Jetzt ist die fünfte Woche doch auch schon wieder fast herum. So beginne ich schon jetzt in Melancholie zu schwelgen und zu bedauern wieder gehen zu müssen.
Ich beginne mich zu fragen, was ich denn überhaupt am Mittwoch gemacht habe. Ich kann es euch leider nicht mehr sagen. Vielleicht geschlafen? Meine Erinnerung ist wie ausgelöscht.
Donnerstag! Mein grandioser Plan. Ich mache Straßenmusik, heute. Die Gitarre schon von Paul klar gemacht, vormittags abgeholt. Dann noch kurz bei Simone vorbei um wieder etwas Cash zu haben. Aber leider war das Wetter in Lissabon heute herzlichstes Portugal-Winter-Wetter. Ein Mischmasch aus Nieselregen, ganz dichter Nebel und richtigem Regen und das fast den ganzen Tag. Da macht draußen fast gar nichts mehr Spaß...
Bei Simone entschied ich mich dann dafür mit deren Einverständnis bei ihr wieder einmal einen leckeren Kuchen zu backen. Dieser war diesmal nicht ganz so deliziös wie ersterer. Aber immerhin lecker. ;) Später dann auf einer öffentlichen Weinprobe mit Lisa, Simone und zwei weiteren Önologen in Ausbildung. ;) Sehr schön. Auch wenn man am Anfang erstmal auch schön den Wein schwenkt um einfach nicht ganz so dumm auszusehen, wie man sich gerade vorkommt. Da der Kuchen vorher leider noch nicht kalt geworden war, gingen wir zurück in Simones Wohnung um den Kuchen zu genießen. Allerdings machten wir auf dem Rückweg noch einen kurzen Abstecher in Lissabons Hard Rock Café, auch wenn wir uns einig waren, dass das nicht so wirklich unserer war uns aber die Toiletten doch recht toll erschienen. Zusammen mit einem wundervollen Abendessen, Gemüse, Risottoreis, Salat, Wein, Kerzen und guten Gesprächen verbrachten wir noch etwas Zeit bis wir letztendlich den Kuchen plünderten. Oh, schon dreiviertel 11. Einer meiner portugiesischen Freunde, der auch Teil der Tuna TUIST ist, lud mich zu einem studentischen Barbecue ein, an welchem TUIST eine Performance hatte. Nicht ganz so gut wie sonst, mit vielen betrunkenen Portugiesen um mich herum, aber trotzdem sehr schön, die Jungs wieder in den traditionellen Gewändern zu sehen. Hm. ♥ Leider erstreckte sich die Nacht doch noch etwas lange. Gute Gespräche mit netten Leute, lustige Gespräche und Situationen. Das macht die Kälte wieder wett.
Freitag. Die Nacht wurde zum Tag, ein Teil des Tages zur Nacht. Nachmittags machten wir uns wieder auf den Weg. Ich mich erstmal nach Hause. Etwas kochen, etwas essen und gleich wieder los. Um 5 Uhr wollten wir uns bei Paul treffen um wieder etwas mit der Band zu proben. Leider hatte ich aber das schlaue Notizbuch am Tag zuvor bei Simone liegen lassen. Das bedeutete leider für mich wiederum eine halbe Weltreise. Etwa um 5 startete ich von zu Hause los. Natürlich an das andere Ende der Stadt, nachdem auch der Bus zu spät kam, um das Büchlein zu holen. Von dort wieder in die Metro und auf zum Miradouro, so mittlerweile die Jungs angekommen waren und etwas jammten. Nach ein paar netten Stunden und einem leckeren Abendessen trennten sich unsere Wege und wir beschlossen uns am nächsten Tag um 2 zu treffen um auf die Straße zu gehen,
Samstag. Aus zwei wurde drei. Und so waren wir am Miradouro. Bis wir loslegten war es dann doch fast vier. Die Leute klatschten und auch der kleine wunderschöne Junge wollte "mais". Wir zogen weiter südlich in die Touristenstraßen der Stadt. Trafen einige Tunas, darunter auch TUIST. Hmm, diese Jungs in diesem Gewändern. :)
Wir zahlten Kaffe, heiße Schokolade und weitere Leckereien mit unserem wohlverdienten Geld und gönnten uns ein wundervolles Abendessen. Traditionell portugiesisch. Und man will es nicht glauben. Vegetarisch! Das erste traditionelle portugiesische Restaurant, das ich kenne, das wirklich vegetarische Gerichte auf seiner Speisekarte hat! Hmm. :) Nochmals auf den Miradouro, etwas Spaß haben, etwas spielen, etwas singen. Nach Hause, oh ich habe noch etwas Mittagessen übrig. Und nun sitze ich hier und schreibe euch. Allerdings ist die Nacht wohl noch nicht zu Ende. Heute war besonders für zwei Freshmen der Tuna ein besonderer Tag. Sie werden heute, wohl jetzt gerade zu Veterans. Diese Art Zeremonie ist natürlich nicht für Leute wie mich. Nur die Veterans selber wissen, was passiert. Es ist eine Tradition und TUIST praktiziert es besonders ausgelassen und machen diesen zu einem besonderen Tag für die beiden, die heute keine Freshmen mehr sein werden. Ich denke, auch diese Nacht wird nicht gerade kurz werden. Hmm. Ich werde das vermissen. Die Menschen, die Traditionen, den Lebensgeist der Portugiesen, das Leben. Dass die Menschen wirklich leben. Dass die Menschen eben nicht nur arbeiten. Die Stadt der sieben Hügel, die durch ihre vielen kleinen Gassen und die schönen Häuser so viele unerdenklich schöne Plätze und Ecken bietet. Ob das für einen Einheimischen auch noch so erscheint? Ich weiß es nicht. Fast jeden Portugiesen, den man allerdings fragt, ob er Lissabon mag, sagt, er liebe es. Das Leben hier ist eben einfach anders. ♥