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@nietzsche1
Editorial
Die Provinz erweist sich häufig als ein Biotop kreativer Geister: Maler, Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseure geben sich ein Stelldichein und machen das Leben bunt. Viele von ihnen habe ich im Laufe der Jahre kennengelernt und als Journalist beschrieben. Ein paar davon stelle ich auf dieser Seite vor. Die Reihung ist keine Wertung, sondern Zufall.
Die Künstler:
Derzeit finden sich Texte und Bilder über Rainer Wittmann, Kurt Benning, Gerda Stauner, Nadya Jakobs, Lisa Weichart, Stefan Mickisch, Julia Schnorrer, Veronika Mauel, Veronika Fischer, Helga Stano, Christian Huber, Sven Faller, Karin Schulz, Nicole Matschiner, Heribert Krotter, Barbara Heun, Joe Brandl und Elisa Mundy.
Dazu kommen drei Abhandlungen: über das Thema Schwandorf in der Literaturgeografie, das österreichische Dichtergenie Georg Trakl und den Film „Beste Chance“ mit der Schwandorferin Anna Maria Sturm in der Hauptrolle.
To be continued.
#kunst #literatur #musik #malerei #oberpfalz
https://www.onetz.de/schmidgaden/kultur/besuch-bei-romanautorin-veronika-mauel-ueberbordende-kreativitaet-d1826679.html
"Was mit der Burg geschehen sollte, wusste der Neffe nicht. Schließlich fiel das alte Gemäuer an die Gemeinde zurück, von der es der Großvater einst
Mit “Grasmond” hat Gerda Stauner aus Regensburg einen tollen Erstling vorgelegt. Im Oberpfälzer Freilandmuseum gab es dazu eine sogenannte “Wanderlesung”, die an verschiedene Orte führte. Das Ambiente passte perfekt zum Buch.
Gerda Stauner präsentiert ihr neues Buch, das zweite. “Sauforst” heißt es und es ist ein würdiger Nachfolger von “Grasmond”. Wieder spielt es in der Oberpfalz und es bringt viel historisches Lokalkolorit. Ich kann es empfehlen!
Das Eixendorf-Rätsel
Mit zunehmendem Vergnügen habe ich das Buch „Das Eixendorf-Rätsel“ von Rainer Wittmann gelesen, einem früheren Redaktions-Kollegen. Keine Frage, dass ich mir bei der Lektüre irgendwann auch ein kühles Weißbier aufgemacht habe – wer kann schon widerstehen, wenn sich Franz und Andreas fast auf jeder Seite mit dem Stoff in ein beseligtes bayerisches Nirwana beamen… und trotzdem noch in der Lage sind, das Abenteuer um den Schatz im (Silber)See zu lösen.
Die Geschichte ist flott geschrieben und unterhaltsam konstruiert, die Figuren wirken sympathisch und glaubwürdig. Nur bei dem „ganz fiesen“ Journalisten wurde ein bisschen dick aufgetragen. Mit ihm springt der Autor auch nicht besonders freundlich um. Erstaunlich ist die Fabulierlust und -kunst des in Regensburg wohnenden Autors. 130 Seiten sind ein ziemlicher Kraftakt. Das Niveau des Textes ist gleichmäßig, er ist oft witzig, manchmal berührend und immer wieder recht spannend, was die Lektüre leicht macht.
Mit anderen Worten: Ein schönes Stück Erstlingsliteratur, spannend, informativ und schön zu lesen, weil mit 130 Seiten auch nicht zu lang. Dickes Kompliment also für das Werk!
Rainer Wittmann, „Das Eixendorf-Rätsel – ein Regionalroman“, Selbstverlag, April 2017, 9,95 Euro
Kleines Dorf, große Schuld
Opportunisten, die über Leichen gehen, Verschleppte, die um ihr Leben fürchten, Angepasste, Aufrechte und Widerständige – dieser dörfliche Kosmos bietet eine explosive Mischung. Noch dazu, wenn Krieg herrscht. So wie in Gerda Stauners zeitgeschichtlichem Roman „Grasmond“.
Vorgestellt hat die Regensburger Autorin ihr 2016 veröffentlichtes Erstlingswerk bei einer sogenannten Wanderlesung im Freilandmuseum Neusath-Perschen. Wanderlesung heißt, dass die Zuhörer der Autorin an verschiedene Orte folgen, die dem Szenario des jeweiligen Romanabschnitts ähneln, den die 44-Jährige vorlesen wollte. Da bot sich das Freilandmuseum geradezu an, denn die Geschichte von „Grasmond“ spielt zu wichtigen Teilen in einem Oberpfälzer Bauerndorf am Ende des Zweiten Weltkriegs, das man sich zwischen und in den historischen Gebäuden des Museums sehr gut vorstellen konnte. Im Einvernehmen mit Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer wurde das Zeitkolorit an einer Stelle auch durch eine Devotionalie aus dem Dritten Reich verstärkt. Eine Szene des Romans ist in einer Gaststube im April 1945 angesiedelt, was durch die Lesung in der Schankstube des Schallerhofs nachempfunden wurde. Diese Schankstube – Tische, Bänke, Herrgottswinkel – wurde mit einem gerahmten Hitlerportrait aus dem Fundus des Museums komplettiert. Natürlich hat man das Konterfei des „Führers“ nach dem wenige Minuten dauernden Vortrag wieder abgenommen und verstaut.
Mörderischer Zwang
Momente der Anschaulichkeit steuerte auch Florian Eckert aus Donaustauf bei, ein Bekannter der Autorin. Er tauchte hier und dort als stumme Personifizierung der Hauptfigur auf – des Bauern Anderl nämlich, an dem sich die Gewissensnot, die Verzweiflung und der Mut der Menschen deutlich machen ließ. Sie mussten sich damals (im Buch und in echt) entscheiden zwischen Kadavergehorsam gegenüber dem Regime und Hoffnung auf die Befreiung durch die nahenden amerikanischen Truppen – samt mehr oder weniger offener Rebellion gegen den mörderischen Durchhaltezwang der Nazi-Schergen.
Gerda Stauners Buch hat noch eine andere Handlungsebene, die 28 Jahre später spielt, also eine Generation nach den dramatischen Ereignissen des Kriegsendes, und die sich über die zentralen Personen verschränkt. Dabei geht es ebenfalls um eine drohende Zerstörung. Stand 1945 das Dorf, das man sich wohl im heutigen Landkreis Neumarkt gelegen denken muss, vor der Gefahr der Auslöschung durch amerikanische Panzergranaten, so geht es 1973 um die Altstadt von Regensburg. Sie ist zu jener Zeit extrem sanierungsbedürftig und die kommunale Politik sähe es gerne, dort baulich reinen Tisch zu machen und alles wegzumodernisieren. Dem stellte sich damals der Verein Altstadtfreunde entgegen, der das erste Regensburger Bürgerfest organisierte. Das wiederum öffnete den Domstädtern die Augen für die verborgene Schönheit der Stadt, die es herauszuarbeiten gelte – statt sie zu kaputt zu machen.
