âAvoir la chienneâ, âen chienâ, âcoup de chienâ, âchien saleâ, âfucker le chienâ, âchien de pocheââŠ
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Janaina Medeiros
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KUNDSCHAFTER DES KAPITALISMUS. Die neuen Flaneure hÀngen an der App.
[Flaneur] [Mikrosklaverei] [Kundschafter des Kapitalismus] [Ăkonomisierung]
Um der Romantisierung vorzubeugen, muss man immer wieder daran erinnern:
Walter Benjamin hat den Flaneur nicht als frei schwebenden philosophischen SpaziergĂ€nger entworfen. Er hat ihn ĂŒber die dialektische Verstrickung mit den GesetzmĂ€ssigkeiten des Kapitalismus definiert.
EINFĂHLUNG IN DIE WARE
Der Flaneur beobachtet nÀmlich nicht bloss die Objekte der neuen Konsumwelten. Er gleicht sich ihnen an.
âGrundsĂ€tzlich ist die EinfĂŒhlung in die Ware EinfĂŒhlung in den Tauschwert selbstâ, notiert Benjamin. âDer Flaneur ist der Virtuose dieser EinfĂŒhlung. Er fĂŒhrt den Begriff der KĂ€uflichkeit selbst spazieren. Wie das Warenhaus sein letzter Strich ist, so ist seine letzte Inkarnation der Sandwichmann.â
Von SelbststĂ€ndigkeit bleibt da nicht viel ĂŒbrig. Erkenntniskraft gewinnt der Flaneur nur ĂŒber seine AbhĂ€ngigkeit vom SystemÂ
"Er ist der Beobachter des Marktesâ, heisst es bei Benjamin weiter. âSein Wissen steht der Geheimwissenschaft von der Konjunktur nahe. Er ist der in das Reich des Konsumenten ausgeschickte Kundschafter des Kapitalisten.â
ALLTAGSDETEKTIVE MIT SMARTPHONE
Solche Kundschafter des neuen Kapitalismus treten im verlinkten Artikel auf.
Sie werden "Detektiveâ genannt, die ĂŒber eine App mit einer Zentrale verbunden sind. Von dort können sie AuftrĂ€ge abrufen, die sie durch die Stadt fĂŒhren.
Mal geht es darum, Preise in den Kiosken eines Viertels zu ermitteln. Mal soll man nachschauen, ob bestimmte Produkte in einem Laden auch so platziert worden sind, wie es vertraglich verabredet wurde. Mal sollen Fotos von einer Immobilie gemacht werden. Mal ist die Frage, ob eine Kneipe auch fĂŒr Rollstuhlfahrer gut zu erreichen ist.
Bezahlt wird dafĂŒr in KleinstbetrĂ€gen. Nur wer rund um die Uhr unterwegs ist, kommt auf einen nennenswerten Verdienst. Das Beste ist, man erledigt die AuftrĂ€ge als Nebenjob eines Nebenjobs. So verstanden, lassen sich die Strecken, die man sowieso geht, in Dienstwege verwandeln. Und die ZeitlĂŒcken, in denen man sonst nichts verdient, lassen sich ganz neu verrechnen.
DIE NEUEN MIKROSKLAVEN
So wird der neue Flaneur zur Ware, die dem Hypertauschprinzip unterworfen ist.Â
Die Ăkonomisierung dringt in die kleinsten Raum- und Zeiteinheiten ein. Verdienen lĂ€sst sich nur etwas, wenn man auch noch die letzten Energiereservoirs so zur VerfĂŒgung stellt, dass sie etwas nĂŒtzen.Â
Dabei bleibt der Flaneur als scheinbar selbstÀndiger Unternehmer ohne feste VertrÀge abhÀngig von dem, was gerade angeboten wird.
