O hochverehrtes Publikum,
sag mal: bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: «Das Publikum will es so!»
Jeder Filmfritze sagt: «Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!»
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
«Gute Bücher gehn eben nicht!»
Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?
So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte . . .
Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?
Ja, dann . . .
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmäßigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Grießbrei-Fresser –?
Ja, dann . . .
Ja, dann verdienst du es nicht besser.
Many words have been granted me, and some are wise, and some are false, but only three are holy: "I will it!"
Whatever road I take, the guiding star is within me; the guiding star and the loadstone which point the way. They point in but one direction. They point to me.
I know not if this earth on which I stand is the core of the universe or if it is but a speck of dust lost in eternity. I know not and I care not. For I know what happiness is possible to me on earth. And my happiness needs no higher aim to vindicate it. My happiness is not the means to any end. It is the end. It is its own goal. It is its own purpose.
Neither am I the means to any end others may wish to accomplish. I am not a tool for their use. I am not a servant of their needs. I am not a bandage for their wounds. I am not a sacrifice on their altars.
I am a man. This miracle of me is mine to own and keep, and mine to guard, and mine to use, and mine to kneel before!
I do not surrender my treasures, nor do I share them. The fortune of my spirit is not to be blown into coins of brass and flung to the winds as alms for the poor of the spirit. I guard my treasures: my thought, my will, my freedom. And the greatest of these is freedom.
I owe nothing to my brothers, nor do I gather debts from them. I ask none to live for me, nor do I live for any others. I covet no man's soul, nor is my soul theirs to covet.
I am neither foe nor friend to my brothers, but such as each of them shall deserve of me. And to earn my love, my brothers must do more than to have been born. I do not grant my love without reason, nor to any chance passer-by who may wish to claim it. I honor men with my love. But honor is a thing to be earned.
I shall choose friends among men, but neither slaves nor masters. And I shall choose only such as please me, and them I shall love and respect, but neither command nor obey. And we shall join our hands when we wish, or walk alone when we so desire. For in the temple of his spirit, each man is alone. Let each man keep his temple untouched and undefiled. Then let him join hands with others if he wishes, but only beyond his holy threshold.
For the word "We" must never be spoken, save by one's choice and as a second thought. This word must never be placed first within man's soul, else it becomes a monster, the root of all the evils on earth, the root of man's torture by men, and an unspeakable lie.
The word "We" is as lime poured over men, which sets and hardens to stone, and crushes all beneath it, and that which is white and that which is black are lost equally in the grey of it. It is the word by which the depraved steal the virtue of the good, by which the weak steal the might of the strong, by which the fools steal the wisdom of the sages.
What is my joy if all hands, even the unclean, can reach into it? What is my wisdom, if even the fools can dictate to me? What is my freedom, if all creatures, even the botched and impotent, are my masters? What is my life, if I am but to bow, to agree, and to obey?
But I am done with this creed of corruption.
I am done with the monster of "We," the word of serfdom, of plunder, of misery, falsehood and shame.
And now I see the face of god, and I raise this god over the earth, this god whom men have sought since men came into being, this god who will grant them joy and peace and pride.
The public, even the educated public, has largely lost its capacity to know the difference between what is genuine and what is fake. This defect is caused by several factors. Foremost of all is the purely celebral orientation of most people. They read or listen to only words and intellectual concepts, and do not listen "with a third ear" for proof of the author's authenticity (S. 11).
Their faith is not strong enough to believe in the fertile possibilities of man without shutting their eyes to the ugliness and viciousness of individuals and groups. As long as they do so, their attemps to achieve an optimum of well-being must fail; any intense disappointment will convince them that they were wrong or will drive them into a depression, because they do not then know what to believe (S. 19).
Solidarity among men has one of its strongest foundations in the experience of sharing one's own suffering with the suffering of all (S. 26).
The danger of intellectualization is all the greater today, when the prevailing alienation from one's own affective experience leads to an almost total intellectual approach to oneselfand the rest of the world (S. 63).
