Schönheitschirurgie so boomt, denn wir sind eitler denn je. Zwei Schwangerschaften und der Busen ist nicht mehr so straff? - Kein Problem - leg dich unters Messer. Die Nase ist so groĂ? - Was darfâs denn sein, eine kleine Stupsnase vielleicht? Ein paar Kilo zu viel? - Ein Magenband und schon istâs super.Â
Aber woher kommt das eigentlich? Wieso lastet so ein Druck auf uns, was unser Aussehen angeht und wieso lassen wir diesen Druck ĂŒberhaupt zu? Ich bin mir ganz sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die manchmal vor dem Spiegel steht und unzufrieden ist. Manche sindâs vielleicht öfter und andere weniger oft. Â
Mir passiert es immer wieder, dass ich mich dabei erwische, wie ich mich selber oder etwas an mir selber kritisiere. Meine NĂ€gel sind nicht schön, meine Haare brechen ab, meine Poren sind zu groĂ, hab ich in ein paar Jahren Cellulite? Und dazu kommt dann der klassische Vergleich: die hat aber tolle Haare, wieso hab ich nicht so einen strafen Hintern? Wie macht sie das nur, dass ihre Augen immer so strahlen? Wieso sind ihre HĂ€nde immer so weich?Â
Und ganz ehrlich: das ist doch das Schlimmste. Dieses stĂ€ndige Vergleichen mit anderen und dann macht man sich irgendwelche VorsĂ€tze, die man doch nicht einhĂ€lt. Ich hab mir schon mindestens ein tausend Mal geschworen, dass ich nichts SĂŒĂes mehr esse und mehr Sport mach. Ja, haha. Nichts ist draus geworden. Kein einziges Mal. Und zwei Wochen spĂ€ter bin ich wieder heulend vorm Spiegel gestanden und hab mich gefragt, wieso ich eigentlich so ein hĂ€ssliches Entlein bin.Â
Ich dachte immer, dass das besser wird, wenn man Ă€lter ist. Man ist erwachsener und hat eine andere Sichtweise auf die Dinge. Aber mir kommt vor, dass diese ganzen abgedroschenen SprĂŒche wie zum Beispiel âWahre Schönheit kommt von Innenâ, âDu bist auf deine Art und Weise schönâ, âSchönheit liegt im Auge des Betrachtersâ nur kleine LĂŒgengespinnste sind, die man sich selbst wie Mantras vorsagt, damit man es irgendwann wirklich glaubt.Â
Schönheit ist einfach etwas ĂuĂerliches. Es gibt Leute die sind schön, es gibt Leute die sind nicht schön und es gibt Leute, die sind mittlerer Durchschnitt. Punkt. Jeder sieht sich selbst wo anders und wird von jedem einzelnen Individuum anders wahrgenommen.
Ich wĂŒrde jetzt gerne als Abschlusssatz sowas schreiben wie: wichtig ist, dass du dich selber hĂŒbsch findest. Aber das wĂ€re eine LĂŒge. Also es ist schon was Wahres dran, aber ich kann und will euch diesen âRatâ nicht mitgeben, wenn ich ihn selber nicht lebe. Deswegen gibtâs das hier:
Ich selber finde mich nicht hĂŒbsch. Ich bin unterer mittlerer Durchschnitt. Es gibt Millionen Leute, die tausend mal hĂŒbscher sind als ich und an die ich nie heran komm. Ich hab ein Problem damit, dass ich mich nicht hĂŒbsch finde und damit, dass ich mein SelbstwertgefĂŒhl irgendwo zwischen 2012 und jetzt verloren habe. Ich hĂ€tte es gerne wieder, weil es war ziemlich gut. Aber leider ist es weg. Ich suchâs gerade. Und es ist verdammt schwierig. Es ist schwierig, weil ich diese blöde Brille hab und das einfach noch nichts ist, was als super attraktiv empfunden wird. Es ist auch schwierig, weil ich beschlossen habe nur mehr öko-faire Kleidung zu kaufen. Es ist schwierig, weil ich zwei linke HĂ€nde habe, was Haare und Make-up angeht und ich auch nicht die Geduld habe, es mir anzulernen. Es ist schwierig, weil ich nicht jedes Monat zu viel Geld am Konto habe um zur Kosmetikerin oder sonst wo hin zu gehen. Es ist schwierig, weil ich nicht aufhören kann, mich mit anderen zu vergleichen.Â
Aber manchmal muss man da einfach durch. Manchmal ist es schon viel wert, all das zu erkennen, zu sagen, auszusprechen oder auch nur vor sich selbst einzugestehen. Und sein wir uns mal ehrlich: wer von uns denkt denn nicht manchmal so? Die, die wir so bewundern, denken sich das vermutlich selbst oft genug. Also Kopf hoch!! (Das sag ich jetzt vermutlich mehr zu mir selber, als zu euch, aber es gilt natĂŒrlich fĂŒr alle :) )
Und manchmal muss manâs auch einfach mit Humor nehmen:
https://www.youtube.com/watch?v=OYpwAtnywTk
* Alle die jetzt schreien ânimm doch Kontaktlinsenâ - starke HornhautentzĂŒndung vor ein paar Monaten. Kontaktlinsen aus die Maus vom Arzt.Â