Wenn keine AuftrĂ€ge auf dem Display erscheinen, gibt es auch nichts zu verdienen. Dann klickt er unverrichteter Dinge weiter zum nĂ€chsten Anbieter, bei dem er seine Arbeitskraft fĂŒr einen Miniaturauftrag mit Mikrolohn zur VerfĂŒgung stellen kann.Â
Kein Zufall, dass dieser Flaneur unter stĂ€ndiger Beobachtung steht. Sein Smartphone zeigt an, wo er sich gerade befindet. So wird nachgeprĂŒft, ob er sich auch wirklich an die Orte bewegt, an denen er seine AuftrĂ€ge erfĂŒllen soll.
WAS DIE NEUE FLANEURLITERATUR LEISTEN MUSS
Der verlinkte Artikel erzĂ€hlt den Tag eines solchen Mikrosklaven. Zugleich entwirft er die ErzĂ€hlung eines neuen Flaneurs des neuen Kapitalismus.Â
Was ihm allerdings noch fehlt, ist der dialektische Dreh, der Benjamin dazu gebracht hat, im Flaneur nicht nur ein Opfer der VerhĂ€ltnisse zu sehen, sondern ihn zu einer Reflexionsfigur zu machen, ĂŒber die erst möglich wird, etwas an der neuen Marktform zu verstehen, was sonst nicht zu verstehen wĂ€re.
Erst so entzieht sich der Flaneur der SphĂ€re der reinen Ăkonomisierung, obwohl er so ganz und gar in ihr aufgeht.Â
Das wird die Aufgabe der neuen Flaneurliteratur sein. Sie wird ganz sicher nicht von denen geschrieben, die mit der alten Spazierlogik durch die Stadt stolzieren und so tun, als wÀren sie Walter Benjamin im alten Berlin.
http://www.zeit.de/digital/mobil/2015-07/streetspotr-app-crowd-test/komplettansicht
[How to] [Magazin] [Audience Development] [GeschÀftsmodell] [Strategisches Publizieren]
Vor ein paar Tagen haben wir vom Aufschwung der innovativen Indie-Magazine berichtet und VorschlÀge gemacht, warum es sich im GWK-Kontext lohnen könnte, mit solchen Publikationen zu experimentieren.
FĂŒr alle, die direkt Lust bekommen haben, jetzt ein Magazin zu grĂŒnden, verlinken wir heute einen Artikel von Steve Daniels, dem GrĂŒnder des groĂartigen âMakeshiftâ-Magazins: âHow to Start A Magazineâ.
Daniels nennt 3 Kernpunkte, die man unbedingt beachten sollte, wenn man ein erfolgreiches Magazin machen will.
âErfolgreichâ meint in diesem Falle: Ein tolles, hochwertiges Magazin fĂŒr eine Nischenzielgruppe zu produzieren, das sich finanziell auch trĂ€gt.
Seine Hinweise sind dann zwar gar nicht mal so originell. Aber im GWK-Kontext sind sie dann doch wieder interessant. Denn sie drehen, was man von idealistischen Indie-Magazinen normalerweise erwartet, auf eigentĂŒmliche Weise um. Es sind eigentlich Tipps, die ein Kommunikationsprojekt fĂŒr ein groĂartiges, aber chronisch klammes Indiemagazin erarbeiten wĂŒrde, das dringend Hilfe in der Ausrichtung braucht. Samt Forschung, Strategie und Kreation.
(1)
Daniels schreibt, dass Indiemagazine oft aus dem BedĂŒrfnis der Herausgeber entstehen, ĂŒber etwas Bestimmtes zu schreiben, das ihnen am Herzen liegt. Das findet Daniels auch richtig und wichtig. FĂŒr den Anfang. Sobald aber die grobe StoĂrichtung steht, sollte man sich Gedanken machen, was die Leute lesen wollen - nicht mehr darĂŒber, was man selbst schreiben will. Er radikalisiert diesen Gedanken sogar noch einmal, und fragt: âWas fĂŒr ein Magazin wollen die Leute auch kaufen?â
Aber nicht nur das Magazin muss dem Publikum angepasst werden. Auch die Leserschaft muss man als Magazinmacher im Sinne des Audience Development entwickeln. Man sollte die KĂ€ufer des Magazins mehr als aktive âMitgliederâ denn als passive Leser betrachten, schlĂ€gt Daniels vor. Deshalb sollten sie nicht nur Leser bleiben, man sollte sie auch zu Autoren des Magazins machen. Bei Nischenmagazinen, dessen Publikum meist aus Experten in ihrem Fach besteht, hĂ€lt Daniels das fĂŒr realistisch. AuĂerdem steigert das die Leserbindung. Und senkt die Kosten.
