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Mein Weg in Afrika
Meine Eltern hatten mir letztes Jahr versprochen, dass sie mit mir gemeinsam nach Südafrika fliegen. Ok, vielleicht hab ich sie ja auch dazu überredet… Was leicht war, als ich damals so lange unterwegs war. Im Endeffekt sind meine Mama, mein Onkel (der mich auf meiner Reise eine Woche in Frankreich begleitet hat) und ich geflogen.
12 Tage Südafrika. Die ersten beiden Nächte verbrachten wir in Johannesburg bei einer Bekannten. Der Frühling zeigte sich dort von seiner schönsten Seite: alles blüht und man merkt, wie sich die Leute bereits auf den Sommer freuen.
Mit unserem Mietauto ging‘s weiter nach Durban, wo wir wieder zwei Nächte blieben. Und einen Tag mit Schwester Marco verbrachten, die uns Jabulani und Durbans Townships und Umgebung zeigte. Insgesamt € 2.100,- konnte ich für Jabulani zusammensammeln und zu meiner großen Freude den Spendenscheck sogar persönlich überreichen.
DANKE an euch alle, die ihr mir dabei geholfen habt, diese Summe zu erreichen! Schwester Marco wird mich am Laufenden halten, wie mit dem Geld geholfen wird.
Nach dem kurzen, aber intensiven Aufenthalt ging‘s für uns mit dem Flieger bis Port Elizabeth. Von dort weg wieder mit dem Auto. An der Küste, die Garden Route, entlang. Wir sahen Affen, exotische Vögel, Wildkatzen und Elefanten. Die Parks, in denen wir waren, kann ich nur empfehlen: die dort untergebrachten Tiere wurden meist von Zoos, anderen Parks oder sogar Privatbesitzern aufgenommen. Ja, so ein ausgewachsener Tiger ist dann irgendwann doch nicht mehr so süß…
Bei uns laufen Rehe oder Hasen über die Straße, hier waren es Schildkröten und Paviane. Insgesamt sind wir ca. 2000km gefahren. Und haben in der kurzen Zeit wahnsinnig viel gesehen. Selbst eine Pinguinkolonie südwestlich von Kapstadt – offensichtlich brauchen die nicht unbedingt die Kälte, wie man (ich) es vielleicht vermuten würde.
Ich stand bei Cape Agulhas am südlichsten und bei Cape Point beim südwestlichsten Punkt Afrikas. Ein eigenartiges Gefühl, wenn man da hinaus blickt und weiß, dass da nichts ist zwischen hier und der Antarktis…
Südafrika ist ein wunderschönes Land, das von atemberaubender Natur und wahnsinnig freundlichen Menschen geprägt ist. Ein Land, in das ich sicher zurückkehren werde.
Auf meinen Spuren – Tag 5 Schwarzau – Mariazell 34,92km
3:43 – der Wecker läutet. 4:20 – Frühstück. 5:06 – Losgehen.
Sternenklare Nacht, als wir losgehen. Und eiskalt. Wenigstens sehen wir unseren Weg durch die vielen Sterne gut. Nach und nach wird es heller und um kurz nach 6:00 geht dann auch schön langsam die Sonne hinter uns auf. Gerade, als es allmählich bergauf geht. Erst führt uns ein Schotterweg hoch, auf dem wir gleich ins Schwitzen kommen und aufgeteilt gehen, jede/r in seinem Tempo.
Ich bleibe immer wieder stehen, um zurück zu blicken und auch Fotos zu schießen. Wie so oft: ich sehe zwar selten Sonnenaufgänge, aber wenn, sind sie etwas ganz Besonderes. Einfach wunderschön. Im Gegensatz zum letzten Jahr komme ich sehr viel schneller voran. Es ist noch nicht heiß. Die Motivation trotz der frühen Stunde noch reichlich vorhanden.
Das letzte Stück rauf auf das Preintaler Gscheidl führt auf einem schmalen Pfad, der gesäumt ist von Kreuzen und Gedenktafeln. Eine Tafel der Pfarre Nebersdorf finde ich diesmal auch. Ich lasse mir Zeit auf diesem Teilstück des Weges und denke wieder darüber nach, wie viele tausende Pilger hier bereits unterwegs waren…
Den höchsten Punkt des Tages und unserer gesamten Reise überschreiten wir auf ca. 1115m. Oben angekommen geht’s auch direkt raus aus dem Wald. Ich bin die letzte und genieße noch einen Moment alleine den Ausblick. Eine verlassene Hütte ein Stück unter mir, um mich nur Berge (ohne Schnee diesmal) und Wälder. Und eine atemberaubende Stille, die nur durch Vogelgezwitscher unterbrochen wird. Ich sauge die Ruhe regelrecht in mir auf.
Runter durch die noch nasse Wiese. Ein LKW, der Holz führt, durchbricht vor mir die Idylle. Einige Höhenmeter weiter unten treffe ich auf die anderen, die bereits jausnen. Vor uns liegen 8km monotonen Schotterweges. Fast immer rechts und links der Wald, stur geradeaus. Wir könnten auch im Kreis laufen, so wenig verändert sich die Landschaft.