In beiden kritischen Situationen – auf dem Dorf und in der Stadt – waren jene Menschen erfolgreich, die mit Mut, Einfallsreichtum und Einsatzbereitschaft eine verfahren scheinende Situation zum Besseren wendeten. Gerda Stauner ist es anzurechnen, zwei Mutmacher-Beispiele gefunden und auf spannende und lehrreiche Art aufbereitet und niedergeschrieben zu haben. Der Beifall am Ende der Wanderlesung unterstrich die Hochachtung der Zuhörer vor ihrem Erzähltalent.
Gerda Stauner, „Grasmond – Zeitgeschichtlicher Roman“, 2016, 208 Seiten, 14,90 Euro Weitere Infos im Internet: https://www.gerda-stauner.de/
Fotos von farbiger Dynamik, aber auch von zartester Poesie
Künstlerin werden. "Das wollte ich schon immer", versichert Nadya Jakobs und lacht. Ihr Werkzeug ist eine Nikon-Kamera und mir ihr gelingen ihr Bilder von farbiger Dynamik, aber auch von zartester Poesie. Ihre Motive stammen von einem anderen Kontinent, denn die gebürtige Schwandorferin hat in Rio de Janeiro ihre Wunschheimat gefunden.
Wie viele kreative Menschen musste sich Nadya Jakobs den Weg in die Kunst gegen familiäre Widerstände ebnen. Den Eltern wäre eine Karriere im bürgerlichen Milieu wahrscheinlich lieber gewesen, "aber ich bin nach der FOS auf eine private Kunstschule gegangen", erzählt die 35-Jährige (2013).
Die späten 1990er Jahre sahen die junge Frau dann als Studentin an der Hochschule für Design in Krefeld "und dort konnte man experimentieren und probieren". So ist sie schließlich auf die Fotografie gekommen. Erste Berufserfahrung sammelte Nadya Jakobs beim bekannten Regensburger Fotografen Clemens Mayer, auch er ein Mensch mit Schwandorfer Wurzeln. "Dann bin ich nach München und wurde Kamerafrau bei Fernsehsendern." Vor vier Jahren wandte sie sich endgültig dem Fotografieren zu. "Ich bin ein Augenmensch und ich wollte freiberuflich weiterarbeiten", begründete sie den wichtigen Schritt.
In einer Samba-Schule
Wagemut und Optimismus begünstigten auch die nächste Entscheidung: "Vor zwei Jahre bin ich nach Rio gezogen." Dass es der Liebe wegen geschah bringt eine romantische Note in das Porträt der selbstbewussten und attraktiven Ex-Schwandorferin. In Rio fand sie auch ihre wichtigen Motive: Die Menschen in einer Samba-Schule, die Drachenläufer-Wettkämpfe, Kinder und Erwachsene am unendlichen Atlantikstrand. "Ich bin eine Geschichtenerzählerin", definiert Nadya Jakobs einen der Grundsätze ihrer künstlerischen Arbeit mit der Kamera. Ihr Credo lautet "ich liebe Action und ich will die Seele einfangen". Sich in Rio als Fotografin zu etablieren ist schwer. "Erfreulicherweise kommen mir dabei Deutschland-Klischees zu Hilfe - dass ich pünktlich bin und zuverlässig." Das bescherte ihr unter anderem auch ihre wichtigste Arbeit, als Fotografin der Samba-Schule "Inocentes Belford Roxo" im diesjährigen Karneval, der im Februar war. Dabei entstanden ausdrucksstarke Porträts der Tänzer, besonders von Powerfrau Luciha Nobre, einer berühmten Porta Bandeira ("Fahnenträgerin"). An sie knüpft sich auch Nadya Jakobs nächster Plan: "Ich werde ein Buch machen über sie." Zwei Frauen, zwei Künstlerinnen, beide auf ihrem Weg. ___ Weitere Informationen im Internet: http://www.nadyajakobs.com
Lisa Weichert präsentiert ihr erstes Buch "Wolkenfisch"
Lisa Weichart aus Regensburg überraschte 2014 mit einem Erstlingswerk, das zwar die Gattungsbezeichnung Roman trägt, sich aber als eine Sammlung fein beobachteter, manchmal satirisch angehauchter Miniaturen aus dem Alltagsleben darstellt. "Wolkenfisch oder: Theas Sehnsucht" heißt das Buch, das ein hohes Lied singt: auf die Liebe - und auf die Arbeit.
Ambivalente Figur
Vorgestellt wurde der mit 140 Seiten eher schmale Band bei einer Lesung in den Bischofshof Braustuben in Regensburg. Der Ort war mit Bedacht gewählt, denn die 50-jährige Autorin arbeitet schräg gegenüber in einem italienischen Supermarkt, der auch im Buch eine wichtige Rolle spielt und dort als "die Mutter" bezeichnet wird. Dabei ist die Liebe der weiblichen Hauptfigur zu "Mutter" durchaus ambivalent, denn sie ist wie viele andere Mütter. "Sie saugen einen aus, wenn man sich nicht wehrt", sinniert das literarische Alter Ego der Autorin.
"Die Liebe ist der schwierigste Part"
"Theas Sehnsucht", auf die sich der Untertitel des Buches bezieht, konzentriert sich auf Italien als das sonnige Land von gutem Essen, Wein und Musik, auf ihre Kinder, die Arbeit im Shop als Sprungbrett für Fantasiereisen, und die Liebe - in aufsteigender Reihenfolge. Gerade die Liebe ist der schwierigste Part. Denn der Freund der geschiedenen Alleinerziehenden begreift das Verhältnis zu ihr wie das zu einer Mätresse, Hochzeit daher nicht eingeschlossen. Als er auch noch fremdzugehen scheint, ist der Ofen aus. Thea bebt innerlich: "Allein ihre Eifersucht, selbst wenn sie unberechtigt wäre, reichte als Grund, ohne Mann zu leben." Bis ein Neuer in ihr Leben tritt. Dessen Kuss schmeckt passenderweise "wie Tiramisu".
Bewegender Text
Lisa Weichart hat mit ihrem Erstling einen unterhaltsamen und teilweise sehr bewegenden Text von oft beeindruckender Formulierungskraft vorgelegt, der einen genauen Blick auf das Innenleben einer Frau in einer schwierigen Lebens- und Liebeslage erlaubt, dabei aber viele amüsante Szenen bietet.
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Lisa Weichart: "Wolkenfisch oder: Theas Sehnsucht" , 14.90 Euro, Verlag Stories & Friends.
Leben und Träume einer Frau
Wo schwimmt ein Wolkenfisch? Antworten gab 2014 eine Autorenlesung in der Marktbücherei.