(2)
âThe magazine is not your productâ, schreibt Daniels, denn mit VerkĂ€ufen und Anzeigeneinnahmen seien bei den kleinen Auflagen von Indiemagazinen keine Gewinne zu erzielen.
Dann stellt er verschiedene GeschÀftsmodelle vor, wie man trotzdem ein Magazin machen kann, das sich finanziell trÀgt. Sein besonderes Augenmerk liegt dabei auf B2B-Geldquellen, die Leser-fokussierte Magazinmacher gern vergessen. Er schlÀgt vor, mit einer Mischung aus diesen Strategien zu experimentieren.
NatĂŒrlich nennt Daniels Advertorials. Oder Branding-Projekte, in denen etablierte Magazinformate Unternehmen angeboten werden. Er schlĂ€gt auch vor, das publizistisches Know-How zu nutzen, um eine Kreativagentur zu grĂŒnden, so wie etwa Vice es getan hat (auch wenn man die lĂ€ngst nicht mehr als Indiemagazin bezeichnen kann).
Oder man könnte das Magazin als Plattform nutzen, um Veranstaltungsreihen zu organisieren. Oder um Shops zu eröffnen, oder Cafés.
Das sind alles Ideen, die scheinbar von der Ursprungsidee, ânurâ ein Magazin zu machen wegfĂŒhren. Es geht aber lediglich um geschickte Ressourcennutzung. So kann man auch ĂŒber die Magazinkontakte ein riesiges Netzwerk aufbauen, aus dem man Spezialisten passgenau fĂŒr Jobs rekrutieren kann - wie âMakeshiftâ es mit den âMakeshift Studiosâ getan hat.
(3)
Die Grundfrage jedes Print-Magazins lautet, wie man die gedruckten Inhalte am Besten online ĂŒbersetzt, Aufmerksamkeit fĂŒr die Publikation generiert und dabei nicht nur draufzahlt. DafĂŒr braucht man dann eine Digitale Strategie.
Klar ist, das Inhalte und Infrastruktur ein Kernkriterium des Netzes erfĂŒllen mĂŒssen: Alles muss teilbar sein. Sonst verbreitet es sich nicht, sondern steht monolithisch auf einer Homepage herum. Deshalb soll das Magazin schon in der Printkonzeption Leser, Autoren und Partner als Multiplikatoren im Online-Bereich strategisch mitdenken, und zusĂ€tzlichen Content fĂŒr verschiedene KanĂ€le produzieren, die je nach Ausrichtung in unterschiedlicher Gewichtung genutzt werden: Blog, YouTube-Kanal, Newsletter und Social-Media-Accounts.
Es geht aber nicht nur um Aufmerksamkeit, auch das Netz sollte Teil des GeschĂ€ftsmodells werden. Neben Website-Analytics, um die Werbeeinnahmen zu optimieren, hĂ€lt es Daniels fĂŒr essentiell, die Website fĂŒr e-commerce zu optimieren. Das heiĂt: Nicht nur ein schlichter Shop, in dem man die Ausgaben bestellen kann, sondern das Printmagazin mit von Produkten umstellen, die die Leser âauch interessieren könntenâ.
Aus der GWK-Perspektive wirft Steve Daniels Artikel âHow to Start a Magazineâ also einen ersten Blick darauf, wie Strategisches Schreiben und Publizieren aussehen könnten.