Schon vor unserer geplanten Ankunftszeit kommen wir bei der nächsten Raststation an, wo mein Opa mit dem Frühstück kommt. Somit haben wir bereits vor 10:00 die ersten 16km des Tages geschafft. Was jetzt kommt, finde ich viel schlimmer, als den letzten Berg hochzugehen. Das letzte Stück bis Mariazell führt nämlich hauptsächlich die Straße entlang. Harter, stinkender Asphalt. Mit kaum Schatten. Denn jetzt wird es auch schon heiß. Die lange Hose hab ich bereits gegen eine kürzere gewechselt.
Wenn ich so zurück denke an letztes Jahr… Dann fühlt es sich so an wie gestern. Als ich mich diesen Weg entlang geschleppt hab, um unbedingt noch in Mariazell anzukommen. Dieser Schmerz scheint wohl tief in mir zu sitzen, denn ich fühle ihn durch und durch. Doch ich kann mich davon befreien. Irgendwie beflügelt es mich doch, hier wieder entlang zu gehen. Den letzten Hügel, die Serpentinen hoch überhole ich unzählige Leute. Oben angekommen durchschreite ich den kleinen Torbogen, der mich letztes Jahr nicht gekümmert hat. Am kalten Stein streife ich die Strapazen und Schmerzen des letzten Jahres ab. Und erlöse mich selbst davon.
Nach und nach kommt der Rest meiner Truppe an. Wie die anderen Gruppen, die ich hier oben beobachte, sind auch wir glücklich, endlich angekommen zu sein. Alle mehr oder weniger erledigt, aber mit einem Lächeln im Gesicht.
Einmarsch in Mariazell, kurz in die Basilika, dann Essen und frisch machen. Nach der Abendmesse geht’s mit meinem Opa bereits heim.
Danke an alle, die dabei waren und während dem Gehen auch geduldig meine ständigen Geschichten ertragen haben, was ich denn alles hier und da erlebt hab und dass ich jede einzelne Bank, auf der ich letztes Jahr gesessen bin, erwähnt hab. :)
Erkenntnisse dieser 5-tägigen Reise: 1.) Vieles von letztem Jahr erschien mir wie gestern. Die Wegbiegungen, meine Rastplätze, wo ich mich mit wem unterhalten oder telefoniert hab, meine Gedanken und Gefühle zwischendurch,… All das hat sich auf Dauer eingeprägt. 2.) An dem letzten Tag nach Mariazell letztes Jahr hab ich tatsächlich einen Gewaltmarsch hingelegt. Ca. 37km. Wahrscheinlich die weiteste Strecke, die ich damals in dem ganzen halben Jahr gegangen bin. 3.) Vielleicht ist Gehen ja doch nicht so meins. Nach 5 Tagen reicht’s mir auch schon wieder und ich bin froh, nicht weiter gehen zu müssen.
Auf meinen Spuren - Tag 4
Puchberg - Schwarzau im Gebirge 25,72km
Besser geschlafen, besser aufgestanden, besser losgegangen. Die ersten 3,5km eilen wir regelrecht dahin - 5,3km/h schnell. Bis wir endlich den Schotter erreichen und die Steigung beginnt. Ist mir nur sehr recht. Mir war schon kalt neben dem Bach.
Über die Schotterstraße also hoch, mal steiler, mal weniger. Über Weiden, den Kühen Hallo sagen. Letztes Jahr waren hier noch keine oben.
Der höchste Punkt des Tages mit 996m. Ein paar Meter runter und wir haben es zur Mamauwiese geschafft. Ein Stück Kuchen und in der Sonne liegen als Belohnung.
Abstieg. Wieder ein ausgetrockneter Bach. Beim runter Gehen spür ich wieder meine Blasen auf den Fersen. Und ich bin nicht die einzige, die sich schwer tut. Eine Kollegin fährt das letzte Stück wegen ihrer Blasen mit dem Auto. Zurück auf der Straße machen wir am Rastplatz Pause. Sogar ein Tischtuch haben wir dank meiner Oma. :)
Ich wechsle auf meine Laufschuhe. So viel leichter. Und weicher. Ein paar Kilometer auf Asphalt in der prallen Sonne.
Jetzt trennt sich unsere Gruppe kurz - drei von uns umgehen den kommenden Hügel auf der Straße. Ich entscheide mich natürlich gegen den Asphalt, meinen Erzfeind. Also, Hügel rauf, Hügel runter. Sehr schön im Wald.
Eine letzte kurze Rast, bevor es das letzte Stück zu unserer Unterkunft geht. Aber wir verweilen nur kurz, um schonmal den kommenden Berg hoch zu gehen. 2km, die wir uns morgen Früh ersparen. Ich bin nochmal topmotiviert und laufe streckenweise sogar - ohne Rucksack, nur mit dem Navi in der Hand ist es nochmal leichter. Ausgepowert und durchgeschwitzt, aber zufrieden endet der Tagesmarsch.
