Noch nie war ich in der Lage ĂŒber meine Emotionen zu sprechen oder diese zu benennen. Ich wusste aber auch nie wirklich weshalb. Es war einfach schon immer so und ich habe es einfach so hingenommen, dachte das liegt vielleicht einfach in meiner Natur.Â
Doch letztens war ich bei meinen Eltern und es kamen Erinnerungen hoch, Erinnerungen an SĂ€tze welche meine Mutter mir sagte, wenn ich schlecht drauf oder am Weinen war. Â
Ein paar Beispiele der Aussagen, welche meine Mutter getĂ€tigt hat als es mir nicht gut ging:Â
Mit solch einer Laune nehme ich dich nicht mitÂ
Wenn du so drauf bist bleibst du hierÂ
Ăberleg dir, ob es fĂŒr die anderen gut und angenehm ist, wenn du dort mit solch einer Laune aufkreuztÂ
Ich will nicht, dass du allen den Tag versaust weil du so drauf bistÂ
Du ziehst die Stimmung runter wenn du so drauf bistÂ
Mit so einem Gesicht will dich hier keiner habenÂ
Hör auf zu heulen und begrĂŒĂ den BesuchÂ
Bist du dir sicher das du das mit dem Outing willst? Noch kannst du es RĂŒckgĂ€ngig machen (3 Jahre nach meinem Outing wohl gemerkt)Â
Ich glaub dir das mit dem Outing nicht Â
Ja was kann ich da jetzt tun? Was erwartest du von mir? Kannst du nicht Ă€ndern, musst du akzeptierenÂ
Klar, ab und an haben wir auch darĂŒber gesprochen was mich bedrĂŒckt, grade meine Kindheit war hĂ€ufiger mal Thema. Doch ich kann mich an mehr solcher SprĂŒche erinnern, als am GesprĂ€che darĂŒber, was mich bedrĂŒckt.Â
Ich habe immer das GefĂŒhl vermittelt bekommen, das es mir immer gut gehen muss und ich fĂŒr die Emotionen der anderen verantwortlich bin. Â
Das war schon bei meinem Erzeuger so und hat sich in meiner Pflegefamilie so weiter gezogen (nicht falsch verstehen, ich liebe meine Familie. Sie sind das beste was mir passieren konnte)Â
Ich war schon traumatisiert als ich in meine Pflegefamilie kam, schwer traumatisiert. Der schaden war schon angerichtet. Und statt mir beizubringen meine Emotionen zu benennen, den schaden zu minimieren, wurden diese mir abgesprochen.
Selten wurde ich ernst genommen und irgendwann hab ich gelernt besser zu schweigen, meine Emotionen in mich rein zu fressen und eine Maske zu tragen. Mit der Zeit wurde aus jeder Emotion Wut und Ăberforderung. Ich habe verlernt ĂŒber meine Emotionen zu sprechen, kann sie nicht benennen. Ich kann Wut nicht von Trauer unterscheiden.
Das habe ich schon in so frĂŒher Kindheit gelernt, dass ich mich daran nicht mehr erinnre und dachte "so bin ich einfach."Â
Doch die Wahrheit? Die Wahrheit ist, meine Mitmenschen haben mich dazu gemacht. Â
Und das traurige? Auch heute noch werden solche Aussagen zu Kleinkindern getÀtigt, ohne zu beachten welche Folgen das haben kann.