Admincase #1
Diese Geschichte gehört neben einer anderen zu meinen liebsten Geschichten, da es unfassbar ist, diese Aussagen von einem Kollegen zu hören, der mindestens seit 20 Jahren in der IT arbeitet.
Ich muss etwas weiter ausholen.
In unserer Firma haben wir eine sehr dezentrale Struktur und sind sozusagen der Kopf der IT, der aber den dezentralen Einrichtungen keine wirklichen Vorschriften machen darf, sondern... nennen wir es nett "Empfehlungen aussprechen darf". Das macht alles etwas komplizierter. Bevor ich zu weit aushole kann man es sich so vorstellen, dass wir die Hoheit über das Netzwerk haben und man über den Vorstand die dezentralen Einrichtungen dazu bewegen kann das zu tun, was man von ihnen will.
Wir haben, wie jede größere Firma ein Softwaredeployment mit dem wir über das Netz auf jedem beliebigen Rechner Software installieren können. Die Paketierung erfolgt zentral und hängt an einigen Bedingungen. Eine Bedingung ist natürlich, dass eine gültige Lizenz vorhanden ist. Darauf kommen wir aber später noch einmal zu sprechen.
Grund für die damals vorliegende Anfrage war, dass ein Update auf Windows 7 testweise stattfinden sollte. Das ist ja eigentlich kein Problem, denn zum derzeitigen Zeitpunkt war Windows 7 schon mehr als 2 1/2 Jahre RTM und war über MSDN verfügbar. Zwei bis drei Monate später war es dann auch dezentral im Umlauf, nur scheinbar ging dieses Betriebssystem an einigen Leuten vorbei. Wie auch in diesem Fall.
Ausschlaggebend war nicht direkt Windows 7, sondern Office 2010, was gleich mit aktualisiert werden sollte. Die bisherige Installation war mit Office XP und Windows XP doch etwas in die Jahre gekommen, aber durchaus lauffähig und funktional.
Das Problem selbst lag aber auch nicht direkt an Office, sondern an einem Plugin, dass in Office 2010 nicht mehr lief. Dieses Plugin war ein Literatur Plugin und dezentral an einer dreistelligen Anzahl von Computern im Einsatz.
Nun stand besagtes Update an und es wurde festgestellt, dass das Plugin so nicht läuft. Da wir zentral aber auch Office XP sowie Office 2010 bereitstellen war die Nachfrage da, dieses Plugin über die Softwareverteilung bereitzustellen und hier kam der Stein dann ins Rollen.
Hier ein Gedächtnisprotokoll von dem Telefonat
Ich: "Ja, wie können das Plugin schon bereitstellen. Wieviele Installationen davon habt ihr denn?" Er: "Ja, wir haben schon Computer im dreistelligen Bereich, das sollte doch machbar sein, oder?" Ich: "Ja klar, das ist alles kein Problem. Die Frage ist halt, ob das Plugin irgendwelche Lizenzschlüssel, oder sowas benötigt. Die bräuchten wir dann!" Er: "Das ist kein Problem, man muss da nur so eine Datei hinlegen, die schaltet dass dann frei" Ich: "Okay... Brauchen wir dann für jede Installation eine separate Lizenzdatei?" Er: "Nene, ich habe damals eine erstellt und die kann man dann einfach kopieren und dann läuft das" Ich: "Wie eine erstellt und das läuft dann?" Er: "Die Software prüft ja nicht, ob der Lizenzschlüssel mehrfach vergeben wurde, darum funktioniert dass dann auch ohne dass man für jede Installation einen separaten Lizenzschlüssel benötigt" Ich: "Aha... Okay... Aber Lizenzen habt ihr dann ausreichend gekauft, oder?" Er: "Joa, wir haben damals eine gekauft und naja, die Software überprüft ja nicht, ob das geht, oder nicht" Ich: "Wie eine Lizenz gekauft?" Er: "Ja, wenn es die Software nicht prüft..." Ich: "Du willst mir erzählen, dass es am Hersteller liegt, dass ihr granatenmäßig unterlizensiert seid?" Er: "Naja, aber es funktioniert ja" Ich: "Dann könnte man ja mal nachlizensieren, oder einfach mal die aktuelle Version die auf Office 2010 läuft kaufen, oder?" Er: "Es gibt keine Aktuelle Version, die Firma existiert nicht mehr" Ich: "Tja, gut gemacht. Du erzählst mir gerade, dass du eine Lizenz auf hunderten Rechnern betreibst und dich nun darüber wunderst, dass die Firma zu gemacht hat?" Er: "Ja, also halt ja. Ich würde ja ein paar Lizenzen bestellen, wenn es die Firma noch geben würde" Ich: "Mit ein paar Lizenzen wäre es nicht getan. Pass auf, bevor du nicht genug Lizenzen aufweisen kannst werden wir das Plugin nicht bereitstellen. Wir stellen keine Illegale Software bereit." Er: "Ja, aber ich kann doch nicht x hundert Lizenzen beschaffen, mein Chef steigt mir ja auf das Dach!" Ich: "Ja, das stimmt, dass kannst du nicht, das musst du und wenn dir dein Chef auf das Dach steigt, dann nur zu recht. Melde dich wieder, wenn du nicht mehr unterlizensiert bist!" [klick]
Ich war geschockt. Nicht nur, das es einem nichts ausmacht illegale Software zu betreiben, sondern auch noch die Frechheit besitzt die Schuld hier an den Hersteller abzuwälzen, da dieser keine Prüfung auf parallel Installationen macht. Wen wundert es, dass kleine Firmen pleite gehen bei solchen Vorgehensweisen.