Erkenntnis des Tages: Meine Wanderschuhe sind schon schwer
Auf meinen Spuren - Tag 3
Pitten - Puchberg am Schneeberg 28,11km
Unruhige Nacht, aber Sonnenschein am Morgen. Zu 6. geht's weiter. Im Moment noch als reine Frauenrunde.
Gleich mal über einen kleinen Hügel. Und dann wird's auch schon langsam heiß beim Abstieg.
Durch den Wald (die Baumstämme, auf denen ich letztes Jahr gesessen bin, sind weg), über eine vierspurige Straße (ohne meinen großen Rucksack kann ich zumindest laufen), über die Schienen und nach Mollram (das Stück Karte, das ich hier verloren hab, ist natürlich nicht mehr vorhanden. Und die Kühe im Stall haben heute leider keine Musikunterhaltung).
Ich esse am selben Rastplatz wie letztes Jahr einen Apfel. Heute gönn ich mir sogar ein Eis danach. Diesmal ist es ja richtig Luxus-Wandern.
Nach Mollram durch den Nadelwald. Heuer fallen mir erst die vielen Brombeerbüsche auf, die den Großteil des Waldbodens bedecken. Die selbe Stille wie letztes Jahr. Zumindest fast. Ein Stück vor uns eine 16-köpfige Gruppe aus einem Nachbarort. Wir überholen uns den ganzen Tag immer wieder gegenseitig.
In Würflach kommt mein Opa dazu. Er fährt ab jetzt als unser Begleitfahrzeug mit. Erstmal Rucksack fast komplett entleeren und dann essen, als hätten wir die letzten Tage nichts bekommen.
Durch die Johannesbachklamm. Zu Beginn völlig ausgetrocknet. Selbst unsere "Stammesälteste", die heuer zum 18. Mal nach Mariazell geht, hat das noch nicht erlebt. Eine düstere und beklemmende Stimmung. Je weiter wir rauf kommen, desto größer wird das Rinnsal. Aber mehr wird's auch nicht.
Durch ein paar kleinere Orte - ich finde mit Insider Wissen vom letzten Jahr eine Abkürzung wieder und erspare uns ein steiles Stück über einen Sattel. Und das war's auch schon. 2,5km noch die Straße runter uuuund gute Nacht (natürlich nach dem Abendessen und einer Flasche Wein - hallo Luxus!).
Erkenntnis des Tages: Wälder können Menschen zum Schweigen bringen. Steigungen auch.
Auf meinen Spuren - Tag 2
Sieggraben - Pitten 24,85km
Déjà-vu beim Aufstehen. Es regnet leicht. Beim Losgehen hat's aber auch schon wieder aufgehört. Heute geht's zu 5. weiter. Rauf hinter dem Haus. Falsch abbiegen. Querfeldein, über Stock und Stein, in den Wald hinein. Über eine Wiese und zurück auf den Weg. Ca. 5km auf einem Waldweg gerade dahin. Das beste, was es gibt. Die Bank, auf der ich letztes Jahr gesessen bin.
Kaum raus aus dem Wald beginnt es wieder zu regnen. Rauf nach Forchtenstein Rosalia. Die Stelle, an der mir zum ersten Mal meine Isomatte herunter gefallen und davon gerollt ist. (Ach, wie lang hat es gedauert, bis ich die beste Adjustierung für alles hatte.)
Rosalienkapelle mit Ausblick auf die Burg Forchtenstein und den Neusiedlersee. Der ist mir letztes Jahr garnicht aufgefallen. Die Sicht ist heute fast genauso trüb und verregnet.
Abstieg. Auweh. Teilweise stehen die Brennesseln wieder mannshoch neben uns. Dornenbüsche reißen an unserer Kleidung. Ich bin froh, dass ich meine Regenkleidung trage, andernfalls wäre ich jetzt komplett zerkratzt.
Kurz durchs Tal an ein paar einsamen Häusern vorbei. Über den letzten Hügel. Der letzte Abstieg, bei dem ich mir tatsächlich den Weg frei schlagen muss, weil er komplett verwachsen ist. Ich frage mich, wie der Mountainbiker hier durch gekommen ist, dessen Spuren noch zu sehen sind...
In Walpersbach rasten wir noch kurz im Wirtshaus, bevor wir die Straße durch Bad Erlach nach Pitten nehmen. Damit wir nirgends mehr rauf müssen. Musik hilft gegen den Asphalt. Die Blasen auf den Fersen hält sie aber nicht fern.
Highlight des Tages: Die vielen Brombeeren am Wegesrand.
Auf meinen Spuren - Tag 1
Nebersdorf - Sieggraben 28,3km
Nach über einem Jahr bin ich endlich wieder wandern. Und zwar die ersten ca. 140km meines Weges. Bis Mariazell. Heute ist es anders. Wichtigster Unterschied: wir sind durchgehend mit Sonnenschein gesegnet.
Den ganzen Tag durchlebe ich den ersten Tag meiner Reise wieder. Erinnere mich und meine heutigen drei Gefährtinnen an die kleinsten Erlebnisse. Wo ich gerastet habe, wo ich meine erste Blase versorgt habe. Und ich weiß noch genau, wo ich wen getroffen oder wo ich mit wem telefoniert hab.