Die Stadt Regensburg ist ein Biotop kreativer Köpfe. Nun war eine aus der Riege der Domstadt-Künstler zu Gast in der Marktbücherei. Die Autorin Lisa Weichart stammt aber nicht nur aus der Stadt an der Donau, sie macht das Leben dort selbst zum Thema.
Die moderne und einladende Bücherei war ein guter Ort für die Lesung, zu der sich auch Grünen-Politiker Rudi Sommer und Carolin Schmucker für das mitveranstaltende Volksbildungswerk eingefunden hatten. Sie und die anderen Zuhörer lernten dabei eine neue Stimme im Kanon der regionalen Literaten kennen, die sich durch ihre Fähigkeit zu nuancierter Beschreibung von Abläufen und Stimmungen auszeichnet.
Lisa Weichart las Auszüge aus ihrem Debütroman "Wolkenfisch oder: Theas Sehnsucht", der vor einem halben Jahr im Verlag Stories and Friends erschienen ist. Das Buch ist mit etwas über 140 Seiten nicht sehr dick und bietet vordergründig nur wenig spektakuläre Handlung.
Eigenes Erleben als Basis
Umso tiefer taucht die Autorin in das Seelenleben und die Wunschvorstellungen ihrer Hauptfigur Thea Hanske ein, deren Alltag sich zwischen den Anforderungen einer bürgerlichen Rumpffamilie, ihrer Arbeit in einem italienischen Spezialitätengeschäft und der von Sehnsucht und Eifersucht geprägten Beziehung zu ihrem Freund Tom bewegt. Die Arbeit im Laden gibt ihr Halt. Sie schwimmt, wie ein Fisch, durch die Gänge. Sie taucht - während sie die Regale auffüllt - auf und ab und träumt, mit dem Kopf in den Wolken davon, nach Italien zu reisen.
Wie sich zeigte, ist "Wolkenfisch" ein bewegender Text von oft beeindruckender Formulierungskraft, der einen genauen Blick auf das Innenleben einer Frau in einer schwierigen Lebens- und Liebeslage erlaubt - dabei aber auch viele amüsante Szenen bietet, gerade wenn es um den Kontakt mit den Kunden im Feinkostladen geht.
Marion Heller vom Brucker Büchereiteam stellte die Autorin anfangs nicht nur vor, sie interviewte sie nach der Lesung auch noch. Dabei erfuhren die Zuhörer, wie sich die autobiographisch gefärbten Figuren und Plätze des Romans im Prozess seines Entstehens von ihren echten Vorbildern ablösten und die Geschichte ihren fiktionalen Charakter gewann.
Es ging in dem öffentlichen Zwiegespräch auch um ein aktuelles Buch-Projekt der Schriftstellerin. "Es hat den Arbeitstitel 'Kuckucksparadies' und handelt von einem kleinen Mädchen", verriet Lisa Weichart. Augenzwinkernd gestand sie, dass es auch dafür Anleihen gebe, aus der eigenen Kindheit: "Es geht um das kleine, große Mädchen, das in uns steckt."
Alter Whisky und neue Worte
Einen ungewöhnlichen Ort für eine Lesung suchte sich die Regensburger Autorin Lisa Weichart aus - den Kontor der "Whisky Brothers" an der Glockengasse. Dort fand 2016 eine Degustation der teuren Alkoholika statt, für die die Schriftstellerin eine perfekte Kurzgeschichte parat hatte. Sie handelte vom poetischen Versprechen eines ausgereiften Scotchs.
Den "Whiskey Brothers"-Laden im Herzen der Altstadt gibt es erst seit Oktober vergangenen Jahres. Er wurde, worauf der Name anspielt, von den Brüdern Hiermer eingerichtet, und ist der erste Whisky-Store in der Domstadt. Er offeriert nicht nur Trinkbares, sondern auch Fachlektüre für Fans des Nationalgetränks der Schotten und Iren. In dem Geschäft, das sich in einem historischen Geschäftshaus aus der Renaissance befindet, bieten Andreas Hiermer und sein Bruder auch Verkostungen an, bei denen den Feinheiten des hochprozentigen Getränks nachgespürt wird.
Über die Feinheiten der Sprache der Schriftstellerin Lisa Weichart durften sich die Zuhörer ebenfalls freuen, da eine kurze Lesung ihrer Texte für den Abend eingeplant war. Sie präsentierte ein literarisches Whisky-Tasting, das der 2011er-Geschichten-Anthologie "Aquae Vitae" aus dem Kleinverlag "Stories & Friends" entstammte. In der Vignette "Glasgeschichte", die in dem Buch in dem Kapitel "Whisky schafft Begegnungen" eingeordnet ist, geht es, äußerlich unspektakulär, aber mit feinen sprachlichen Nuancen skizziert, um einen Besuch bei einem Nachbarn, der, man ahnt es, ein Whisky-Connaisseur ist. Das bernsteinfarbene Getränk lässt bei der empfindsamen Besucherin ein Gefühl der Sehnsucht nach einem Ausbruch aus dem Alltag wachsen, nach einem Erleben, das Weite und Romantik verspricht und eine Abkehr vom immer Gleichen. Bis ihr prosaischer Freund, der ebenfalls dabei ist, sie aus ihren Träumen reißt und auf den Boden der Tatsachen zurück holt.
Mit neuen Gedichten
Ein zweiter literarischer Teil bestand aus lyrischen Texten der 52-jährigen Poetin, die ihre beeindruckenden Gedichte im November dieses Jahres im Windacher "Schrägverlag" von Carsten Lohse und Stephan Sprang veröffentlichen wird.
Eine kleine Auswahl fächerte sie bei den "Whisky Brothers" auf, ein kulinarisches Beispiel war auch darunter. Es heißt "Entsagung", beginnt mit den Worten "Du fehlst mir" und meint ein ganz spezielles, geliebtes Gegenüber, das erst mit dem letzten Wort des Gedichts enthüllt wird: "Schokolade". Lokalkolorit hatte hingegen "Gesammeltes Lächeln", das bezaubernde Momente eines Gangs durch Regensburg herausstellte, in dem eben dies zu erleben war: das Lächeln der Menschen, in all seinen Variationen. Auch die Zuhörer hatten am Ende ein Lächeln im Gesicht, was die Suggestionskraft der Verse deutlich machte.
Lesung am 9. April
Bekannt geworden ist Lisa Weichart vor zwei Jahren mit ihrem Erstling "Wolkenfisch", der sie in der Regensburger Literatenszene sofort zu einem Namen werden ließ. Seitdem wird sie immer wieder zu Lesungen und Kunstevents eingeladen, auf denen sie ihre Texte vorstellt. Wer die Autorin live erleben möchte, hat am 9. April, einen Samstag, dazu Gelegenheit. Dann liest sie wieder in einer außergewöhnlichen Location - dem Literatur-Café von Peter Skrabut in der Spiegelgasse 8, nicht weit von der großen Buchhandlung Pustet entfernt. Beginn ist um 20.30 Uhr. Wer auf Facebook ist, findet die Gedichte von Lisa Weichart auch auf ihrer FB-Seite.
