In Passau kommen zwar viele FlĂŒchtlinge an, aber das Alltagsleben der Stadt ist davon kaum berĂŒhrt. Fotos: dpa
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In Passau kommen zwar viele FlĂŒchtlinge an, aber das Alltagsleben der Stadt ist davon kaum berĂŒhrt. Fotos: dpa
Bitte besuchen Sie Passau!
Wenn es um das Thema FlĂŒchtlinge geht, steht meine Heimatstadt Passau im Fokus der Medien. Auch wenn immer wieder berichtet wird, wie routiniert die Region inzwischen mit den vielen Ankommenden umgeht, haben viele Menschen anscheinend ĂŒberhaupt keine Vorstellung, inwieweit das Leben in und rund um die Stadt tangiert ist. In so manchen Köpfen schwirren Bilder von einem Ort im Ausnahmezustand herum: FlĂŒchtlingsmassen, Demos linker und rechter Gruppierungen, gesperrte StraĂen und Grenzen. Immer mehr HĂ€ndler und Gastronomen sorgen sich inzwischen um ihre Zukunft. Ich selbst werde oft mit einer groĂen Verunsicherung konfrontiert - nach dem Motto: Ja, kann man denn ĂŒberhaupt noch nach Passau fahren? Man kann! Im Alltag ist nĂ€mlich von der FlĂŒchtlingsthematik kaum etwas zu spĂŒren. âHier kann man trotz der FlĂŒchtlingssituation toll einkaufen und toll essen gehenâ, wurde Robert MichetschlĂ€ger, GeschĂ€ftsleiter des Modehauses Wöhrl, soeben in der Sonntagszeitung zitiet. Also, lassen Sie sich von einem Besuch unserer schönen DreiflĂŒsse-Stadt nicht abhalten, andersherum: Bitte kommen Sie! (ti)
Oh, Du schöne Abfallvermeidungszeit
Ende November ist es an der Zeit, mit der Familie ĂŒber MĂŒll und Recycling nachzudenken. Bevor die wichtigen Dinge kommen. Hier geht es zum WochenrĂŒckblick auf mittelbayerische.de
Im Continental-Vorstand ist Dr. Ariane Reinhart zustĂ€ndig fĂŒr âHuman Relationsâ. In dieser Woche besuchte sie den Standort Regensburg. Von der Oberpfalz aus werden zwei der fĂŒnf Divisionen des weltweit tĂ€tigen Autozulieferers gesteuert. Foto: Schönberger
Vom Stolz der ContinentÀler
Die promovierte Juristin Ariane Reinhart war 15 Jahre fĂŒr Volkswagen tĂ€tig, zuletzt als Personalchefin bei Bentley in England. Seit einem Jahr ist sie nun die Frau im Vorstand des Automobilzulieferers Continental und zustĂ€ndig fĂŒr den Bereich Personal, genauer: âHuman Relationsâ, wie das in der Unternehmensterminologie exakt heiĂt. Im MZ-Interview sagt sie, damit sei Conti der einzige Dax-Konzern, der nicht von Ressourcen spreche, sondern von âBeziehungenâ, wenn es um Menschen/Mitarbeiter geht. Menschlichkeit, ein guter Umgang miteinander, an die FĂ€higkeiten der BeschĂ€ftigten zu glauben und vielleicht auch Talente zu wecken, sind der Managerin sehr wichtig. Dazu gehören durchaus auch mal ein aufmunterndes Wort und die ehrlich gemeinte Frage nach dem Befinden. Reinhart sagt, sie habe das GlĂŒck, dass ihre Mit-VorstĂ€nde âvom Herzen her Personaler sindâ und eine entsprechend positive Firmenkultur nicht als âesoterisches WohlfĂŒhl-Gedönsâ abtun. Das scheint zu funktionieren. Am gleichen Tag teilt Conti die Ergebnisse einer freiwilligen Mitarbeiterbefragung mit. 80 Prozent von ĂŒber 140 000 BeschĂ€ftigten weltweit, die geantwortet haben, seien stolz, âContinentĂ€lerâ zu sein. Das sind zehn Prozent mehr als bei der vorangegangenen Befragung im Jahr 2011. (ti)