Ein bisschen Ablenkung, nebenbei in Erinnerungen schwelgen. Die 28km hierher sind nicht im Entferntesten mit den Strapazen des letzten Jahres zu vergleichen. Trotzdem sind meine Beine und Füße etwas beleidigt. Ich war doch etwas faul in den letzten Monaten. Die Blasen bahnen sich auch schon an. Aber ich werde das Beste aus diesem kleinen Spaziergang machen.
Erkenntnis des Tages: Bisher habe ich in dem Glauben gelebt, dass ich den E4 (der einen Großteil meines Weges ausgemacht hat) erst in Waidhofen erreicht hab. Heute hab ich eine Tafel gefunden, die das Gegenteil beweist. Ein kurzes Stück des E4 führt zumindest durch Sieggraben durch.
Kinder, wie die Zeit vergeht… Heute ist es 1 Jahr her, dass ich meine Reise begonnen habe. Es sollten 6 ½ Monate werden, die mich so intensiv prägen würden, wie ich es nie erwartet hätte. 203 Tage voller Höhen und Tiefen. Hoffnungen, Träumen, unerwarteten Wendungen. Herumgehen, rauf gehen, runter gehen, in mich gehen. Erlebnisse, Orte und Menschen, die ich auf ewig in meinem Herzen mit mir tragen werde. Orte, die ich vermisse. Orte, die ich nie wieder sehen werde. Orte, an die ich zurück kehre, um mich ihrer zu erinnern und wiederum neue Erinnerungen zu schaffen. Begegnungen, die ich trotz vergessener oder nicht genannter Namen für immer im Gedächtnis behalten werde. Begegnungen, die zu Freundschaften wurden. Erkenntnisse. Über Menschen um mich herum. Über Beziehungen in meinem Leben. Über mich. Lehren fürs Leben. Städte. Strände. Wälder. Berge. Natur pur. Freunde und Familie. Gerüche. Genüsse. Neue Orte, neue Leute, neue Worte. Neue Sprache. Mit Händen und Füßen. Lächeln. Ein großer, roter Rucksack. Ein kleiner Stoffbär. Ein Mädchen, das zur Frau wird. Eine Frau, die ihr erstes, großes Abenteuer erlebt. 203 Tage voller Erinnerungen, die meine Geschichte schreiben.
Mittlerweile bin ich schon drei Monate wieder daheim. Die Zeit scheint wie im Flug zu vergehen. Nach meiner Heimkehr war ich ca. zwei Wochen hauptsächlich damit beschäftigt, herum zu fahren und Freunde zu treffen. Und auch mit dem Kopf anzukommen. Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob mir das ganz gelungen ist. Je gelingen wird. Denn schon bald, nachdem sich die erste Freude über die Wiederkehr langsam gelegt hat, holt mich das Fernweh ein. Der nasskalte Winter mit nur wenigen sonnigen oder wirklich schönen schneeigen Tagen trägt dazu bei, dass ich so schnell wie möglich weg will. Am besten irgendwo in den Süden. Zurück zur Sonne. Ich bin nunmal ein Sonnenkind. Gerade zur jetzigen Jahreszeit, wo es tagelang kein bisschen blauen Himmel, geschweige denn Sonne zu sehen gibt, ist es schwer. Winterdepression, definitiv. Sport im Freien? Nein, danke. Alle paar Tage schaffe ich es dann doch, mich zu überwinden. Und wenn ich mich bewege, merke ich auch, dass die schwindenden Wadenmuskeln doch noch vorhanden sind. Zu Weihnachten hab ich gleich mal wieder zugenommen (ca. 6kg hatte ich während meiner Reise abgenommen). Jetzt ist wieder mehr Disziplin gefragt! Wenn man nicht darauf angewiesen ist, durch Bewegung weiter zu kommen… dann ist der innere Schweinehund plötzlich noch lauter. An schönen Tagen möchte ich mehr Radfahren gehen. Denn meinen nächsten Trip möchte ich auf zwei Rädern antreten. Die Idee: nachdem ich zu Fuß Afrika erreicht hab, möchte ich als nächstes mit dem Rad nach Asien. Istanbul. Vorläufig für den Sommer 2016 angepeilt. Also hab ich auf jeden Fall mehr Planungszeit als beim letzten Trip. Und in der Zwischenzeit? Ja, genug Ideen hab ich immer wieder. Mal sehen, wo es mich spontan als nächstes hin verschlägt :)
Tag 203 Heimflug
Frühmorgens breche ich auf. Es ist noch dunkel, als ich zum Bahnhof gehe. Die Schalter sind noch geschlossen. Da brauch ich erstmal, bis ich erstens checke, dass es zwei verschiedene Ticketautomaten gibt, und zweitens, welches das richtige Ticket ist. In der Zwischenzeit fährt mir der Zug davon. In einer halben Stunde geht der nächste. Nur, dass dieser nur bis Jerez und nicht zum Flughafen geht. Also von Jerez mit dem Taxi weiter. Unterwegs hab ich noch Stress, als ich ankomme, merke ich, dass ich mit meinem einberechneten Puffer auch noch mehr als genug Zeit hab. Der Flughafen Jerez ist nämlich einer der kleinsten, auf dem ich je war. 6 Flüge heute den ganzen Tag.