Zwischenzeitlich befüllt die Autorin auch eine eigene Lyrik-Seite auf Facebook. So ist sie zu öffnen: https://www.facebook.com/LyrikLebt/?fref=ts
Pianist Stefan Mickisch erzählt von Auftritten und Vorlieben und macht ein ungewöhnliches musikalisches Geständnis
Stefan Mickisch liebt Caféhäuser. So findet das letzte Interview mit ihm in diesem Jahr 2014 in der "Kostbar" in Schwandorf statt, wo er gerngesehener Gast ist und ihn die Bedienungen namentlich und mit freundlichem Lächeln begrüßen. Mickisch ist auch ein Charmeur. Eine Kommunalpolitikerin, die zufällig vorbeikommt, wird nach einem netten Geplauder mit Handkuss verabschiedet. Denn der 52-Jährige hat gute Laune. Eben ist seine neue CD erschienen und sie krönt ein erfolgreiches Jahr 2014, das den Künstler nicht nur auf dem Konzertpodium sah, sondern auch im Fernsehen und in anderen Medien. Vor allem war der Schwandorfer 2014 viel unterwegs. Und wie er im Gespräch Bilanz zieht, macht er auch ein ungewöhnliches musikalisches Geständnis.
"Das ist meine 59. CD", sagt der Pianist und zieht das nagelneue Album aus der Tasche. Es heißt "Der Rosenkavalier - Stefan Mickisch spielt und erklärt Richard Strauss" und ist ein Live-Mitschnitt einer Matinée im Prinzregententheater München - zweieinhalb Stunden dauert das Werk, das nicht nur Strauss-Fans interessieren dürfte. Die CD ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem genialen Komponisten, der, wie Stefan Mickisch nicht müde wird zu betonen, oberpfälzische Wurzeln hat: "Sein Vater stammt aus Parkstein."
Eigentlich ist Mickisch ja Wagner-Experte. Was 1998 in Bayreuth begann, hat sich längst zum Erfolgsmodell entwickelt: Mit seinen konzertanten Wagner-Einführungen wurde Stefan Mickisch zum international gefragten Künstler - der sich aber auch auf andere Komponisten einlässt.
Strauss als Thema
Neben Mozart und Beethoven war das in diesem Jahr vor allem Richard Strauss, dessen Geburtstag sich zum 150. Mal jährte. Für Mickisch ein willkommener Anlass, Strauss und sein musikdramatisches Schaffen gründlich zu durchforsten. Wie immer auf der Suche nach dem, was man in einschlägigen Opernführern garantiert nicht findet: Unbekanntes, Unerwartetes und Querverweise in alle Bereiche der Geisteswissenschaften.
Tausende von Zuhörern
Die Matinée, die die Grundlage für die aktuelle Strauss-CD bildet, war "der Höhepunkt eines guten Jahres 2014". Insgesamt knapp 2000 Zuhörer fanden vor zwei Monaten den Weg in das Prinzregententheater, um Mickischs beiden Gesprächskonzerten zu lauschen. Aber am liebsten ist Mickisch in Wien, "wo ich selbst sehr viele Konzerte und Opern besuche". Natürlich tritt der Künstler in der österreichischen Hauptstadt auch auf. Denn dort fühlt er sich wohl. "Ein Hotel hat für mich extra die immer gleichen Zimmer reserviert, wenn ich komme."
Klar, Stefan Mickisch lebt für die klassische Musik. Aber sein Horizont ist viel weiter. "Im Grunde interessiert mich alles!" versichert er und weist darauf hin, dass er "eigentlich" hätte Philosophie studieren wollen. "Jetzt mache ich Philosophie nebenbei", erzählt Mickisch und freut sich schon enorm auf ein Treffen mit dem berühmten deutschen Star-Philosophen Peter Sloterdijk im nächsten Jahr in der Schweiz.
Ganz locker ist der 52-Jährige, wenn es um das Thema Pop-Musik geht. Da gibt es keinerlei Berührungsängste. "Zum Frühstück", so gesteht er schmunzelnd, "lege ich zum Beispiel gerne Udo Lindenberg auf, denn der ist echt gut". Auch Herbert Grönemeyer hat bei ihm einen Stein im Brett: "Das ist ebenfalls gut gemachte Musik!" Von den Beatles und ähnlichen Kalibern gar nicht zu reden...
Videos im Netz
Übrigens: Wer noch nie in einem von Stefan Mickischs klassischen Gesprächskonzerten war, kann auch im Internet einen Eindruck gewinnen. Einfach auf Youtube "Mickisch" eingeben, dann öffnen sich viele Video-Fundstellen.
Kopfkino und große Philosophie
Für die einladenden "Freunde der Kunst" und das Ortenburg-Gymnasium als Gastgeber war der Konzertabend mit Stefan Mickisch ein großer Erfolg. Wobei man nicht weiß, wen man mehr loben soll: Den Künstler für seine unterhaltsamen Erläuterungen und sein virtuoses Spiel, das Publikum für seine enorme Konzentrationsfähigkeit oder die Organisatoren, die dem Pianisten zum Spielen einen Steinway D-Flügel auf die Bühne stellten.
"Das ist der Lamborghini unter den Flügeln; noch höher als ein Porsche!", lautete Mickischs amüsante Bewertung. Diese Bildhaftigkeit macht das Besondere der Veranstaltungen mit dem Schwandorfer Künstler aus, der üblicherweise in den Konzerthäusern der Metropolen zu Hause ist.
Sehr gut besucht
Umso höher muss man es den Oberviechtacher "Freunden der Kunst" um Monika Krauß und Anne Gierlach anrechnen, dass sie den 50-Jährigen für ein Gastspiel im östlichen Landkreis gewinnen konnten. Stefan Mickisch versicherte den Besuchern, er schätze jedes Publikum gleich hoch, egal wo er auftrete. Diese Behauptung illustrierte er mit einem Satz seines vor zwei Jahren verstorbenen Lehrers Leonid Brumberg, der sich sicher war, dass man auch in kleinen Orten "fünf Zuhörer findet, die einen vollständig verstehen - in großen Städten sind es sechs...".
Das Konzert war derart gut besucht, dass Oberstudienrat Ludwig Pfeiffer und einige Schüler kurzfristig weitere Stühle heranschaffen mussten, so dass am Ende um die 300 Zuhörer in der Dreifachturnhalle des Ortenburg-Gymnasiums Platz fanden, unter ihnen Landrat Volker Liedtke und Gattin Brigitte. Trotz der vielen Menschen hätte man bei den langsamen und leisen Momenten eine Stecknadel fallen hören können, so aufmerksam war das Auditorium.
