Mar Casar La Maison Du Vin Natural
An einem Sonntag Anfang November habe ich mit ein paar maltesischen Freunden das Weingut Mar Casar La Maison du Vin Natural in Siggiewi besucht. Das Weingut legt großen Wert auf natürliche und organische Verarbeitung, sowie den biologischen Anbau des Weines.
Das Weingut liegt in der Nähe des Laferla Cross, dem höchsten Punkt Maltas. Die Rebflächen befinden sich alle am Hang (keine steilen Hänge) und sind bis auf eine kleine Fläche nicht vor aufkommenden Winden geschützt.
Die Frau des Winzers führt uns über das Gelände und erklärt fachmännisch. Die angebauten Rebsorten sind Merlot und Chardonnay
Das Weingut ist ein Familienbetrieb und verwendet keinerlei Spritzmittel oder andere Biozide oder Herbizide. Auffällig ist schon allein der Beschnitt der Reben, völlig anders wie bei uns, genau wie bei den Olivenbäumen, die nur sehr kleine bis gar keine Früchte tragen.
Der Rückschnitt der Reben scheint, ohne Frost, schwierig zu sein, denn wie wir erfahren werden diese Ende Februar geschnitten, in einem 14 Tage Zeitfenster, damit die Pflanze “nicht weint” und nicht unnötig Lebenssaft verliert.
Nach der Besichtigung der Außenanlagen geht es in ein größeres Gebäude und über Treppen hinunter in den Weinkeller. Der Wein wird als Amphorenwein ausgebaut. Es handelt sich um eine uralte Herstellungsmethode aus Spanien, erklärt uns die Frau des Winzers: das Vergären und Lagern in der Tonamphore. Die Vorteile der Amphore sind, dass sich das Material nur langsam erwärmt, es geschmacksneutral und atmungsaktiv ist. Diese Amphoren werden vor der Befüllung mit Bienenwachs ausgestrichen, damit der Most keinen direkten Kontakt mit der Amphore hat.
Im Keller sehen wir die einbetonierten Amphoren, die durch eine Isolation aus Sand und Wasser gekühlt werden. Weiter erfahren wir, dass die Arbeit mit der Amphore eine Rückkehr und Auseinandersetzung mit alten Traditionen bedeutet und hier in diesem Weingut als eine der besten Arten angesehen wird auf Malta Wein herzustellen.
Nach der guten und ausführlichen Führung durch die Reben, den Olivenhain und den Keller gab es ein großes Essen mit verschiedenen lokalen Spezialitäten. Begonnen wurde mit Brot bestrichen mit Bigila (schwarzer Bohnenpaste), dazu ein Haus-Rotwein. Als Starter gab es Weinbergschnecken, Kutteln und Hühnerbeine. Nach einer angemessenen Pause kam der Hauptgang: Rindfleisch oder Hähnchen mit Kartoffeln.
Alle Speisen waren wie in Malta üblich ohne Salz aber mit regionalen Gewürzen verfeinert. Zu diesem Hauptgang wurde ein Chardonnay gereicht. Wir waren eine Gruppe von ca. 18 Personen mit unterschiedlicher Herkunft und bei Tisch entwickelten sich schnell die verschiedensten interessanten Gespräche. Als Zwischengang bekamen wir frisch geröstete Erdnüsse und dann als Nachtisch hausgemachtes maltesisches Früchtebrot und einen dieser leckeren Mandelkuchen dazu maltesisch zubereiteten Kaffee.
Für “Kaffee Süchtige” hier ein kleiner Tipp – guten Kaffee gibt es in den Städtern in den dortigen italienischen Bars. Der Malteser allgemein trinkt seinen Kaffee, den er selbst zubereitet, wie seinen Tee nur natürlich ohne Milch. Alles in allem ein hervorragendes Essen bei dem auch gilt, lerne von den Einheimischen! Salz wird von jedem erst einmal großzügig auf dem Essen verteilt, natürlich ohne vorher zu probieren. Ganz gewiss schmeckt hier nichts wie zu Hause.
Die Kartoffeln sind zum Beispiel mit wildem Kümmel, Rosmarin und Fenchel gewürzt und spätesten nach dem 4. irritierten Bissen wird dir klar, dass der Fenchel den Druck aus dem Magen nimmt und du so leichter durch das großartige mehrgängige Essen kommst, denn der Malteser isst gerne reichlich und reichhaltig. Für einen kurzen Moment frage ich mich, woher all das kommt, denn im Grunde ist Malta und seine Inseln ein großer gelber Kalksteinbrocken mit einer dünnen Erdschicht ohne Flüsse. Der gereichte Wein war für meinen “Badischen “ Gaumen eine besondere Herausforderung aber mit ein wenig Mut zu Neuem durchaus interessant.
Bemerkungen zur Weinherstellung:
Diese Art der Vinifikation erscheint mir befremdlich und ist heutzutage in Deutschland nicht mehr üblich, doch gerade in südlicheren und ländlicheren Ländern begegnet man dieser Methode immer wieder. Sicherlich werden Amphorenweine weiterhin eine (nicht ganz günstige) Nische bleiben. Die Aromatik ist stark vom Sauerstoff geprägt und fällt damit auch komplett aus dem Rahmen. Des Weiteren schwören einige Winzer auf die rundliche Form des Gefäßes, die einen besonders harmonischen Einfluss auf die Bewegung der Moleküle haben soll. Für einige ist das esoterischer Quatsch, aber durch die zunehmende Bedeutung von Bio und Biodynamik hat diese altmodische Weinbereitung eine Menge Freunde gefunden. Solche Weine erfordern Offenheit und Neugier.