Check-In. Gewicht meines Rucksacks: 14,5kg. Das heißt, dass ich in der letzten Woche mit Verpflegung sicher 20kg hatte. Wow. Kommt mir vom Gefühl her viel weniger vor, als am Anfang.
Warten… Frühstücken. Dann geht’s rein in das kleine Flugzeug. Nicht einmal 1 Stunde Flugzeit bis Madrid. Da geht sich gerade aus, dass die Stewardessen einmal durch fahren. Rauf, kurz dösen, runter. Ein wackeliger Landeanflug, eine harte Landung.
Der Flughafen in Madrid ist riesig. Mit einem Zug muss ich von einem Terminal zu den anderen fahren. So viele Designershops. Aber ich will doch nur ein Buch! Endlich finde ich einen kleinen Shop. Die restliche Wartezeit vertreibe ich mir mit lesen (“Hector and the search for happiness” - Francois Lelord) und völlig überteuertem Essen.
Fast drei Stunden Flugzeit. Lesen und Musik hören. In der letzten Stunde vor der Landung werde ich ganz aufgeregt. Teilweise Freudentränen, dabei mit fettem Grinser vor mich hin strahlend. Turbulenzen kurz vorm Landeanflug. Die Frau links über den Gang neben mir bekreuzigt sich erneut und klammert sich an den Sitz vor ihr. Ein panischer Blick in meine Richtung. Ich strahle zurück.
Der Moment der Landung, als die Räder auf österreichischem Boden aufsetzen… Bis endlich die Türen geöffnet werden (wobei natürlich Leute dabei stehend warten), scheint ewig zu dauern. Ich eile hinaus. Überhole viele Leute. Warte mit Ungeduld auf meinen Rucksack.
Mein Begrüßungskomitee besteht aus 16 Leuten - engste Familie und Freunde. (Und einem Kamerateam vom ORF. Wildfremde laufen vorbei und schießen Fotos mit ihren Handys, denken wohl, dass da ein Promi angekommen ist.^^) Es ist wundervoll, alle wieder in die Arme schließen zu können. Dieses Gefühl ist kaum in Worte zu fassen. Bis wir endlich fahren, dauert es also noch ein bisschen. Zuhause angekommen dreh ich eine Runde im Haus. Ein neuer Duschvorhang, neue Bankbezüge… Ansonsten scheint alles beim Alten. Die Dusche ist wundervoll, ich erinnere mich dabei wie gestern an meine letzte hier. Noch ein tolles Highlight: die Kastentüren zu öffnen und den Geruch frischer Wäsche in der Nase zu haben.
Erkenntnisse des Tages: 1.) Ich hab mich tatsächlich mit der Zeit sehr an das Gewicht meines Rucksacks gewöhnt. 2.) Heim kommen. Einer der schönsten Momente überhaupt.
Spruch des Tages: Goodbyes are not forever, goodbyes are not the end. They simply mean I miss you, until we meet again.
Lied des Tages: The Passenger - Iggy Pop
Nachtrag: als Frau alleine reisen
Wie es ist, als Frau alleine zu reisen? Supertoll und nur zu empfehlen! Ich bin mir sicher, dass ich viele Erlebnisse und Begegnungen hatte, grade weil ich allein unterwegs war. Doch natürlich gibt es auch die Schattenseite. Über die ich bisher nichts geschrieben hab, da meine Eltern und auch Großeltern meinen Blog lesen. Und ich ihnen nicht noch zusätzliche Sorge auflasten wollte. Meine erste negative Begegnung hatte ich Ende August. Im Süden Frankreichs. Nur ein paar Stunden, nachdem mein Onkel seinen Heimweg angetreten ist, sitze ich in einer Parkbucht einer vielbefahrenen Straße. Ein Mann hält, setzt sich zu mir. Ich denke erst noch, dass er sich nett unterhalten will, so wie es bisher immer der Fall war. Versuche noch in meinem gebrochenen französisch ein paar Sätze zu sagen. Als der Mann seinen Arm um meine Schulter legt und näher rückt, dämmerts mir dann. Und ohne seine Worte zu verstehen, verstehe ich sein "Angebot". Glücklicherweise reicht es hier, dass ich ihn erstmal wegschiebe und mit ein paar definitiven "no" abweise. Mit den vielen vorbei fahrenden