#dermitdemGolftanzt
Es schien als hĂ€tten die deutschen Autohersteller es endlich geschafft. Nachdem vor allem in den 80er Jahren Autos âMade in Germanyâ in Hollywood-Filmen meist negativ auffielen â entweder als Fortbewegungsmittel des Bösen (Mercedes) oder des Dummen (Volkswagen ... ja, dazu zĂ€hlt auch Herbie) â, durften zuletzt echte Helden mit BMW und Co. durch Filmwelten cruisen. Der VW-Skandal könnte das neue Image jetzt gefĂ€hrden. Leonardo DiCaprio hat sich bereits die Filmrechte fĂŒr ein Buch zur Abgasgaudi gesichert. Mal abgesehen von der Frage, wo denn so schnell jetzt das Buch herkommt, stellt sich vor allem diese: Wer spielt die tragische Hauptrolle, wer gibt den Winterkorn? Einige VorschlĂ€ge liegen auf der Hand: Kevin Costner (Der mit dem Golf tanzt), Nicolas Cage (Con Air TDI â ja, dauert ein bisschen) oder Gerard Butler in Der Phaeton der Opel... Moment. Phaeton ist ja schon eine Oper, beziehungsweise eigentlich eine Figur aus der griechischen Mythologie, die eines Tages den Sonnenwagen klaut und damit einen Unfall baut, eine Katastrophe solchen AusmaĂes, dass Ovid darĂŒber schreibt: âDie Erde geht in Flammen auf, [...] und die ungeheure Feuersbrunst verwandelt ganze Völker zu Asche.â Joa, nah dran. Doch weil es so schön war noch einige VorschlĂ€ge fĂŒr den Volkswagen-Film: Ralph Fiennes spielt in âDer englische Passatâ einen VW-Manager, der sich nicht an manipulierte Abgaswerte erinnern kann. Oder: In der 3D-animierten Tragikkomödie âup!â macht ein alter Manager einem kleinen Jungen vor, dass die Luftballons, die aus seinem Schornstein kommen, kein Helium enthalten. Was noch? âThe Lupo of Dieselstreetâ, ÀÀh.. âPolo Fictionâ, Moment, Moment, irgendwas mit Herr der Ringe und Audi... Gut, Leonardo DiCaprio wird sich schon etwas ausdenken. Im Zweifelsfall ein garantierter Kassenschlager: Titanic 2 (ma)
Zum Verwechseln Àhnlich: Kevin Costner als Martin Winterkorn Foto: dpa
VW zwischen Hummer-Arnie und Diesel-Jacke
Die Woche mit VW
Montag: Kunden in den USA machen ihrem Ărger Luft, sofern sie trotz Schnappatmung welche bekommen. Auch Arnold Schwarzenegger empört sich lauthals. Er, der frĂŒher bevorzugt im sauf- und rauflustigen Hummer-GelĂ€ndewagen Stickoxide, CO2, RuĂ und was die Lunge sonst begehrt in Riesenschwaden der AtmosphĂ€re anvertraute. Is scho a echta Ăko, da Aarnie.
Am Dienstag kommt  von VW ausnahmsweise wenig Neues. Marktforscher stellen fest, dass das Markenimage von VW und Audi gelitten hat. Im nÀchsten Leben werde ich Marktforscher. Dann arbeite ich wenig und glÀnze mit Aussagen wie: Nach dem Krieg braucht man neue Möbel. Oder: Verpackungen ohne Inhalt können EnttÀuschungen verursachen.
Mitttwoch:  Die Empörungs- und PlĂŒnderungsindustrie heizt VW mĂ€chtig ein. Darunter ein US-Landkreis mit Hauptstadt Houston, Texas. Von der Ălindustrie sauber verdreckt. Jetzt sollen 6000 VW-Diesel an der Umweltverschmutzung dort schuld sein. Irre und abstoĂend.