Und zwar nicht in den immergleichen PR- und Werbekontexten. Sondern auch im Kontext der Kunst.
http://www.itsnicethat.com/articles/steve-daniels-makeshift-opinion
Newhive by ptrd
[Texttransformation] [Lesen] [Schreiben] [Literatur] [eBook] [WDR3]
Hörempfehlung.
Live vom Buchmesse-Stand des Westdeutschen Rundfunks:
âLesen und Schreiben im Digitalen Zeitalter bedeutet zunehmend Verzicht aufs Papier. Social-Reading- und Selfpublishing-Plattformen sind neue Diskussions- und Ausdrucksforen im Netz. Aber welche neuen ErzĂ€hlformen bringt das Netz hervor und wie werden sie wahrgenommen? Eine Diskussionsrunde mit Nikola Richter vom Digitalverlag âmikrotextâ, Stephan Porombka, Experte fĂŒr Texttheorie und Textgestaltung sowie den Schriftstellern und Publizisten Thomas Hettche und Elke Heinemann. Moderation: Manuela Reichart.â
[Kunst] [Kunstkritik] [Bots] [Computerkunst] [Kontextverschiebung]
Es gab lange Zeit Streit darĂŒber, ob Computer Gedichte schreiben oder Bilder malen können.
Die gĂŒltige Antwort lautet: Ja, sie können das. Sie können Werke herstellen, die man nur ganz schwer von denen unterscheiden kann, die Menschen hergestellt haben. Und sie können Werke schaffen, die nur im Rahmen einer Ăsthetik zu verstehen sind, die den Unterschied zwischen Mensch und Maschine obsolet erscheinen lĂ€sst.
Dieser Ăsthetik folgt die Kunst des spĂ€ten 20. und frĂŒhen 21. Jahrhunderts auf so umfassende Weise, dass die RĂŒckbesinnung auf Fragen, ob man es denn in diesem oder jenem Fall mit âechtenâ Menschen oder ârichtigenâ Maschinen oder Programmen zu tun hat, ganz und gar old fashioned und kitschig wirkt. Sie ist der KomplexitĂ€t der Ă€sthetischen Verfahren einfach nicht mehr angemessen.
Was die Kunst schon hinter sich hat, holt jetzt andere Bereiche ein. Zum Beispiel den Journalismus. Da gibt es derzeit eine Menge von Experimenten, in denen getestet wird, ob sich Bots programmieren lassen, die Nachrichtentexte schreiben.
Die Antwort lautet auch hier: Ja, können sie. Zwar noch nicht so gut. Komplexe Texte machen Schwierigkeiten. Aber es geht. Und es wird besser.
Nun hat der KĂŒnstler Matthew Plummer-Fernandez ein Programm eingesetzt, das einen Blog vollschreibt. Und zwar mit Beschreibungen und Interpretationen von Kunstwerken.
PrÀdikat: Sehr lustig. Denn der Bot gleicht die Bilder, die er sieht mit Bildern aus einer Datenbank ab, auf denen nur AlltagsgegenstÀnde zu sehen sind.
Abstrakte Kreise werden da schnell mal zu Doughnuts erklĂ€rt. Bei der Interpretation kĂŒmmert sich der Bot also gar nicht darum, ein Werk in seinem Kontext zu interpretieren. Er verschiebt es in schlichtere Kontexte, um dann andere Sinneffekte herzustellen.
Weil der Bot damit aber nur ein Prinzip der Kunst auf die Kunst anwendet, nĂ€mlich Kontextirritation, Kontextverschiebung und Kontextdekonstruktion zur Herstellung neuer Sinneffekte, macht er selber nichts anderes als: Kunst. Und er fĂŒhrt die AbhĂ€ngigkeit des Verstehens aus der Vorgabe bestimmter Parameter vor.
Der Nonsens macht damit Sinn. Und er verspricht, mit der Zeit noch sinniger zu werden.
Es ist nur der Einstieg in das, was man die menschlichere Beschreibung und Interpretation von Kunst nennen mag. Und es ist die EinĂŒbung in das Verstehen der Bots und ihrer Beziehung zur Kunst.
Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern, und es wird in Kunstzeitschriften die erste Kolumne geben, in denen ein Bot neben den Kolumenen der Edelfedern und der Star-Blogger erklÀrt, was angesagte Kunst ist und warum. Und genauso wahrscheinlich ist dann, dass der Markt auf ihn hören wird.
http://noviceartblogger.tumblr.com
http://www.monopol-magazin.de/artikel/20109780/Matthew-Plummer-Fernandez-im-InterviewâNovice-Art-Blogger-.html
[Instagram] [Instatext] [Sehen lernen]
Dass Instagram unser VerstÀndnis von Fotografie radikal verÀndert hat, ist bekannt.
Die EinfĂŒhrung der Digitalkamera hat die erste Revolution ausgelöst. Die EinfĂŒhrung einer App, mit der man Bilder und Videos in Echtzeit auf einer Plattform teilen kann, um sie auf personalisierten Archivseiten zu sammeln und fĂŒr Follower prĂ€sent zu halten, markiert den Beginn einer zweiten Revolution. Denn seit diesem Moment kursieren die Fotografien in immer gröĂeren Massen und immer gröĂeren Geschwindigkeiten in immer weiter verstĂ€rkten RĂŒckkoppelungen mit immer weiter ausdifferenzierten Ăsthetiken zwischen den smarten GerĂ€ten. Die User sind immer und ĂŒberall bereit, Bilder zu machen, zu bearbeiten, hochzuladen, zu sehen, zu liken. Und mit Texten zu versehen.
Wie interessant! Bisher haben wir Instagram als Bildmedium verstanden. Und ĂŒbersehen haben wir, dass es zugleich ein Medium ist, das das Schreiben und Publizieren von Texten erlaubt.
Wer bei Instagram etwas unter die Bilder schreiben will, hat immerhin 2.200 Zeichen zur VerfĂŒgung. Das ist ein kurzer Zeitungsartikel. Ein Lexikoneintrag. Ein gutes StĂŒck Kurzprosa. Es ist der Ort, an dem sich das entwickeln lĂ€sst, was man Instatext nennen kann, der mit den verĂ€nderten Bedingungen und Möglichkeiten von Bild-Text-BezĂŒgen experimentiert.
Der verlinkte Text fĂŒhrt ein paar Beispiele vor, wie sich der Platz nutzen lĂ€sst. Zum ErzĂ€hlen, zum Werben, zum Verlinken, zur ErlĂ€uterung, Erweiterung, Kontextualisierung und Interpretation des gezeigten Bildes.
Das sieht im verlinkten Artikel noch ziemlich langweilig aus. Doch kann es inspirieren, mal ganz neu darĂŒber nachzudenken, was man mit Instagram noch machen kann.
* Wenn Magazine bei Instagram ihren Account eröffnen, warum nutzen sie es nicht, um Bildstrecken zu veröffentlichen, die sie ausfĂŒhrlich erlĂ€utern?
* Hier gibt es Platz fĂŒr neue Reportageformate, die den Leser von Bild zu Bild leiten, die mit Beschreibungen, Reflexionen und Zitaten angereichert sind.
* Instagram könnte der Ort sein fĂŒr kulturwissenschaftliche Magazine, die vorfĂŒhren, wie man an Bildern sehen lernt.
* Und was ist mit Magazinen, die sich der Gegenwartskunst widmen und durch Ausstellungen fĂŒhren, durch Ateliers, die Performances begleiten oder komplexe Langzeitprojekte?
* Wie wĂ€re es mit Filmanalysen, die ganze Szenen in einzelne Sequenzen zerlegen und StĂŒck fĂŒr StĂŒck erklĂ€ren?
* Verlage können bei Instagram den Vorschau- und Begleitkatalog neu erfinden. Sie können Bilder ihrer Autoren publizieren, Werkstattreportagen, kommentierte Fotografien von BĂŒchern, Notizen, Manuskripten.