Auf dem Programm stand "Eine Alpensinfonie" von Richard Strauss, die den Aufstieg auf einen Alpengipfel und den folgenden Abstieg musikalisch schildert. "Programmmusik" meinen dazu manche abfällig. Für Stefan Mickisch steckt in dem gut 45-minütigen Stück viel mehr. Nämlich heroische Natur-Philosophie und die Feier des energischen Tatmenschen, der sich von Hindernissen nicht schrecken lässt. Festgemacht hat Mickisch diese geistige Einbettung an den Namen Friedrich Nietzsche (deutscher Philosoph) und Karl Stauffer (Schweizer Maler und Alpinist).
"Bergabenteuer"
Auch wenn das große Stück für ein großes Orchester geschrieben ist, stellte Stefan Mickisch dieses musikalische Bergabenteuer auf dem Flügel dar. Wie es schien, ohne Abstriche am Gehalt. Die ersten eineinviertel Stunden zog Mickisch aus der Schatztruhe der Motive die bestimmenden hervor, spielte sie an, erläuterte sie humorvoll und stellte sie in Zusammenhang mit Motiven aus Symphonien von Ludwig van Beethoven. Das nennt sich "Gesprächskonzert" und dafür gab es reichlich Zwischenapplaus.
Für Erheiterung sorgten Mickischs manchmal recht deftige künstlerische Bewertungen, etwa diese: "Das ist jetzt in As-Dur, das ist höher stehend, nicht so primitiv wie C-Dur. In C-Dur kann jeder Depp komponieren!" Natürlich kommt in der "Alpensinfonie" nicht nur As-, sondern auch C-Dur vor, etwa als der Bergsteiger den Gipfel erreicht. Da wird die Musik hell, klar, festlich. Auch hier hatte Mickisch eine kleine Pointe parat, die sich aus seiner Beschäftigung mit dem Werk ergeben hat: "Der Bergsteiger hat das Schweizer Massiv Mönch-Eiger-Jungfrau erklommen und nicht die Zugspitze, wie die Garmischer noch immer hoffen."
Übrigens hat Stefan Mickisch den genialen Münchner Komponisten Richard Strauss ("nicht zu verwechseln mit Johann Strauss oder Franz-Josef Strauß") als halben Oberpfälzer verortet: "Sein Vater stammte aus Parkstein." Nach einer Pause setzte Mickisch alle Fragmente zusammen, die er bereits vorgestellt hatte, und spielte "Eine Alpensinfonie" in einem Zug durch - fast eine dreiviertel Stunde lang. Eine sehr anstrengende Aufgabe, die er meisterlich umsetzte und für die er zu Recht lang anhaltenden Beifall bekam.
Neue CD erschienen
Wer sich die Werk-Erklärungen mit ihrem "hintergründigen Witz und fesselnder Rhetorik" (Anne Gierlach bei der Begrüßung des Künstlers) noch einmal anhören und sich die komplette "Alpensinfonie" in der Klavierfassung zu Gemüte führen möchte, kann auf die neueste CD-Veröffentlichung von Stefan Mickisch zurückgreifen. Sie ist kürzlich im Musikverlag Fafnerphon erschienen.
Regisseurin Julia Schnorrer stellt Kurzfilm vor: "Akzeptanz" feiert Premiere
Ein Herzenswunsch, so gestand Julia Schnorrer, erfülle sich gerade. "Heute habe ich Premiere", freute sie sich bei ihrer kleinen Ansprache im Union-Kino. Und wie Regisseure so sind: Sie denkt schon wieder an den nächsten Film.
Julia Schnorrer (Dritte von rechts) und ihr Filmteam Thomas Giegerich, Valentina Eimer, Tina Reuther, Shabana Hussain und Hartwig Ross sowie Musiker Eddy Gabler (von links) bei der Filmpremiere im Union-Kino.
Doch Sonntagabend ging es erstmal um den Kurzfilm "Akzeptanz", den die gebürtige Klardorferin Julia Schnorrer mit Spendergeldern, drei Schauspielern und einer kleinen Crew in Schwandorf gedreht und kürzlich fertiggestellt hat. Herein gekommen war das benötigte Geld per Crowdfunding. Das ist eine Art Spendensammlung im Internet, der in Schwandorf viele gefolgt sind. Zu den größeren Unterstützern gehörten Cornelia und Michael Horsch von der gleichnamigen Landtechnik-Firma, die folglich bei der Erstaufführung im Kino dabei waren. In dem gut gefüllten Kinosaal fand sich auch lokale Politprominenz ein, allen voran Alt-Landrat Hans Schuierer und Landtagsabgeordneter Franz Schindler. Auch zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl und der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Andreas Weinmann ließen sich die Premiere nicht entgehen.
Viele Großaufnahmen
Der Film selbst dauert etwa 17 Minuten. Jene, die für seine Realisierung gespendet hatten, konnten ihn vorab schon im Internet ansehen. Für die anderen entfaltete sich die Geschichte der Überwindung der Entfremdung von Vater und Tochter im Angesicht des nahen Todes zum ersten Mal, wobei die große Leinwand der Geschichte zugutekam, da Julia Schnorrer und ihre Kamerafrau, Tina Reuther sehr viel mit Großaufnahmen von Gesichtern arbeiten. Das funktioniert, weil die drei Schauspieler Daniela Jennings, Shabana Hussain und Thomas Giegerich ihr Fach verstehen. Sie transportieren mit ihrer Mimik in vielen Szenen die Geschichte, die am Ende sehr berührt.
Und darum geht es: Die beiden jungen Frauen Sam (Shabana Hussain), im Film eine englische Schriftstellerin, und Fiona (Daniela Jennings), die Karriere in der Geschäftswelt macht und die laut Drehbuch aus Klardorf stammt, führen eine innige, lesbische Beziehung. Fionas Vater Jörg (Thomas Giegerich) hat deshalb seine Tochter verstoßen. Jetzt aber, da bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde, sucht und findet er wieder den Kontakt zu seiner Tochter und es gelingt ihm, deren Liebes-Beziehung zu akzeptieren. Daher auch der Titel des Films "Akzeptanz".
In ihrer Danksagung vor der Premiere würdigte Julia Schnorrer, die sich als Künstlerin "Jayez" nennt, auch den Beitrag des Schwandorfer Musikers Eddy Gabler zum Film. Er hat das Titelstück beigesteuert. Hartwig Ross aus Wackersdorf hat den Soundtrack komponiert, Valentina Eimer war Produktions-Assistentin, für das Makeup sorgte Jenny Wieland, als Sound-Supervisor fungierte Thomas Werner.