Donnerstag: VW hat ja flugs den Ruf des Diesel ruiniert. Diesel. Da gibtâs die Marke fĂŒr Kleidung, Schmuck, Uhren. FĂ€llt mir auf, als Kollege Christian S. mit brauner Diesel-Lederjacke vor mir steht. So eine können ja nur noch Trucker tragen, nachdem Diesel-Pkw imagemĂ€Ăig unten durch sind. Christian ist aber weniger der Typ Trucker, sondern Rollerfahrer. Er sollte gegen VW wegen Lederjacken-Wertverlusts klagen. (fl)
Ăberschwemmung in Houston: Daran ist ganz gewiss VW schuld. Foto: dpa
Mauer fĂŒr intelligente Studenten
Wohnst du schon oder lebst du noch daheim? Eine Frage, die sich vielen Studenten zu Semesterbeginn stellt. Nicht jede(r) Bildungswillige bildet sich ein, Hotel Mama wĂ€re so schön bequem, dass man immer wieder gerne morgens die Eroberung des Vorabends am FrĂŒhstĂŒckstisch vorstellt. Macht man inzwischen zwar stets im Netz, aber wirklich nicht live daheim.Â
Doch vor die neue Wohn-Freiheit und die gesunde Abnabelung von den elterlichen Dienstleistern hat der Markt den Wohnungswahnsinn gemauert. Inzwischen gilt der studentische Wohnungsmarkt in 39 der 87 gröĂeren UniversitĂ€tsstĂ€dte als angespannt. Regensburg gehört selbstverstĂ€ndlich dazu, Ehrensache fĂŒr eine prosperierende Stadt.Â
Die Mieten wirken als Sozialauslese stĂ€rker als die vorĂŒbergehend erhobenen StudiengebĂŒhren. Auf jeden Fall dann, wenn in der NĂ€he des bisherigen Wohnortes das gewĂŒnschte Studium nicht angeboten wird. Wir reden hier nicht von jenen jungen hoffnungsvollen MitbĂŒrgern, die materiell ins Wonnekissen geboren wurden und mit dem neuen BMW Cabrio ihren Umzug ins von den Eltern erworbene Penthouse begleiten. Sondern von diesen prekĂ€ren Abi-Kids, die sich anmaĂen, sich mit Intelligenz â ansonsten weitgehend mittellos â fĂŒr eine Hochschule zu bewerben. Wer da bei der Lotterie um die viel zu knappen Bleiben im Studentenwohnheim glĂŒcklos bleibt, hat es nun mal massiv schwerer (fl)
Studieren wollen, aber kein Geld haben - so endet das eben...Foto: dpa
Verhungern an der Wursttheke
Im örtlichen Edeka hat die sogenannte Frischetheke dicht gemacht. Nachdem Fisch, Fleisch und KĂ€se in den vergangenen Wochen nur noch zu bestimmten Zeiten direkt von der FachverkĂ€uferin geschnitten und beworben wurden, steht jetzt eine Wand aus schwarzen KĂŒhlschrĂ€nken dort, wo einst die Theke war. Warum? Offenbar konnte der Markt keine oben genannte FachverkĂ€uferinnen mehr finden und musste deswegen den Betrieb der Theke einstellen. Klingt logisch, klagt der Einzelhandel doch schon lĂ€nger ĂŒber Nachwuchsprobleme an den Bedientheken. FĂŒr 20 000 Brutto mag sich halt nicht jeder anschnauzen lassen, warum es denn keine katalanische Chorizo mit Bio-Oregano gibt. Die Frage ist aber: Warum finden Konkurrent Rewe und Edeka-Tochter Netto trotzdem noch genug Personal, um ihre Frischetheken zu betreiben? Immerhin fĂŒhrt Edeka mit den Lebensmitteln doch eine gefĂŒhlsbetonte Beziehung, wĂ€hrend Rewes Motto den Kunden im Unklaren darĂŒber lĂ€sst, ob er jetzt seine LebensqualitĂ€t erhöhen oder âbesser lebenâ soll, als es nicht zu tun und Netto lediglich nĂŒchtern darauf hinweist, dass es dort Rabatte auf namentlich geschĂŒtzte Produkte gibt. Ob Edeka jetzt in seinen Werbefilmchen auch KĂ€se in Plastikfolie und Styropor zeigt? (ma)
