Sie tranken gerade ihr zweites Glas, als Bella die Vorspeise auf den Tisch stellte. Es sah gut aus, es roch gut und Romy hatte Furcht, es zu probieren, dabei war es nur Suppe vom Leipziger Allerlei: junge Erbsen, Karotten, Spargel, Morcheln, grüne Bohnen und Blumenkohl. Auch ein paar Flusskrebse tauchten zwischen dem Gemüse herum. Bella gab Karl zuerst und sagte: "So, mein Großer, Feenbötchen an Drachenzähnchen, dazu Meerjungfrauschwämmchen, Gartenartillerie und weiße Wölkchen."
Karl rieb sich zufrieden die Hände: "Sind aa Zwiggor drinne?"
"Aber natürlich!"
Dann tat sie auch Romy und Ben von der Suppe auf, zum Schluss sich selbst.
"Guten Hunger!"
Karl und Bella aßen mit großem Appetit, Romy und Ben sahen in die Suppe und fragten sich, was wohl ein Feenbötchen sein könnte? Oder ein Meerjungfrauschwämmchen? Oder Gartenartillerie? Bella hatte es mit so großem Selbstverständnis ausgesprochen, dass man das Gefühl hatte, alle Welt müsste wissen, wie Drachenzähnchen oder Zwicker schmeckten. Selbst der Dienstags-donnerstags-sonntags-Schnitzel-Karl wusste es. Wobei Romy sich sicher war, dass sie Karl in den letzten Wochen kein einziges Mal hatte Schnitzel essen sehen. [...]
Der Hauptgang, eigentlich nur ein sächsischer Sauerbraten in Reibekuchensauce mit Apfelrotkraut und Klößen wurde von Bella aber als Mondputzer mit Nonnenknoten vorgestellt. Und zum Nachtisch servierte sie Sächsische Quarkkäulchen mit Zucker und Zimt, die genauso ungenießbar waren wie der Sauerbraten und Butzemänner hießen. Für Ben und Romy erschloss sich die Bedeutung des Essens erst, als sie es sahen, für Karl und Bella hingegen waren die Namen so real, das Karl schon strahlte, wenn sie ihm aus der Küche zurief, was es als Nächstes gab.