Denn die Auseinandersetzung besteht für sie darin, daß der Schütze auf sich selbst - und wiederum nicht auf sich selbst - zielt, daß er dabei vielleicht sich selbst - und wiederum nicht sich selbst - trifft und somit in einem Zielender und Ziel, Treffender und Getroffener ist. Oder, um mich einiger Ausdrücke zu bedienen, die Bogenmeistern ans Herz gewachsen sind: es kommt darauf an, daß der Schütze trotz all seinem Tun unbewegte Mitte wird. Dann stellt das Größte und Letzte sich ein: die Kunst wird kunstlos, das Schießen wird zu einem Nichtschießen, zu einem Schießen ohne Bogen und Pfeil; der Lehrer wird wieder zum Schüler, der Meister zum Anfänger, das Ende zum Beginn und der Beginn zur Vollendung.
Zen kann somit wie alle Mystik nur von dem verstanden werden, der selbst Mystiker ist und daher nicht in die Versuchung kommt, auf andere Weise erschleichen zu wollen, was ihm die mystische Erfahrung vorenthält.
Die Kunst des Bogenschießens stellt, so verstanden, gleichsam eine Vorschule des Zen dar und erlaubt, in zunächst noch durchaus handgreiflichen Vollzügen Geschehnisse durchsichtig zu machen, die aus sich selbst nicht mehr begreiflich sind.
"Gesundheit ist zur Skala geworden, auf der die Lebensfähigkeit eines Immunsystems gemessen wird."
"Gesundheit und Verantwortung sind normative Begriffe, die uns heute keine Richtung mehr geben können. Wenn ich versuche, mein eigenes Leben nach diesen unwiederbringlichen Idealen der Aufklärung auszurichten, so werden sie mir zum Unheil- so kränke ich mich selbst."
- Ivan Illich, in: Was macht den Menschen krank?
"Kein mir denkbares Kontrollsystem bietet Rettung vor der Flut von Giften und Strahlen und Waren und Zeitgenossen, die Mensch und Tier kränken wie nie zuvor. Die Welt ist ausweglos geworden. Ich lebe im Gemachten, immer weiter weg von der Schöpfung. Was das bedeutet, mit welchem Schrecken das droht, weiß ich heute. Vor einigen Jahrzehnten wußte ich es noch nicht. Damals erschien es mir möglich, in der gemachten Welt für ihre Herstellung Verantwortung mitzutragen. Heute weiß ich erst, was Ohnmacht ist. <Verantwortung> ist zur durchsichtigen Illusion geworden. In einer solchen Welt reduziert sich «Gesund-sein» auf eine Kombination von Technikgenuß, Umweltschutz und Anpassen an Technikfolgen, die alle drei unvermeidlich Privilege sind."
"Anstelle der brutalen Selbst-Durchsetzungsparolen fordert die neue Gesundheit die reibungslose Einordnung meines Immunsystems in das sozio-äkologische Weltsystem. Was dann adrett als «Verantwortung» gefordert wird, ist genauer gesehen ein Aufruf zur Sinn- und Selbst-Zerstörung. Und diese propagierte Selbst-Aufgabe im unerfahrenen System steht kraß im Gegensatz zum Selbstmord. Sie fordert Selbst-Auslöschung in einer Tod-feindlichen Welt. Eben gerade deshalb, weil ich Toleranz auch für die eigene Selbstzerstörung in dieser amortal gewordenen Gesellschaft fordere, muß ich die Idealisierung der gesunden Selbst-Integration anprangern. Gesund kann man sich nicht fühlen, sondern nur wie über den Computer, den man bedient, sich über das eigene Funktionieren freuen. Die Zumutung an unsere Kinder, sich in der Welt, die wir ihnen hinterlassen, wohlzubefinden, ist eine Kränkung ihrer Würde. Ihnen dann auch noch die Verantwortung für diese Kränkung aufzubürden, ist eine Niederträchtigkeit."