* Museen können ihre AusstellungsstĂŒcke prĂ€sentieren, Instagram kann der Katalog sein, der die Besucher auch in die Archive fĂŒhrt.
* Bibliotheken können ihre schönen, seltenen, teuren, interessanten, neuen BĂŒcher zeigen, dazu ihre Entstehungs-und Anschaffungsgeschichten erzĂ€hlen.
* Entstehen können StĂŒcke von Literatur, die wie Max Goldts âGattin aus Holzâ oder Wilhelm Genazinos âAuf der Kippeâ mit BildfundstĂŒcken arbeiten.
Man kann diese Liste immer weiter fortsetzen, wenn man nur das Prinzip verstanden hat, mit dem man hier auf immer neue Ideen kommt: Man darf nicht allein an Bilder denken. Man darf auch nicht allein an Text denken. Man muss Text und Bild verbinden. Und zwar so, dass der Impuls vom Bild ausgeht und der Text dazu den SchlĂŒssel gibt, der am Bild etwas öffnet, das es auf den ersten und den zweiten Blick so nicht zu sehen gibt.
Hier können wir das Sehen lernen. Instatexte können uns die Augen öffnen fĂŒr den Bildverkehr der Netzkultur. Wir brauchen nur gute Projekte.
http://www.socialmediatoday.com/social-networks/2015-03-18/art-long-captioning-instagram
[Hörspiel] [Literatur] [Empfehlung] [Max Goldt]
Heute Abend wird auf Tele 5 die erste Folge von âDer KlĂŒgere kippt nachâ gesendet. Das ist die Reeperbahn-Talkshow, die schon jetzt ĂŒberall als âSuff-Sendungâ Schlagzeilen macht.
Das wĂ€re eigentlich kaum erwĂ€hnenswert - wenn sie uns nicht an Max Goldts grandiosen Text âDie Radiotrinkerinâ erinnern wĂŒrde, in dem er das Konzept schon 2005 humoristisch vorweggenommen hat.
FĂŒr den Ostermontagabend empfehlen wir deshalb die LektĂŒre von Max Goldts groĂartigem Band âDie Radiotrinkerinâ - oder das mindestens genauso fantastische, oben verlinkte Hörspiel zu hören. Dabei kann man dann ja auch hervorragend nachkippen.
ââ http://www.rowohlt.de/buch/Max_Goldt_Die_Radiotrinkerin.342762.html
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.alkohol-trinken-in-der-kluegere-kippt-nach-am-ostermontag-suff-talkshow-auf-tele-5.bcdbdd9b-dd41-43cc-8832-db6a138e6b10.html
Buddeus, Dietze, Bresemann: DĂŒrĂŒm, Berlin. displej.eu
»FM« by gregorio fontén
FM is an intense visual experience, making and unmaking patterns that enter the act of reading and alter our perception. it takes us into reading as a multiple action, involving much more than recognizing the bare meaning of words and extracting it from the book. instead, the book itself is alive with sound like a piano to be played, with moving shapes that the words pass through. it takes us towards a total experience of the word.