Autos ist diese Situation auch nicht allzu gefährlich. Trotzdem... Mir graust es den Rest des Tages vor Männern. Alles toll, bis ich nach Spanien komme. Der Süden ist einfach anders... Einige Male werd ich angemacht. Sogar als ich mit Patrick gemeinsam den Strand entlang laufe. Also wirklich, was denken sich die Männer? ...manche offensichtlich, dass es die "Wanderhure" tatsächlich gibt. Was mir am prägendsten in Erinnerung geblieben ist: ein Radfahrer (Sportlern gegenüber bin ich generell immer positiv gesinnt), der mich am Nachmittag am Strand aufhält. Ein Stück weiter vorne sitzt ein altes Ehepaar, hinter uns geht eine Frau mit ihrem Hund. Natürlich kann dieser Typ wieder nur spanisch. Dauert also etwas, bis er mir dann mit den Worten "chupa-chupa conmigo" und eindeutiger Gestik dazu klar macht, dass er mir Geld für Sex anbietet. Mir ist nur schlecht. Ein anderes Mal, ein einsamer Strand. Ich befinde mich gerade zwischen zwei Campingplätzen, mache Pause, als mir ein andorrischer Polizist begegnet. Ja, so viel hab ich ihn verstanden (spricht wieder nur spanisch und französisch). Und dass er Nudist ist und mich auf ein gemeinsames Bad einlädt. Ich lehne ab, er geht weiter in meine Richtung. Als ich zwei Minuten später an ihm vorbei gehe, präsentiert (Details möcht ich euch ersparen) er sich nackt auf den Felsen... Also ja, als Frau allein zu reisen mag auch mal beinhalten, dass man Angebote für Sex erhält (auch mal frühmorgens mitten in der Stadt von einem verzweifelten alten Mann, der alles anmacht, was zwei Beine und Brüste hat). Oder dass vorbei laufende Männer einen scheinbar mit Blicken ausziehen. Und ich war nur in Europa... Ich bin froh, dass es mir gut geht, dass ich nie in wirklich brenzligen Situationen gelandet bin. Was ich Positives daraus gelernt habe? Vorsichtig zu sein, nicht jedem blind zu vertrauen und gewappnet zu sein. Nur für den Fall des Falles. Aber genug des Negativen. Mädels, Frauen! Reist alleine und genießt es! Wir stehen über diesen Männern, die Frauen nur als (Sex-) Objekt sehen! Solche Begegnungen sind nur ein Bruchteil dessen, was ich sonst erlebt habe. Und ich lasse das wenige Negative sicher nicht das viele Positive geringer erscheinen! PS: Ein paar Selbstverteidigungsgriffe und ein Pfefferspray können trotzdem nie schaden. ;)
Tag 202 Ende - letzte Tage in Spanien Wow, heute mach ich mich tatsächlich schon auf den Weg. Teilweise hab ich bereut, das Flugticket gekauft zu haben. Denn hier in Tarifa habe ich Leute gefunden, mit denen ich Marokko etwas erkunden hätte können. Was ich mich allein nicht getraut hätte/habe. Ich packe nach dem Frühstück gemütlich zusammen, überlege noch, ob ich den Bus um 11:30 oder 14:30 nehmen soll. Entscheide mich dann doch für den späteren. So kann ich entspannt noch eine Runde drehen und mich von diesem Ort hier verabschieden. Ich sitze am Mittelmeer und genieße ein letztes Mal das Rauschen, mit Blick nach Afrika. Gehe nochmal zum Leuchtturm. Stehe nochmal zwischen Mittelmeer und Atlantik. Einfach faszinierend, dieser Ort, diese Zusammenkunft. Noch kochen und gemeinsames Essen. Mit Emma aus Frankreich fahr ich nach Cádiz. Die älteste Stadt Europas. Im Hostel einchecken, die Stadt erkunden. Die letzten warmen Sonnenstrahlen saug ich in mich auf. Genieße den Moment mit einer neuen Freundin und einem Bier. Und natürlich gibt's an meinem letzten Abend in Spanien Tapas. Bis auf den Moment, als ich realisiere, dass das ein Oktopus ist, auf dem ich herum kaue - in meinem vegetarischen Salat! - ein schöner, entspannter Abschlusstag.