„Zu wissen und nicht zu wissen, absoluter Wahrhaftigkeit inne zu sein, während man sorgfältig konstruierte Lügen erzählte, gleichzeitig zwei einander ausschließende Ansichten zu vertreten, zu wissen, dass sie widersprüchlich waren, und an beide zu glauben; die Logik gegen die Logik ins Feld zu führen, die Moral abzulehnen und sie für sich in Anspruch zu nehmen; an die Unmöglichkeit der Demokratie zu glauben und daran, dass die Partei die Hüterin der Demokratie war; zu vergessen, was vergessen werden musste, um es sich dann wieder ins Gedächtnis zu rufen, wenn es gebraucht wurde, und es dann gleich wieder zu vergessen; und vor allem, eben dieses Verfahren auf das Verfahren selbst anzuwenden. Das war die höchste Finesse: bewusst die Unbewusstheit herbeizuführen und sich dann wieder des eben vollbrachten Hypnoseakts unbewusst zu werden. Allein schon das Begreifen des Wortes ,Doppeldenk’ beinhaltete den Gebrauch von Doppeldenk.“ (S. 46)
„Wer die Vergangenheit kontrolliert, (...) kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit“
„Vergangene Ereignisse, so wird argumentiert, besitzen keine objektive Existenz, sondern über dauern nur in schriftlichen Dokumenten und in der Erinnerung des Menschen. Und da die Partei die absolute Kontrolle über alle Dokumente ausübt und eine ebenso absolute Kontrolle über das Denken ihrer Mitglieder, folgt daraus, dass die Vergangenheit immer so aussieht, wie es die Partei gern haben möchte.“ (S. 257)
Wolfgang Borchert: Generation ohne Abschied (1947)
Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist Abgrund. Wir sind die Generation ohne Glück, ohne Heimat und ohne Abschied. Unsere Sonne ist schmal, unsere Liebe grausam und unsere Jugend ist ohne Jugend. Und wir sind die Generation ohne Grenze, ohne Hemmung und Behütung – ausgestoßen aus dem Laufgitter des Kindseins in eine Welt, die die uns bereitet, die uns darum verachten.
Aber sie gaben uns keinen Gott mit, der unser Herz hätte halten können, wenn die Winde dieser Welt es umwirbelten. So sind wir die Generation ohne Gott, denn wir sind die Generation ohne Bindung, ohne Vergangenheit, ohne Anerkennung.
Und die Winde der Welt, die unsere Füße und unsere Herzen zu Zigeunern auf ihren heißbrennenden und mannshoch verschneiten Straßen gemacht haben, machten uns zu einer Generation ohne Abschied.
Wir sind die Generation ohne Abschied. Wir können keinen Abschied leben, wir dürfen es nicht, denn unserm zigeunernden Herzen geschehen auf den Irrfahrten unserer Füße unendliche Abschiede. Oder soll sich unser Herz binden für eine Nacht, die doch einen Abschied zum Morgen hat? Ertrügen wir den Abschied? Und wollten wir die Abschiede leben wie ihr, die anders sind als wir und den Abschied auskosteten mit allen Sekunden, dann könnte es geschehen, daß unsere Tränen zu einer Flut ansteigen würden, der keine Dämme, und wenn sie von Urvätern gebaut wären, widerstehen.
Nie werden wir die Kraft haben, den Abschied, der neben jedem Kilometer an den Straßen steht, zu leben, wie ihr ihn gelebt habt.
Sagt uns nicht, weil unser Herz schweigt, unser Herz hätte keine Stimme, denn es spräche keine Bindung und keinen Abschied. Wollte unser Herz jeden Abschied, der uns geschieht, durchbluten, innig, trauernd, tröstend, dann könnte es geschehen, denn unsere Abschiede sind eine Legion gegen die euren, daß der Schrei unserer empfindlichen Herzen so groß wird, daß ihr nachts in euren Betten sitzt und um einen Gott für uns bittet.
Darum sind wir eine Generation ohne Abschied. Wir verleugnen den Abschied, lassen ihn morgens schlafend, wenn wir gehen, verhindern ihn, sparen ihn – sparen ihn uns und den Verabschiedeten. Wir stehlen uns davon wie Diebe, undankbar dankbar und nehmen die Liebe mit und lassen den Abschied da.
Wir sind voller Begegnungen, Begegnungen ohne Dauer und ohne Abschied, wie die Sterne. Sie nähern sich, stehen Lichtsekunden nebeneinander, entfernen sich wieder: ohne Spur, ohne Bindung, ohne Abschied.
Wir begegnen uns unter der Kathedrale von Smolensk, wir sind ein Mann und eine Frau – und dann stehlen wir uns davon.
Wir begegnen uns in der Normandie und sind wie Eltern und Kind – und dann stehlen wir uns davon.
Wir begegnen uns eine Nacht am finnischen See und sind Verliebte – und dann stehlen wir uns davon.