Neuer Film: "The Hacker"
Wichtig war der Regisseurin der Hinweis auf ihren neuen Kurzfilm, der in diesen Tagen in einer Scheune in Klardorf entsteht. Er heißt "The Hacker" und wird auf Englisch gedreht, weil Julia Schnorrer zunehmend im englischsprachigen Raum arbeiten möchte. Auch für diesen Film sammelt sie Geld über Crowdfunding. Wer mag, kann sich noch beteiligen.
Veronika Mauel: Neues Buch springt auf Platz eins
Da verschlug es Veronika Mauel die Sprache. "Platz 1! Ich weiß nicht was ich sagen soll!" Kaum war ihr neues Buch als eBook erschienen, landete es auf einer Amazon-Hitliste ganz oben.
Der Roman ist auf zwei Teile angelegt. Band 1 mit dem Titel "Kai & Annabell: Von dir verzaubert" ist seit Anfang Oktober (2015) zu haben (in diesem Fall: herunter zuladen, etwa mit Kindle eBook). Band 2 soll im Dezember veröffentlicht werden.
Zusammen bringt die Geschichte über 500 Seiten auf die Waage. Und die können nun von jungen Leuten und Junggebliebenen verschlungen werden. Voraussetzung ist, dass man sich für eine romantische Liebesgeschichte begeistert, die viele spannende Momente aufweist.
Es geht um die beiden Schüler Kai und Annabell, die dem Buch den Titel geben. Annabell, die behütete Arzttochter, und Kai, der jede Nacht mit seiner Gang um die Häuser zieht. Während Annabell ihre wahre Familiengeschichte hinter einer Sonnenbrille versteckt, verbirgt Kai sein Leben hinter einem abgewetzten Punk-Look und einer Null-Bock-Einstellung. Dass ihn gerade die blonde Schulschönheit, die unter einem gewalttätigen Vater leidet, um Hilfe bitten würde, hätte er sich niemals träumen lassen.
Ein Textzitat als Beispiel: "Ich sehe erschrocken, wie sich seine andere Hand auf meine Sonnenbrille zubewegt. Blitzschnell fährt mein Arm in die Höhe, doch der Junge ist noch schneller und zieht mir mit einem Ruck die Brille von der Nase. Im gleichen Augenblick fällt ihm buchstäblich das arrogante Grinsen aus dem Gesicht." So beginnt die Freundschaft der Teenager, von der die Autorin flott und anschaulich erzählt. Der Text ist so gut, dass sich der renommierte deutsche Carlsen-Verlag des Manuskripts angenommen und es ziemlich schnell herausgegeben hat.
Dass das Werk nicht gedruckt wurde, sondern als eBook vertrieben wird, scheint seinem Erfolg nicht entgegen zu stehen, im Gegenteil. Kaum war die Geschichte im Netz zu haben, sprintete sie in der Amazon-Kategorie "eBooks Jugendbücher" auf Platz eins. Da steht sie zwar jetzt nicht mehr, das Buch findet sich aber noch immer in den Top 20.
Vielleicht liegt das auch daran, dass Veronika Mauel in dem Roman beide Sichtweisen einnimmt. Mal schreibt sie aus der Perspektive des Mädchens aus gehobener Schicht, mal im derben Unterschichten-Slang des Jungen. "Das war nicht ganz leicht, sich da immer wieder umzustellen", verrät die Autorin schmunzelnd.
Gute Resonanz
Als Schriftstellerin ist die 35-jährige Mutter von drei Kindern bislang eher im Bereich Fantasy hervorgetreten. Natürlich ging es auch dort um Liebe und Action, aber jetzt ist sie schreibend in der deutschen Gegenwart gelandet. Das scheint ihr auch neue Leserschichten zu eröffnen, wie die vielen, positiven Kommentare schließen lassen, die seit der Veröffentlichung bei ihr eintreffen - aber auch im Netz nachzulesen sind.
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Weitere Informationen im Internet:
http://www.amazon.de/Kai-Annabell-Band-Von-verzaub...
Die Maler Horst und Helga Stano: Ausflug in zwei Welten
Horst R. Stano und Helga Katrin Stano sind aus München angereist, um einige Tage in Schwarzenfeld zu verbringen. Das Künstlerpaar bereitet eine Doppel-Ausstellung vor, für die am Sonntag in Nabburg Doppel-Vernissage ist - seine Bilder hängen von 2. März bis 15. April (2012) im Nabburger Stadtmuseum Zehentstadel, ihre über den gleichen Zeitraum einige Meter weiter im Museum im Schmidt-Haus in Nabburg.
Beide Künstler haben biografische Wurzeln in Schwarzenfeld und sind dem Markt bis heute verbunden. Auch wenn die Stanos seit Jahrzehnten in München leben und arbeiten, wo sie in jungen Jahren ihr berufliches Glück gesucht und gefunden haben - er in leitender Stellung in der Baubranche, sie bei einem Großkonzern. Zwischenzeitlich sind sie in Rente, was beiden mehr Zeit für die Malerei lässt. Horst R. Stano hat sich vor einigen Jahren sogar ein eigenes Atelier in Schwabing eingerichtet.
"Wir kommen häufig nach Schwarzenfeld", verrät Horst R. Stano (70), ein jüngerer Bruder des früheren Marktrates und Unternehmers Helmut Stano ("Möbel Stano"). Auch seine Frau Helga Katrin (65) hat hier Verwandtschaft: Sie ist eine geborene Steinbacher, ihr Vater war Glaser. Während sie aber eine gebürtige Schwarzenfelderin ist, kam die Familie Stano am Kriegsende mit einem Flüchtlingstreck aus dem Sudentenland in die Oberpfalz und wurde in Schwarzenfeld heimisch.
Die Malweisen des Paares unterscheiden sich deutlich, sowohl vom Stil wie auch von der Ausführung her. Horst R. Stano liebt den kräftigen Zugriff, wie ihn der abstrakte Expressionismus ermöglicht. Seine großformatigen Bilder entstehen ohne Vorgaben, sie sind ein Produkt seiner künstlerischen Intuition und Inspiration. Mit Malern wie Jackson Pollock, der dieser Stilrichtung mit zum Durchbruch verhalf, hat er gemeinsam, dass seine Gemälde nicht an der Staffelei entstehen, sondern während des Malakts auf dem Boden liegen oder auf einem Tisch. Im Lauf des kreativen Prozesses kristallisieren sich für Stano dann aus dem abstrakten Mustern Bezüge heraus, die in die Realität deuten, oder in die Historie. "Ich arbeite das Potential heraus", erklärt er seine Vorgehensweise, die vom Chaos ins Geordnete und häufig in archaische Regionen (ent)führt.