Tag 201 Tanger, Marokko, AFRIKA Endlich, heute ist es so weit! Schon in aller Früh hüpf ich herum und freu mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Meine beiden gestrigen Begleiter, Rob und Holland, und ein Deutscher, Stef, nehmen mit mir die Fähre. Nach etwas mehr als einer Stunde kommen wir an. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für mich! Ich kann garnicht aufhören zu strahlen. Der interessanteste Teil natürlich: die Altstadt. Wir irren umher, verirren uns in den kleinen Gassen, erkunden die Gegend. Kleine Shops, sehr touristisch. Aussichtspunkte mit Blick nach Spanien. Mittagessen (Tagine) gibt's auf einer Dachterrasse mit tollem Ausblick. Einchecken im Hostel (mit cooler Dachterrasse) für Rob und Holland. Die beiden werden noch 3 Tage in Marokko verbringen. Jetzt sind wir mit einem Stadtplan ausgerüstet. Aber wirklich brauchen tun wir ihn nicht. Einfach so rumlaufen macht ja mehr Spaß. Am Strand finden wir einen Mann - und zwei Kamele! Kann ich das auch abhaken. :) Der Markt, in dem auch Mägen rumhängen, ist von den Fleisch- und Fischgerüchen her nicht so meins... Postkarten (die einzigen Souvenirs, die es von meiner Reise gibt) sind gekauft, geschrieben werden sie auf der Hostel-Dachterrasse, während die Muezzine über den Dächern zum Gebet rufen. Ein ganz eigener Moment in der Dämmerung... Stef beschließt doch, die nächste Fähre zu nehmen, um die letzten Stunden seines Geburtstags mit seiner Familie (Frau und Baby sind im Hostel geblieben) zu verbringen. Suche nach einem authentischen Restaurant. Dauert etwas, aber im Endeffekt finden wir ein nettes Plätzchen. Die Jungs bringen mich noch zum Hafen, da heißts dann Abschied nehmen. Viele neue Eindrücke. Eine ganz andere Mentalität. Ich bin froh, nicht allein hier gewesen zu sein, und den Kulturschock mit meinen Begleitern verdauen zu können. Danke für den schönen Tag! :)
Tag 200 Ende - letzte Tage in Spanien Kurz nach Mitternacht, nach dem Flamenco (komplett anders, als die eine andere Show in Sevilla, die ich gesehen hab), stoßen wir auf meinen 200. Tag an. 200! Schon gestern wurden Fähren gestrichen. Zu stürmisch. Und auch heute Vormittag: bis auf weiteres keine Fähren nach Tanger! Jetzt sitz ich also hier in Tarifa, sehe rüber nach Afrika, komm aber nicht hin. Und regnen soll es zumindest das Wochenende noch. Verdammt, das kann doch jetzt nicht wahr sein! Zwei junge Männer (einer aus Texas, beide in Sydney lebend) hier im Hostel haben um Mittag herum eine Kitesurf-Stunde. Ich hab sonst nichts vor, der Lehrer nichts dagegen, wenn ich mitkomme. So krieg ich gratis eine Einführung ins Kitesurfen, zumindest die Theorie. Bis der Regen beginnt. Kurz warten, ob es vergeht. Als wir eh schon klatschnass sind, beginnt es noch ärger zu schütten. Nein danke, die Stunde wird an einem anderen Tag fortgesetzt. Sogar die ganz harten Surfer kommen aus dem Wasser. Die heiße Dusche zurück im Hostel belebt meinen Körper wieder. Kurz später bin ich mit meinen beiden Begleitern zurück am Strand. Diesmal aber in einer Tapas-Bar direkt neben dem eingeheizten Ofen sitzend. Ein wundervolles spätnachmittägliches Lichtspiel der Sonne in den Wolken. Fotoshooting am Wasser und bei einem verlassenen Haus. Jetzt hab ich wenigstens ein paar tolle Fotos von hier. Zurück zum Hostel. Sehr nette Leute, alle zusammen. Hier lässt sich's chillen. Noch ein letztes Mal ausgehen zum Abendessen. Und müde ins Bett fallen.
Tag 199 Ende - letzte Tage in Spanien Ich wache auf - ein Donnerschlag. Keine Orientierung. Wo bin ich, im Zelt? Es dauert ein paar Minuten, bis ich klar im Kopf werde. Bis mir bewusst wird, dass ich nicht mehr irgendwo in der Wildnis im Regen sein werde. Jedenfalls nicht für nächste Zeit. Ich vertrödel den ganzen Vormittag mit duschen, zusammenpacken, am Handy rumhängen. Málaga interessiert mich nicht wirklich, ist eigentlich nur gezwungenermaßen ein Zwischenstopp. Und der Regen tut nochmal seines dazu, dass ich mich nicht raus beweg. Ich merke, dass ich ziemlich erledigt bin. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend, physisch und psychisch. Um kurz vor zwölf check ich aus. Hol mir mein Busticket nach Tarifa (das nur zwei Mal am Tag, 7:30 und 13:30 angefahren wird). Noch ein Tee und ein Schokocroissant im Bahnhof. Und ab geht's an den südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Diesmal denke ich mit und setze mich links in Fahrtrichtung. Immer wieder Bombenausblicke auf die Küste(nstädte). Ja, trotz Regen ganz nett anzusehen. In Marbella schüttet es noch. Danach lichten sich die Wolken etwas, die Sonne scheint ab und zu hervor. Algeciras. Ein riesiger Hafen, wirklich ewig lang. Container, Verladestationen... Gegenüber ist Gibraltar zu sehen, die Häuser am Fuß des Hügels. Es regnet wieder ein bisschen. Aber nachdem ich vormittags so down war deswegen, bin ich jetzt von Vorfreude erfüllt. Next stop: Tarifa! Die Scheiben sind nass. Es geht bergauf. Was ich als nächstes sehe, kommt für mich unerwartet. Berge. Aber Moment, das ist doch nicht mehr Gibraltar?! Zum ersten Mal in meinem Leben erblicke ich durch diese nassen Busscheiben einen anderen Kontinent: Afrika! Gerade war ich noch am Schreiben, jetzt sitz ich mit offenem Mund da und kann nicht aufhören, aus dem Fenster zu starren. Es ist ein unbeschreiblicher Moment. Ein Stück weiter und erneut ein Wow-Moment: der Blick von hier oben runter nach Tarifa. Eine kleine Stadt mit für mich großer Bedeutung. Hier bin ich endlich wirklich angekommen. Ein Hostel hab ich mir letzte Nacht rausgesucht, also ab durch den Regen dorthin. Eingecheckt und gleich wieder raus. Zum Leuchtturm, der auf einer kleinen Insel ist, wo ich am südlichsten Punkt Europas stehe. Wo sich Mittelmeer und Atlantik treffen. Links ruhige Wellen, rechts die großen des Ozeans, wo sich trotz dieses grässlichen Wetters einige Surfer und weiter hinten Kitesurfer in die Wellen schmeißen. Der Regen wird stärker und ich pitschnass. Aufwärmen und Abendessen. Später geht's noch zur Flamenco-Show mit ein paar Leuten aus dem Hostel. Bunte, lustige Truppe. Erkenntnis des Tages: Auch wenn du denkst, du weißt, was auf dich zu kommt... Es kann dich trotzdem noch unerwartet treffen.