william rowe
if you are in london, you can visit the launch event (free entry): 27th of november, 19:30, bolivar hall, 54-56 grafton way, london w1t 5dl
»farey 2« by steven d stark
Google makes us all dumber: The neuroscience of search engines - As search engines get better, we become lazier. Weâre hooked on easy answers and undervalue asking good questions - Ian Leslie
In 1964, Pablo Picasso was asked by an interviewer about the new electronic calculating machines, soon to become known as computers. He replied, âBut they are useless. They can only give you answers.â
We live in the age of answers. The ancient library at Alexandria was believed to hold the worldâs entire store of knowledge. Today, there is enough information in the world for every person alive to be given three times as much as was held in Alexandriaâs entire collection âand nearly all of it is available to anyone with an internet connection. This library accompanies us everywhere, and Google, chief librarian, fields our inquiries with stunning efficiency. Dinner table disputes are resolved by smartphone; undergraduates stitch together a patchwork of Wikipedia entries into an essay. In a remarkably short period of time, we have become habituated to an endless supply of easy answers. You might even say dependent. Google is known as a search engine, yet there is barely any searching involved anymore. The gap between a question crystallizing in your mind and an answer appearing at the top of your screen is shrinking all the time. As a consequence, our ability to ask questions is atrophying. Googleâs head of search, Amit Singhal, asked if people are getting better at articulating their search queries, sighed and said: âThe more accurate the machine gets, the lazier the questions become.â Googleâs strategy for dealing with our slapdash questioning is to make the question superfluous. Singhal is focused on eliminating âevery possible friction point between [users], their thoughts and the information they want to find.â Larry Page has talked of a day when a Google search chip is implanted in peopleâs brains: âWhen you think about something you donât really know much about, you will automatically get information.â One day, the gap between question and answer will disappear. I believe we should strive to keep it open. That gap is where our curiosity lives. We undervalue it at our peril.
go read this..
(via Google makes us all dumber: The neuroscience of search engines - Salon.com)
"A kind of friction in the midst of frictionlessness."
Felix Bernstein in Conversation with Vanessa Place
I first met Vanessa Place a year ago, when I performed alongside her and Cecilia Corrigan at a reading. The grouping couldnât be odder: Corrigan started the evening out, playing a bubbly femme David Letterman with Place and me as her guests. Then I came on cloaked in black, and perversely sang along to a collection of strange YouTube videos that projected behind me. And finally Place dryly read from The Scum Manifesto, changing the words âwomanâ to âman.â After the show, I went over to Place, offering an eager compliment for her brilliant, fastidious study of criminal law, The Guilt Project. In response she seemed indifferent, superior, and coldâas sinister as her mythic press photos: Conceptual poetryâs dark woman, Vanessa Place CEO, never smiles in pictures, dresses sleekly in black, and speaks only in Lacanian riddles.
Place is, without a doubt, dark: her magnum opus Statement of Facts is made up of appropriated material from the kind of rape cases for which she serves as a defense attorney. This work was controversial both with critics and sensitive audience members, who walked out during performances. Corrigan must have gotten the same vibes as I did: soon after that night we both published critiques of Placeâs work. Many critiques of Place dismiss her instantly, finding her appropriation tactics to be point blank: hostile, sexist, racist, classist, or masculinist. But Corrigan and I were both intrigued by Place as a powerful and complex innovator, whose breadth comes with interesting and generative flaws. Many works that we pass over as morally acceptable and progressive never have us thinking a thing, but Place forces even her sharpest critics to think, and forces all of us to wrestle with our complicity with negative social values. We are too quick, on the left, to think ourselves free from oppressive systems (i.e., capitalism, patriarchy, rape culture, the prison industrial complex, coterie, name dropping, social climbing, media whoring) and Place wonât let us off so easy.
Even as, in my Notes on Post-Conceptual Poetry, I critically spar with many of the proclamations she and Fitterman espouse in Notes on Conceptual Poetry, I do it not merely with that old proverbial âloveâ or wide-eyed reverence or coterie-building friendliness but, more crucially than any of that, with respect for an ingenious provocative mind. Which is why Place and I decided to take what started as a private Facebook chat into another agora, one which could also prompt another kind of phobia.
âFelix Bernstein
I. âWHAT ARE YOU DOING AFTER THE ORGY?â
FELIX BERNSTEIN:Â Iâve always had a campy fascination with your presence, though Iâve had many serious critical reservations. However, your rabble-rousing Facebook antics sweetened the cup. When you appropriate self-promotional statuses by poets you no longer implicate merely the lyric subject or the naĂŻve consumer of poetry but you implicate all your âfriends.â We are all implicated, (as the community that pretends to transcend community or be non-normative): the point being (as with the logo that runs across your face on one of your memes): âI Am Social Capital.â
VANESSA PLACE: Yes.