Wir begegnen uns auf einem Gut in Westfalen und sind Genießende und Genesende – und dann stehlen wir uns davon.
Wir begegnen uns in einem Keller der Stadt und sind Hungernde, Müde, und bekommen für nichts einen guten satten Schlaf – und dann stehlen wir uns davon.
Wir begegnen uns auf der Welt und sind Mensch mit Mensch – und dann stehlen wir uns davon, denn wir sind ohne Bindung, ohne Bleiben und ohne Abschied. Wir sind eine Generation ohne Abschied, die sich davonstiehlt wie Diebe, weil sie Angst hat vor dem Schrei ihres Herzens. Wir sind eine Generation ohne Heimkehr, denn wir haben nichts, zu dem wir heimkehren könnten, und wir haben keinen, bei dem unser Herz aufgehoben wäre – so sind wir eine Generation ohne Abschied geworden und ohne Heimkehr.
Aber wir sind eine Generation der Ankunft. Vielleicht sind wir eine Generation voller Ankunft auf einem neuen Stern, in einem neuen Leben. Voller Ankunft unter einer neuen Sonne, zu neuen Herzen. Vielleicht sind wir voller Ankunft zu einem neuen Lieben, zu einem neuen Lachen, zu einem neuen Gott.
Wir sind eine Generation ohne Abschied, aber wir wissen, daß alle Ankunft uns gehört.
Unser Leben kreist sich um den Gegensatz zwischen dem Welt-Ich, das tüchtig-sein muss, sein Leben bestreiten muss, Angst hat vor dem Tod und wenn es ihm was fehlt, geht es zum Doktor, und dem Wesen. Das ist die Weise, in der das überweltliche Sein in uns anwesend ist und in uns und durch uns manifest werden möchte in der Welt.
Transzendenz als Erfahrung - Was in uns steht solchen Erfahrungen im Wege?
Das auf rationales Begreifen ausgehende Welt-Ich. Es gibt heute viele Menschen, die viel haben, viel wissen, viel können, aber nichts sind. Sie wären jedoch etwas, wenn sie mit ihrem Wesen, der Weise, wie das göttliche in ihnen anwesend ist, eins wären.
Wir sind Opfer von einer Theologie, die uns daran hindert, noch vom theologos getroffen werden zu können. Wir müssen merken, wer wir eigentlich im Wesen sind und nicht, woran wir zu glauben haben.
Für einen pathologisch sich ernst nehmenden Wissenschaftler ist alles, was das Rationale überschreitet, unwirklich. Infolgedessen werden Erfahrungen dieser Art gar nicht ernst genommen. Ihr geht es ja auch nicht darum, dass der Mensch sich verwandelt, sondern sie mit ihren Techniken die Welt verwandeln können. Wenn man aber begriffen hat, dass das Gewicht einer Erfahrung zu messen ist, in dem Maß, wie es einen Menschen verwandelt, dann wird plötzlich die Erfahrung des Wesens in ihren Rang gehoben.
Der Unterschied zwischen dem abendländischen Geist und der östlichen Weistheit: Alle östliche Philosophie mündet im All-einen, im immerweltlichen Sein. Letztendlich ist die Wirklichkeit nur als die Wirklichkeit anerkannt, in der alles Persönliche draußen ist und das überweltliche Sein das einzige ist, was den Menschen erfüllt. Europäisches Denken mündet in der Person. Es gibt das Wort Person gar nicht im japanischen Lexikon. Genauso wenig wie das Wort Gestalt.
Zen kam von Indien nach China. Es entstand ein chinesischer Zen. Dann von China nach Japan. Es entstand ein japanischer Zen. Wenn nun Zen von Japan nach Deutschland kommt, ist es unsere Verantwortung, keinen japanischen Zen zu imitieren, sondern ihre Form des Zen zu entwickeln. Und diese, unsere Form des Zen ist, dass es nicht mündet im All-Einen, sondern in einer strukturierten Person.
Was also im Buddhismus als Endstadium gesehen wird, ist für den westlichen Menschen ein notwendiger Durchgang, um sich dann wieder der Gestaltwerdung in dieser Welt zuzuwenden. Die Gestaltwerdung sei zugleich als solche zu sehen, in der das Nicht-Gestaltbare eben sichtbarer Gestalt gewinnt. Alles Lebendige ist in dieser Form der Ausdruck des sich unbegreifbaren Seins.