Ganz anders geht Helga Katrin Stano an ihre Bilder heran. Mit den Worten "Landschaften voller Ruhe und Stille" hat vor einiger Zeit ein Zeitungsartikel ihre impressionistischen Gemälde beschrieben. Ihre Bilder sollen zu den Menschen sprechen, sie berühren, Träume und Hoffnungen wachrufen. ___ Weitere Informationen im Internet: http://www.st-art-stano.de
Christian Huber, der Herr der Fruchtfliegen
Ein Oberpfälzer in Berlin: Das kann ja heiter werden. Und tatsächlich: Es wurde heiter. Der Beleg ist das erste Buch von Christian Huber, der die twitternde Netzgemeinde seit längerem als "Pokerbeats" zum Schmunzeln bringt. Nun kann er sich auch eine analoge Fan-Gemeinde schaffen.
"Fruchtfliegendompteur" nennt sich das Buch, das der renommierte Piper-Verlag vor einigen Wochen herausgebracht hat. "Geschichten aus dem Leben und andere Irritationen" will das 280 Seiten dicke Erstlingswerk erzählen. Und das macht es ausnehmend amüsant. Denn der 31-Jährige (2016), der in Regensburg auf die Welt gekommen ist, in Schwandorf aufwuchs und seit fünf Jahren in Berlin lebt, ist ein selbstironisch-freundlicher Beobachter des ganz normalen Lebens in der Bundeshauptstadt. Dort begegnen ihm jeden Tag mehr Skurrilitäten als in der bayerischen Provinz in einem Monat - vom Fasching einmal abgesehen.
Voller Situationskomik
In einem Interview mit der Kulturredaktion hat Huber vor zwei Monaten berichtet, in Berlin falle man nicht so schnell auf: "Da dreht sich niemand um, wenn in der Straßenbahn ein Fahrgast mal keine Hose, aber dafür einen Sombrero oder einen Indianerschmuck trägt. Man sieht hier wirklich oft schräge Gestalten. Da überlegt man, was für Geschichten hinter den Menschen stecken."
Hubers Buch ist voller Situationskomik, die sich aus dem Leben des jungen Künstlers und seinen Begegnungen in Berlin ergibt. Besonders genau sieht Huber hin, wenn es um seine Altersgenossen geht, deren Macken und Marotten er immer wieder aufs Korn nimmt - und sich selbst gleich noch dazu, etwa seinen Hang zum Hypochondrischen. Das erinnert ein bisschen Woody Allen, der in seinen Filmen und Büchern regelmäßig sein Sterbeglöckchen läuten hört, auch wenn ihm in Wirklichkeit nichts fehlt.
Beängstigendes Leiden
Die erste Miniatur des Buches handelt folgerichtig vom dauernden Schwindelgefühl der Hauptfigur, die dem beängstigenden Leiden mit Hilfe von Google auf die Spur kommen will. "In einem schwachen Moment, in dem der Schwindel wieder besonders stark war und mich schon am frühen Nachmittag auf die Couch zwang, habe ich "Schwindelgefühl über Wochen Grund" in die Google App meines Smartphones eingegeben. Die Suchergebnisse waren alarmierend: "Hirntumor, nur noch drei Wochen zu leben" war noch eine der optimistischsten Diagnosen." Hausarzt Dr. Haberkorn ist da realistischer: "Weniger arbeiten und nicht dauernd auf das Smartphone starren", lautet sein nüchterner Rat.
Lesung in Schwandorf
Diesen Tipp wird Christian Huber sicher nicht beherzigen. Denn er ist einer der ungekrönten Twitterkönige in Deutschland - und so jemand kommt ohne Smartphone gar nicht aus. Sagenhafte 27 000 Follower hat der Wahl-Berliner bereits, die er täglich mit knackigen und lustigen One-Linern versorgt. Wer Christian Huber aus seinem Buch vorlesen hören möchte, der hat dazu am Donnerstag, 7. April in Schwandorf Gelegenheit. Da tritt er um 19.30 Uhr im Oberpfälzer Künstlerhaus auf (siehe folgenden Text).
Christian Huber liest im Oberpfälzer Künstlerhaus : Die Leichtigkeit des Weins
Hin und wieder verlässt ein junger Schwandorfer seine Heimatstadt, um wo anders als Künstler sein Glück zu machen. Meist sind es Maler, seltener Musiker, es gibt aber auch die Schauspielerin Anna Maria Sturm, die in diese Kategorie passt. Relativ einzigartig steht Christian Huber da, der gerade dabei ist, als Schriftsteller berühmt zu werden.
Im gut gefüllten Dachgeschoss des Oberpfälzer Künstlerhauses hat Huber nun bei einem Kurztrip in die frühere Heimat ein Gastspiel gegeben. Die Zuhörer lernten dabei einen witzigen, pointensicheren Autor kennen. Der 31-jährige (2016) Wahl-Berliner stammt eigentlich aus dem Schwandorfer Ortsteil Klardorf, dem er hin und wieder einen Besuch abstattet - meist zu Familienfeiern. Sein jüngster Besuch hatte den Zweck, sein Buch "Fruchtfliegendompteur" vorzustellen. Wobei das Werk ein Selbstläufer zu sein scheint. Viele haben es bereits gelesen und sich von seinem Humor anstecken lassen. Andere haben zumindest über Christian Huber etwas gelesen, unter anderem in dieser Zeitung, die dem aufstrebenden Sprachartisten bereits mehrere Artikel gewidmet hat. Und dann gibt es noch überwiegend junge Leute, die Huber unter seinem Alias-Namen Pokerbeats kennen. Unter diesem Pseudonym mischt er die deutsche Twitter-Szene auf, indem er täglich kurze, punktgenaue und zum Schmunzeln anregende Beobachtungen aus dem Alltagsleben veröffentlicht. Zehntausende wollen das zwischenzeitlich lesen. Etwas mehr Platz für seine absurd-lustigen "Geschichten aus dem Leben und andere Irritationen", so der Untertitel des im Piper-Verlag erschienenen, 280 Seiten umfassenden Taschenbuchs, hat er sich beim Verfassen des "Fruchtfliegendompteur"-Manuskripts gelassen. Sein Alter Ego Christian wird darin gebeutelt vom Großstadtleben im allgemeinen und seinen Ansprüchen an sich im speziellen, an denen er immer wieder grandios zu scheitern droht - um nicht selten dann doch noch bauernschlau die Kurve zu kriegen. Etwa in der Geschichte "Die unerträgliche Leichtigkeit des Weins", in der er am Ende dem schnöseligen Verkäufer und seinem überteuerten Angebot mit ein paar coolen Sprüchen ein verbales Schnippchen schlägt.
Leben im Widerstand
Karin Schulz hat schon eine Menge erlebt. „Und ich habe mir immer Aufzeichnungen gemacht“, sagt sie. So hatte sie am Ende genug Stoff für ihr erstes Buch, das aus Schwandorf in die brodelnde Großstadt Berlin führt, zu Punks und Hausbesetzern. Und am Ende wieder zurück, in eine weitere konfliktreiche Auseinandersetzung hinein.
