Ich bin auf der Suche nach dem Magischen.
Am Tisch neben mir erzählt eine frisch geschiedene Frau von ihrem neuen „Lover“. Ich möchte das gar nicht positiv oder negativ bewerten, beurteilen. Was ich raushören konnte, dass er jünger ist als sie selbst. Ich habe nicht all zu sehr gelauscht, sondern einfach ihre Energie, ihre Freude sehen und spüren können, die sie gerade lebt und somit ausstrahlt. Er hat sie umgehauen, sie ist fasziniert von ihm. Er scheinbar genau so von ihr und sie erleben gemeinsame Abenteuer.
Sie ist frei und das sehe ich.
Und dann frage ich mich, was gestern bei mir so anders gelaufen ist.
Warst du aufgeregt? Und wolltest das verstecken? Deine Verletzlichkeit damit vertuschen?
Oder hattest du wirklich einfach kein Interesse an meinem wahren Sein, an meinem wahren Ich. Hat aber vielleicht auch einfach meine Anwesenheit mit meiner Art und Energie gereicht um dich zu faszinieren?
Ich dachte zuerst, zwischen uns wäre eine Connection, was besonderes. Doch nicht einmal der Sex konnte da wieder etwas herstellen. Hatte ich Erwartungen? Oder ist es weil ich gar keine Erwartungen hatte?
Oder vielleicht auch weil ich ein anderes Bild von dir hatte, welches du mir die ersten Male von dir gezeigt hattest.
War ich aber vielleicht auch viel zu sehr damit beschäftigt mich unter Kontrolle zu halten? Zu sehr auf mich fokussiert, mich nicht zu verstecken, mein wahres Sein zu zeigen, meine Schattenseite und meine Verletzlichkeit zu verbergen? Hast du mir Dinge aufzeigen wollen, habe ich in einen Spiegel geblickt, wenn ich dir in die Augen gesehen habe?
Und trotzdem verfiel ich wieder in das alte bekannte Muster. Deine erzwungene Umarmung, ich fand’s ehrlich schön und angenehm und fühlte mich wohl bei dir. Das ganze ging dann aber so schnell. Küssen und das so unvorsichtig und unsensibel wie ich es noch nie kennengelernt hatte. Zunge, über all war da Zunge. Innerlich habe ich „Hilfe!“ geschrien. Wie man im Club damals getanzt hat und die Freundin hilfeanflehend angeblickt hat. Man verstand sich ohne Worte, dieser Blick sagte bereits alles aus. Weder sinnlich, noch stürmisch das ganze. Irgendetwas zwischendrin. Denn stürmisch, das würde ich gar nicht ablehnen.
Es war ein Hauptsache angefasst und auch reingesteckt.
Es hat gut getan wieder jemanden zu spüren. Aber eben nur JEMANDEN. Es spielte gar nicht so eine große Rolle, dass es du warst glaube ich. Was ich von meinen bisherigen Erfahrungen, Begegnungen schon geprägt? Oder hatte ich einfach gedacht du seist genau so, wie du dich mir gezeigt hattest? Wie du dich präsentiert hast?
Denn jetzt merke ich, dass du nicht authentisch bist.
Ich weiß, du magst mich sehr und das kann ich verstehen. Ich mag dich auch, deine lustige flirty Art und dann diese komplett andere Seite von dir: belesen, schlau, gebildet, mit einer besonderen Weltansicht, Dichter, Poet und Hunger auf Abenteuer.
Das andere, dieses zwischendrin, dieses Verallgemeinern, Schlechtreden, Lustigmachen was ich bisher kennengelernt habe, kann ich sagen will ich nicht weiter fühlen und kennenlernen.
Du hast mich echt beeindruckt und sogar sprachlos gemacht, als wir uns an Valentinstag „zufällig“ begegnet sind. Und dann ist das ganze verflogen - nachdem du mich so ganz selbstverständlich in dein Zimmer geführt hast, aufs Bett gelegt hast und direkt begonnen hast mich überall anzufassen.
Dennoch hast du mich zum Wachstum gebracht, ich bin weitergekommen und fühle mich leichter, offener und entspannter. Du hast mir gezeigt, dass ich Menschen beeindrucken kann, die so sind wie du, die so alt sind wie du.
Definitiv war es schon bevor wir in deinem Zimmer waren, der „Walk of shame“ als dein Nachbar mich voller Schock ansah.