Den gesamten WochenrĂŒckblick finden Sie auf mittelbayerische.de
Multilinguale Wurst, nihilphonetisch dargeboten. Foto: Anton
Evolution statt Knall
Der Maut-Alex Dobrindt lĂ€sst mal wieder ein Kracher los und hat sich dazu mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zusammengetan. Es geht darum, dass Deutschlands Automobilbranche WeltmarktfĂŒhrer bleibt. Vor einigen Jahren hat die Bundesregierung deshalb verkĂŒndet, wir gehen bei der ElektromobilitĂ€t voran. Das mit den eine Million Stromautos bis 2020 wird nun offenbar nichts. GroĂ ist nur eines: die EnttĂ€uschung. Also nĂ€chster Versuch: Deutschland will die Vorreiterrolle beim automatisierten Fahren. Da geht es viel flotter vorwĂ€rts als beim E-Auto. Allerdings kann man Parallelen entdecken. Beim E-Auto hat man immer nur an Fahrzeuge gedacht, die ausschlieĂlich batteriebetrieben bewegt werden. Nun zeichnet sich ab, dass der Ăbergang ein gleitender sein wird, mit immer stĂ€rkerer Elektrifizierung, die zum Teil als solche gar nicht wahrgenommen wird (Start-Stopp, âSegelnâ beim Gaswegnehmen). Ăhnlich könnte es beim automatisierten Fahren sein: Die Assistenzsysteme ĂŒbernehmen immer mehr Funktionen. Aber das Ziel völlig selbststĂ€ndig sich bewegender Autos, die keinen Fahrer mehr brauchen, liegt wohl weiter als sich viele ertrĂ€umen. Es gibt halt nicht den groĂen Knall, den man politisch plakativ verkaufen kann, sondern eine Evolution. (fl)Â
Autonomes Stehen mit dem Auto funktioniert schon mal ganz gut. Jedenfalls war das auf der IAA so zu sehen. Foto: dpa
Ab nach Schwöstusanien
Es scheint der Traum deutscher WerktĂ€tiger zu sein: in Rente gehen und ein schönes PlĂ€tzchen im Ausland beziehen. Immer mehr Rentner verbringen ihren Lebensabend jenseits der Grenze. Ihre Zahl ist 2014 um 1,7 Prozentpunkte auf 226 000 gestiegen, weiĂ die Rentenversicherung. Am beliebtesten ist Schwöstusanien: Kennen Sie nicht? Auch im ReisebĂŒro weiĂ keiner bescheid? Es besteht aus der Schweiz, Ăsterreich, den USA und Spanien â die Favoriten deutscher Rentner. (fl)
Berge, Meer, schönes Wetter â in Schwöstusanien ist alles vereint, was des RuhestĂ€ndlers Herz begehrt. Wir haben getrickst. Das Bild zeigt das tĂŒrkische Belek vor den Gipfeln des Taurus-Gebirges. Foto: dpa
NatĂŒrlich fahre ich (noch) Zug
Fahren Sie denn gar nicht mehr Zug? - fragte mich kĂŒrzlich ein Leser. NatĂŒrlich fahre ich. Ich wollte Sie nur nicht mit wiederkehrenden Er-fahrungen langweilen: zu heiĂ (fast nie), zu kalt (meistens), unfreundliche Mitreisende (oft), nette Zugebegleiter (so gut wie immer), aber auch das ein oder andere bereichernde GesprĂ€ch (schönen GruĂ an Christa!).