FB:Â And such status appropriations make us all (in the âpoetry communityâ) squirm a bit. Because here we all are, using Facebook as a self-promotional vehicle: and nothing gets more âlikesâ than a nice promotion.
VP:Â Yes.
FB: A problem I had with your work when I first encountered it was the repetitions of tropes that had become stale art world clichĂ©s that triggered the popular October journal 1980s debates: âis the neo-avant-garde as important as the first avant-garde?â However, aesthetically, your repetitions become eerier over time. You become sort of like Marlene Dietrich: statuesque and unrelenting.Â
VP:Â Yes. This is rather fun.Â
FB: The self-consciously statuesque is the absolute opposite of what I grew up with: a father whose topsy turvy postmodern play would hardly admit that it could congeal into any sort of authoritative persona. And yet it was the withholding of the statuesque, the law, the phallus, which was so torturous. So I find perhaps more than just aesthetic delight watching you live as a statue. I find it psychosexually comforting, because it is seems to be what I was never given: A father who admits to being the father. Of course, this is problematic: any of the feminist critiques of Lacan can be applied to your practice (it continually reinscribes the law and the master in a supposedly generous gesture but in the end becomes a foil for incomprehensible tyrants to dominate without any checks or balances). However, one critique that I have leveled against you that does not stick is that your work is overly proscriptive and dogmatic. When in fact, you of all the conceptual poets, are the least likely to produce a âschool of followers.â In fact you make that nearly impossible. You have none of the persuasive sweetness of Kenneth Goldsmith. You seem like a dark alien in the poetry world. And I still think that despite the validity of the claims that there is nothing âpunkâ or even idiosyncratic about institutional critique, you are the bizarre case in which, somehow, you always seem to stand-alone, as this weird dark alienating enigma that remains even after you are toppled over through critique and thrown out as âtrendy role model.â In other words, you are so passĂ© that you should simply vanish. But the more passĂ© you grow the more towering becomes your inferno (the more inches it gains, as you would say).
VP:Â Well, at least Iâm consistently lesser and redundant, and certainly appreciate the confirmation of my lack of âpersuasive sweetness.â That would be a horror. And itâs doubtless true that our current complaint is against the postmodern rather than the modern. Weâve got no problems with the modernâwhy should we? After all, who doesnât secretly adore a grand narrative, especially about ourselves? Otherwise, what would be the point of âlikingâ anything? And still the thing that remains is what one could term the Real, which is immune to proscription. I am never proscriptive. Critical, yes, but never proscriptive. And so, why are the two of us on Facebook? Â
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What is needed now is to move beyond âstatingâ the obvious (be it, âotherness and affect exist!â or âotherness and affect donât exist!â), and to construct vis-Ă -vis your own language and theory something that is actually aesthetically compelling and significantly difficult. And difficulty may be difficult but it is not impossible, like some violent unbelievable Marxist act. It is merely difficult, in that it requires deference to a set of aesthetic propositions and rules, to a rigorously personal Taste, that most theoreticians (and many artists) do no seem capable of putting together, deferring instead to pre-given formulas. In this way, the taste-inflected stylings of a theoretician along the lines of Sianne Ngai or a poet-essayist like Trisha Low are able to go the necessary extra mile of providing fantastical illustration within the material fact of words without reducing one to the other. And then, the Imaginary, or the not-not-me, (the not-Symbolic, the not-Real), stops being merely posited, and starts to breathe, not under erasure or in quotations due to a heavy awareness of symbolic structure, it does not have to pretend to be dead or undead, it can really breathe. And, though zombies may run a lot faster now, and we donât breathe as good as Charles Olson, we arenât out of breath yet.
Felix Bernstein:Â Beyond Vampires and Zombies
Writing has nothing to do with meaning. It has to do with landsurveying and cartography, including the mapping of countries yet to come.
Gilles Deleuze, A thousand plateaus (via autumnalwolf)
Zeit ist Schichtung. Collage ist Umschichtung.
Jan Kuhlbrodt: Thesen zu einer Theorie der Collage.
by arne rautenberg (+)