Tag 198 Tagesetappe: kurz nach Los Albaricoques - ALMERÍA Um 7:00 fang ich an, mich zusammenzupacken. Ca. 20 Minuten später kommen zwei Männer mit Taschenlampen ums Eck. Die beiden, die mich gestern Abend beim Zelt aufstellen gesehen haben. Ich grüße höflich mit "Bon dia", einer grüßt zurück. Dann gehen sie in der Finsternis weiter. Ich frage mich, was gewesen wäre, wäre ich da nicht schon gerade am zusammenpacken gewesen... Frühstück gibt's unterwegs. Mein Pfefferspray, das ich seit ein paar Tagen am Brustgurt trage, ist griffbereit, mein Finger "am Abzug". Bis ich durch diese erste Gruppe an Plantagen durch bin, die Sonne aufgegangen ist und mir nicht jede Menge Männer auf dem Weg in die Arbeit begegnen. Erst nach zwei Stunden bleib ich zum ersten Mal stehen, um kurz was zu trinken. Ich habe gerade eine größere Straße erreicht, damit die Plantagen hinter mir gelassen und kann das Meer wieder sehen. Und Google Maps sagt, dass es von meinem jetzigen Standort nur 22km nach Almería sind. Was am Morgen noch eine vage Idee war, ist jetzt der fixe Plan: heute Nachmittag werde ich den Hafen von Almería erreichen, wo "das große Wandern" ein Ende hat. Aber erstmal die Straße entlang. Mal kurz was Essen. In Retimar bieg ich dann endlich zum Meer ab. Ich bin müde. Doch ein Apfel, ein paar gute Lieder und einmal um die Ecke biegen und den Vorort Almerías sehen später geht's mir schon wieder blendend. Die Promenade entlang, die in eine MTB-Strecke übergeht. Am Flughafen vorbei. Ein Freund hat mich gestern gefragt, ob ich nicht schwermütig bin, jetzt am Ende. Da hab ich noch nein gesagt. Jetzt laufen die letzten 6 1/2 Monate nochmal vor meinen Augen ab. Die Strapazen, die Blasen, der viele Regen, die Berge. Und die Begegnungen, alle Leute, gemeinsame Zeiten, Erinnerungen an all das Gute. Ja, da mischt sich schon etwas, nein viel Wehmut mit ein... Promenade von Costacabana. Endspurt. Tatsächlich. Nochmal mach ich eine Pause, bleibe länger sitzen. Da vorne, 2km weiter noch um den Zipfel rum, beginnt Almería. Der starke Gegenwind bremst meine Schritte. Ich kämpfe dagegen an. Und merke, wie weh mir meine Füße tun. Die Sohlen brennen, ich hab neue Blasen und wunde Stellen, wo meine Socken löchrig sind. Wahrlich ein Kampf auf die letzten Meter. Der Strand. Und in der Ferne seh ich den Schornstein einer Fähre. Wow, dort also ist mein Ziel. Ein Stück noch. Ein Stück Weg, auf dem ich wieder nicht begreifen kann, was es denn eigentlich zu bedeuten hat. Was mir den Rest des Weges im Kopf rumspukt, sind folgende Zeilen: "Flames to dust, lovers to friends. Why do all good things come to an end?" Auf und ab. Ich muss mich selbst erinnern, dass ich eigentlich mehr einen fetten Grinser drauf haben sollte. Rufe mir andere Lieder ins Gedächtnis, die immer helfen. Und doch steh ich plötzlich ganz verloren vorm Hafen. Was, das war es jetzt? Das ist es? Ein einziges Foto lass ich von mir machen. Und jetzt? Die jonglierenden Männer ein paar Meter weiter an der Kreuzung frag ich nach der Busstation. Eineinhalb Stunden später sitz ich auch schon im Bus. Kurz nach 23:00 komm ich in Málaga an, check in einem Hostal gleich neben dem Bahnhof ein. Und ziehe mir endlich die Schuhe aus (wollte nicht den ganzen Bus verstinken^^). Was für ein Gefühl. Ein paar Minuten später ist auch der Heimflug für Montag gebucht. Erkenntnis des Tages: Mein Glaube hat mich so weit gebracht. Aber nicht der Glaube an irgendeine Kirche. Sondern der Glaube an mich selbst. Und dass alles möglich ist.