Initiatische / Numinose Erlebnisse
Das Schweigen des Waldes und das Schweigen, das hinter dem Schweigen ist
Die große Kunst, wo das Wort schön nicht mehr ausreicht
Erotik / Karezza, wenn der Mensch sich zu einem größeren Leibe ausdehnt
Der Kult, als das Erleben einer ganz anderen Dimension von Gott
Jeder Man hat eine gewisse eigene Tiefe. Es kommt darauf an, ihn zu seiner Tiefendimension hin zu öffnen.
Initiatische Therapie - Transpersonale Psychologie: Der Versuch, über die Psychologie hinaus zu gehen und den Menschen in seiner Totalität zu erfassen.
Der Körper, den man hat vs. der Leib, der man ist: In seinem Leibe muss der Mensch transparent sein für die ihm immanente Transzendenz. Dem Leib ist eine Haltung aufgegeben, in der der Mensch sich in seiner eigenen Tiefe wahrnimmt und gegenwärtig hat. Ein Mensch, der sich wirklich in seinem Leibe ist, spürt von seinem Leibe her, wenn er plötzlich oberflächlich ist, nur an der Oberfläche des Daseins ist. Der Leib, der man ist, ist die Einheit der Gebährden, indem man sich darstellt, ausdrückt. Der Leib als Ausdrucksmedium des ganzen Wesens.
Die rechte Haltung: Hara - Die Mitte des Menschen
Den Schwerpunkt des Menschen sollte der Muskel unterhalb des Nabels darstellen.
Man darf nicht nach dem Wesen suchen. Man muss sich finden lassen. Wir werden gesucht von der überweltlichen Wirklichkeit, die unseren Kern ausmacht. Wenn wir sie suchen, schieben wir sie weg.
Der Weg bedeutet ein fortschreitendes Gehen in die Tiefe der Person. Weg von der Oberfläche. Die Oberfläche ist das, was wir rational fassen und meistern können.
Was ist der Auftrag des Menschen zwischen Geburt und Tod?
Wirklich Person zu werden. Das heißt, der Mensch, durch den es hindurchtönt. Was hindurchtönt? Das Überweltliche, das er in seinem Wesen ist. Sodass er schließlich als eigentlichen Sinn seines Lebens, sich selbst erfährt als Zeuge des Unendlichen in der Welt.
Das Leben geht nach dem Tod weiter. Die Arbeit an sich selbst geht weiter. Das Leben nach dem Tode ist nicht einfach ein Eingehen in die Herrlichkeit und Sinnlichkeit. Stille. Das Leben geht weiter. Und zwar dort, wo wir es hier abgeben.
Gerechtigkeit, nicht Gleichheit ist ihr Leitbild... Der Verstand allein genügt nicht, um dies zu bewerkstelligen. Viel Gefühl, einen ausgebildeten Sinn für Zusammenhänge, ein starkes, klares Wollen und genügend Verzichtbereitschaft, um das vernünftige Maß zu wahren - das sind die Voraussetzungen für jedes gerechte Handeln und Urteilen.
Gemeint ist eine industriell gesteuerte Form der Kultur, in der sich zeigt, dass Aufklärung und Rationalisierung letztlich nichts anderes sind als ein gigantischer Massenbetrug.
Massenkultur bedeutet das, was einem fest gefügten Schema entsprechend als cool und begehrenswert erscheint. In Wahrheit ist Massenkultur immer nur unter einem Monopol möglich.
Die Kulturindustrie soll so perfekt werden, dass für die Fantasie und die Gedanken der Zuschauer, die ja zu bloßen Konsumenten dieser Kultur geworden sind, nichts mehr übrigbleibt. Es bleibt am Ende buchstäblich nichts mehr zu wünschen übrig. Alle sind mit der Matrix und ihren Filterblasen glücklich.
Die Kulturindustrie lebt von Dingen, die beliebig oft reproduzierbar sind und Gewinn abwerfen. Damit übt sie einen Zwang aus. Sie verleugnet zunehmend all das, was abweicht und anders ist, denn sie versucht alles, was anders ist, zu negieren und gleichzeitig in ihr Produktionssystem zu integrieren. Innerhalb dieser Barbarei der Kulturindustrie wird alles negiert und dem Diktat der Ökonomie unterworfen.