In der Regel versuche ich einen Platz im Ruhe-Abteil (Handyverbot!) zu ergattern. Eine Garantie fĂŒr Stille ist das leider nicht. Inzwischen haben diesen Ort nĂ€mlich auch kinderreiche Familien, Laptoptastatur-MaltrĂ€tierer und Besitzer von klĂ€ffenden Kleinsthunden in Körbchen entdeckt. Neben den verschiedensten GerĂ€uschbelĂ€stigungen dĂŒrfen Geruchtsattacken nicht unerwĂ€hnt bleiben. Am Wochenende verspeisten meine Mitfahrer Unmengen von hartgekochten Eiern und der ICE musste in Vilshofen ein Stunde lang warten, weil sich FlĂŒchtlinge auf den Gleisen befanden... Dennoch wĂ€re  fĂŒr mich das Auto auf weiteren Strecken niemals eine echte Alternative. (ti)
Weihnachten im Juli? Protest!
Liebe Claire Becker, Sie haben es tatsĂ€chlich geschafft. Sie waren die Erste, die uns sagt, dass quasi demnĂ€chst â in inzwischen weniger als fĂŒnf Monaten â âWeihnachten vor der TĂŒr stehtâ. In Ihrer Pressemitteilung schreiben Sie, dass Sie âbisher noch keine staubtrockenen Spekulatius oder windschiefen NikolĂ€use in den Regalen entdecktâ haben. (Da bin ich aber extrem froh!) Deshalb brĂŒsten Sie sich voller Stolz: âSind wir dieses Jahr die ERSTEN, die euch an Weihnachten erinnern!â Wer zu den ganz schnellen GeschenkkĂ€ufern gehöre, könne sich âim Folgenden schon mal von netten Geschenkideen fĂŒr die ganze Familie inspirieren lassenâ, geht es im Text von Anja Sziele PR weiter. Es folgen Bilder von âWertvollem fĂŒr den Liebstenâ wie beispielsweise einem dreifarbigen Stockschirm mit Holzgriff oder einer Aktentasche mit Lochmuster, âModischem fĂŒr die beste Freundinâ wie einer Schmuckrolle fĂŒr die Reise, âNostalgischem fĂŒr den Papaâ wie einer UmhĂ€ngetasche mit Laptop-Polsterung oder âElegantem fĂŒr die Mamaâ wie einem Schmuckkasten in Form einer alten Hutschachtel ... Liebe PR-Leute, Weihnachtsgeschenke im Juli sind kein Marketing-Gag. Sie kommen definitiv furchtbar viel zu frĂŒh! (ti)
Mit Bosch-Wadel den Berg hinauf
Wochenende â Zeit, was fĂŒr die Fitness zu tun. Eine von vielen Möglichkeiten: in den Bergen die Höhen erwandern. Inzwischen ist man in den Alpen indes vielerorts zu FuĂ ein Exot. Da wird der Berg erradelt â in Kolonnen. Mountainbiken ist zweifellos ein prima Sport, aber auch da fĂ€hrt der Irrsinn mit: davon abgesehen, dass ums Eck fliegende Downhiller ein heruntergekommenes Risikobewusstsein demonstrieren â die Biker kommen auch von unten mit Speed herangerollt. Möglich machtâs das E-Bike, das auch mindertrainierte Radler dank Elektromotor (Bosch-Wadel) groĂe Höhen erklimmen lĂ€sst. Inzwischen rauschen Biker zunehmend nachts durch die Berge, erzĂ€hlen Almwirte fassungslos. Die Alpen werden immer mehr zum verwuselten Freizeitpark, fĂŒr manche zum schnöden TrainingsgelĂ€nde (âgeiles Höhenprofilâ). Wie schade um die Berge. (fl)
Die Alpen sind ein ideales TrainingsgelÀnde und bieten tolle Begegnungen. Oder? Foto: dpa
Froschschenkel statt Babybrei
Kaum haben sich die Griechen den Reformvorschriften ihrer GlÀubiger gebeugt, sind sie gesegnet mit weiterem Irrsinn, den sie noch gar nicht in diesem Ausmaà kannten. Aber wir in Deutschland!