Die aus Schwandorf stammende Autorin Karin Schulz mit ihrem Maskottchen Dino, einem Chinesischen Schopfhund, und ihrem Buch „Egal“. Es erzählt vom Leben in der Hauptstadt, dem Häuserkampf im Berlin der 1980er Jahre, dem Widerstand gegen die WAA und den Wurzeln in der oberpfälzischen Provinz.
Die Hauptfigur des Buches, das starke autobiografische Anklänge besitzt, hat den sprechenden Namen Nadine Schreiber. Sie ist das literarische Alter Ego der 57-jährigen Autorin Karin Schulz, die sich in Romanform über ihre „wilde“ Dekade vom Ende der 1970er Jahre bis zum Super-Gau von Tschernobyl 1986 Rechenschaft ablegt. Unterstützt wird die Geschichte vom Aufbruch eines unangepassten Mädchens aus der bayerischen Provinz in die damalige Hauptstadt der Chaoten und Anarchos durch zahlreiche Fotos. Darunter sind beeindruckende Aufnahmen etwa der berühmten Band „Einstürzende Neubauten“, der Karin Schulz bei Konzerten in den angesagten Punkschuppen nahe kam – arbeitete sie doch als Musikfotografin, die dabei einen entsprechenden Bilderschatz angesammelt hat. Andere Motive zeigen das Innere und die Fassaden von besetzten Häusern, in denen Karin Schulz lange gewohnt hat, oder auch Spaßguerilla-Aktionen der Besetzer, die sich immer wieder mit der Polizei auseinandersetzten.
Doch bis dahin ist es für die Hauptfigur Nadine Schreiber und damit auch für die Autorin noch ein weiter Weg. Er beginnt im „Herz der bayerischen Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin“, wie Schwandorf in dem Buch vorgestellt wird. Die beschauliche Idylle ist auf Dauer nichts für die junge Frau von 17, 18 Jahren, die ums Haar einen angehenden Juristen geheiratet hätte. „Das würde mein Leben sein. Bis ins Alter festgelegt im Korsett der Konventionen“, erkennt sie in einem Moment der Klarheit. Sie löst die Beziehung und setzt sich mit einem Bekannten aus der alternativen Szene der Kleinstadt nach Berlin ab.
So mutig und freiheitsliebend die Hauptfigur ist, Berlin macht es ihr nicht leicht. Es ist das Berlin der Mauer, der Kriegsdienstverweigerer, der Hausbesetzer und Revolutionäre. In diesen Kreisen bewegt sie sich mit Anfang 20 und die Jahre darauf, wird hineingezogen in die vehementen Auseinandersetzungen zwischen denen, die die besetzten Häuser auf jeden Fall verteidigen wollen gegen die Staatsmacht, und jenen, die auch zu Verhandlungen mit dem Senat und den Eigentümern bereit sind. Hitzige Diskussionen und handfeste Polit-Action wechseln sich ab. Dazu kommt für die junge Frau ein Wechselbad der Gefühle, in das sie durch ihre zahlreichen Freunde und Liebschaften gestoßen wird.
Politisch desillusioniert
Aber sie ist zäh, bildet sich schulisch weiter, sucht eine Arbeit, überwindet Liebesleid und -frust – und erlebt politische Desillusionierungen. Nicht nur in ihrem direkten Umfeld, sondern auch in Kuba, das von außen wie ein sozialistisches Paradies wirkt, aber sich bei einem Besuch als genau das Gegenteil erweist.
Mittendrin ist die Hauptfigur, als es Mitte der 1980er Jahre in Wackersdorf zur Sache geht. Die Auseinandersetzung um die WAA nimmt an Schärfe zu. „Zwei Todesopfer, das Oberpfälzer Frühjahr verfinstert sich“, heißt es im Roman über die Geschehnisse im Jahr 1986. „Nach einem Gerangel zwischen Polizei und Atomkraftgegnern erliegt Erna Sielka einem Herzinfarkt.“ Die Radikalisierung des Widerstands geht damit Hand in Hand. Und noch ein Todesfall, von dem Karin Schulz im Buch berichtet: Nach einem CS-Gas-Einatz der Polizei klagt der 38-jährige Alois Sonnleitner über Atembeschwerden, stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus an einem Asthmaanfall. Schließlich die Katastrophe von Tschernobyl im April des gleichen Jahres. Damit schließt sich der Kreis der Erzählung.
„Am Ende dieser Jahre bin ich auf dem Boden der Realität gelandet“, versichert die Autorin, die einen zweiten Band vorbereitet. Er handelt davon, wie sie dem hektischen Polit-Aktionismus den Rücken kehrte und sich spirituellen Themen zuwandte. „Für Religion habe ich mich schon immer interessiert, das war für mich immer ein Riesenfragezeichen und ein Ärgernis“, gesteht sie. Bis sie auf die Werke des indisch-amerikanischen Philosophen Jiddu Krishnamurti stieß, der ihr eine neue Sicht auf die Dinge anbot. „Wir sind so gebunden, so gewöhnt an unsere Fluchtwege, dass wir sie für das Wirkliche halten“, steht daher als Spruch von Jiddu Krishnamurti dem Buch voran. Vor sechs Jahren gründete Karin Schulz in Berlin sogar eine Dialoggruppe, die sich mit dem vor 30 Jahren verstorbenen spirituellen Lehrer befasst.
Das Buch
„Was nützt mir eine Lebensversicherung, wenn ich nicht lebe?“, fragt Nadine, eine junge Fotografin. Sie trennt sich von ihrem konservativen Verlobten, verlässt kurz entschlossen die bayerische Heimat und schließt sich im Westberlin der Achtzigerjahre den Hausbesetzern, der Anti-AKW-Bewegung und der Punkrockszene an. Hin und her gerissen zwischen Rebellion und politischer Realität versucht sie, sich ihren Idealismus zu bewahren und ihren eigenen Weg zu finden. Häuserkampf in Berlin-Kreuzberg, Widerstand gegen Atom kraft in Wackersdorf und Gorleben, Super-GAU in Tschernobyl – der Roman „Egal“ ist das Zeugnis einer bewegten Zeit. In authentischen Episoden, mit zahlreichen Orginalfotografien versehen, lässt er die erregte Stimmung kraftvoll lebendig werden.
1. Auflage 2016, 322 Seiten, Taschenbuch, Preis: 14,90 Euro.
Die Autorin
Karin Schulz wurde 1959 in Schwandorf/ Bayern geboren. 1978 zog sie nach Westberlin. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete in einem Jugendwohnprojekt. Danach besuchte sie die SFE, eine selbstverwaltete Schule für Erwachsenenbildung. Sie betätigte sich freiberuflich als Musikfotografin, lebte in verschiedenen besetzten Häusern und engagierte sich in der Anti-AKW-Bewegung. Seit der Geburt ihrer Tochter verdient sie bei der Arbeiterwohlfahrt, Abteilung Vormundschaften, ihren Lebensunterhalt.