Der Sieg dieser Kulturindustrie ist ein doppelter. Was sie im Namen einer angeblichen Wahrheit draußen auslöschen, können sie gleichzeitig innerhalb der Kultur in ihrer Lüge beliebig oft reproduzieren. Dialektik von Innen und Außen, Wahrheit und Lüge.
Den Menschen wird eingetrichtert, dass die Brechung des individuellen Widerstands, die Brechung des Einzelnen und seiner Gefühle, seiner Lebenswelt in Wahrheit die Bedingung des Lebens in dieser Gesellschaft sei. Die Idee vom Gemeinwohl in der Ideologie des Volkes ist das Gegenteil von echtem Gemeinwohl. Es ist das brutale Ausmerzen von allem, was nicht dieser Vorstellung entspricht.
Letztendlich ist das Ziel der Kulturindustrie ein ökonomisches, während eine authentische Kultur überhaupt nicht in dieser Weise zielgerichtet wirkt.
In der Kulturindustrie aber wird ein fiktives Individuum, ein gleichgeschaltetes Individuum nach Schablone geschaffen. Es herrscht Pseudo-Individualität. Alle kleiden sich besonders individuell und kaufen sich denselben Kram. In Wahrheit ist Massenkultur die Abschaffung des Individuums und damit ein Betrug, der deutlich in die Richtung des Faschismus und der Nazis oder des Stalinismus zeigt. Alles, was sich der Gleichschaltung entzieht. Alles, was anders ist, brüchiger, fragmentarischer, nicht den Schnittmustern und Stereotypen entspricht, ist verdächtig und wird ausgeschaltet.
Ziel der Aufklärung war es ursprünglich, Mythen und Ideologien aufzulösen und Einbildung und bloße Meinung durch Wissen abzulösen.
Nur entwickelte sich mit dieser Form des Wissens, das immer besser und immer genauer wurde, auch die Technik. Diese entwickelte sich jedoch zuletzt auch zu einem Instrument der Macht.
Macht und Erkenntnis sind synonym.
Die ursprünglichen Impulse von Aberglauben, Religion und Mythos sind heute noch im Idealismus wirksam.
Reste des Mythologischen erkennt die Aufklärung, die mehr oder weniger zur rationalen Wissenschaft geworden ist, und sich von allem anderen verabschiedet hat, unter anderem daher auch im platonischen oder aristotelischen Denken. Nämlich im Gebrauch von Ideen. In den Ideen sind gleichsam noch die Dämonen und Götter der Vorzeit am Werk. Die Menschen versuchen diese Dämonen ebenso wie die unberechenbare Natur seit jeher durch magische Rituale, durch Beschwörung in den Griff zu kriegen.
Heutzutage sind es die Rituale der modernen Wissenschaft mit ihren technischen Begriffen, die alles in den Griff kriegen sollen.
Passt etwas nicht ins Bild, so wirf es weg, soweit es unwissenschaftlich ist.
Aber gerade, weil es immer noch dieses große Misstrauen gegen Mythen, Götter, Idealismus und deren moderne Gestalt - Ideen, große Gefühle, Fiktionen und Narrative - gibt, muss die Vernunft in ihrer aufklärerischen Funktion diese radikal kritisieren und, wenn notwendig, beschneiden.
Damit wird Aufklärung zu einer zersetzenden Macht, zu einer technoiden Rationalität.
Eine Rationalität, die sich in allen Bereichen des Lebens durchsetzen will.
Indem Aufklärung selbst totalitär wird, wird sie zum Mythos.
Mit der Entwicklung der formalen Logik und Mathematik, die Algorithmen und die Computerisierung, wird die Wirklichkeit in ihrer Vielfalt sehr grob vereinheitlicht. Die Berechenbarkeit der Wirklichkeit verbietet alle Abweichungen. Das Ziel der Wissenschaft ist die Einheitswissenschaft. Eine Wissenschaft, die letztlich alles zusammenbringt und auf eine einzige Formel bringen will. Nur, was sich rechnet, existiert und ist auch wissenschaftlich solide.