 Reden wir von der Mehrwertsteuer. Sie wird nun in Griechenland fĂŒr viele Produkte, die bei uns nur ermĂ€Ăigt mit sieben Prozent besteuert werden, auf 23 Prozent erhöht. Seltsam. Nun kommt es zu kuriosen Ausnahmen. Frischer Tintenfisch, gekĂŒhlt oder gefroren, bereitet dem Fiskus die 23-Prozent-Steuer. Ist der vielarmige Meeresbewohner aber getrocknet, gesalzen oder gefroren, sind nur 13 Prozent fĂ€llig. Es gibt viele kuriose Beispiele, die das âHandelsblattâ genĂŒsslich aufzĂ€hlt. Was diese Murkser in der Regierung in Athen wieder anstellen!!Â
Nun, sie vollziehen jenen Blödsinn nach, an den sich der Deutsche lĂ€ngst gewöhnt hat, vermutlich, weil er davon meist nichts weiĂ. Bei uns sind GrundbedĂŒrfnisse mit nur sieben Prozent ermĂ€Ăigt besteuert. Etwa Lebensmittel. Aber Achtung! FĂŒr Fische aus dem Zuchtteich gelten sieben, fĂŒr solche aus dem Aquarium 19 Prozent. Der gĂŒnstige Satz wird auch bei Krebsen berechnet, aber nicht bei Hummer, Austern und Schnecken.Â
Warum ausgestopfte Tiere nur ermĂ€Ăigt besteuert, also als Grundbedarf eingestuft werden, gibt durchaus RĂ€tsel auf. Ich habe kein ausgestopftes Tier und bislang keine Mangelerscheinungen deswegen festgestellt. Nein, da fĂŒhlt man sich in seinen GrundbedĂŒrfnis-AnsprĂŒchen eigentlich nicht verletzt. Auch wird der gewöhnliche Verbraucher ohne Katzenfutter oder Hundekekse auskommen. Es sei denn, er hat ein Haustier. Aber warum wird Tierfutter ermĂ€Ăigt?Â
Die eigene Entscheidung ist es auch, Kinder haben zu wollen. Dass dann aber der Fiskus bei Babynahrung und Kinderkeksen voll zulangt, ist wiederum schwerer verstĂ€ndlich. Eltern sollten die Nachkommen stattdessen mit GĂ€nseleber, Froschschenkeln oder Wachteleiern groĂziehen, denn die werden mit sieben Prozent besteuert. Das Ergebnis ist eine verzogene, aber steuerschonend aufgezogene Brut. Ihr seht, liebe Griechen: Der Irrsinn kennt keine Grenzen. Und wir sind Spezialisten dafĂŒr. (fl)
Dem Gourmet graut vor nichts: So sehen Froschschenkel aus. Kinder in Steuerspar-Haushalten sollten sich an diesen Anblick gewöhnen. Foto: dpa
Freitag: Und kompromisslos bis nichts mehr geht
Apropos Fisch: In einem weiteren Sieg fĂŒr die Diplomatie einigen sich die Arktis-Anrainer auf ein Fischereiverbot im Nordmeer. Toll! Nötig wird das Abkommen durch die zunehmende Enteisung der GewĂ€sser rund um den Nordpol â in einigen Jahren könnte der arktische Ozean im Sommer eisfrei sein und so die industrielle Fischerei ermöglichen. Eine Frage: Warum einigen sich die USA, Russland, Kanada, DĂ€nemark und Norwegen nicht einfach darauf, nicht in der Arktis nach dem Zeug zu bohren, das uns die ganze Schmelzerei eingebrockt hat? Dann gibt es auch keine bösen Ăberraschungen, wenn das â natĂŒrlich nicht dauerhafte â Fischereiverbot wieder gekippt wird, weil die fetten Lachse ach zu lecker locken. Fisch in Ăl klingt besser als es in der RealitĂ€t aussieht, einfach mal die Fischer im Nigerdelta fragen. (ma)
Den kompletten WochenrĂŒckblick der Wirtschaftsredaktion gibt es hier.
Fischen verboten! Nach Ăl bohren? ... Okay! Foto: dpa
Wie in den 60ern
Die Einigung im Streit um Griechenlands Schulden zeigt: In der Welt von IWF und EuropÀischer Union gibt es keine Debatte um das Wachstumsmodell. Nur wer das akzeptiert, darf SolidaritÀt erwarten. Hier geht es zum Kommentar unseres Autors.