Immer mehr und immer effizienter schneidet die Rationalität das "Inkommensurable" weg. Damit ist das gemeint, was sich eben nicht vereinheitlichen, nicht auf einen gemeinsamen kleinsten Nenner bringen lässt.
Gegen all diese Formen des Reduktionismus hilft nur der Blick auf die faktische Vielfalt und Komplexität der Wirklichkeit.
Logik und die Mathematisierung der Wirklichkeit haben den gemeinsamen Hang zum Allgemeinen, zur Theorie. Dieses Allgemeine kann jedoch eine fatale Wirkung haben. Mit Logik und Mathematisierung wird so etwas wie die Herrschaft des Begriffs und der Zahlen installiert, die sich im Bund mit der Technik zur Herrschaft über die Wirklichkeit entwickeln. Die Menschen bleiben dabei auf der Strecke. Dieser Herrschaft von Begriffen und Zahlen werden die Natur, letztendlich aber auch das Ich und die Gemeinschaft der Menschen unterworfen. Und weil die Menschen Angst haben, versuchen sie alles ihnen Unbekannte, was sich nicht unterwerfen lässt, abzuschaffen und aus ihrem Leben zu vertreiben. Lieber den Terror kalter Zahlen als dieses Unbekannte.
Diese Angst steht auch hinter dem Programm der Entmythologisierung.
Eine solche Aufklärung will alles, was lebendig ist, und zwar deshalb, weil es konkret ist und sich dem Zugriff des Allgemeinen, der Idee, entzieht, auf den vorgegebenen Begriff bringen und durch ihn ersetzen. Dieses Vorgehen ist von Angst und Herrschsucht getrieben.
Kunst, Kultur, alles was sich nicht dem Begriff der Kalkulation unterwerfen lässt, wird verabschiedet, verliert seine Würde, wird ausgestoßen. Warum? Schlichtweg weil es sich dem Zugriff der instrumentellen Vernunft entzieht und dies Angst macht.
Es ist am Ende die Aufklärung selbst und mit ihr eine bestimmte Vorstellung von instrumenteller Rationalität, die totalitär geworden ist. Das ist die zentrale Botschaft der Dialektik der Aufklärung.
Dialektik bedeutet, dass das, was Aufklärung ursprünglich mal meinte, in ihr Gegenteil umschlägt. Also in das, was mythologisch, irrational, teuflisch ist und die Menschen versklavt. Nicht das Denken versucht hier die Wirklichkeit zu verstehen, sondern es versucht umgekehrt, sich die Wirklichkeit zu unterwerfen und sie nach seinen Berechnungen zu prägen. Damit ist Aufklärung aber nichts anderes als eine neue Mythologie. Wer die Welt zu einem gigantischen analytischen Urteil, einem Begriff machen will, der am Ende das Einzige ist, was von den Träumen der Wissenschaft noch übrigbleiben soll, der tötet in Wahrheit das, was er oder sie zu suchen, zu entdecken vorgibt. Das ist das geradezu mythische Grauender Aufklärung.
"„Also die Dinge sind tot. ... Von jeher hatten sie von der Mühe gelebt, die man sich um sie machte. Schwer begreiflich: aber um Mühe gaben sie Leben. Man wollte sie mühelos, man wollte sie hergestellt haben. Das gelang auch. Aber um den Preis ihres Lebens. ... Eines Tags ... wird in den Zeitungen stehen: Wie jetzt erst bekannt wird, sind die Dinge verstorben. Wir werden darauf noch zurückkommen.
Aber zur Zeit dieser Meldung werden nicht mehr Viele verstehen, was gemeint ist. Nur sehr alte Leute werden sich erinnern, in ihren jungen Tagen davon gehört oder gelesen zu haben: irgendwann einmal, vor Zeiten, lustige Vorstellung, sollten die Dinge, der Mond und der Bach und die Tanne, die Stadt und die Bucht und das Kornfeld gelebt haben.“
„Eine Wahrheit muß das Zeitliche segnen können, wie man früher gesagt hat; sonst bleibt sie weltlos. Die Welt ist so dürr geworden, weil sich so viele hergestellte Gedanken herumtreiben, ortlos und bildlos.“
„Am Schluss ist das Leben nur eine Summe aus wenigen Stunden, auf die man zulebte. Sie sind; alles andere ist nur ein langes Warten gewesen.“